Wandern war in meinen Kindertagen immer ein großes Ereignis, besonders wenn es in die Berge ging. Das Anstrengende laufen über Stock und Stein, Wurzeln und Matsch, das hatte es mir schon immer angetan. Schließlich wartete am Ende der Strapazen immer eine tolle Aussicht vom Gipfel auf das umliegende Land.
Was mir früher so viel Spaß gemacht hatte, fiel mir vor Kurzem auf, hatte ich schon lange nicht mehr aktiv betrieben. So richtig in den Bergen gewandert war ich schon ewig nicht mehr. Warum also nicht mal wieder in die Berge fahren und ein bisschen durchs Geäst stolpern?
Gesagt getan, am gestrigen Sonntag schnürten wir also unsere Wanderschuhe und machten uns auf ins Allgäu zum Manzenberg. Auf dem, so hatte ich recherchiert thront nämlich Deutschlands höchste Burgruine, die Burg Falkenstein.
Ich hatte im Vorfeld mangels Wanderkarten ausgiebig im Internet recherchiert und mich für diesen Berg entschieden, weil er (1) nicht so hoch ist, (2) von mehreren Webseiten das Prädikat „familienfreundlich“ bekam und (3) die Tour einen Rundweg bildet.
Zu finden war der Berg recht leicht, die Beschilderung ist gut und die 1 ¾ Stunden Fahrt von Augsburg aus, sind gerade noch erträglich. Auch die inzwischen fast 11 Monate alte Tochter hatte nur eine „Windelpause“ nötig.
Der Parkplatz am Fuße des Manzenberges war für das herrliche Wetter am Sonntag ziemlich leer, lies uns aber auf wenig „Verkehr“ auf den Wanderwegen hoffen.

Pfronten
Ich hatte wohlweißlich die Wanderroute ausgedruckt, denn nach ein paar Schritten war der „offizielle“ Wanderweg durch ein Tor versperrt worden und wir standen da, wie die Ochsen vor selbigen. Mit Kind auf dem Rücken und zwei kletterunwilligen Mädels im Schlepptau kam ein übersteigen dieses Hindernisses nicht infrage. Also gabs schon zu beginn einen ärgerlichen Umweg.
Aber irgendwann kamen wir dann auch endlich in den schattig-kühlen Wald und stiegen unaufhörlich unserem Ziel entgegen. Der Weg entpuppte sich aber schon recht früh als wenig familienfreundlich, die Wege waren zwar sehr gut gepflegt, aber arteten dann doch in ganz schöne Kletterpartien aus. An manchen Stellen ging es sogar bedenklich steil nach unten, während man einen sehr schmalen Weg entlangbalancieren musste. Mit Kindern an der Hand stelle ich mir das alles etwas stressig vor.

Schöne Blick auf die Vils von der Falkenburg aus.
Auch die Beschilderung ließ etwas zu wünschen übrig. Auf etwa der Hälfte der Strecke ging es für fast 10 Minuten wieder ziemlich steil nach unten, während man die Burgruine umrundete. Ein, zwei Schilder mehr, die uns gesagt hätten, dass wir noch in die richtige Richtung liefen und ein paar Entfernungsangaben hätten hier sicherlich motivierend gewirkt.
Aber ich will nicht zu viel meckern, die Wege waren wirklich sehr gut zu begehen und trotz des Regens am Vortag fast überhaupt nicht matschig. Der schöne Ausblick auf die Vils, die sich am Fuße des Berges entlangschlängelte entschädigte für vieles.
Das letzte Stück hinauf zur Ruine war dann allerdings wirklich hart für uns teilweise ungeübte Wanderer, aber selbst mein recht fitter Bruder kam ins Schwitzen, als endlich die Mariengrotte in Sicht kam.

Lädt ein zur Rast, die Mariengrotte
Die in einer natürlichen Felsspalte errichte Marienfigur soll müden Wanderern Trost schenken, genau das, was wir also gerade brauchten. Noch mehr Trost spendete uns allerdings das Gasthaus/Hotel ein paar Meter weiter. Das bot uns etwas Rast und Stärkung, leider mit etwas happigen Preisen und nicht sonderlich viel Auswahl an Speisen.
Nach der Pause gings dann die paar wenigen Stufen hinauf zur Burgruine, vielmehr zur Hausruine, denn was anderes war castrum Pfronten eigentlich nie gewesen. Dennoch konnten wir dank der in der Ruine errichteten Plattform wunderbar ins umliegende Land blicken und sogar einen Blick auf Neuschwanstein erhaschen.
Der Rückweg gestaltete sich dann etwas entspannter als der Aufstieg, dank der asphaltierten Straße, die hinauf zum Hotel führt. Die Straße führte uns direkt zu unserem Auto zurück. Das Töchterlein bekam das allerdings nicht mehr mit, sie war auf den Rücken gebunden sanft eingeschlummert.
Alles in allem ein schöner, aber auch anstrengender Ausflug – so wie es halt sein soll. Bis auf die irreführende Bezeichnung „familienfreundlich“ kann ich die Route eigentlich nur empfehlen. Für gänzlich unerfahrene Wanderer ist das allerdings sicherlich ein bisschen viel auf einmal. Dafür geht’s teilweise einfach zu steil bergauf und bergab.
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