April 2006


Ich lebe jetzt schon seit einer Ewigkeit in Augsburg und war noch nie in der Fuggerei. Man fährt nach Italien, Frankreich, Griechenland oder sonst wohin, um sich große Kultur anzusehen, alte Bauwerke, Kunst und andere Sehenswürdigkeiten. Was einem vor der Nase liegt, wird aber regelmäßig übersehen.

So auch die Fuggerei, bekannt als älteste noch bestehende. Sie wurde 1516 vom namensgebenden Jakob Fugger gegründet. Der bot die schicken 60m2-Wohnungen in ruhiger Stadtlage dann den bedürftigen Augsburgern für nur einen Rheinischen Gulden Jahresmiete an. Sicher nicht nur aus purer Selbstlosigkeit, denn eine der Voraussetzungen, um in der Fuggerei zu leben, ist neben der katholischen Konfession auch drei mal täglich für das Seelenheil des Stifters zu beten. An den Regeln hat sich bis heute nichts geändert, auch an der Miete nicht, nur das die inzwischen schwer auftreibbaren Gulden durch 88 Cent Jahresmiete ersetzt wurden.
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Als ich diese Woche erstmals auf den Campus der Uni Augsburg fuhr, bekam ich einen Schock. Nicht nur ich, auch mein Kommilitone, mit dem ich unterwegs war. Wir sahen uns mit einem sehr seltsamen Plakat konfrontiert. Uns kam der Gedanke alte Anti-Kommunistische Propaganda vor uns zu sehen, zeigte das Plakat doch Brechts Kopf durchgestrichen.

Was war geschehen? Hassten die Augsburger Brecht jetzt etwa mal wieder? Augsburg hatte ihren berühmtesten Sohn ja nicht immer so gern gehabt. Oder sollten nur Leute die, wie Brecht aussehen, nicht auf den Campus umherlaufen?

rauchfrei

Bei näherer Betrachtung des Plakats beruhigten wir uns aber wieder. Es war gar nicht gegen Brecht gerichtet, nein, gegen seine Zigarre, die er lässig im Mundwinkel zerkaut. In großen freundlichen Lettern stand dort nämlich: „Willkommen in der rauchfreien Universität Augsburg“. Puh – nochmal Glück gehabt. Im Inneren der Uni gab es dann auch weniger irreführende Plakate.

Das ist sie also, die schon zitierte Plakataktion. Nur die Aschenbecher im Freien hab ich noch nicht gesehen, dafür liegen jetzt vor jedem Ausgang gewaltige Mengen an Zigarettenstummeln.

Und wieder verschwindet ein Stück liebgewonnener Altertümlichkeit aus Augsburg, wie ich heute wieder leidvoll erfahren musste, doch beginnen wir am Anfang: Heute sollte es ja nach München gehen, Vorbesprechung unseres VHB-Seminars. Das bevorzugte Beförderungsmittel ist in diesem Falle natürlich die Bahn, mit dem Bayernticket ist das ja schön günstig.

Für unseren Kurztrip in die Landeshauptstadt müssen wir natürlich zum Augsburger Hauptbahnhof und der ist wirklich typisch für Augsburg. Die Bahnhofshalle wurde 1843 und 1846 errichtet und ist somit eines der ältesten noch genutzten Bahnhofsgebäude in einer deutschen Großstadt. Ein wirklich imposanter Bau, der zurecht unter Denkmalschutz steht.

Was dann aber hinter der Haupthalle beginnt, ist nicht wirklich zeigenswert. Die Bahnsteige bestehen aus ziemlich heruntergekommener Betonarchitektur, die mich immer wieder veranlasst schnell in den Zug einzusteigen und wegzufahren.
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Es ist jedes Semester das gleiche Bild. Die Vorlesungen fangen an und keiner hat seinen Stundenplan komplett. Jetzt rennen alle Studierenden wie aufgescheuchte Hühner durch die gegen und versuchen irgendwo noch irgendwas zu belegen.
Die Dozenten sind auch nicht besser, sie schaffen es durch geschickt gewählte Vorbesprechungstermine ganze Studententräume eines stressfreien Unistarts zu zerstören.

Mir geht es auch nicht besser, ich rotiere im Moment und versuche es irgendwie zu schaffen an verschiedenen Orten gleichzeitig zu sein. Mein filigranes Stundenplankonstrukt ist derzeit extrem gefährdet. Es sieht zwar im Großen und Ganzen noch ganz gut aus, aber schon ziehen unheilvolle Wolken am Horizont auf. Es kann sein, dass mein Meisterwerk an Organisation und Planung durch ein einziges Seminar zerstört wird. Aber warten wir die ersten Wochen ab, es wird sich zeigen.

Eine Überraschung der zwiespältigen Art ereilte mich grade noch rechtzeitig vor dem zu Bett gehen. Morgen früh gibt’s noch keine Wirtschaftskurse, die starten erst nächste Woche. Was für mich heißt, ich kann ausschlafen und doch nach München, um dort einer Vorbesprechung zu einem VHB-Kurs zu besuchen, die ich eigentlich schon abgeschrieben hatte.

Ich verschiebe dadurch aber nur das Problem: nächste Woche ist Vorbesprechung für einen Multimedia-Kurs angesetzt, der zeitgleich mit Wirtschaft stattfindet. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Multimedia-Kurs eine Blockveranstaltung ist, sonst stehe ich vor den Trümmern meines Stundenplanes.

Jetzt sagt mal bitte einer Studenten haben keinen Stress! Ich geh erstmal morgen nach der Vorbesprechung in einen Biergarten in München

Der Frühling ist endlich da, es ist warm und sonnig, die Kinder spielen in der Sonne, die Röcke werden wieder kürzer und das Sommersemester geht wieder los. Also wird es Zeit ein sonntägliches Ritual wiederzubeleben – das Fußballspielen am Roten Tor.

Eine stets gut gelaunte Truppe Studenten aus meist 12, mehr- oder minderbegabten Fußballern, trifft sich hier, um den gepflegten Rasensport zu frönen. Bei gutem, wie bei schlechtem Wetter, was wir heute auch wieder alle erleben durften. Mitten im Spiel gab’s nen kleinen Wolkenbruch. Der Ball rollte danach nicht mehr so gut, vielleicht lag’s ja an den vielen Pfützen.

Der Spielfreude und –kultur konnte dies natürlich schaden, gut gelaunt spielte wir uns durch den Matsch und spritzen uns Schlamm ins Gesicht. Leider war es mir, wie so oft, nicht vergönnt ein Tor zu schießen. Aber ich hab denk ich ganz gut gespielt, was mir meine Muskeln grade deutlich sagen. Das Endergebnis weiß ich leider nicht, aber das ist auch nicht so wichtig. Der Spaß zählt und den gab’s heut.

Nächsten Sonntag geht’s wieder zum Roten-Tor-Bolzplatz. Mal sehen, wie lange das noch möglich ist. Heut wollten uns schon ein paar kleine Halbstarke vom Platz verscheuen, weil wir deutlich über dem Alter von 6-18 Jahren liegen, die das Bolzplatzschild vorschreiben. Schön, wenn sich Kinder schon wie deutsche Rentner verhalten.

Jetzt fehlt nur noch ein schöner Biergartenbesuch, dann ist das Sommerwochenende wieder komplett. Ja, es lässt sich gut leben in der Provinz muss ich ich doch immer wieder sagen.

Wie heißt es doch so schön?

Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geliehen.

Wer sich jetzt fragt, wo er denn die geliehen Erde wieder abgeben soll, der wendet sich nach Neuhof bei Zossen in Brandenburg. Da ist die Annahmestelle, wie ich herausgefunden habe. Die Leihfristen für jeden Einzelnen stehen da leider nicht. Ist doch aber schon gut zu wissen, wo sie hin muss.

Der Osten, das unentdeckte Land. Eine durchaus richtige Feststellung, wenn die Reisegewohnheiten der Deutschen betrachtet werden. Die Republik besteht bekanntermaßen nicht nur aus dem schönen Bayern , aber trotz großen Angebots bei Kultur und Freizeit, werden ostdeutsche Reiseziele noch etwas stiefmütterlich behandelt. Dabei entstehen grade in den neuen Bundesländern viele aufregende und interessante Projekte.

Nehmen wir an dieser Stelle mein Urlaubsziel Neuhof bei Zossen. Das kleine Dorf liegt im beschaulichen Teltow-Fläming. Einige Seen umgeben den Ort und bieten im Sommer viele Möglichkeiten zum Baden, Surfen, Angeln und was man sonst noch so im Wasser macht. In den letzten Jahren wurden die Strände einiger Seen auf Vordermann gebracht. Gastronomie, Spielplätze und Beachvolleyballfelder, wie im nahe gelegenen Sperenberg oder Kallinchen sind keine Seltenheit mehr. Aber auch unberührte Seen mit kleinen Strandabschnitten gibt es noch. Wer keine Lust auf Badehosen hat, in Motzen gibt es eine der ältesten FKK-Badestellen Deutschlands.
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Ich bin derzeit ja sowas von in der Provinz, da hab ich einfach nicht die Gelegenheit regelmäßig online zu gehen. Aber frohe Ostern möcht ich trotzdem allen Freunden, Verwandten und Lesern wünschen!
Nach den Feiertagen geht’s dann bald wieder regelmäßig weiter.

Es ist schon eine Schande, keiner will mehr Deutsch sprechen. Die Ausländer nicht, weil sie ja alle integrationsunwillig sein sollen und die Deutschen nicht, weil sie lieber Anglizismen verwenden. Doch keine Sorge, es gibt sie noch die Verteidiger unserer Sprache.

Titanen der deutschen Sprache - Goethe und Schiller Quelle:aboutpixel.com

So las ich erst kürzlich in meiner Welt Kompakt, dass die Stiftung Deutsche Sprache monatlich einen Anglizismus herauspickt und dafür ein angemessenes deutsches Wort sucht. Die Aktion nennt sich „Lebendiges Deutsch“ und lebt vor allem von Vorschlägen aus der Bevölkerung.

Die „Vorschläge“, als etwas anderes wollen es die Initiatoren des Projektes nicht verstanden wissen, werden dann monatlich präsentiert. So kommt es das Oliver Kahns Blackouts im Spiel gegen Köln, nach dem Vorschlag der Stiftung Oliver Kahns Aussetzer heißen. Das zweite Wort für den April ist Schrottanleihen für das unverständliche englische Junk Bonds, hier ist die deutsche Übersetzung wirklich besser. Das dirtte Wort im Bunde wird noch bis zum 10. April ermittelt. Gesucht wird eine deutsche Bezeichnung für Airbag.
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Das Wetter ist mies, die Stimmung an der Deutschen Börse aber trotzdem prächtig. Wurde doch gestern beim DAX die psychologisch sehr ansprechende 6000-Punkte-Marke durchbrochen. Die Analysten frohlocken und sehen einen weiteren Anstieg des Aktienindex voraus.

Es klingt nach einer einzigen Erfolgsgeschichte, wenn im z.B. im Handelsblatt zu lesen ist:

Die Firmen haben erfolgreich ihre Kosten gesenkt, Randgeschäfte abgestoßen und Produktionsstätten in Billiglohnländer verlagert.

Für Aktieninhaber hört sich das schon recht gut an. Da steigen die Kurse beim Pharmariesen Schering schon mal ins unermessliche, wenn verkündet wird, dass Bayer den Konzern gerne übernehmen möchte. Für die Beschäftigten in den betroffenen Firmen lohnt sich so etwas immer etwas weniger. Gehen doch diese Maßnahmen fast immer mit Stellenabbau. Eine Frage stellt sich mir da: Zerstören sich die Unternehmen dabei eigentlich nicht ihren eigenen Markt?
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