Juni 2006
Monats-Archiv
An deutschen Universitäten gehen die Uhren ja bekanntlich anders. Das musste der frische und motivierte Neu-Student bisher als erstes lernen.
War an der Schule noch pünktliches Erscheinen angesagt, gibt es im Vorlesungsverzeichnis bei den Universitäten kryptische Abkürzungen, wie c.t. und s.t. hinter den Uhrzeiten. Ein unbedarfter Student, frisch mit dem Abitur gesegnet, konnte da schonmal durcheinander kommen und zu früh im Seminar oder Hörsaal erscheinen. Sind doch die meisten Zeiten im Vorlesungsverzeichnis als c.t. gekennzeichnet.
Dieses Kürzel bedeutet cum tempore, was so viel wie “mit Zeit” heißt und die lateinische Bezeichnung des akademischen Viertels ist. Vorlesungen oder Seminare, die mit c.t. gekennzeichnet sind, beginnen eine viertel Stunde später als angegeben. Genug Zeit also, um den Raum zu wechseln und betont cool seine Unterlagen auszupacken. Veranstaltungen die mit s.t. (sin tempore = ohne Zeit) gekennzeichnet sind, beginnen hingegen pünktlich.
Die Regelung bedarf für Neulinge sicherlich etwas an Eingewöhnungszeit und auch für alte Hasen konnte sie einige Probleme bereiten, wenn man mal wieder nicht genau ins Vorlesungsverzeichnis geguckt hat und bei s.t.- Veranstaltungen mal eben eine viertel Stunde zu spät kommt. Aber so ist das an der Universität, da wird nun mal betont lässig gelernt. Das soll nun vorbei sein.
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So! Die Arbeit ist soweit erledigt, die Sachen sind gepackt, das Auto vollgetankt und die Kumpels in bester Feierlaune. Es ist Zeit aufzubrechen! Auf zum Hurricane! Eines der größten Musikfestivals in Deutschland.
Warum nicht das Southside, wird sich jetzt der geografiekundige Festivalkenner fragen. Das Schwesterfestival zum Hurricane liegt doch viel näher an Augsburg. Richtig. Das Hurricane findet in Niedersachsen nahe dem beschaulichen Scheeßel statt und weil das die Heimatstadt eines Kumpels ist, fahren wir natürlich dahin. Wir wollen bei seinen Eltern mal einen bleibenden Eindruck hinterlassen1). Außerdem nutze ich jede Gelegenheit, mal ein Wochenende außerhalb Bayerns zu verbringen.
Heut wird also losgefahren und schonmal aufgecampt und eingetrunken, damit wir am Freitag direkt losfeiern können. Richtig interessant wird es eigentlich erst ab kurz vor 9 Uhr, bei den Arctic Monkeys. Bis dahin werden wir aber sicherlich einiges zu sehen bekommen.
Der Samstag ist traditionsgemäß dann natürlich gespickt mit großen Namen, da wird die Wahl der Bühne zur Qual. Die Bands, die dann zur besten Länderspielzeit zwischen 17 und 19 Uhr spielen, tun mir jetzt schon leid. Hoffen wir, das Deutschland nicht in die Verlängerung muss, ich will um 19 Uhr Death Cab for Cutie sehen.
Nun gut – spätestens Montag gibt’s dann einen Erlebnisbericht. Mit Fotos, Videos und vielen mehr. Freut euch.
1) keine Angst Stephan, wir sind brav!
Manchmal frag ich mich, wie die Artikel bei Spiegel Online eigentlich ausgesucht werden. Heute haben sie wieder einmal einen richtigen Kracher geschrieben. „Steh auf, wenn du Musikfreund bist“ heißt das gute Stück und ist eigentlich aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Diese „Gastbeiträge“ aus der FAS oder FAZ sind bei Spiegel Online keine Seltenheit, dass die Artikel schlecht sind, aber leider auch nicht. Insbesondere würde ich dem Interessierten da den schon etwas älteren Artikel über die Serie 24 ans Herz legen. Ich glaube an Jack Bauer, so der Titel, erklärt 24 kurzerhand zur Ersatzreligion. Für jeden der auf wirklich schräges intellektuelles Bla-Bla steht, sollte sich diesen Artikel mal ansehen. Der kostet allerdings inzwischen 1,50 Euro, also nur für wirkliche Liebhaber interessant.
Ganz kostenlos ist der neuste Artikel „Steh auf, wenn du Musikfreund bist“ über die Fußballhymne von Herbert Grönemeyer und die ganzen anderen Songs, die derzeit so rumschwirren.
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- Neue Schlappen braucht das Land
Gestern war mal wieder so ein Tag, an dem alles schief geht, was schief gehen kann. Am Vormittag passen einige Szenen des Films, den wir (einige Kommilitonen und ich) für ein Seminar drehen nicht zusammen. Also wieder nachdrehen. Sehr belastend für Crew und Schauspieler. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir fast zwei Wochen ununterbrochen an diesem Projekt gearbeitet haben. Größere und kleinere Hindernisse inklusive. Filme drehen hat viel mit Improvisation zu tun, kann ich nun mit Fug und Recht behaupten!
Als wäre das nicht alles schon stressig genug, latscht mir ein Kumpel am Nachmittag noch meine wunderschönen Lieblingsschlappen kaputt. Die sahen zwar schon ziemlich zerrissen aus, waren aber doch so bequem! Es ist unglaublich schwer gute Schlappen zu finden.
Als ich dann Abends endlich zu hause bin, hat nicht nur der Wettergott schlechte Laune, auch mein Rechner ist schlecht drauf. Er fährt einfach nicht mehr hoch. Wunderbar! Nach stundenlanger Fehlerdiagnose ist klar:Meine 7 Monate alte Festplatte ist kaputt! Dabei hab ich über das Wochenende noch einiges an Schreibarbeit zu erledigen!
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- Auf dem Augsburger Rathausplatz
Ja, ich bin es ja auch schon Leid nur über Fußball zu schreiben, aber heute war nun mal wieder ein WM-Spiel der Deutschen. Logisch, dass man das Spiel gegen Polen auch guckt, diesmal auf dem Rathausplatz in Augsburg.
Voll war’s natürlich, ob es wirklich ganze 6000 Fans gewesen sind, wie der Veranstalter meint, weiß ich nicht. Gut gefüllt war der Platz vor der Leinwand am Rathaus aber trotzdem. Die obligatorischen Fahnen wurden natürlich zahlreich geschwenkt und die Gesichter waren schwarz-rot-gold angemalt.
Lange, sehr lange dauerte es dann leider bis die deutsche Elf die Fans erlösen konnte. Was als Erkenntnis aus diesem Spiel zurückbleibt, ist die grandiose Stimmung auf dem Rathausplatz und später auf der Maximilian-Straße, die verbesserte deutsche Abwehr und die Tatsache, dass Steffen Simon definitiv kein guter Kommentator ist. Wie der Mann die Polen stark und die Deutschen schwach geredet hat, war teilweise schon peinlich. Das wurde dann natürlich mit einigen hämischen Fangesängen gegen den ARD-Moderator belohnt, die ich hier mal nicht wiedergeben möchte

- Nach dem Spiel auf der Max-Straße
Als das Spiel vorbei war, gab es einige Engpässe zu umfahren, war doch die ganze Innenstadt voll mit Menschen, Fahnen und Fangesängen. Tolle Atmosphäre hier in Augsburg und wieder stellt sich mir die Frage, was denn erst los ist, wenn Deutschland tatsächlich Weltmeister wird.
Das Frag ich mich dann aber nachher, jetzt geh ich erstmal ins Bett. Ich hoffe, die hupenden Autos lassen bald nach…
Herrlich! Den ganzen Tag auf den Beinen und wenn man seinen wohlverdienten Schlaf haben möchte, findet man keinen. Da wälzt man sich dumm im Bett herum, es ist viel zu warm und von draußen scheint es hell durchs Fenster.
Der Mond strahlt mal wieder in seiner vollen Pracht, ist er etwa schuld an meinem Problem mit dem nicht zu findenden Schlaf?
Nein, sagt da die Wissenschaft ziemlich eindeutig. Der Mensch muss nur daran glauben und schon wird es so eintreten. Schläft er also schlecht und stellt fest, dass Vollmond ist, so wird er es dem Mond zuschieben. Kommt es häufiger vor, heißt es dann plötzlich: „Ich schlaf bei Vollmond immer schlecht.“ Schon muss man nur noch den Mond sehen und glaubt man wird nicht einschlafen können, was man dann natürlich auch nicht tut.
Aber wie heißt es auch in 5. Mose 4,19 so schön:
Hebe auch nicht deine Augen auf gen Himmel, daß du die Sonne sehest und den Mond und die Sterne, das ganze Heer des Himmels, und fallest ab und betest sie an und dienest ihnen. Denn der HERR, dein Gott, hat sie zugewiesen allen andern Völkern unter dem ganzen Himmel
Also sollte man die Sache mit den Mond nicht allzu ernst nehemen, allein schon weil Gott es so will
Das gehört alles ins Reich der Mythen und Legenden. Mein Problem ist dabei aber immer noch nicht gelöst, ich bin ja immer noch wach. Draußen zwitschern schon die ersten Vögel, so ein Mist!
Wieder was gelernt, aber immer noch müde.
Was war das gestern für ein Tag! Unglaublich, wie groß die Begeisterung für die Fußball Weltmeisterschaft in diesem Lande ist. Nie hätt ich vor der Eröffnung geglaubt, dass tatsächlich so viele Menschen mobilisiert werden könnten.
Uns (einige Kommilitonen und ich) zog es bei strahlenden Sonnenschein nach München zum Fan Fest im Olympiapark. Die Annahme, dass in München einfach mehr los sei als in unseren kleinen Augsburg bestätigte sich schon während der Zugfahrt. In unseren Zugteil machten Deutsche und Mexikaner eine wirklich grandiose Stimmung. Da ließ es sich auch verschmerzen, dass wir die Fahrt stehen mussten.

- Brasilianische Fans im Münchener Bahnhof
Multikulti auch am Bahnhof, wo man hinschaute, Fans aus aller Herren Länder. Brasilien, Mexiko, Frankreich, Costa Rica, Köln
und natürlich Deutschland. Da wurden dann die wenigen „normalen“ Menschen schon mal mit „Jaaa, du hast nen Anzuuug an! Jaaa, du hast nen Anzug an!“ verhöhnt. Die Stimmung war überall fröhlich und ausgelassen, die Welt ist ja schließlich zu Gast bei Freunden.
Den ersten Dämpfer gab es dann am Eingang des Fan Parks. Die Menschenmassen drängten sich an den Eingängen und wir brauchten eine geschlagene Dreiviertelstunde um endlich reinzukommen. Kurz danach war der Park auch voll. 30.000 Menschen drängten sich auf den doch relativ engen Raum vor die Videoleinwand. Die vielen Fans, die es nicht mehr in den Park geschafft hatten, mussten sich woanders umsehen, noch war ja eine Stunde Zeit bis zum Anpfiff.

- Menschenmassen vorm Eingang zum Fan Park
Das Hauptproblem im Fanpark war aber meines Erachtens nicht, die Masse der Menschen. Die machten sich es recht schnell gemütlich. Das Hauptproblem war die Videoleinwand, die für den Großteil der Leute einfach zu niedrig aufgestellt. Eine Feststellung, die wir während der ersten beiden Tore durch Lahm und Klose machten. Wir hatten Glück, das die ersten Minuten häufig über die linke Seite gespielt wurde, denn wir sahen ja nur den oberen Teil der Leinwand. Die Stimmung war bis dahin trotzdem gut und die müden Beine wahren fürs erste versgessen.
Nach dem ersten Tor von Klose zog es uns dann nach weiter hinten, wo wir zwar einen guten Blick auf die Leinwand hatten, aber die Stimmung deutlich weniger euphorisch war, als weiter vorne. Wir wurden jedenfalls für unsere Torjubel bei Tor drei und vier etwas böse angeguckt. weiter>>
Und wieder lauf ich den Trends hinterher. Kaum ist man mal ein bisschen hip mit seinem Webblog, kommt schon ein Politiker und macht alles besser.
Angela Merkel hat ab dem morgigen Donnerstag nämlich einen wöchentlichen Videopodcast. Damit ist sie ganz vorne mit dabei, sowas hat ja in der Politik noch keiner. Ab morgen kann ich die Angie also überall mithinnehmen und angucken, schön. Zum Start gehts natürlich um die Fußball-WM, mal sehen was sie zu sagen hat.
So viel Modernität hätt ich ihr nicht zugetraut, aber wenn sie denn wöchentlich was zu berichten hat, soll sie es doch tun. Ungefilterte PR-Politik bekommt man ja sonst nur in der Bild. Letzlich werden den Podcast die ganzen Raabs, Schmidts und Ehrensenfs dankbar annehmen, würd ich jetzt mal prophezeien.
Deswegen mach ich keinen Videopodcast und bleib altmodisch mit meinem Blog, will ja nicht im Fernsehn enden.
Ein kleiner Gastbeitrag meines Kommilitonen Stephan Schwade, viel Spaß dabei!
Die Evolutionsgeschichte sollte jedem mehr oder weniger bekannt sein. Am Anfang war nicht das Wort, sondern die Kaulquappe. Der Fressdrang macht uns Beine und wir krabbelten ans Land. Und weil uns das auf Dauer zu affig war, standen wir auf und plötzlich waren wir Menschen. Soweit der Kurzablauf der Evolution. Leider haben jedoch nicht alle den letzten Sprung vom Affen zum Mensch geschafft – zumindest geistig. Einer dieser Kandidaten ist Hans Joss, hauptberuflich Christ. Und als solcher findet er in der Bibel alle Antworten auf alles und noch mehr. Damit der Rest der Menschheit auch was davon hat, veröffentlicht der seine Erleuchtungen auf seiner Homepage. Der Mensch stammt vom Affen ab? Alles Blödsinn! Es gab nie eine Evolution – so Hans Joss – die Schöpfungsgeschichte der Bibel ist die einzig gültige Wahrheit.
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Bald geht’s los mit der Fußball-WM und die ganze Nation freut sich auf das Großereignis. Die ganze Nation? Nein! Im Hörsaal 2 der Uni Augsburg gab es gestern einen, der sich dafür zutiefst schämt, die WM ins eigene Land geholt zu haben – Martin Sonneborn.

- Martin Sonneborn, Die-Partei-Vorstand
Der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins Titanic und Vorsitzender der „Partei“ kam gestern also nach Augsburg, um eine Multimedia-Lesung über seine Partei zu halten und nicht zuletzt, um zu erklären, wie er im Jahre 2000 die WM nach Deutschland holte.
Es konnte also nur ein kurzweiliger und vor allem lustiger Abend werden. Zu den Klängen vom Lied von der Partei (Die Partei hat immer recht), das ja schon die SED in der DDR nutzte, kam der Bundesvorsitzende unter frenetischen Applaus in den Hörsaal. Mit dem Satz: „Ich freu mich heut hier in …Dings zu sein“ hatte er dann auch alle lokalpatriotischen Zuhörer auf seine Seite gezogen und begann auch gleich seinen Wahlkampf für die Bundespartei, die Ortsgruppe Augsburg und natürlich für die Hochschulgruppe der Uni Augsburg.
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