September 2006
Monats-Archiv
Die Universitäts-Bibliothek von Augsburg gehört sicherlich nicht zu den Besten der Welt, nein, das ganz sicher nicht. Bisher war es jedoch so, dass ich zu jedem Thema auch einigermaßen ausreichend Literatur gefunden habe. Dazu bemüht man natürlich, modern wie man heutzutage ist den Online Public Access Catalogue – kurz OPAC.
Das sieht dann so aus, dass die tief in wissenschaftlicher Arbeit versunkenen Studenten an PCs in der Bibliothek sitzen und dort in dem Bibliothekskatalog via OPAC suchen. So sollte es jedenfalls sein.
Gestern nun begab es sich, dass ich mich zwecks Quellenrecherche für meine nächste 1,0-Semesterarbeit in die Bib (so sagt man das als hipper Student) verirrte. Ich hatte sogar konkrete Bücher und musste nicht ins Blaue mit irgendwelchen Stichworten suchen. Also nur Signaturen herausfinden und Bücher in den Regalen suchen. Es ist aber ein Naturgesetzt, dass Dinge die sich leicht anhören, meist mit ungeahnten Komplikationen verbunden sind.
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- Pokern ist nur für echte Männer?
Quelle:photocase.de
Ich dachte es gibt sie noch, die letzten Bastionen der Männlichkeit, wo Männer noch Männer sind und sich ganz ihrem eigenen Machogehabe hingeben können. Nein ich rede nicht von einer Badewanne mit schön viel Schaum, ich rede vom Pokertisch.
Wem kommt denn beim Pokern nicht eine unrasierte, ungepflegte nach Whisky stinkende Gruppe von kernigen Männern in den Sinn. Im Mundwinkel hängen winzige Zigarettenstummel, auf denen nervös gekaut, aber nicht gezogen wird. In der Hand halten sie die Spielkarten und versuchen sich mit markigen Sprüchen aus der Fassung zu bringen. Es liegt eine elektrisierende Spannung in der Luft. Die wiederum ist von Rauchfäden durchzogen und trübt das Licht der kleinen Lampe, die über den Tisch baumelt.
Als ich mich heute auf den Weg machte, um einen Kumpel bei der Final-Runde eines lokalen Pokerturnier als moralische Stütze zu dienen, kam mir natürlich auch wieder dieses wunderbare Klischee in den Sinn. Um so enttäuschter war ich, als ich dann das Etablissement betrat.
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Status Yo!
(Deutschland 2004)
Regie: Till Hastreiter
Buch: Till Hastreiter
Darsteller: Vern, Yaneq, Sera Finale, Sassion u.v.m.
Länge: 118 Minuten< ?php votio_ballot_box(); ?>
Es soll ja Leute geben, die seit „Das Parfum“ den deutschen Film verabscheuen und den Glauben an eine bessere Zukunft für ihn verloren haben. Diesen Leuten kann geholfen werden: Seit kurzem ist Status Yo! auf DVD zu haben! Der Film entführt uns für 24 Stunden in die Berliner Hip-Hop-Szene und das ist selbst für Hip-Hop-Muffel wie mich ein wahres Vergnügen.
In sieben Episoden erzählt Status Yo! vom Leben, den Problemen, der Liebe und natürlich der Musik der jungen Hauptdarsteller. Die sind allesamt von der Straße gecastet und hatten großen Anteil am Drehbuch. Es sind Geschichten wie von Sera, der erst seine Arbeit und dann seine Wohnung verliert oder die von Yesim, die wegen ihrer Beziehung zu Sascha von ihrem Bruder verprügelt und in die Türkei entführt werden soll. Ein Sprayer ist auf der Suche nach dem perfekten Zug für seine Graffitis und 5 Breakdancer wollen ganz groß rauskommen. Den Rahmen bildet der verzweifelte Versuch von Yaneq die größte Party der Stadt zu organisieren – und das in nur 12 Stunden. Dumm nur, wenn das Equipment kurz vorm Jam geklaut wird und keiner weiß, wo die Party eigentlich steigen soll. Was dabei rauskommt, sind wunderbar temporeiche 118 Minuten.
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Mal eine ganz profane Frage, die mir gerade vorhin in den Sinn kam, als ich in der Badewanne meine schmerzenden Waden mit wohltuender Wärme behandelte: Kann es sein, dass der Badeschaum durch irgendwelche Wunder der Technik inzwischen länger schön schaumig bleibt?
Ich kann mich entsinnen, dass früher als ich noch wesentlich weniger Hautoberfläche, aber mindestens genauso viel Dreck auf der Haut hatte wie heute, der Schaum schon nach kurzer Zeit weg und das Wasser milchig und sandig war. Das Wasser ist zwar immer noch dreckig, aber ich seh es nicht mehr, weil der Schaum mir ja die Sicht verdeckt. Ich finde das hervorragend muss ich sagen! Da sehen wir doch wieder, in welch goldenen Zeiten wir leben.
Übrigens stand heute das Wasser nur vor Dreck, weil ich mich ganz bewusst und mutwillig auf dem Fußballplatz in Selbigen geworfen habe. Nicht dass jemand denkt, ich sei ein Ferkel! Und dekadent bin ich auch nicht! Ich bade äußerst selten. Normalerweise dusche ich, wie es sich für einen umweltbewussten Bürger gehört.
Nachdem ich die obligatorischen Klarstellungen geleistet habe, mach ich mal die Wanne sauber, da ist nämlich immer noch Schaum drin…
Das Parfum
(Deutschland 2006)
Regie: Tom Tykwer
Buch: Tom Tykwer, Bernd Eichinger, Alan Birkin
Darsteller: Ben Whishaw, Dustin Hoffman, Alan Rickman, Rachel Hurd-Wood
Länge: 147 Minuten< ?php votio_ballot_box(); ?>
„Im 18. Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte. Seine Geschichte soll hier erzählt werden. Er hieß Jean-Baptiste Grenouille… .“
So beginnt der größte deutschsprachige Bestseller der Nachkriegszeit: “Das Parfum” von Patrik Süßkind. So beginnt auch die Verfilmung des großartigen Romans unter der Regie von Tom Tykwer und den wachsamen Augen des Produzenten Bernd Eichingers.
Die beiden Deutschen und Drehbuchautor Andrew Birkin arbeiteten lange am Script, um die großartige Story leinwandgerecht umzusetzen. Also warfen sie das Buch in den Alambic köchelten es eine Zeit lang und heraus kam die Essenz des Romans: Nebenhandlungen wurden gestrichen, der roten Faden des Romans ist aber erkennbar.
Der erzählt die Geschichte von Grenouille (Ben Whishaw) einem Waisenkind mit der der genialen Begabung alle möglichen Gerüche bis ins kleinste zu Unterscheiden und in seinem Gedächtnis zu speichern. Doch das Genie hat ein Problem: das Mirabellen-Mädchen. Er hat sie ausversehen ermordet und nun ist er verzweifelt, aber nicht über den Mord, den hat er nicht einmal wirklich bemerkt und empfindet kein Bedauern deswegen. Die Leiche des Mädchens verliert aber ihren berauschenden Geruch, den schönsten Duft, den Grenouille je gerochen hat und er hat keine Möglichkeit es aufzuhalten.
In seiner Verzweiflung wendet er sich an Giuseppe Baldini (Dustin Hoffman). Der alt gewordenen Parfümeur soll ihm lehren, wie Düfte konserviert werden können. Viel kann er Grenouille nicht beibringen, doch etwas hallt nach: „Jedes Parfum trägt drei Akkorde in sich, das heißt, es besteht insgesamt aus zwölf Noten… Aber ein wirklich einmaliges Parfum kann man komponieren, indem man noch eine besondere Note hinzufügt.“
An diese Worte seines Maîtres Baldini erinnert sich Jean-Baptiste, als er entsetzt feststellt, keinen Eigengeruch zu besitzen. Er beschließt das beste Parfum aller Zeiten zu komponieren, mit ihm will er von allen Menschen geliebt werden. Dass Einzige was er dazu benötigt, ist der Geruch von 12 Mädchen. Sie alle ermordet er, schert ihnen die Kopfhaare und konserviert ihre Gerüche. Nur ein besonderer, einzigartiger Duft fehlt ihm noch, der von Laura (Rachel Hurd-Wood), der wunderschönen Tochter des Geschäftsmanns Antoine Richis (Alan Rickman). Dieser setzt alles daran, seine Tochter zu schützen. Doch Grenouille hat längst Witterung aufgenommen und ohne Gnade und Gewissen folgt er ihrer Fährte.
Es ist alles da, was Patrick Süßkind vor über 20 Jahren in seinem Bestseller entworfen hat: das stinkende Paris, der italienische Maître Baldini, Grasse, das Rom der Düfte und die Morde. Doch irgendwie ist alles anders.
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Der Papst ist derzeit wohl der größte deutsche Popstar. Überall wo der kleine weishaarige Mann auftaucht, versammeln sich aufgeregte Massen, um nur einen kurzen Blick auf “ihren” Papst zu werfen.

- Selbst in Augsburg ist man nicht sicher
Auf seiner Reise durch Bayern, die gleichzeitig wohl auch eine Art Abschiedstournee durch die Stätten seiner Kindheit sein wird, spart Benedetto a.k.a Joseph Ratzinger nicht mit Kritik an seinen Landsleuten und allgemein an den westlichen Industrieländern. Erst prangert er die Gleichgültigkeit gegenüber Gott an, kritisiert indirekt die zu soziale (und zu wenig missionarische) Haltung der deutschen katholischen Kirche und ist verärgert darüber, dass die Wissenschaft Gott überflüssig machen will. Natürlich sagt er auch, dass Fundamentalismus und Hass nichts in der Kirche zu suchen haben. Es ist im Grunde also genau dasselbe, was Päpste immer wieder anprangern und kritisieren.
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George Bush arbeitet scheinbar an seiner zweiten Karriere: Nach dem unliebsamen Job als US-Präsident will er Kabarettist werden. Diesen Eindruck erweckt er jedenfalls bei seiner Labor-Day-Rede.
So baut er seinen besten Witz ganz professionell und behutsam auf. Zuerst kritisiert er die Abhängigkeit vom Öl, speziell vom ausländischen Öl:
Problem is, we get oil from some parts of the world, and they simply don’t like us
Toll, wie er das nach fast zwei Amtszeiten frei von der Leber weg sagen kann – da hat er das Publikum doch schon in der Tasche. Dann geht es konzentriert weiter, die Pointe wird aufgebaut:
The more dependent we are on that type of energy, the less likely it will be that we are able to compete and so people can have good-paying jobs.
Normales Politiker-Gelaber, geschickt baut Busch hier aber schon eine Brücke zum größten Brüller des Abends. Im Folgenden wirbt er für neue Technologien, wie das Hybrid-Auto und erneuerbaren Energie-Ressourcen. Das Publikum merkt schon, er will auf etwas ganz bestimmtes hinaus. Was dann folgt, ist ganz große Komiker-Schule:
“Nuclear power is safe, and nuclear power is clean, and nuclear power is renewable”
Genial! Ich hab lachend auf dem Boden gelegen. Wie brillant er auf diese Pointe hinarbeitet und das Publikum mit seinem Verweis auf Hybrid-Autos auf eine ganz andere Fährte führt. Der dann folgende Bruch mit der Atomenergie, einfach herrlich grotesk! Atomenergie: sauber, sicher und erneuerbar! Wie locker er diese Steigerung schafft und mit jedem Wort die Lacher-Quote erhöht! Der hat Talent der Bursche.
Ich komm gar nicht mehr raus aus dem Lachen… Was?… Wie?… Kein Scherz?… Bush ist kein Kabarettist? Oh…oooooh! Ja, dann ist das ja nur peinlich und gar nicht lustig…
Bertold Brecht hätte diese Tage wohl seine wahre Freude am Internet. Wird im Web doch derzeit das umgesetzt, was er in seiner Radiotheorie propagiert hatte. „Hörer sollen zum Mitspieler werden“ und „Das Radio wird zum Sprecher und Medium in einem: Es kommuniziert mit den Hörern.“ Zwar bezog er sich auf ein gänzlich anderes Medium, dennoch bietet das Internet genau das, was bei Brecht zu seiner Zeit noch für utopisch hielt.
Der Internetnutzer rezipiert, produziert und kommuniziert Inhalte in den Tagen des Web 2.0, als wäre es nie anders gewesen. Wikipedia, Blogs oder Flickr mit ihren Verweisen und Bezügen auf andere sind hier wohl die besten Beispiele – die Besucherzahlen beweisen es.
Dass wir es hier mit einer gewaltigen Content produzierenden Maschinerie zu tun haben, fällt auch immer mehr den gewerblichen Webseitenbetreibern auf. Magazine und Zeitschriften schaffen Portale, die von den Usern zum Nulltarif mit Inhalten gefüllt werden. Shortnews, Neon, Jetzt und viele andere beziehen so ihre Inhalte. Warum also eine Redaktion einstellen, wenn der Content heute frei Haus geliefert werden kann.
Eine spaßige Variante dieser kostenlosen Contentgenerierung hat sich Google ausgedacht. Um ihre Bildsuche noch weiter zu optimieren, beginnen sie ihre Datenbank zu verschlagworten. Das sogenannte „Tagging“ überlassen sie dabei den Internetnutzern und da dies auf dem herkömmlichen Weg sehr dröge wäre, haben sie sich ein kleines Spielchen ausgedacht.
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„Kommst du mit auf’n Eiskanal?“, zirpt es aus der Hörmuschel meines Telefons. Am anderen Ende der Leitung fragt das meine dreijährige Nichte. Eine Frage, die mich irritierte. Zwar ist die kleine eine fanatische Steine-ins-Wasser-Werferin, aber als Fahrerin auf der olympischen Kanustrecke von 1972 und mich will sie mitnehmen?
Mein Bruder/ihr Vater klärt mich aber glücklicherweise auf und rückt meine irrigen Annahmen zurecht. Nein, die Kleine ist natürlich keine frühreife Olympiasportlerin, eher der deutschen Grammatik noch nicht ganz mächtig. Aber so geht’s ja fast jeden von uns.
Gemeint hat sie natürlich „zum“ Eiskanal, denn dort findet dieses Wochenende das Eiskanal-Festival 2006 statt. Noch bis zum morgigen Sonntag gibt’s interessante Veranstaltungen rund um den Paddelsport – oder wie man das nennt.
Das Highlight der Veranstaltung fand aber heute schon statt: das Pappboot-Rennen! Da wollten wir natürlich hin. Im Vorfeld begutachteten wir die Vorbereitungen der einzelnen Boots-Teams. Hochkonzentriert wurde dort mit Unmengen von Klebeband und natürlich Pappe hantiert, um die absurdesten Wassergefährte zusammenzukleben.
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1. September 2006 in Augsburg: Es ist wieder so weit, die besinnliche Zeit des Jahres beginnt – zumindest in meinen Haus-und-Hof-EDEKA. Endlich gibts wieder Lebkuchen und andere Weihnachtsnascherein. Wollen wir hoffen, dass der Sommer nicht nochmal kommt, das würde ja die schöne Stimmung versauen. Selbst die Alpen scheinen mich auf den Winter vorbereiten zu wollen. Jedenfalls schimmern sie so schön weiß in der Ferne.
Morgen hol ich die Weihnachts-Deko vom Dachboden…