Oktober 2007


Was, vier Wochen China sind schon um?! So schnell verfliegt die Zeit hier, so viel gibt es noch zu sehen. Heut gegen 20 Uhr Ortszeit machen wir uns von Suzhou auf nach Shanghai, wo wir gegen 0.15 Uhr mit dem Flugzeug Richtung Heimat aufbrechen werden.

Der nächste Beitrag wird also schon aus Deutschland geschrieben werden. Nicht nur das, er wird wohl auch aus unserer neuen WG erscheinen, also herrscht jetzt ein paar Tage funkstille.

Ich möchte mich aber trotzdem bei allen bedanken, die unsere Reise vom Blog aus begleitet und mit ihren Kommentaren das Heimweh ein wenig erträglicher gemacht haben. Ich denke es wird noch eine kleine Nachlese zur Reise geben.

Wir sehen uns also in ein paar Tagen.

Fast zwei Wochen hier verbracht und fast gar nichts dazu geschrieben, dabei gibt es so viel zu Suzhou zu schreiben.

Wer China bereisen möchte, der findet hier einen guten Startpunkt, um nicht gleich einen Kulturschock zu erleiden. Shanghai und Beijing sind teilweise sehr westlich, vor allem Shanghai steht New York eigentlich in nichts nach, aber die Städte sind einfach gewaltig und erschlagen kleine Dorfmenschen, die wir Deutschen nun mal sind mit ihrer schieren Größe.

Dann also lieber Suzhou eine chinesische Kleinstadt mit etwa 6 Millionen Einwohnern – schön überschaubar eben. Ich könnte mich etwas aus dem Fenster lehnen und sagen, Suzhou erinnert mich ein wenig an Augsburg. Blicken beide Städte doch auf eine sehr lange Geschichte zurück, beide sind älter als 2000 Jahre. Beide hatten ihre Glanzzeiten im Mittelalter, als bedeutende Handelszentren mit reichem Bürgertum. Beide waren mächtige Textilzentren, wobei Suzhou immer noch die Seidenhauptstadt Chinas ist. Das rege Handeln war der Grund für ein dichtes Kanalnetz in den Städten, weshalb beide immer wieder mit Venedig verglichen werden. Last but not least werden trotz der unterschiedlichen Bevölkerungszahlen spätestens nach 23 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt, es ist dann einfach nichts mehr los auf den sonst so überfüllten Straßen.

Das war’s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Suzhou ist im Gegensatz zu Augsburg nämlich eine DER Boomstädte Chinas. Gerne geschmückt mit dem Titel „Chinas Silicon Valley“. Hightechfirmen wie Apple oder Logitech haben sich hier angesiedelt und auch viele deutsche Firmen werkeln inzwischen im Suzhou Industrial Park. Der SIP ist eine komplett neue Stadt neben der alten Stadt, für viele Chinesen ist es ein Traum hier zu wohnen. Kein wunder also, dass sich die Einwohnerzahl in den letzten drei Jahren verdoppelt hat.

Dass Suzhou trotzdem nicht völlig überlaufen erscheint, liegt am glücklicherweise erhaltenen Charme der Altstadt. Sicherlich ist vieles bereits abgerissen worden, überall sprießen Hochhäuser in den Himmel, entstehen neue Straßen und Wohn- und Gewerbegebiete. Aber irgendwie gibt es noch sehr viele Ecken, die noch klein, eng, flach, also einfach chinesisch sind. Wie gesagt, die Innenstadt ist weitgehend frei von gewaltigen Hochhäusern und sorgt mit viel Grün an den Straßen trotz Smog für ein angenehmes Stadtbild.
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Ein Monat China neigt sich dem Ende und immer wieder gibts Dinge, die ein ungläubiges Kofpschütteln verursachen. Ein paar Beispiele:

Auto mit Vollausstattung
Das Auto ist ein Statussymbol in China, wie überall auf der Welt. Auch wenn ich inzwischen zu der Überzeugung gekommen bin, dass hier einfach keine Sau Auto fahren kann, will jeder Chinese zumindest ein ordentliches Auto vorweisen können. Es gibt jedoch einige chinesische Vorlieben, die ein Europäer nicht so ganz nachvollziehen kann.
Autos verkaufen sich in China nur mit Lederausstattung, ohne bleibt das Auto wie Blei beim Autohändler liegen. Statt ihre tollen Ledersitze nun auch voller Stolz zu präsentieren, kauft jeder, wirklich JEDER Chinese potthässliche Schonbezüge mit Hündchen, Bienen oder Hasen in Plüschoptik.
Auch die Klimaanlage ist ein Must-Have, benutzt wird sie trotzdem nicht. Egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, es wird mit offenen Fenster gefahren. Noch schärfer sind allerdings die spärlichen Cabrio-Besitzer, die fahren grundsätzlich mit geschlossenen Verdeck – egal wie schön das Wetter draußen ist.

Wie man sich bettet…
Beim Schlafen sind Chinesen alles andere als anspruchsvoll, sie brauchen nur eine Fläche auf die sie 60% des Körpers legen können und schon fallen sie in tiefsten Schlaf.Egal ob um sie herum noch Menschen laufen, das Licht an ist oder ob es am Steuer eines Taxis während einer Rotphase ist.

Ich hab schon zwei Bauarbeiter beim Innenausbau eines Ladens auf den Boden schlafen sehen. Richtigerweise lag einer auf einer Rigipsplatte, die wohl etwas weicher war. Ein paar Meter weiter lag dann einer unter einer Fußgängerbrücke mitten im Weg, dass man aufpassen musste, nicht ausversehen über ihn zu stolpern.
So ganz unverständlich ist das allerdings nicht, denn die Betten in China sind unglaublich hart. Bretthart trifft es wohl ganz gut. Egal wie dick die Matratze ausehen mag, sie wird definitv hart sein. Allerdings schläft es sich mit der Zeit trotzdem recht gut auf den Brettern.

Nur mit Anzug
Downtown-Street, eine kleine Amüsiermeile in Suzhou kurz vor 8 Uhr – beste Essenszeit also. Uns zieht es zum Japaner, als mir eine kleine Chinesin entgegenkommt. Ich muss zwei mal hingucken, bevor ich realisiere, dass die Dame einen Schlafanzug und Puschel-Schlappen an hat. Die Expats mit denen ich hier unterwegs bin meinen lapidar: “Da gewöhnt man sich dran, ist doch ganz normal hier.”
Es ist einfach so, wenn ein Chinese im Bett liegt und während des Einschlafens eine zündende Idee hat oder ihm einfällt, dass er noch was besorgen muss, dann springt er aus dem Bett, zieht seine Pantoffeln an und macht sich auf den Weg. Warum erst anziehen, ein Schlafanzug ist ja auch ein Anzug, also irgendwie jedenfalls…

“Jedes Jahr werden in den Städten drei neue Hotels gebaut”, erzählte uns Tashi, unser Guide in Tibet, als wir unser Hotel nicht finden konnten. Selbst er kannte sich nicht immer aus in seinem Land – wie soll es dann erst uns gehen.

Wir fanden z.B. gestern unsere Buslinie nicht, die wir vor kurzem noch genutzt hatten, um aus der Innenstadt Suzhous zu unserem Domizil zu gelangen. Die Linie stand einfach nicht auf dem Plan, den ich vor mir hielt. Wir wussten aber definitv sie war da! Es musste sich um eine neue Linie handeln, die, obwohl der Busplan neu war, nicht eingezeichnet war.

Irgendwie fanden wir auch die Bushaltestelle, an der wir letztens zugestiegen waren und tatsächlich kam auch unser Bus – was für ein Glück! Vielleicht aber auch Pech, denn obwohl Busfahren trotz manchmal abenteuerlichen Fahrzeugen eigentlich immer ganz angenehm gewesen war, erwischten wir an diesen Tag einfach nur total beschissene Busfahrer.

Für die war nicht nur Schalten ein Fremdwort, auch Bremsen, überholen und an Bushaltestellen stoppen, war nicht so ihr Metier. Erst wurde wie bescheuert angefahren, dann irgendwie überholt, wenns nötig war, wurde auch eine dritte Spur auf der Gegenfahrbahn aufgemacht. Gehupt wird sowieso, das ist klar, auch wenn der Bus 2cm hinter einem anderen steht und der Busfahrer so überhaupt nicht sieht, was eigentlich vor dem andern Fahrzeug los ist.

An manchen Bushaltestellen wird erst gar nicht angehalten, wenn keiner aufspringt und raus möchte. Dafür halten sie dann auch außerplanmäßig irgendwo auf der Straße, wenn jemand raus möchte. Bis dahin ist mir das eigentlich relativ Schnuppe gewesen, aber ein Busfahrer hat mich einfach total fertig gemacht. Er hat nicht nur sämtliche schon angesprochene Punkte erfüllt, er setzte noch einiges oben drauf.

Gleich nach dem Einsteigen fährt der Spinner doch tatsächlich auf den Radweg und versucht aus irgendeinem Grund, den nur er kennt am stehenden Verkehr vorbeizu kommen. Nur ist der Radweg etwas schmal für einen Bus, also kratzen wir rechts mit den Reifen an den Bordstein und links an den stehenden Verkehr vorbei. Kurz darauf fährt er fast eine Radfahrerin mit Kind um und seine einzige Reaktion ist ein Hupen – nichts von bremsen zu sehen.

Als er dann meint 20 Meter vor der Bushalte noch mal zu überholen, reicht es mir: Ich möchte raus! Sofort! Auf wundersame Weise schafft der Busfahrer das Überholmanöver, bzw. ist gerade noch dabei, als er auf die Bremse latscht. Das Fahrzeug bleibt quer über zwei Fahrbahnen stehen und wir springen raus.

Ich hänge doch zu sehr an meinem Leben, als dass ich in einem Bus einen Herzinfarkt bekommen möchte. Beunruhigend ist allerdings, dass außer uns keiner der Fahrgäste aussteigt, als normal möchte ich so eine Fahrweise nicht mal in China bezeichnen.

So langsam endet der Monat in China und so langsam muss der Magen sich wieder umgewöhnen an das fettige und einfallslose deutsche Essen. Gut, dass es in Suzhou für alles eine Lösung gibt:

Wer China noch nie bereist hat, wird nach dem Eintreffen sehr bald zu dem Schluss kommen, dass Chinesen wohl alles schwerhörig sind. Das erste erhellende Erlebnis dazu hatte ich gleich nach der Landung in Shanghai in der U-Bahn. Ein Chinese brüllte dermaßen laut in sein Telefon, dass er die gesamte Bahn unterhalten konnte. Was in Deutschland wohl für skeptische Blicke sorgen würde, ließ hier bei keinem der Umstehenden eine Wimper zucken.

Doch nicht nur beim Telefonieren wird gebrüllt, überall schwillt hier schnell das Stimmorgan an. Auf der Straße begegnet man häufig alten Frauen, die sich gegenseitig anbrüllend herumwatscheln. In Restaurants, auch gehobenen, geht es zu wie im Bierzelt, jedenfalls akustisch. Chinesen sehen es gar nicht ein leise zu sein, es wird einfach überall gelärmt – keine vornehme Stille, wie in Deutschland ist zu finden.

Bei Führungen durch Gärten, Tempel und sonstigem kulturellen Orten wird deshalb auch gerne auf Mikrofone, Megafone und sonstige Fone zurückgegriffen, um die wild schnatternden Touristengruppen zu übertönen, was dann für noch mehr Lärm sorgt. Es ist schon sehr befremdlich, wenn man an einem herrlich ruhigen Teich sitzt und plötzlich eine laut krächzende Stimme zu hören ist und innerhalb von 2 Minuten eine Horde Touristen vorbeistapft, fleißig Fotos schießt und dann wieder im Nirgendwo verschwindet. So Klischeehaft sich das anhört, so real ist es doch in China – ich seh’s ja jeden Tag.

Um in diesem lauten Land überhaupt noch gehört zu werden, muss man noch lauter brüllen als die Massen. Deshalb wird in Einkaufsstraßen dazu übergegangen riesige Lautsprecher aufzustellen, aus der in Festivallautstärke Musik bummert. Hier, so die Botschaft, hier gibt es was zu kaufen. Und was soll ich sagen, es klappt. Wie Fliegen zum Licht, strömen Chinesen zu lauten akustischen Quellen.

Das hat die Nebenwirkung, dass Ausländer fast einen Hörsturz erleiden, wenn sie in eine chinesische Kneipe kommen. Neben dem üblichen Geschnatter der Gäste ist meist der Fernseher auf volle Lautstärke aufgedreht. Egal was kommt, Hauptsache es ist laut. Überall läuft Musik, selbst in Taxis. Dummerweise haben Taxis ihre Lautsprecher meist nur hinten angebracht. Der chinesische Fahrer kann dann nur unverständlich gucken, wenn die Langnasen sich erdreisten die Musik leiser zu machen. Für Chinesen ist Stille einfach unerträglich.

Das ist wohl auch der Grund, warum die Chinesen Feuerwerk so lieben, denn viel mehr als die Raketen mit ihren wunderschönen Explosionen lieben die Chinesen die Böller. Solche Teile würden in Deutschland wohl nie zugelassen werden, hören sie sich doch – wirklich ohne Übertreibung – an, als würde ein Haus abgerissen oder eine dicke Kanone abgefeuert.

Chinesen sind Lautstärkejunkies, da können unsere Goldkettchen behängten Golf- und Opel-Proleten mit ihren kleinen 1000 Wattverstärkern einpacken.

So – und mit diesem Wissen versuch mal in einem Schlafwagen zu schlafen, wenn zwei Chinesen, die zwar Kopfhörer aufhaben, aber die Lautstärke auf Maximum eingestellt haben, im Bett über dir fernsehen. Ich weiß nicht, wie die schlafen konnten, denn ich verstand ohne Kopfhörer schon jedes Wort.

Vielleicht sind die hier wirklich alle schwerhörig…

… bin ich hier abgestiegen. Wenn Bier und Rasierer zum täglichen Bedarf zählen, kann ich da ja durchaus zustimmen, aber Kondome? Außerdem liegt hier noch ein Vibrator (Shake Condom) für den Mann, davon hab ich noch nie gehört. Aber ich bin ja auch auf einer Bildungsreise, mein Verstand weitet und weitet sich.

Ich hatte es ja schon geahnt, dass wir bei unserer Sightseeing-Tour sicherlich auch etwas kaufen sollten. Schließlich sitzen wir Touristen ja angeblich auf dem Geld. Dass aber von 5 Zielen an dem Tag nur 2 wirklich kulturellem Wert hatten war nicht zu erwarten gewesen.

Eigentlich suchten wir nur eine einfache Art zur Chinesischen Mauer zu kommen. In unserem Hotel wurde das auch gleich angeboten. Da wir wenig Zeit hatten buchten wir den Trip für 190 Yuen pro Kopf, was teuer war, aber auf die schnelle die beste Lösung. Vor allem nachdem uns auf dem Weg vom Bahnhof zum Hotel bereits Fahrten für 400 Yuen angeboten wurden. Bei unserer gewählten Tour waren wenigstens noch die Ming Grabanlage und eine „Jade-Ausstellung“ dabei.

Um 7 Uhr ging es mit anderen Gästen des Hotels und einer Reiseführerin schon los durch den Stadtverkehr von Beijing, also mitten in die Rushhour hinein. Nach einer etwas tristen, weil regnerischen Fahrt, kamen wir in Badaling an, dem Stück Mauer, dass touristisch am meisten frequentiert wird. Davon war allerdings zu dieser frühen Stunde nichts zu sehen, wir waren die ersten.

Es gab nun zwei Möglichkeiten, den leichten oder den schweren Weg. Da Luke Skywalker auch immer den schweren Weg gewählt hatte, war klar, dass wir als echte/r Mann/Frau den Hardcore-Weg wählten. Schließlich, so zeigte uns die Erfahrung, übertrieben Chinesen gerne. Eine Pizza für 2-3 Personen bei Pizza Hut ist z.B. grundsätzlich für eine Person zu wenig.

Leider war die Einschätzung unserer Reiseführerin diesmal richtig. Schon nach ein paar Metern wurde es anstrengend, nach ein paar hundert Metern hätte ich kotzen können. Man bin ich unsportlich! Dennoch war das Stück zum ersten Wachturm nur ein Vorgeschmack was noch folgen würde. Die Stufen wechselten ständig von extrem Flach bis 40cm hoch – kaum normal zu begehen.

Meine Freundin gab irgendwann auf und bewegte sich keinen Schritt weiter, ich ließ ihr Wasser und einen Schokoriegel da und machte mich weiter. Ich wollte es bis zum Gipfel schaffen. Das Ziel fest vor Augen stapfte ich los, machte jedoch erst alle 40m, dann all 20m, dann alle 10m eine Pause. Selbst jetzt beim Schreiben bekomme ich noch Seitenstechen wenn ich daran denke. Ich erreichte die Plattform, die ich für die auf der Bergkuppe gehalten hatte und war völlig am Boden zerstört, als ich dahinter noch einmal ein steiler Aufstieg befand.

Da wir nur läppische 2 Stunden für die Mauerbesichtigung bekommen hatten, war ich gezwungen mein gesetztes Ziel aufzugeben und etwas geknickt wieder hinabzusteigen. Ich sammelte noch meine Freundin ein und dann plumste ich mit schweren Beinen in den Bus.

Die Ming Grabstätte, klein aber fein

Das zweite kulturelle Ziel waren die Ming Tombs, die Grabanlagen der Mingkaiser. Hatten wir für die Mauer noch 2 Stunden gehabt, wurde die wirklich ansehnliche Grabanlage sehr schnell abgehakt. Wir flitzten durch, schossen ein paar Fotos und waren auch schon wieder weg, alles in einer knappen halben Stunde. Enttäuschend war für mich allerdings nur, dass man nicht in die unterirdische Grabstadt des Kaisers hinunter durfte. Das war’s mit Kultur, den Rest des Tages verbrachten wir, außer dem Essen, in irgendwelchen obskuren Verkaufsräumen – natürlich alles kostenlos.

Der erste Versuch von uns Geld abzupressen schlug allerdings Fehl, die Jadegallerie war dann doch nicht unserer Preisklasse. Innerhalb von 10 Minuten wurde uns gezeigt was Jade ist, wie daraus Skulpturen entstehen und woran man gute Jade erkennt (Klang, Farbe und Lichttest). Dann sollten wir uns in den Verkaufsräumen umsehen, was wir auch alle brav taten. Nur kaufen tat eben keiner was. Wie auch, wenn die billigsten Steinchen bereits 20 Euro kosteten. Faszinierend war es trotzdem, diese wirklich grandiosen Arbeiten, die teilweise meterhoch waren zu betrachten.

Der zweite Versuch fand in einem Teehaus statt, bei dem wir ein Testtrinken absolvieren durften. Anschließend wurde uns der Tee exklusiv angeboten. Zwar schmeckte das Zeug teilweise wirklich gut, aber 14-20 Euro für Tee? Nein Danke! Trotzdem kauften einige von uns den Tee. 80 Euro wechselten hier den Besitzer.

Den letzten Versuch verpackten sie wirklich meisterhaft. Eine Fußmassage sollte unsere müden Füße entspannen – praktisch dass gleich neben dem „größte Teehaus Pekings“ (einer kleinen Kaschemme) ein Zentrum für Massagen war. Hier wurden wir in wahnsinnig nervig betontem Englisch von einer jungen Dame aufgeklärt, was so eine Fußmassage bewirken soll und wie die tolle Kräutermischung im Bottich mit brühendheißen Wasser, in dem unserer Füße plötzlich steckten, hier helfen kann. Lief es etwa nur auf den Verkauf diese Kräuterbrühe hinaus? Ein bisschen wenig für so viel Aufwand.

Zum Schluss ihres Monologes über Fußmassagen schwang die Dame vor uns aber auf das eigentliche Ziel dieser Veranstaltung um: tibetische Medizin. Tibetische Ärzte lesen Krankheiten an den Händen ab und reiiiin zufällig arbeitet natürlich hier einer DER kompetentesten tibetischen Ärzte Chinas hier in diesem kleinen Betrieb in irgendeiner Seitengasse Beijings. Sie wolle ihn Fragen, so unsere Betreuerin, ob er denn nachher mal Zeit hätte für uns.

Schwupps sprang die Tür auf und die Masseure kamen herein und begannen zu walken, kneten, hämmern und drücken – was wirklich sehr angenehm war. Und natürlich kam just in dem Moment, in dem wir uns definitiv nicht mehr wegbewegen konnten der große tibetische Arzt hinein. Der hatte zwar so schlechte Zähne wie manch ein Tibeter, sah aber eher nach einem Han-Chinesen aus.

Das Vogelnest:Das große Olympiastation in Peking

Schon ging das palavern los, wobei ähnlich vorgegangen wurde wie beim normalen Handlesen, bei dem der Handleser einfach ein guter Menschenkenner sein muss. Als dann plötzlich noch andere berühmte tibetische Ärzte auftauchten hätte es eigentlich auch der dümmsten Langnase klar sein müssen, was das hier für ein riesiger Quatsch war. Aber die Leute aus unserer Reisegruppe waren anscheinend noch dümmer. Vier Leuten wurden irgendwelche Rezepte angedreht, die locker 120 Euro überstiegen, schließlich dauern Therapien auch ihre Zeit.

Dass am Ende eigentlich alle dieselben „Medikamente“ in ihrer Tüte hatten, interessierte anscheinend niemand. Aber was soll’s, ich genoss meine kostenlose Fußmassage und war froh, dass meine Fußschmerzen weg waren. Uns versuchte auch kein „Artzt“ zu befragen, wir waren denen anscheinend einfach noch zu jung.

Was für ein Tag, wir hatten unser Mindestziel erfüllt und die Mauer gesehen. Der Rest lief zwar unter fernerliefen, allerdings waren Jade-Austellung, Teeprobe und Fußmassage alles andere als nervig und langweilig. Schließlich gab’s einiges umsonst und ich als alter Schnorrer und Sparfuchs hab das natürlich mitgenommen. Außerdem konnten wir so einen kurzen Blick auf die riesige Olympiabaustelle erhaschen, was bisher wirklich einen wahnsinnig imposanten Eindruck hinterlässt.

Am Ende bleibt das Fazit, dass 190 Yuen wohl immer noch etwas zu viel waren, aber immerhin billiger als das, was man sonst so angeboten bekommt und, dass man grundsätzlich NICHT den schweren Weg auf der Großen Mauer wählen sollte, außer man ist Leistungssportler oder Chinese, die sind jedenfalls alle hoch gesprintet. Das wichtigste ist aber: Es gibt tatsächlich Westler die absolut keine Ahnung haben, dass man einfach nichts bei solchen Veranstaltungen kauft. Dummheit ist allerdings nur für Außenstehende unerträglich, die Knödel, die fleißig kauften, grinsten jedenfalls dümmlich vor sich hin.

Wir hatten uns freigekämpft aus dem Wirrwar der Verbotenen Stadt und vor uns öffnete sich der gewaltige Tiananmen-Platz, von dem ich immer dachte er hieße Tianmen-Platz. Der größte innerstädtische Platz der Welt sah allerdings gar nicht so groß aus, denn ein großer Springbrunnen und unglaublich viele Blumenwände teilten ihn in mehrere kleine Plätze auf. Wir wollten natürlich nun endlich da rauf, aber wie? Das Ding war völlig eingezäunt und umgeben von einer riesigen stark befahrenen Straße.

Fakt ist: auf den Platz des Himmlischen Friedens kommt man nur durch einige Unterführungen, die sich rund um den Platz befinden. Beim Betreten gibt es eine kleine Sicherheitskontrolle und dann darf man sich völlig der Monumentalität hingeben. Nicht nur der des Platzes, sondern auch der Gebäude rundherum. Das Tiananmen-Tor mit dem gewaltigen Mao-Bild, auch die Great Hall of the People und das Nationalmuseum prägen durch ihre Wuchtigkeit das Bild. Das Mao-Mausoleum wirkt dagegen etwas schlichter, war allerdings auch montags geschlossen – dumm gelaufen für uns. Mal sehen ob wir das morgen noch schaffen.

Wir mussten also weiterziehen. Endziel war der Himmelstempel, als Zwischenetappe hatten wir die Liulichang Culture Street auserkoren. Wir wussten zwar nicht, um was es sich dabei handelt, es hörte sich aber gut an. Also losgelaufen und obwohl wir nicht wirklich wussten wo wir eigentlich waren, wähnten wir uns auf den richtigen Weg. Die Straßenzüge sahen inzwischen zwar nicht mehr so modern aus, eher wie im Berliner Stadtteil Marzahn und es fehlten sämtliche englischen Straßennamen, aber wir waren sicher, dass wir richtig liefen.

Ist ja gar nichts los hier! Beijing Bahnhof um halb 8.

Tatsächlich fanden wir die Liulichang Street auf Anhieb. Eigentlich war sie kaum zu übersehen mit ihren bunten zwei- bis dreietagigen historisch angehauchten Gebäuden. In kleinen Häuschen auf beiden Seiten der schmalen Straße gab es winzige Läden mit Gemälden, handgefertigten Kunstwerken, Teeläden und andere typisch chinesische „Kulturkaufhäuser“, leider mit horrenden Preisen. Qualität hat auch in China ihren Preis, bzw. Touristen bezahlen wie überall auf der Welt halt immer etwas mehr.

Die Cultural Street endet einfach irgendwo mitten in der abgefucktesten, aber trotzdem noch charmanten Gegend Pekings und der völlig unbedarfte Tourist ist etwas verwirrt. Wir orientierten uns nach der Himmelsrichtung und liefen und liefen. Mir kam es vor als würde ich Spuren im Asphalt hinterlassen so schwer fühlten sich meine Bein an. Als wir endlich in den Park des Himmelstempels erreichten, waren wir fast am Ende. Den Rest gab uns dann die Tatsache, dass wir bis zum Tempel noch gut einen halben Kilometer laufen mussten. WARUM muss in China denn immer alles so riesig sein!!

Der Tempel entschädigte allerdings für die Mühe. Ein wunderschöner, unglaublich perfekt wirkender, runder Tempel, indem der Kaiser ein Mal im Jahr beten musste, um die Harmonie im Universum aufrecht zu erhalten (oder so ähnlich). So ganz kapiert hab ich den Park nicht, ein Teil ist eckig ummauert und symbolisiert damit die Erde. Der andere Teil ist rund ummauert und symbolisiert den Himmel. Hier wird quasi beides durch den Kaiser vereint. Die Chinesen sind quasi wie Goethe: Nichts wurde zufällig geschaffen, alles hat seinen Sinn.

Am beeindruckendsten war allerdings die Echo Wall, an der man sich unterhalten konnte, obwohl man 400 Meter weit weg stand. Spricht man gegen die Wand wird der Schall die Mauer entlang getragen und man versteht den anderen, als würde er neben einen stehen. Das hat tatsächlich geklappt! Dumm nur das gleichzeitig mit dir, 500 Chinesen dasselbe probieren und du kaum etwas verstehst.

Als wir ermattet, aber noch nicht geschlagen in Richtung des Ausgangs watscheln, sehen wir in den weitläufigen Parks viele Menschen bei ihren Übungen, die unterschiedlicher kaum sein konnten. Die einen betrieben einfach Gymnastik, die anderen wandten sich dem Kampfsport zu, manch einer gar mit Stab. Andere rubbelten ihre Rücken an Bäumen, was sehr, sehr seltsam aussah. Es wirkte alles friedlich, obwohl klar war, dass 100 Meter weiter der übliche Verkehrsstau lärmen musste, hörte man fast nichts. Aber so sind chinesische Gärten, irgendwie magisch.

Zu unserem Glück konnten wir vom Himmelstempel mit der funkelnagelneuen, superhypermodernen und wirklich extrem sauberen UBahn-Linie 5 fahren. Die Besucher der olympischen Spiele können sich wirklich auf diese UBahn freuen. Natürlich ist noch nicht alles fertig, aber fahren tut sie schon. So können wir uns ein wenig entspannen, ehe wir uns wieder an die Oberfläche machen und sehr gemütlich zu unserem Hotel wanken.

Eine Tour de Force liegt hinter uns: Verbotene Stadt, Tiananmen-Platz, Liulichang Culture Street und Himmelstempel, alles zu Fuß begangen. Dafür sind meine Schuhe glaube ich jetzt endgültig durch. Gut, dass ich noch ein zweites Paar dabei habe. Zu dieser Powertour rate ich an dieser Stelle ab. Nur wer wirklich wenig Zeit in Beijing zur Verfügung hat, sollte sich das antun und wenigstens mit dem Taxi zwischen den weiter entfernten Etappen herumfahren. Peking ist nämlich verdammt groß, auch wenn es auf Karten nicht so wirkt.

Dank weiser Voraussicht haben wir uns ein kleines Hotel einen Steinwurf entfernt von der Verbotenen Stadt ausgewählt. Nach einem ausgiebigen Frühstück watschelten wir also die paar Meter hinunter zum monumentalen nördlichen Eingangstor (Gate of Divine Prowess) bzw. einem monumentalen Baugerüst. Derzeit wird das Tor nämlich renoviert und viel zu sehen gab’s demnach nicht.

Was es zu sehen gab, waren unzählige Touristengruppen und die typischen Gruppenfahnen, die chinesische Touristenführer gerne benutzen um ihre Schäfchen zusammenzuhalten. Dank des obligatorischen Megafons kann sich die Herde dennoch etwas von ihm wegbewegen. Die Befürchtung, dass wir stundenlang anstehen müssen, bewahrheitet sich glücklicherweise nicht. Kein Mensch stand an der Kasse an, wohl weil Mittagszeit war. Ein Chinese geht mittags höchstens in ein Restaurant, aber nicht auf Sightseeing-Tour.

Als problematisch erweist sich allerdings der Eingang für uns, denn eigentlich ist der ein Ausgang für die meisten Touristengruppen, die von Süden, also vom Tiananmen-Platz aus hineinströmen. So brechen wir Welle um Welle des Touristenstroms und kämpfen uns zum Imperial Garden vor. Übrigens ist das Erste was wir lernen, dass es offiziell nicht Verbotene Stadt heißt, sondern Palace Museum. Irgendwie logisch, wenn sie noch verboten wäre, dürften wir ja nicht rein.

So goldig geht es hier zu

Die alten Bauherren haben hier, das muss man anerkennen, ganze Arbeit geleistet, der Palast ist von so monumentaler Größe, dass sich jeder Mensch automatisch winzig klein fühlt. Jedenfalls trifft das auf den großen Plätzen zu, die sich wie an einer Perlenkette auf einer Nord-Süd-Achse befinden. wuchtige Steintreppen gipfeln dabei immer wieder in filigrane Figuren auf den Dächern der hölzernen Bauten. Alles strebt nach oben, strebt Größe an und strahlt Macht aus.

Die Plätze sind dabei immer gut gefüllt, die Touristengruppen geben einen kleinen Eindruck, wie es wohl ausgesehen haben mag, als hier noch tausende Soldaten herumstanden, um den Kaiser die Ehre zu erweisen. Dabei sorgt aber die schiere Größe der Plätze sehr gut dafür, dass sich die Menschenmassen gleichmäßig verteilen. Nur an einigen engen Stellen ist das vorankommen etwas zäh.

Wer es ganz ruhig mag, der weicht nach links oder rechts aus und umgeht damit den überfüllten Inner Court. Die niedlichen Seitenstraßen zu den verschiedenen kleineren Palästen mit wohlklingenden Namen wie Palace of Eternal Harmony oder Palace of Universal Happiness laden zum schlendern ein. Da kann es unter umständen richtig schön still werden und gleichzeitig sind dort einige interessante Ausstellungen zu sehen.

Die ulkigen Namen für die Paläste kommen übrigens nicht von ungefähr, sie haben durchaus Sinn. Die Bauherren von damals waren sehr darum bemüht ein harmonisches Ganzes zu schaffen. Das Gleichgewicht im Universum sollte durch den Palast gewährleistet werden, der Kaiser als ausgleichendes Gewicht musste den richtigen Platz einnehmen. So wurde dann auch die Verbotene Stadt geplant – natürlich nach Feng Shui: Vorne Wasser hinten Berg. Der Kaiser blickte von seinen verschiedenen Thronsälen immer nach Süden auf sein Reich.

Irgenwie sehr beeindruckend…

Diese ausgefeilte Symbolik ist sehr beeindruckend und wirkt wirklich sehr harmonisch, selbst bei geschätzten 50.000 Touristen, die darin herumwuseln. Besonders clever fand ich die Idee mit den Rampen, die anstatt der Treppen gebaut wurden, so war sichergestellt, dass jeder der sich dem Kaiser näherte auch verbeugen musste, denn gerade kann man auf den Rampen nicht laufen.

Obwohl nicht alles vom Palast frei zugänglich ist, sondern etwa nur die Hälfte der über 1 Millionen Quadratmeter Fläche, sind wir doch ein paar Stunden in der Stadt herumgeirrt. Sind hierhin und dorthin gelaufen und dabei den unzähligen Kunststudenten ausgewichen, die uns Bilder verkaufen wollten. Die waren zwar schön, aber dann doch etwas über unserem Budget.

Irgendwann hatten wir dann genug von den roten Wänden, genug gold-gelbe Dächer gesehen, genug Treppen gestiegen, genug verbeugt und genug Bilder geschossen – wir mussten raus. Das taten wir natürlich durch den Südeingang, durch die nicht enden wollenden meterdicken Tore, die sich dort aneinanderreihten. Wir dachten schon, dass es gar kein Ende mehr nehmen würde mit den Dingern, als wir plötzlich durch den Bogen des Tors vor uns einen einzelnen Soldaten vor einem Springbrunnen erkennen konnten, gleich sollten wir frei sein…

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