Oktober 2007


Morgens halb 8 in China, nur leicht verschlafen steigen wir aus dem Nachtzug, der uns auf wundersame Weise von Suzhou nach Beijing gebracht hat. Nun also 3 Tage Hauptstadtluft schnuppern.

Apropos die ersten Schnuppertests ergaben, tatsächlich atmet es sich hier an einer Straße leichter, als in Shanghai oder Suzhou. Daran schuld sind wohl die neuen Busse und Taxis, die an jeder Straßenecke herumtollen. Zwischendrin gibt’s die berühmten 9 Millionen Fahrräder, gezählt hab ich sie nicht, allerdings ist die Fahrraddichte tatsächlich höher, denn es fahren wesentlich wenige dieser verabscheuungswürdigen Elektroroller herum. Natürlich hängt über der Stadt trotzalledem noch eine dicke fette Dunstglocke.

Peking wirkt auf den ersten Blick wie anderer Chinesische Großstädte, hohe Häuser, breite Straßen, viele Autos und zwischendrin Menschen. Aber irgendwie ist hier alles ein kleines bisschen anders, vor allem ist es im Stadtzentrum extrem sauber.

Wir wankten durch die noch halbleeren Straßen Beijings, was heißt, dass etwa so viel los war wie an einem Nachmittag in der Augsburger Annastraße. Auf der Suche nach unserem Hotel kamen wir an sehr feinen Läden vorbei, in denen die Stücke so teuer zu sein schienen, dass sie erst kurz vor Ladenöffnung in das Schaufenster gepackt werden. Die Einkaufspaläste – wirklich Paläste – sollen wohl die wohlhabenden Chinesen und Westler anlocken. Wir gehören da irgendwie nicht zur Zielgruppe.

Lustigerweise brauchten wir eine Stunde zum Hotel, wobei wir Orientierungspausen eingelegt hatten, aber warum zum Teufel gibt es auf chinesischen Stadtplänen keinen Maßstab aufgedruckt? Ich kann nie Entfernungen einschätzen auf diesen blöden Karten!!

Das sind allerdings keine 9 Millionen…

Unser Hotel war dann doch eine Überraschung, das Redwall Hotel in direkter Nähe zur Verbotenen Stadt, entspricht westlichen Standards, jedenfalls, wenn man die anderen Hotels in China kennen lernen durfte, und die Staff spricht fast durchgängig Englisch. Und ihr glaubt es kaum: Es gibt Toast zum Frühstück, meiner Freundin standen Tränen in den Augen vor Freude. Da wir nichts gegessen hatten, schlugen wir natürlich gleich zu.

Das Zimmer ist übrigens recht klein, allerdings ist alles drin, vor allem kostenloses Internet wie man sehen kann. Die 100 Euro pro Nacht zahlen wir allerdings nicht, da wir über elong.net (wer sowas für Deutschland bzw. Europa kennt, bitte melden) gebucht hatten. Wer heute noch altmodisch Hotels bucht ist selber Schuld, wir jedenfalls zahlen nur knapp 45 Prozent des Preises und haben nun einen guten Startpunkt für unsere Expeditionen in die Stadt.

Die Erste war übrigens heute so umfangreich, dass ich im Moment todmüde bin. Dafür haben wir die Verbotene Stadt, den Tian An Men, eine kleine Künstlerstraße namens Liulichang Cultural Street und den Himmelstempel abgehackt. Mehr dazu morgen, ich fall jetzt ins Bett. Morgen geht es früh raus, wir fahren auf so einen richtigen Trash-Touri-Trip zur Großen Mauer, mit allem Pipapo, wie eine Kaffeefahrt quasi.

Es reichen ein paar Stunden in China, um zu bemerken, hier ist einiges anders als in Deutschland. Aber um ein paar sehr seltsame Angewohnheiten von Chinesen zu beobachten braucht man etwas länger. Ein paar dieser etwas seltsamen Alltagsangewohnheiten möchte ich hier mal zu Protokoll geben. Heute zum Thema Fotografieren.

Erinnerungsfotos
Bei Erinnerungsfotos scheiden sich ja schon bei uns Deutschen die Geister. Kein Mensch will Oma Ilse dämlich grinsend vor der Akropolis stehen sehen oder winkend auf dem Eifelturm. Angesagt sind Spontanfotos, die Zeigen was Sache ist und auch mal ein ungeschönten Blick auf Oma Ilse zeigen, wie sie völlig fertig vom Laufen auf der Liege im Hotel liegt. Gerade in Zeiten von Digitalkameras kann man eigentlich alles Knipsen.

Chinesen allerdings betreiben das etwas ernsthafter. Bei Fotos muss man sich grundsätzlich in Pose stellen, Lachen ist meist verpönt. Stocksteif stellen sie sich manchmal hin und lassen sich vorm Potala, der chinesischen Mauer oder einen Tempel fotografieren. Immer derselbe Typ vor austauschbaren Hintergrund also.

Die Jugend ist da etwas weiter, bei der zählen vor allem Modell-Posen. Erst Haare richten, dann irgendwie toll hinstellen und erst jetzt darf fotografiert werden. Es ist wirklich faszinierend, wo ich einfach drauf halte, bedarf es bei einem Chinesen einer ungeheuren Vorbereitungszeit.

Gelacht wird übrigens fast ausschließlich in Kombination mit dem Victory-Zeichen. Versuch mal einen Chinesen ohne dieses doofe Fingerspreizen zu fotografieren, es ist kaum zu schaffen, bei Fotos geht’s hier immer ums Posieren.

Hochzeitsfotos

So richtig in Fahrt kommen Chinesen bei Hochzeitsfotos, im feinsten Zwirn gepackt lassen sie sich natürlich am liebsten in Parks ablichten. Das in Pose stellen wurde ja bereits bei normalen Fotos geübt und kann jetzt endlich in Perfektion umgesetzt werden. Dass dabei mehr Schein als Sein praktiziert wird, ist zwar nichts Neues, aber dennoch sehr lustig anzusehen. Unter den wallenden Kleidern tragen die chinesischen Frauen meist Jeanshosen und Turnschuhe, um schneller die Position wechseln zu können. Die verschärfte Variante hierbei ist dann, wenn das Kleid gar keins ist, also nur von vorne so aussieht und hinten offen ist.

Massenfotos mit Ausländern
Es ist manchmal etwas schwer nachzuvollziehen. In größeren Städten wie Suzhou, wo ich mich gerade aufhalte, gibt es sehr viele Expats, also ausländische Fachkräfte, die hier arbeiten. Das hier ein paar Langnasen herumlaufen ist also nichts neues, dennoch wird man immer wieder neugierig von den chinesischen Einwohnern angestarrt, vor allem meine blonde Freundin. Ganz ungeniert glotzen sie dann alle, drehen sich um und können es anscheinend nicht fassen. Das ist irgendwie unangenehm und irgendwann nur noch nervig.

Die lustige Variante davon ist ein Foto mit Chinesen zu machen. Vor kurzem schlenderten wir gemütlich durch einen Park und ein paar chinesische Mädchen sprechen uns an, ob sie denn ein Foto von uns machen dürften. Klar dürfen sie dass, also stehen wir kurze Zeit später umringt von 5 oder 6 kleinen Chinesen auf einer schmalen Brücke und lassen uns wie Prominente ablichten.

Das war dann noch normal, es gibt auch die Variante „Familienfoto“ bei der ein chinesischer Ehemann seine Familie mit einem Europäer ablichtet, wobei der das Baby zu halten hat und die Frau grinsend daneben steht. Oder die Variante „Wie viele Chinesen passen auf ein Bild“, bei dem dann anstatt 5 oder 6 Chinesen wie bei uns, 20 oder 30 Chinesen auf dem Bild stehen und fröhlich ihr geliebtes Victoryzeichen machen.

Jetzt bleibt nur noch die Frage, was zum Geier machen die kleinen chinesischen Mädchen jetzt mit unseren Bildern…

Wenn die Uhr 5 Uhr nachmittags schlägt, dann lassen die Angstellten hier nicht etwa ihre Griffel fallen und machen sich langsam auf dem Weg nach Hause. Weit gefehlt, um 17 Uhr sind die Banken, Museen und Behörden schon verammelt und kein einziger Mensch ist da.

Denn 17 Uhr Feierabend heißt hier, viertel vor wird zusammengepackt, damit man rechtzeitig draußen ist. So wurden wir z.B. freundlich aber bestimmt um 20 Minuten vor fünf aus einem Muesum gedrängt. Als wir in die Eingangshalle kamen, waren die anderen Angestellten brav und ordentlich in Reih und Glied zum Feierabendapell angetreten.

Diese Eile hat sicherlich auch Gründe, einen sehe ich derzeit immer, wenn ich zwischen 17 und 18 Uhr aus dem Fenster gucke. Dort befindet sich ein Büro- und Restaurantparkplatz. Schlägt die Stunde fünf, dann beginnt dort unten das pure Chaos. Gleichzeitig versuchen alle Angestellten VOM Parkplatz und einige Restaurantbesucher AUF den Parkplatz zu kommen. Wen dann noch ein Spezialist sein Auto genau in der Einfahrt geparkt hat, dann ist es komplett aus und vorbei. Dann wir überall gestanden:

Ich könnte den ganzen Tag aus dem Fenster gucken und die Leute beim Ein – und Ausparken beobachten. Vor allem das Hupkonzert ist Musik in meinen Ohren. Faszinierend.

Tag 5: Lhasa-Shanghai

Wir waren gespannt, als wir am Morgen den Weg zum Hotelrestaurant begangen. Sollte es heute klappen mit unserem Toastfrühstück? Die letzten Tage waren eine herbe Enttäuschung gewesen und so wurde uns versprochen, dass wir heute endlich Toast bekommen würden.

Natürlich wusste davon keiner etwas im Restaurant. Meine Freundin verlor die Nerven, hatte sie doch, im Gegensatz zu mir seit 4 Tagen kein Frühstück mehr zu sich genommen. Sie machte den Hotelangestellten unmissverständlich klar, was sie vom chinesischen Frühstück hielt und die Angestellten verstanden, obwohl sie kein Wort Englisch sprachen.

Nachdem geklärt war, das uns tatsächlich versprochen worden war, wir bekämen Toast, machte sich ein Angestellter auf den Weg, um im Laden um die Ecke etwas derartiges zu besorgen. Das erklärte uns jedenfalls ein chinesischer Gast, der zufällig herumstand und uns das Geplapper der Angestellten übersetzte. So trank ich meinen Kaffee mit Yak-Milch (hab ich schon erwähnt, dass es inzwischen gar nicht mehr so schlecht schmeckte?) und wartete sehr gespannt darauf was kommen würde.

5 Minuten später tauchten ein kleiner Chinese auf und brachte uns „French Bread“, abgepackt in kleinen Tütchen. Ich wette allerdings, dass noch kein Franzose so etwas gegessen hat. Kein Toast also, aber wenigstens was in der Richtung. Wir bekamen sogar Marmelade und die Bedienung grinste über beide Backen. Alle beobachteten uns, wie wir aßen. Meine Freundin war wenigstens etwas besänftigt, so richtig allerdings nicht – schließlich war das kein Toast.

Wir besorgen noch ein bisschen zu trinken und schauten ein letztes Mal bei den kleinen Läden vorbei. Es wurde langsam Zeit zum Aufbruch. Auf gepackten Koffern saßen wir in der Hotellobby und warteten auf den Fahrer und den Guide. Eine kleine tibetische Putzfrau wischte an uns vorbei, ging zum Wasserspender und brachte uns lächelnd zwei Gläser Wasser.

Genauso hatte ich die Tibeter in den fünf Tagen kennen gelernt, freundliche, lächelnde Menschen, die sich tatsächlich darüber freuen, wenn du sie grüßt. Selbst beim feilschen sind sie hell auf begeistert, wenn du hart bleibst.

Die letzten Gipfel Tibets

Und Tibet ist ein Land der Vielfalt. Es gibt nicht nur Mount Everst und Lhasa, es gibt Wälder, Seen, Wüsten, Steppen, Schnee und Flüsse. Fünf Tage sind einfach nicht genug, um alles zu sehen, alles aufzunehmen.
Ich werde wohl wiederkommen müssen, denke ich, als ich in das Flugzeug nach Shanghai steige und ein letztes Mal auf die braunen Berge blicke.

Eine halbe Stunde später überfliegen wir den Basum Co mit der kleinen Insel, ein Zeichen finde ich, ich komme definitiv wieder…

Das ist das Ende des Reiseberichts der 5 Tage in Tibet. Er war lang, wer war anstrengend, aber er ist vollendet. Ich hoffe ihr habt euch dabei nicht zu viel gelangweilt, ab jetzt gibt’s wieder kürze Beiträge.

Tag 4: Basum Co
Der Tag begann nicht nur wegen der Maus in der vergangenen Nacht schlecht, auch unser Guide hatte anscheinend keine gute Nacht gehabt, er verschlief etwas und musste geweckt werden. Unter tausend Entschuldigungen machten wir uns auf den Rückweg nach Lhasa. Allerdings mit einen kleinen Umweg zu einem heiligen Gebirgssee, der Basum Co.

Die Fahrt ging also wieder durch die grünen Wälder und die mit Gebetsfahnen behange Berge. Es war wirklich sehr entspannend, bis wir die bekannte Strecke verließen, um zum See zu fahren. Plötzlich fuhren wir neben der Straße, ein Dammbau ließ die Straßenführung etwas aus dem Ruder laufen. Wir rumpelten also über Schotterpisten bergauf und ab.

Gut durchgeschüttelt fuhren wir an unzähligen Tibetern auf ihren kleinen, liebevoll verzierten Motorrädern vorbei. Sie alle waren auf den Weg zu einer Art Volksfest. So kamen wir in den Genuss der verschiedenen traditionellen Trachten dieser Region und dem größten Motorrad-Parkplatz den ich je gesehen habe.

Kurz darauf erreichten wir allerdings schon den See. Grün schimmernd lag er plötzlich unter uns – malerisch umrahmt von gewaltigen Bergen. In der Ferne war der Gletscherberg zu sehen, der diesen See speist. Ein kleines Stückchen weiter kam dann unser Ziel in Sicht, eine kleine Insel mitten im Basum Co. Sie lag nah genug am Rand, dass sie mit einem schwimmenden Steg mit dem Ufer verbunden worden war. Wir stiegen also zum Ufer hinab und wankten über den etwas gewöhnungsbedürftigen Steg zur Insel hinüber. Allerdings nicht ohne die Finger in das trübgrüne Wasser gesteckt zu haben – es war logischerweise eiskalt. Insgesamt war es sowieso ungewohnt kühl geworden. In Lhasa 1000 Meter höher gelegen, lief ich nur im T-Shirt herum, hier brauchte ich eine dicke Jacke.

Tempelinsel im Basum Co

Auf der Insel befand sich ein winziger Tempel, der von der Rotmützen-Sekte betrieben wird. Hier, so sagt es die Legende, hatte einst Padmasambhava, einer der wichtigsten Persönlichkeiten im tibetischen Buddhismus häufig meditiert. Das leuchtet ein, besitzt dieser Ort doch eine fast schon mystische Ruhe. Das trübe Wetter an diesem Tag unterstützte diese Ruhe noch mal. Wenige Touristen hatten heute den Weg auf das kleine Eiland gefunden. So waren die engen Wege rund um den Tempel menschenleer. Nur die knorrigen und unheimlich geformten uralten Bäume versperrten die Sicht auf den still daliegenden Basum Co. Es war herrlich.

Doch das Bewusstsein noch mindesten 7 Stunden unterwegs zu sein, holte uns wieder ein. Widerwillig machten wir uns auf den Weg diesen verzauberten Ort zu verlassen und stapften etwas bedrückt zurück zum Auto.

Und wieder war diese wunderbare Wandlung der Landschaft zu beobachten, als wir weiterfuhren. Die Bäume wurden weniger, die Yaks mehr und irgendwann erreichten wir wieder den Pass. Die altbekannte Gras- und Buschlandschaft rund um Lhasa nahm wieder den Platz vor unserem Fenster ein. Wir näherten uns der Hauptstadt und tatsächlich nach insgesamt 11 Stunden fahrt, tauchte in der Ferne der Potala aus dem Nichts auf – endlich zu Hause.

Viel Zeit zum Ausruhen wollten wir uns aber nicht gönnen, unseren letzten Abend wollten wir im Stadtzentrum verbringen. Wir aßen ein leckeres Mahl in unserer Stammkneipe am Barkhor und schlenderten in der Dämmerung durch die Straßen, bis wir am hell erleuchteten Potalapalast etwas verweilten. Ein letztes Mal wollten wir diesen Ausblick genießen. Die Menschen um uns herum waren ebenso wie wir vom Anblick verzaubert, aus allen Herrenländern standen und saßen sie vor dem Potala und wirkten glücklich.

Es ist schwer loszukommen von Tibet, egal ob Basum Co, die Landschaft, der Barkohr oder der Potala, man kann sich nicht satt sehen. Aber irgendwann muss auch ich ins Bett und so verhandelte ich mal wieder mit einem Taxifahrer, der uns schnell und sicher ins Hotel zurück brachte. Die letzte Nacht in Tibet ging so langsam zu Ende.

Tibet. Dach der Welt. Heimat der höchsten Berge der Welt. Gewaltige Gletscher, Schnee unwirtliche Gegenden und harte Lebensbedingungen. Das Bild von Tibet ist im Ausland geprägt von solchen Bildern. Sicherlich stimmen sie alle, genau das bietet Tibet dem Reisenden, aber es gibt noch viel mehr zu sehen. Um ehrlich zu sein haben meine Schuhe in den 5 Tagen nicht ein Mal Schnee berührt.

Tag 3: Bayi

Am dritten Tag unserer Reise starteten wir unchristlich früh zu einer Tour nach Bayi, einer Stadt 400 km östlich von Lhasa. Wir sollten für diesen Katzensprung fast 10 Stunden brauchen. Dabei waren nicht mal die Berge für die lange Fahrt verantwortlich, sondern die kuriosen Tempolimits. Dabei werden die 400km in zwei Stücke von etwa 80 und 250km zerlegt. Am Anfang und am Ende der jeweiligen Etappe stehen Posten der Traffic Police. Beim ersten Posten bekommt der Fahrer einen kleinen Zettel vom Beamten gereicht auf dem die Startzeit der Etappe eingetragen wird. Außerdem bekommt er eine Zeitvorgabe, wie lange er mindestens für die Strecke brauchen muss. Ist er zu schneller da, als die Zeit vorgibt, zahlt er am Ende der Strecke eine Geldstrafe.

Aufbruch in den frühen Morgenstunden.

Das System ist gar nicht mal so doof, allerdings hält sich natürlich kein Schwein dran. Die vorgegebenen Zeiten sind teilweise einfach viel zu hoch angesetzt. Für die 80km-Strecke bekam unser Fahrer eine Vorgabe von zwei Stunden – etwas viel für ein eigentlich recht flaches gerades Stück Straße.

Das führt dazu, dass die Tibeter also trotzdem Rasen wie die begasten, egal ob Bus, LKW, Jeep oder Van, egal ob befestigte Straße oder Schotterpiste mit gewaltigen Schlaglöchern. Zwei bis drei Kilometer vor der Polizei-Kontrolle halten sie einfach an, essen oder sitzen einfach nur rum und rauchen. Es kann auch vorkommen, dass ausgiebig am Straßenrand gepicknickt wird. Tibeter sind nämlich leidenschaftliche Picknicker hab ich mir sagen lassen, im Sommer sind alle grünen Wiesen entlang der Straße mit Decken, Essen und Menschen gefüllt.

Unser Fahrer war recht human mit der Auslegung des Tempolimits, nicht zu langsam und nicht zu schnell – eine gesunde Mischung. So konnten wir wenigstens die Landschaft, die Menschen und die unzähligen Tiere auf und neben der Straße genießen. Denn kaum ließen wir die endlosen Gewächshausreihen Lhasas hinter uns begann das Tibet der Acker- und Viehbauern. Überall standen Yaks, Kühe, Schweine und anderes Getier herum. Es kam durchaus vor, dass eine Horde Schweine über die Straße huschte oder eine Kuh es überhaupt nicht einsehen wollte, warum sie denn jetzt von der Straße herunter sollte, nur weil da ein Auto mit vier verdutzt guckenden Menschen steht und hupt.

Die sehr komfortable Straße, die wir befuhren wandte sich immer am Fluss entlang und die grelle, warme Sonne ließ ein wenig das Gefühl aufkommen in Italien zu sein. Die Landschaft war karg, nur wenige Büsche gab es hier und da, ab und an gab es Bäume an der Straße. Die Häuser der Dörfer duckten sich Flach in die Landschaft, als würden sie sich verstecken wollen. Die traditionellen schwarzen Tür- und Fensterumrahmungen sorgten nicht nur für den „tibetischen“ Look, auch soll so im Winter die Luft, die ins Haus strömt, leicht erwärmt werden – schwarz Strahlt ja gut Wärme ab. Auf jeden Haus steht ein kleiner Busch mit Gebetsfahnen: Glücksbringer für die Bewohner.
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5 Tage Tibet liegen hinter uns, 5 Tage voller unglaublicher Eindrücke, Farben, Gerüche, Geschmäcke und einer Landschaft die vielfältiger nicht sein kann. Der 2. Tag in Lhasa neigt sich dem Ende entgegen, Jokhang und der Potala sind abgehakt. Es folgt der letzte Teil des 2. Tages.

Tag 2: Barkhor

Nach dem anstrengenden, aber ungemein befriedigenden auf und ab im Potala suchten wir natürlich etwas Entspannung, das findet man in Lhasa rund um den Jokhang. Genauer gesagt in der Barkhor-Straße, die quadratisch um den Tempel herum führt. Sie ist Teil der Altstadt von Lhasa und seit je her eine der drei Pilgerwege in Lhasa. Der erste führt um die alte Stadt herum und ist etwa 13km lang, entspricht also nur einem Bruchteil des heutigen Lhasa und wird Lingkhor genannt. Der Zweite ist der Barkhor, die Straße um den Jokhang-Tempel. Der dritte und letzte Kreis ist im inneren des Jokhang und wird Nangkhor genannt.

Allen gemein, ist die Masse an Pilgern, die sich ständig auf den Routen befindet, so auch in der Barkhor-Straße. Hinzu kommt allerdings, dass sich nicht nur Pilger, sondern auch Massen von Touristen und Händlern auf der Straße tummeln und für einen gewaltigen Menschenstrom sorgen, der sich immer im Uhrzeigersinn fortbewegt. Gegen den Strom zu gehen ist keine gute Idee. Dennoch wird dieser Fehler sicherlich am Anfang von jedem Besucher völlig unbewusst begangen. Wir z.B. wunderten uns erst nach der ersten Kurve, dass es irgendwie ziemlich schwer war voranzukommen.

Wir mussten aber vorankommen, waren wir doch auf der Mission Reisegeschenke für unsere Freunde und Verwandten zu besorgen. Wir pflügten also durch die Massen und gaben irgendwann genervt auf. An der vom Jokhang aus gesehen hinteren rechten Ecke fanden wir in einem etwas windschiefen Gebäude eine wunderschöne Kneipe, die direkt aus einem Abenteuerroman entsprungen zu sein schien. Dunkle Holztäfelung, ebenso dunkle rustikale Möbel und auf dem Dach eine gemütliche Terrasse. Überall liegen Bücher aus aller Herren Länder herum über Tibet, China, den Himalaya. In manchen Ecken sitzen zwielichtige Gestalten, aber auch Abenteurer, die sich hier in Lhasa ausruhen für ihre weiteren Touren. Kurzum, der Laden lud zum gemütlichen herumlungern ein. Wir bestellten ein paar Getränke, schrieben Postkarten und beobachteten von oben die herumziehenden Menschen.
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5 Tage Tibet liegen hinter uns, 5 Tage voller unglaublicher Eindrücke, Farben, Gerüche, Geschmäcke und einer Landschaft die vielfältiger nicht sein kann. In den folgenden Tagen werde ich die kleine Tour durch Tibet ein wenig dokumentieren.

Tag 2: Potala

Unser heutiges Tagesziel bleibt für uns Ungläubige natürlich der Potala, der in seiner ganzen Pracht einfach eines der beeindruckendsten Gebäude der Welt ist – und um 12 Uhr durften wir da endlich rein! Davor lungerten wir, die Zeit nicht abwarten könnend, vor der ummauerten Vorstadt des Potalas herum. Wieder trafen wir auf einen Pilgerstrom, der betend auf den alten Pilgerstraßen wandelte.

Es grünt vorm Potala

12 Uhr rückte näher und wir machten uns auf zur ersten Sicherheitsschleuse des Palastes, die einem Flughafen alle Ehre gemacht hätte. Vor der Schleuse stand eine riesige Wanne mit Feuerzeugen, die hier natürlich strikt verboten waren. Schon in den ersten Hallen und Räumen wurde die unglaubliche Bauweise des Palastes deutlich – Zement wurde nicht benutzt, einfach die gewaltigen Steine aufeinander gelegt.

Die Vorstadt wurde bereits zum größten Teil renoviert und erstrahlt in neuem Glanze. Überraschend ist es aber schon, solch schönen gepflegten Rasen und kleine Blumenbeete zu sehen. Hier wirkt es fast schon zu sauber und steril. Der Blick haftet aber in diesen Augenblicken sowieso auf den Potala, der so nah, noch unglaublicher und größer wirkt. Wer da keine Gänsehaut bekommt, ist wahrscheinlich schon tot.

Wie kleine Kinder beginnen wir die ersten Stufen hinauf zum Palast zu erklimmen, Tashi, unser Führer, ermahnt uns jedoch mit unserer Kraft schonend umzugehen und im Zickzackmarsch hinaufzulaufen. Yaks steigen Berge schließlich genauso hinauf.

Auf dem Weg hinauf, sehen wir eine leere Stele, die zur Fertigstellung des Palastes errichtet wurde. Sie ist völlig leer, kein Wort ist zu sehen. Die Menschen waren sprachlos und wussten nicht, wie sie dieses Wunderwerk loben sollten, also ließen sie die Stele leer. Für mich absolut nachvollziehbar. Auch die Worte Tashis wurden für mich langsam nachvollziehbar. Die letzten Stufen bis zum Haupttor des Potalas waren wirklich schwer und ich war völlig außer Puste – scheiß dünne Luft. Dafür waren die Kopfschmerzen weg.

Vor dem eigentlichen Tor hingen gewaltige Tücher aus robuster Yakwolle, welche die Sonne und den Wind vom bunt verzierten Holztor abhalten sollte. Nach einer kleinen Verschnaufpause ging es weiter hinauf, die Treppen wurden immer enger und mir immer wärmer. Als wir endlich den Haupthof des Potalas erreichten, war ich ehrlich erleichtert.
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5 Tage Tibet liegen hinter uns, 5 Tage voller unglaublicher Eindrücke, Farben, Gerüche, Geschmäcke und einer Landschaft die vielfältiger nicht sein kann. In den folgenden Tagen werde ich die kleine Tour durch Tibet ein wenig dokumentieren. Nach dem ersten Teil, geht es nun weiter.

Tag 2: Jokhang

Was man als Europäer unbedingt wissen muss, wenn man nach Tibet oder in eine andere chinesische Provinz fährt, ist dass man sich ein ordentliches Frühstück in die Haare schmieren kann, aber nicht auf Toasts. In den meisten Hotels wird ein chinesisches Frühstück gereicht, dass aus Mais, Hefeklößen, Gurke und irgendetwas höllisch scharfen besteht. Dazu die völlig geschmacksneutrale Reissuppe. Am Ende bekommt man meist noch eine Milchpackung hingestellt, die dann das Beste am ganzen Frühstück ist. Das schlimmste allerdings ist der Kaffee, der mit Yakmilch gereicht wird. Ein ranziges Zeug sag ich euch, aber ich hab mich im Laufe der Zeit dann doch irgendwie dran gewöhnt.

Der heiligste Tempel der Tibeter: Jokhang mit Gläubigen

Dank des übermäßig schlechten Essens am vorangegangen Abend verzichteten wir allerdings auf das Frühstück, wir fanden es ehrlich gesagt auch gar nicht. Das Hotel war etwas unübersichtlich. Aber um 9 Uhr starteten wir sowieso unsere Tour durch Lhasa. Da der Potala ein Hochsicherheitstrakt ist, benötigten wir erst einen Termin, um den Palast besichtigen zu können. Das heißt BEVOR man überhaupt ein Ticket kaufen kann, braucht man eine Erlaubnis dafür. Da steht dann eine Zeit drauf, in der man die Stufen des Potalas hinauf zum Ticketkauf steigen darf. Danach hat man eine ganze Stunde dieses Riesending zu besichtigen. Dieses etwas komplizierte System ist allerdings auch wirklich nötig, denn selbst zu dieser „Nebensaison“ drängten noch immer unzählige Reisegruppen durch die engen Gänge.

Da unser „Termin“ auf 12 Uhr gelegt wurde, konnten wir vorher noch das Zentrum des Universums besuchen – den Jokhang Tempel. Für die buddhistischen Tibeter ist es Pflicht mindestens einmal dort hin zu pilgern – und alle Welt redet vom Potala, dabei ist dieser kleine Tempel viel wichtiger. Das sieht man dann auch, vor dem Tempel herrscht ein Gedränge, wie bei einer Media Markt Eröffnung. Die Pilger werfen sich immer wieder vor dem Jokhang und selbst hier draußen riecht es nach Weihrauch. Der strömt aus zwei großen Stupas vorm Tempel, immer wieder werden Gräser und Kräuter hineingeworfen. Zu lange sollte man nicht neben so einem Ding stehen, wer weiß wo man sonst am nächsten morgen aufwacht.

Das Gemurmel und zusammenschlagen der Hände über dem Kopf beim hinwerfen erzeugte eine wirklich seltsame Geräuschkulisse. Der Boden vor dem Tempel war glatt von den unzähligen Generationen die im Laufe der Zeit dort dem Tempel ihre Ehrerbietung bezeugten. Auch in den Tempel wollten natürlich viele Gläubige. Wir marschierten mit unserem Führer einfach an der Schlange vorbei, zahlende Kundschaft geht vor, und betraten den Vorhof des Tempels, bzw. den Wandelgang. Der erstrahlte typisch tibetisch sehr farbenfroh und reich verziert. Die Hälfte des Wandelgangs war mit Pilgern verstellt, die andere Hälfte mit Touristen. Die Wärme war schon vor dem Tempel sehr hoch. Wie in Tibet üblich mussten die Gläubigen im Uhrzeigersinn durch den Tempel zum Allerheiligsten voranschreiten, einer wunderschönen Skulptur des Buddhas Jowo Shakyamuni. Dieses ist das Ziel aller Pilger und wird mit mitgebrachtem Yak-Öl für die Kerzen und Goldfarbe, die in das Gesicht der Skulptur gestrichen wird, geehrt.

Es ist wirklich erstaunlich, wie dicht gedrängt die schmutzigen Gesichter der Pilger in der Dunkelheit alle hoffnungsvoll in Richtung der Skulptur Blicken. Dem Ziel nach einer manchmal tausende Kilometer langen Reise. Irgendwie fühlt man sich als Eindringling in eine fremde Welt. Besonders ist, dass der Jokhang keiner bestimmten buddhistischen Sekte geweiht wurde, jede der vier Hauptrichtungen des tibetischen Buddhismus findet Beachtung.

Das alte Lhasa: Blick vom Jokhang

Die Dunkelheit, der Geruch der Butterkerzen und der Räucherstäbchen rauben meiner Freundin den Atem, ihr wird schlecht und wir müssen aufs Dach des Tempels flüchten, um frische Luft zu schnappen. Was allerdings nicht Schade ist, denn von hier aus, hat man nicht nur einen schönen Blick auf die Altstadt Lhasas, sondern auch auf den Potala. Der Blick von hier auf die schmalen Gassen rund um die Barkhor-Straße lässt ein längst vergangenes Lhasa wiederauferstehen.

5 Tage Tibet liegen hinter uns, 5 Tage voller unglaublicher Eindrücke, Farben, Gerüche, Geschmäcke und einer Landschaft die vielfältiger nicht sein kann. In den folgenden Tagen werde ich die kleine Tour durch Tibet ein wenig dokumentieren. Heute gibt’s den ersten Teil.

1. Tag: von Shanghai nach Lhasa

Die Nacht war unglaublich kurz in Shanghai, wir hatten den ganzen Tag auf den Beinen verbracht, uns eine Ausstellung und den wirklich zauberhaften Yu Garten angesehen und waren früh zu Bett gegangen. Da aber mitten in der Nacht ein gewaltiges Feuerwerk den Bund erhellte, war an Schlaf kaum zu denken, es knallte an allen Ecken und Enden. Chinesisches Feuerwerk ist unglaublich laut, als würden sie einen gesamten Straßenzug abreißen – nicht zu empfehlen, wenn man schlafen möchte.

Dafür war der Aufbruch um halb 6 Uhr morgens zum Flughafen Pudong problemlos, sodass wir in aller Ruhe einchecken konnten. Wir hielten es wie die Chinesen und reisten nur mit Handgepäck, das zwar schwerer als die erlaubten 5 Kilo war, aber immerhin die erlaubten Maße hatte. Was folgte war ein sehr unspektakulärer Flug ins verregnete Xi’an, von wo aus wir weiter nach Lhasa fliegen sollten.

Der Himalaja von oben

Erst diese zweite Etappe des Fluges versprach Spannung, denn nach einer knappen Stunde ragten die ersten Ausläufer des Himalajas aus der langsam zerreißenden Wolkendecke. Wunderschön und beeindruckend, die zerklüftete Landschaft zu sehen, die unglaublich nah war und immer näher kam. Das passiert einfach, wenn die Landschaft plötzlich 4000 Meter höher liegt.

Beim Anflug auf den LXA, den Flughafen von Lhasa blickt man auf eine seltsam anmutende Flusslandschaft, in der mittendrin eine Landebahn samt Tower und Wartehalle steht. Der Flughafen selbst hat wirklich Kleinstadt-Niveau, ist aber angenehm sauber und gut klimatisiert. Genau das verhinderte nämlich, dass wir einen Hitzeschlag bekamen. In der Sonne waren mindestens 26°C – und das auf dem Dach der Welt! Irgendwie hatte ich zwar nicht mit Minus-Temperaturen gerechnet, aber auch nicht mit so einem Sommerwetter. Nachdem wir unseren „Native-Guide“ getroffen hatten, wurden erstmal die dicken Jacken und Pullover auf die Rückbank geschmissen.

Natürlich bekamen wir auch einen Kata geschenkt, einen weißen Schal, der traditioneller Weise zur Begrüßung übergeben wird. Aber bei der Hitze einen Schal zu tragen war trotz aller Tradition irgendwie etwas zu warm. Unserm Guide Tashi, der bekennender Buddhist war, schien das allerdings nicht zu stören. Wichtig war ihm, uns erste Instruktionen für die nächsten Tage zu geben. Er riet uns (1) viel zu trinken, (2) leicht zu essen und (3) nach dem Duschen warm einzupacken, da man sich hier sehr schnell erkälten kann. Logisch, nachvollziehbar und leicht zu befolgen.

Währenddessen fuhren wir durch den bisher einzigen Autotunnel Tibets, der die Fahrt vom Flughafen in die Hauptstadt auf eine Stunde verkürzt. Etwas gewöhnungsbedürftig war die Durchfahrt allerdings schon: Auf der 2km langen Strecke wird ohne Licht, nur mit Warnblinker gefahren. Hauptsache man wird gesehen.

Auf dem Weg zum Hotel gab es auch gleich ein kleines Sightseeing-Programm, einen uralten Buddha in den Stein gehauen und farbenfroh bemalt. Zu ehren des heiligen Lhasa-Flusses in Fels gehauen. Der Fels ist übrigens über und über mit Katas behangen, die Erde aus dem Flussbett enthalten. Wie die kleinen Tibeter die Schals in 6 Meter Höhe befestigen konnten, ist mir allerdings ein Rätsel.

Wunderschöner Buddha nahe Lhasa in den Fels gehauen

Unser Hotel lag etwas außerhalb des Zentrums und da wir über ein Chinesisches Reisebüro gebucht hatten, entsprach es auch chinesischen Standards. Kein Schwein konnte also Englisch, aber wenigstens war (wenig) Papier auf den Toiletten und selbige bestanden nicht nur aus Löchern im Boden. Tashi berichtet uns noch von unserem Programm am nächsten Tag und ließ uns erst mal zum Entspannen im Hotel zurück.

Wir packten unsere Koffer ins Zimmer und zogen unsere qualmenden Winterschuhe aus, die wir auf Ratschläge hörend mitgenommen hatten. Kurz danach ging es raus in die freie Wildbahn, um Wasser zu kaufen. Auf der Straße grüßte uns so ziemlich jeder Tibeter mit einem freundlichen „Hello“, leider beschränkten sich ihre Englischkenntnisse auf genau dieses eine Wort, keine Möglichkeit der Konversation also. Das Wasser war schnell aus einem der winzigen Läden besorgt. Der erste Punkt von Tashis Liste war also abgehakt. Nächster Punkt: leichtes Essen.

Das gestaltete sich etwas schwieriger. In dem Restaurant unterhalb unseres Hotels gab es weit und breit keine der üblichen bebilderten Speisekarten. Nur chinesische Hieroglyphen und keinen englisch sprechenden Angestellten. Wir waren dafür Restaurantgespräch Nummer 1. Jeder der etwa 8 Kellner stand um uns herum und gab seinen Senf zum Geschehen ab. Die Chefin des Ladens ging die Sache logisch an. Nachdem wir uns gegenseitig nicht verstanden, führte sie uns zu einem Tisch, an dem schon gegessen wurde. Wir sollten einfach zeigen, was wir haben wollten.

In einem gewaltigen Topf in der Mitte des Tisches brutzelte Gemüse und anderes undefinierbares Zeug in einer Brühe vor sich hin. Essbares –jedenfalls für uns – konnten wir allerdings nicht entdecken. Einer weiteren Eingebung folgend wurden wir nun in die Küche geschleift, wo wir direkt am rohen Objekt zeigen sollten, was wir haben wollten. Inzwischen waren 20 Angestellte um uns versammelt, die alle lachten, feixten und uns seltsame Nahrungsmittel unter die Nase hielten.

Nachdem wir einige Sachen ausgewählt hatten, wurden wir zum Tisch geleitet auf dem ebenfalls dieser gewaltige Topf mit Brühe gestellt wurde. Unterhalb wurde ein Gasbrenner angezündet und dann kamen die ausgewählten Speisen. Immer noch roh, sollten wir die Teile selbst in den „Hot Pot“ werfen und kochen – gar nicht so leicht mit Stäbchen. Dass das Zeug letztlich ungenießbar war, lag vor allem an der wirklich ekelhaften Soße, die irgendwie total ranzig schmeckte. Letztlich bezahlten wir knappe 10 Euro für den Mist und ein paar Getränken, die wir aus Fingerhüten tranken. Na gut, die Gläser waren ein bisschen größer, aber nicht viel. Die Angestellten des Restaurants waren allerdings unglaublich zuvorkommend und immer freundlich zu uns, auch wenn das Essen wie schon erwähnt total widerlich war.

Der ranzige Geschmack ging übrigens nicht mal nach zweimal Zähneputzen weg. Ein wirklich ekelhafter Nachgeschmack blieb immer. Hinzu kamen dann noch extreme Kopfschmerzen, die mich bis zum nächsten Morgen begleiten sollten. Die dünne Luft hier oben ist für Flachländler – und dazu gehören alle, die unter 3000 Meter leben – sehr gewöhnungsbedürftig. Glücklicherweise hatten wir Aspirin dabei, sonst hätten ich die Nacht kein Auge zu getan.

So schlief ich wenigstens ein paar Stunden, wachte allerdings immer wieder auf und schmeckte dieses eklige Essen immer noch auf der Zunge. Hinzu kam ein verdächtiges Brummeln in der Magengegend – irgendwas Bahnte sich den Weg ins Freie…

Morgen geht’s weiter mit dem Reisebericht Tibet. Mit dabei der Potala, Jokhang-Tempel und die Barkhor-Street.

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