März 2008
Monats-Archiv
Ja die Augsburger wollen gern anders sein, das wird ja immer und überall betont. Sie sind keine Bayern – nein – sie sind “Augschburger”. Großstädter sind sie auch nicht, “Augschburger” sind sie, schließlich war man ja schon lange vor München und Berlin eine wichtige Großstadt sagt man sich gerne an den Bierbänken.
Dass die Zeiten lange vorbei sind, Augsburg inzwischen nur noch die drittgrößte Stadt Bayerns ist und ihre Bekanntheit lange Zeit nur von der Puppenkiste bezog, wird dem Augsburger manchmal nicht so sehr bewusst. Inzwischen fällt man allerdings wieder auf als Augsburger – nicht selten erlebte ich, dass in anderen bayerischen Großstädten Augsburg als Synonym für Provinz gewählt. Ganz so Unrecht haben sie da eigentlich nicht.
Wie sonst kann man sich erklären, dass ein erfolgreicher Bürgermeister wie Paul Wengert so dermaßen deutlich abgewählt wird. Er habe “mit seinem Tempo viele in der Stadt abhängte” versucht die Süddeutsche Zeitung dieses Paradoxon zu erklären. Wengert hatte in den sechs Jahren zuvor die Schulden abgebaut, kräftig in die Bildung investiert und eine beachtenswerte Integrationspolitik umgesetzt. Sein Denkmal wollte er aber mit der Mobilitätsdrehscheibe setzen.
Trotz aller Erfolge scheint Wengert aber bei den Augsburgern nie wirklich angekommen zu sein. Vielleicht lag es daran, dass der OB A.D. sechs Jahre meinte eine Großstadt zu regieren und nicht “Augschburg”. Hier, wo Themen wie Bänke aufstellen oder Hundetoiletten für große Zustimmung bei den Bürgern sorgen.
“Augschburger” wollen keinen fernen, staatsmännischen, erfolgreichen Bürgermeister. Nein, sie wollen einen fürs Volk, einem Augschburger mit dem man im Wirtshaus über Hundetoiletten schwätzen kann – wie’s halt in Provinzdörfern so gehandhabt wird.
Und wie in Provinzdöfern üblich braucht man auch breite Straßen für die Traktoren, weshalb die Straßenbahnlinie 6 jetzt doch bitte nicht gebaut werden soll. Der öffentliche Nahverkehr ist ja schließlich so ein Kommunistending: alle können damit fahren, für wenig Geld und das auch noch umweltfreundlich. Dann doch lieber individuell mit dem Trecker in die Innenstadt und für Stau sorgen. Am besten die Friedberger Straße gleich auf acht Spuren ausbauen!
Was aber machen die Bauern, wenn der Parteikumpel am Ende die Straßenbahn dann doch nicht verhindern kann? Sie wird ja schon gebaut. Dann wird der bürgernahe OB sich doch nicht mehr so oft in den Biergärten rumtreiben können.
Aber wer weiß schon was die Zukunft bringt, vielleicht ist der Gribl Kurt ja doch kein so unangenehmer Zeitgenosse. Schließlich war er bisher noch gar kein Mitglied der CSU, was ihn eigentlich sympathisch macht. Und vielleicht wird er gar nicht die Marionette der Augsburger Filzpartei, wer weiß das schon?! Vielleicht haben sich die CSU-Lokal-Fürsten ein Kuckucksei ins Nest geholt und Gribl macht tatsächlich bürgernahe Politik – ein Graus für jedes Führungsmitglied der CSU.
Schaun ma moi! Hauptsache die Traktoren rollen!
PS: Danke Paul für die letzten sechs Jahre, die kann dir keiner schlecht reden.
Ist das nicht ein herrlicher Tag um wählen zu gehen?! Einfach mal seine Stimme abgeben für den zukünftigen Bürgermeister der Stadt? Man könnte das ja mit einem Spaziergang verbinden oder einem Café-Besuch. Im Kino laufen auch ein paar schöne Filme, Lars und die Frauen zum Beispiel oder Juno.
Also was hindert euch daran heute wählen zu gehen? Auf gehts!
Endlich mal wieder was gutes in der Zeitung, nämlich ein kleiner Artikel über mich und meinen baldigen Peking-Aufenthalt
Auf Seite 44 der Wochenendausgabe der Augsburger Allgemeinen strahle ich euch entgegen. Allerdings steht nichts was ich hier schon verkündet habe im Artikel, außer ein paar nicht ganz wortgetreue Zitate.
Lesenswerter ist da der Artikel über den Exiltibeter Jampa Thinley ebenfalls auf Seite 44. Aber wer mich mal live und in Farbe in der AZ sehen will, der hat wie gesagt dieses Wochenende die Chance dazu.
Schade, dass mein Blog nicht namentlich erwähnt wird, ich hatte extra die Webadresse angegeben
Lars und die Frauen (USA 2007)
Regie: Craig Gillespie
Drehbuch: Nancy Oliver
Darsteller: Ryan Gosling, Patricia Clarkson, Emily Mortimer
Länge: 106 Minuten
Voting
5 Sterne bei 5 Stimmen
Lars (Ryan Gosling) ist ein wenig seltsam, damit hat sich sein Bruder Gus (Paul Schneider) schon abgefunden, seine Frau Karin (Emily Mortimer) wird jedoch nicht müde ihn immer wieder zum Essen einzuladen. Lars schlägt die Angebote immer wieder aus, er ist lieber allein.
Da ist es nicht verwunderlich, dass sich Gus und Karin unglaublich freuen, als Lars verkündet, er habe eine Freundin. Die Freude verfliegt allerdings schnell wieder, als sie erkennen, wem Lars sein Herz geschenkt hat: Bianca – einer lebensechten Gummipuppe, die er im Internet bestellt hat!
Die Ärztin des Ortes (Patricia Clarkson) diagnostiziert Wahnvorstellung und empfiehlt den beiden, dass sie mitspielen, um Lars zu heilen. So beginnen die Bewohner des kleinen Ortes, in dem Lars lebt, Bianca tatsächlich als echten Menschen zu behandeln. Aber das verkompliziert die Beziehung zwischen Bianca und Lars zunehmend. Bis die Geschichte eine tragische Wendung nimmt…
Soweit zur Story, die augenscheinlich eine Menge Platz für Zoten lässt – schließlich geht es um eine vollfunktionsfähige Sexpuppe. Dankenswerterweise verzichtet Regisseur Craig Gillespie auf solch effekthaschende platten Witze und erzählt in einem absolut unamerikanischen Film die Geschichte eines liebenswerten Eigenbrötlers auf dem Weg zurück in die Gesellschaft.
Das dies gelingt liegt nicht nur an den schönen ruhigen Kamerabildern, die uns völlig unaufgeregt das Leben in der verschneiten nordamerikanischen Stadt zeigen, sondern zu großen Teilen an einen wunderbar aufspielenden Ryan Gosling. Der Zuschauer kann nicht anders als diesen immer etwas schief und verschüchtern grinsenden Burschen zu mögen. Schließlich ist er trotz seines zurückgezogenen Lebens und unglaublich schlechten Klamottengeschmacks ein höflicher und beliebter Mitbürger.
Stück für Stück entblättert sich Lars’ verstörte Seele, als er beginnt regelmäßig mit Bianca zum Arzt zu gehen. Der Vorwand Bianca sei krank und brauch eine langfristige Behandlung ermöglicht es der Ärztin des Ortes Lars besser zu verstehen. Dank der wirklich grandiosen Patricia Clarkson funktionieren diese Dialog trotz skurriler Themen hervorragend. Es sind diese Momente, die den Film seine Tiefe verleihen. Auch wenn es fast klischeehaft anmutet, dass beide Arzt und Patient beginnen viel von sich Preis zu geben.
Zu viel will ich über den Film gar nicht verraten, der gerade davon lebt, dass er den Charakter von Lars wie eine Zwiebel immer weiter schält, bis die Motive des jungen Mannes offen liegen. Es ist jedenfalls ein rührender, witziger und skurriler Weg bis dorthin.
Fazit: Ein toller Film, den ich in der Form eher aus Schweden oder Dänemark erwartet hätte aber nicht aus den USA. Ein durch die Bank klasse besetztes Schauspieler-Ensemble haucht dem kleinen Kaff so sympathisch Leben ein, dass man gerne dort Leben würde und der Hauptdarsteller spielt so wunderbar, dass ich mich wundere, warum er “nur” den Golden Globe für diese Rolle gewonnen hat. Gosling ist ein Schauspieler den man unbedingt im Auge behalten sollte.
Wer also mal wieder ein wenig Lust auf einen Feel-Good-Movie hat, der sollte sich Lars und die Frauen nicht entgehen lassen.
5 von 5 Popcorn-Tüten für einen durch und durch sympathischen Film mit tollen Darstellern und einer skurrilen und doch ernsten Geschichte. Unbedingt ansehen!

Ja gibt’s das?! Da hab ich es doch tatsächlich nicht geschafft eine kleine Zusammenfassung des Donots-Konzerts vom vergangenen Donnerstag zu schreiben. Das wird natürlich genau jetzt nachgeholt.
Open-Air-Konzerte sind ja schon ziemlich cool, so cool wie letzten Donnerstag allerdings war noch keins, was allerdings vor allem an den ziemlich niedrigen Temperaturen lag. Gut eingepackt mit Schals und Mützen fanden sich doch eine ganz ansehnliche Masse an Menschen auf den Elias-Holl-Platz hinter dem Rathaus ein, um dem kostenlosen Musikvergnügen in Form der Donots zu frönen.
Die ließen die frierenden Fans nicht lange warten, erklimmten kurz nach 19 Uhr den Tourbus und begannen vor historischer Kulisse zu spielen. Trotz eisiger Kälte und rockiger Klänge dauerte es einige Zeit, bis das Publikum warm wurde. Dank der teilweise wirklich guten Comedy-Einlagen zwischen den Songs wurde das Publikum aber dann doch lockerer und das lustige Rumschubsen konnte beginnen. Da merkte man sehr schnell, dass die Donots schon alte Hasen im Musikgeschäft sind, die das Publikum ein ums andere Mal zum Tanzen animieren konnten.
Einen kleinen Lapsus leistete sich allerdings der Schlagzeuger, als er statt Augsburg mit Regensburg verwechselte. “Lyncht ihn!” skandierte Leadsänger Ingo Knollmann daraufhin. Für mich waren die kleinen Einlagen zwischen den Songs tatsächlich schon fast das Beste an dem Konzert. Bisher konnte ich mit den Donots nicht wirklich warm werden, was sich wohl auch mit dem neuen Album Coma Chameleon nicht ändern wird. Die Songs, die ich auf dem Konzert hören konnte, waren zwar nicht schlecht, aber auch nicht zum Ausrasten. Ein zweites Reinhören haben die Jungs sich aber schon verdient.
Allein schon für den Spruch: “Ihr habt ja jetzt gerade Wahlkampf hier. Sagt mal: Wie scheiße sieht der Typ von der CSU eigentlich aus?!” hatte sich der Besuch des Konzertes gelohnt. Ingo Knollmann stellte sich dann, immer noch beeindruckt von dem riesigen Rathaus im Rücken, spontan zur Bürgermeister-Wahl, auch wenn er spätestens im nächsten Jahr mit nem Koffer voll Geld in der Karibik geflüchtet sei.
Als die obligatorische Zugabe gegen 20 Uhr gegeben wurde, gaben nicht nur die Band sondern auch die Fans noch mal alles, tanzten, pogten und sangen aus voller Kehle mit. Ein gelungener Abschluss eines gelungen Konzertes. Ich bin zwar immer noch kein überzeugter Donots-Fan geworden, aber die Jungs sind wahrlich sympathisch und allein für die Show zwischen den Songs hat sich der Abstecher hinter das Rathaus gelohnt. Dass dann doch noch der ein oder andere Song für reflexartige Tanz- und Springbewegungen gesorgt hat, rundete den Abend dann doch noch sehr schön ab.
Fazit: Gerne wieder! Die Location hinter dem Rathaus eignet sich hervorragend für Konzerte, der Sound ist grandios. Die Donots waren es fast. Was allerdings nicht an der Band, als viel mehr an mir als “Nicht-Fan” lag. Aber auch mir wurde eine tolle Show geliefert. Also Danke für das tolle kostenlose Konzert – nächstes mal will ich aber besseres Wetter!
4 von 5 Popcorntüten: Coole Band zu klirrender Kälte.

Kann mir mal jemand verraten, was ich machen soll wenn mein Internetzugang derzeit komplett von Google abgeschnitten zu sein scheint? Da will ich gerade eine Mail schreiben und im nächsten Moment hagelt es Fehlermeldungen.
Ein kleiner Kontrollgang durch die Google-Welt bestätigt meinen Verdacht: sämtliche Googledienste sind nicht verfügbar – bis auf YouTube. Das läuft immerhin halb, was heißt: Es gibt keine Videos nur unformatierten Text zu sehen, was die Seite dann doch wieder unbrauchbar macht.
Die Kontrolle auf meinen iBook verlief ebenso ernüchternd, kein Zugang zur bunten Google-Welt. Ich bin also völlig abgeschnitten von der Welt – ohne Zugriff auf meine wichtigen Daten. So bin bin ich jetzt erst mal arbeitslos, schließlich wollte ich einen Stapel Mails verschicken und dann noch ein Dokument in GoogleDocs bearbeiten. Das ist dann also die neue schillernde Online-Welt, irgendwie fühl ich mich im Moment ziemlich verarscht. Vor allem weil ich tatsächlich überlegen musste, wo ich jetzt die Screenshots hochladen muss, Picasa ist ja auch offline.
Vielleicht sollte ich mich nicht nur auf Google verlassen. Oh Gott, gerade wollte ich bei Google suchen, warum ich Google nicht erreiche und ich musste ganz schön überlegen, welche Suchmaschinen es noch gibt. Ich bin ein Reha-Patient, der wieder laufen lernen muss.
Wie hört sich “Knappe Mehrheit für CSU und Pro Augsburg” als Schlagzeile an? Nach geglückten Koalitionsverhandlungen im Augsburger Stadtrat würde ich spontan mal sagen – jedenfalls wäre das der Titel den ich für so einen Artikel wählen würde.
Dumm nur das es bisher keine Koalitionsverhandlungen gegeben hat, das hindert die Augsburger Allgemeine nicht genau diesen Titel zum Endergebnis der Stadtratswahl auszuwählen. Tendenziöse Berichterstattung könnte man das nennen. Aber vielleicht wissen die Redakteure der AZ ja mehr als wir. Gut, es liegt ja irgendwie nahe, dass CSU und Pro Augsburg zusammengehen, aber Fakt ist es noch nicht. Keine gute Schule.
Und warum stehen Geschichten wie sie Horst Thieme in seinem Blog veröffentlicht nicht in Zeitung? Mal ein bisschen investigativ recherchieren wäre doch für die Leser bestimmt interessant. Leider wird das in Regionalzeitungen nicht wirklich betrieben, schließlich soll die Dorfprominenz nicht verärgert werden. Man will ja auch zur nächsten Party eingeladen werden.
Was also tun? Welche Nachrichtenquelle kann ich denn nun heranziehen, um mich über Augsburg informieren? Ich hab irgendwie keine Lust eine Nachrichtenseite zu nutzen, bei der sich hartnäckig die Story Man blockiert Kinderbecken an erster Stelle hält. Irgendwie fehlt mir da ein Augsburger News-Portal. Ist das keine Marktlücke?
Wer außer die notorischen “Mit der Zeit wird alles gut”-Verkünder hätte das nach all der Zeit noch vermutet: Sean Ellis grandioser Streifen Cashback kommt endlich in Deutschland als DVD in die Läden!
Die poetische Liebeskomödie habe ich ja bereits ausführlich in meiner Filmkritik hochgejubelt. Wer sich also endlich selbst von der Qualität des Films überzeugen will, der gehe ab 10. März in das DVD-Fachgeschäft seiner Wahl. Nicht mal 16 Euro wird das Filmjuwel wohl kostet.
Wer es gar nicht mehr aushält, der kann sich den Film schon seit geraumer Zeit in der Videothek ausleihen, wenn sie denn gut bestückt ist.
Überraschung in Augsburg, das Gribl liegt nach der heutigen Kommunal- bzw. Bürgermeisterwahl vorm Amtsinhaber Wengert. Woran das wohl gelegen hat? Vielleicht an der wirklich peinlich niedrigen Wahlbeteiligung von etwa 48% wie Wengert behauptet? Sind die Augsburger einfach zu faul, um zur Wahl zu gehen?
Das könnte durchaus sein, ähnlich hatte sich das ja schon beim Bürgerentscheid zum Königsplatz abgespielt. Damals waren nur 25% der Augsburger in die Wahllokale geströmt. Die CSU scheint wohl die disziplinierteren Wähler zu besitzen. Die scheuten sich heute jedenfalls nicht vor dem nass-kalten Wetter und stapften zur Wahl. Setzt die SPD also auf Schönwetterwähler? Sollte man in dem Fall die Wahlen nicht lieber auf den Sommer legen?
Ganz so einfach ist es wohl nicht, aber dass die niedrige Wahlbeteiligung natürlich Auswirkungen auf das Ergebnis hat, scheint nachvollziehbar. Was nutzt es dem Bürger, wenn nicht mal die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben? Selbst schuld möchte man da sagen, wenn die Augsburger ihre Chance nicht nutzen, sich an der Gestaltung ihrer Stadt zu beteiligen. Da kann man dann auch nur Bärbel Wengert zustimmen, wenn sie Gribls Erfolg mit den Worten “Jeder kriegt das, was er verdient. Und wenn die Augsburger den wollen, sollen sie ihn haben.” kommentiert.
Aber noch wirft Wengert die Flinte nicht ins Korn, kämpferisch verkündet er “… abgerechnet wird am 16. März!” Ich kann nur hoffen, dass dann eine höhere Wahlbeteiligung erreicht wird. Wer will schon einen Bürgermeister, der vielleicht nur von einem Viertel der Bürger gewählt wird?
Dass nicht alle Augsburger uninteressiert an den Wahlen sind, sieht man allerdings an den Problemen derzeit auf die Seiten der Stadt Augsburg und der Augsburger Allgemeinen zu kommen – die sind am Zusammenbrechen.