Mai 2008
Monats-Archiv
Wenn die Stadt mal wieder riecht wie der größte Aschenbecher der Welt, dann freue ich mich immer diese Straße entlangzlaufen. Hier riecht es trotz Bauarbeiten all über all immer wunderbar nach Rosen.
Allgemein haben die Chinesen sehr viel übrig für Blumen, man mags kaum glauben. Aber die Rosen und auch andere Blumenarrengements sind sehr beliebte Fotomotive. Nachts wenn’s dann schön dunkel ist, dann kommt auch die ein odere andere alte Dame angeschlichen und nimmt sich ein paar Pflanzen mit nach Hause. Aber die riechen auch zuuuu gut….
Einkaufen ist in China echt manchmal ein einziger Krampf. Ich war heute im Wonderful Supermarkt, eine Art Kaufland, wie sie in Augsburg so vorkommen. Also so ein klein wenig schmutzig und nicht mehr ganz so modern. Dabei ist er aber wesentlich besser, als mein Wu-Markt hier um die Ecke.
Der Wonderful-Markt hat jedenfalls alles, was die moderne chinesische Hausfrau bzw. der Hausmann braucht. Vom hypermodernen Reiskocher für Sie bis zum Flachbildschirm für Ihn. Also irgendwie so, wie bei uns in den großen Supermärkten auch. Man zottelt sich am Anfang einen Einkaufswagen aus der Schlange und rollert durch den Markt – so auch ich.

Ich wollte mir ein paar Stifte und einen Block besorgen und bieg in die Schreibwarenabteilung ein. Ein gewaltiges Paket mit 20 Stiften hat es mir angetan, denn der Preis ist mit 9,9 Yuan ziemlich gut – nicht mal ein Euro wollen sie dafür. Nun ist es allerdings so, dass man nicht einfach die Stifte in den Wagen schmeißt und weiter rollert. Da wären ja viel zu wenig Angestellte nötig. Nein, jede Abteilung im Wonderful-Markt – und zwar wirklich jede – hat eine eigene kleine Kasse. Also Elektro-, Schreib-, Haushaltswaren, Drogerie usw. Bevor du also weiter rollerst, hast du dich an die kleine Abteilungskasse zu stellen und zu bezahlen. Dann bekommst du einen kleinen Kassenzettel mit einem roten Stempel drauf und kannst weiter rollern.
An der Hauptkasse wird dann nur noch mal geschaut, ob du die jeweiligen Abteilungsartikel auch wirklich bezahlt hast und auf dem Kassenzettel kommt noch mal ein roter Stempel. Auf Stempel stehen Chinesen einfach. Alles, was bezahlt wurde, wird abgestempelt. So kann man seine Zeit auch totschlagen.
Es gibt natürlich auch Supermärkte, in denen man alles an einer Kasse bezahlt, aber die chinesische Variante ist verbreiteter. Vor allem Kaufhäuser funktionieren nach genau diesem Prinzip. So kann man viele, viele chinesische Angestellte einstellen, damit die Wirtschaft auch brummt.
Meine 20 Stifte schreiben übrigens sogar und das nicht mal schlecht – obwohl ich immer das Gefühl habe, sie brechen mir gleich auseinander.
Chinesen stehen ungemein auf Karten. Egal ob Spielkarten, Visitenkarten, ID-Karten oder irgendwelche Rabatt-Karten. Das hat manchmal den Nachteil, dass man immer mit einem Stapel an Karten in der Brieftasche herumläuft und die dann irgendwann aussieht wie die Tasche am Fahrrad eines Postboten. Es gibt aber auch ein paar Karten, die einem das Leben ungemein erleichtern. Zwei davon wollte ich mir heute kaufen.
Die Erste war eine IC-Card für die ÖPNV. Quasi eine Prepaid-Karte für Bus und U-Bahn. Die U-Bahn wird dadurch zwar nicht billiger, aber man muss sich nicht immer an die ewig lange Schlange am Ticketschalter stellen. Einfach schnurstracks zum entwerter getingelt und *PIEP* 20 Cent gehn runter. Das coolste ist aber, das Busfahren wird noch billiger mit der Karte, statt 10 Cent bezahlt man teilweise nur noch 4. Man kann schon unglaublich viel Geld sparen in China.
Gut vorbereitet, wie ich nunmal immer bin, hatte ich mir schon einleuchtende Gesten und Geräusche einfallen lassen, um zu erklären was ich wollte. Beim Kauf der Karte geriet allerdings tatsächlich ich an einen Ticketverkäufer der Englisch konnte – eine Premiere für mich! So problemlos hatte ich mir das nicht vorgestellt. Wenn mans am wenigsten erwartet, überrascht einen China immer wieder.
Die zweite Karte, die ich mir besorgte, war wieder eine Prepaid-Karte, diesmal allerdings für mein chinesisches Prepaid-Handy. Ich stürmte als einfach in den nächstbesten Handyladen und brüllte wild gestikulierend “RECHARGE, RECHARGE”. Ob ihrs glaubt oder nicht: Wieder wurde mir im feinsten Englisch geantwortet. Boa – heute kam ich mir echt ein bisschen dämlich vor. Plötzlich sprechen hier alle Englisch. Nach dem Erwerb der Karte, wollte ich dann natürlich gleich mein Handy aufladen. Allerdings war mein Handy so leise -bzw. meine Umwelt so laut – dass ich nicht hörte, was ich denn nun drücken sollte.
So saß ich dann also kurze Zeit später in meinem stillen Kämmerlein und hörte, was mir von der chinesischen Dame in etwas schwer verständlichen Englisch aufgetragen wurde: “Press One-Pfffrrkkkt-Key and fakldö akdl” Ich hörte mir die Bandansage mehrmals an, bis mich die Stimme irgendwann abwürgte: “Your input ist incorrect -TUUUUT”. Das konnte doch nicht sein! Genau das was ich drücken sollte, verstand ich einfach nicht.
Zum Glück gibt es ja das Internet und ich konnte nach ein wenig Recherche eine kleine Anleitung finden, die mich zum Ziel brachte meine China Mobile Prepaid Karte (<-SEO
) aufzuladen. Ich werde die hier mal als kleine Hilfestellung veröffentlichen. Falls mal jemand in die dumme Lage kommt, nur Pfffrrkkkt-Key zu verstehen, dann gibts hier die Lösung in vier Schritten:
- Recharge-Karte kaufen und PIN-Nummer freirubbeln, kennt man ja von unseren Prepaidkarten auch.
- 13800138000 anrufen. Kurz darauf fängt eine Dame an auf Chinesisch Anweisungen zur erteilen, hier einfach 2 drücken. Jetzt spricht sie Englisch. Zum abhören des Guthabens könnte man jetzt wieder 2 drücken, zum Aufladen drücken wir allerdings die 1.
- Jetzt kommt die PIN-Nummer zum Einsatz. Aber vorher drücken wir 1# gefolgt vom PIN. Zum Schluss geben wir noch mal die # ein.
- Nun sagt die Bandstimme am anderen Ende, dass man sich einen Moment gedulden soll und schreit dir dann kurz danach dein neues Guthaben ins Ohr.
Jetzt hab ich wieder genug Geld auf der Karte und man kann mich wieder anrufen – denn Gespräche kosten, egal ob man angerufen wird oder selbst anruft, immer 6cent. Also immer schön aufgeladen lassen die Prepaid-Karten!
Pfffrrkkkt-Key sollte übrigens Pound-Key, also Rautetaste heißen, wem es sich bis jetzt noch nicht erschossen haben sollte.
Das hätte bei einer englischen Schule eigentlich auffallen müssen oder? Na wenigstens sind die Buchstaben nicht spiegelverkehrt. Ich könnte allerdings schwören, dass das auf Chinesisch auch von rechts nach links geschrieben steht. Was sie sich dabei wohl gedacht haben?
Da ist es endlich mal wieder dezent “kälter” geworden hier in Peking und ich fall heute mit krachenden Kopfschmerzen aus dem Bett. Nach einer Kopfschmerztablette geht es irgendwie immer noch nicht viel besser. Ich bin inzwischen einfach nur total platt und mir tut alles an Gelenken weh, was ich so hab. Scheinbar hab ich mich am Wochenende komplett leer geschwitzt.
Gar nicht so leicht sich an das Klima hier zu gewöhnen, aber dank schwacher Klimanalage hier im Appartement bleibt mir wohl nix anderes übrig, als mich schleunigst mit den Temperaturen anzufreunden. Ich glaub duschen hilft jetzt erstmal, dann schauen wir weiter. Wird schon irgendwie gehen heute.
Man ist das war, ich musste mich doch glatt in mein klimatisiertes Appartement zurückziehen, kaum auszuhalten da draußen bei 32°C. Ich bin einfach nur platt…
Das Gute an meinem Appartment ist, dass ich hier keinen Wecker brauche. Hier gibt es einen wunderbar funktionierenden Weckdienst. Jeden Morgen kommt ein anderer, mal die Putzfrau, mal jemand von der Rezeption, der sich für irgendwelche Baumaßnahmen entschuldigen möchte.
Heute Morgen war es allerdings richtig hektisch. Ein Postbote stand vor der Tür und wollte mir irgendwas ausliefern. Ich verstand nicht, was er wollte und er verstand nicht, warum ich ihn denn nicht verstand. Also rief er seinen Chef an und fragte nochmal nach. Kurz darauf passierte das, was ich erwartet hatte, er entschuldigte sich vielmals und verschwand schnell wieder. Wahrscheinlich also eine Verwechslung, hätte ich den Empfangsschein allerdings unterschrieben, hätte ich den Brief wohl ohne Probleme bekommen können.
Der verirrte Postbote war allerdings nicht der Einzige, der da vor der Tür stand. Zwei Bauarbeiter wollten auch mal vorbeischauen. Grund des Besuchs war mal wieder Fenster vermessen. Das hatte ein anderer vor einer Woche zwar schon gemacht, aber sie wollten vielleicht noch mal sicher gehen. Vielleicht wollen sie ja nur vermessen ob das Haus nach dem Erdbeben noch gerade steht, wer weiß.
Man gewöhnt sich allerdings recht schnell an den morgendlichen Weckdienst und demnächst werde ich dann wohl schon mal Frühstück für uns alle vorbereiten, wenn sich Putzfrau, Bauarbeiter und Postbote bei mir treffen.
Was für ein Erlebnis. Ich hab mir gerade die Füße wund gelaufen, so oft bin ich um das Stadion gelaufen. Es ist einfach gigantisch, mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen. Für mich ganz klar das schönste Stadion der Welt – von außen zumindest.
Im Innenraum sieht es halt aus wie viele andere Stadien. Rasenfläche, darum eine Laufbahn und darum die Zuschauer auf drei Etagen. Von innen sieht das Vogelnest übrigens sehr viel kleiner aus, als von außen, was wohl am ziemlich breiten Dach liegt. Das wird – das prophezeie ich jetzt einfach mal – bei Regen sehr viel Spaß bereiten. Die Zuschauer, die im unteren Ring sitzen, werden teilweise schön nass werden. Aber was ein echter Fan ist, kann so was ab.
Wo wir schon beim Publikum wären, das hat sehr gut mitgemacht muss ich sagen. Sie applaudieren, jubeln, freuen sich und lachen sehr viel. Anfeuern können sie auch ziemlich gut. Für die Olympischen Spiele mache ich mir da keine Sorgen, die Chinesen liefern eine super Kulisse ab. Obwohl die Ränge nur maximal bis zur Hälfte gefüllt waren, war die Stimmung wirklich gut.
Die Gänge des Stadions sind übrigens in knalligem Rot gestrichen, was mich dann irgendwie immer an den FC Bayern erinnert hat. Es ist alles wahnsinnig übersichtlich gestaltet. Riesige Symbole und Buchstaben sorgen dafür, dass jeder seinen Platz und vor allem eine der zahlreichen – und die sind wirklich zahlreich – Toiletten findet. Die Fressstände sind auch recht gut verteilt. Bierstände gibt’s allerdings nicht so viele, aber da standen auch größtenteils nur die Langnasen rum.
Alles in allem muss ich sagen, hat mir die Veranstaltung ganz gut gefallen. Sie war sehr gut organisiert und auf dem Gelände kann man sich, dank sehr klarer Hinweistafeln und der unzähligen freiwilligen Helfer, die man immer an knalligen orangenen T-Shirts erkennt, überhaupt nicht verlaufen. Man kann also recht entspannt an die Olympischen Spiele denken. Das wird alles glatt laufen, so diszipliniert, wie die Chinesen heute schon aufgetreten sind.
Als ich dann mit der Masse der Zuschauer aus dem Stadion gespült wurde, hab ich mir noch ein paar Nachtfotos des Stadions gegönnt. Es wirkt einfach atemberaubend, wenn es beleuchtet wird. Völlig irreal und nicht von dieser Welt. Ich hoffe die Bilder konnten das ein bisschen einfangen – mehr davon gibt’s bei Picasa.
Ich werde mich heute mal ins gemachte Nest setzen. Ich hab mir nämlich eine Karte für die China Athletics Open besorgt und werde so endlich mal ins Innere des National Stadions kommen.
Doch davor war anstehen angesagt. Die Damen und Herren am Ticketschalter ließen es nämlich nicht gelten, dass die armen Schlange stehenden Käufer in der prallen Sonne schwitzen mussten. Erst als es auf die Minute genau 16 Uhr war, begannen sie mit dem Verkauf der Tickets – so sind nun mal die Öffnungszeiten. Dann ging aber alles recht flott und die kleine Meute löste sich innerhalb kürzester Zeit wieder auf.
Jetzt bin ich quasi schon auf dem Sprung ins Vogelnest, denn um 19 Uhr geht’s los und anderthalb Stunden vorher lassen sie die Leute rein. Ich werde mich da mal ausgiebig umsehen und spionieren, wie gut die chinesischen Athleten so sind. Alles Weitere dann also später.
Heute entdeckt und gleich mal besucht. Die Selbstbau-Fetischisten finden auch in China immer mehr Zuläufer.
Preislich hab ich jetzt eigentlich gar nicht so viele Unterschiede zu Deutschland gesehen, die Angebote decken sich auch in etwa. Mein Mutter wüsste da aber sicherlich besser Bescheid, was Preise und Ausswahl angeht, die wohnt ja quasi schon in einer der 55qm-Beispielzimmer.
Ich hatte mit den Gedanken gespielt mir mal ein paar Köttbulla zu besorgen, der etwas sehr blasse Kartoffelbrei den es dazu allerdings gab, hat mich nicht wirklich überzeugt. Dumm nur, dass ich meine IKEA-Family-Karte zu Hause gelassen habe. Damit gibt es hier nämlich auch kostenlosen Kaffee – schön blöd.
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