Juni 2008
Monats-Archiv
15:38 Uhr in China | 1 Kommentar
Oh man, da pose ich die ganze Zeit, in was für einer Bonzenwohnung ich residiere und dann beginnt zu meinem Leidwesen doch tatsächlich die Fassade zu bröckeln. Also nicht wortwörtlich! So was könnte man hier zwar auch erwarten, aber ich meine es heute mal im übertragenen Sinn.
Angefangen hat es mit dem Griff der Zwischentüren im Hausflur. Den hatte ich nämlich vor Kurzem in der Hand – ohne, dass dabei die Tür aufging versteht sich. Ich hatte ihn nämlich abgerissen. Als Heimwerker konnte ich dieses Problem aber schnell lösen. Dumm nur, dass ein paar Tage später der Griff plötzlich neben der Schwenktür stand und es seitdem sehr schwer ist, diese vermaledeite Türe zu öffnen. Ehe jetzt noch Fragen kommen, der Griff der anderen Türe war schon immer weg.
Dann hat meine Mikrowelle vor Kurzem begonnen Amok zu laufen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit muss man darauf gefasst sein, dass sie einfach lospiept. Lautstark, nervend und in unterschiedlichen Tonfolgen – wie sie gerad gelaunt ist. Ausstecken kann ich sie nicht, denn die ist doch tatsächlich in meiner Superduperküche fest eingebaut!
Als ich dann heut Morgen schlecht gelaunt aus dem Bett fiel, weil die Amok-Mikrowelle mal wieder zugeschlagen hatte, kam der nächste Schock. Als ich mich unter die Dusche stellte, kam nur kaltes Wasser!!!
Und zu guter Letzt hat meine Putzfrau heute anscheinend nicht das Bad gewischt, was ist den das hier für eine Sauerei! Ich werde morgen mal zum Management gehen müssen – bin schließlich ein Bonze.
PS: Die nächsten (Werk-)Tage könnte etwas mehr los sein im Atos-Origin-Blog, wir haben einen Schwung Beiträge genehmigt bekommen.
Jeder der in Peking mal versucht hat mit dem Bus zu fahren, ohne der chinesischen Schrift mächtig zu sein, wird mir beipflichten, dass es nur mit sehr viel Mühe oder Glück möglich ist, in den richtigen Bus einzusteigen.
Ich hab es schon mit Glück probiert, also einfach in einen Bus einsteigen und dann sehen, ob er denn richtig fährt – hat des Öfteren geklappt. Wenn man sich aber nicht auf sein Glück verlassen möchte, liegt ein mühevoller Weg vor einem. Der erfordert einen Schreibblog und gute Laufschuhe, denn man läuft dabei die Bushaltestellen hab und schreibt sich jeweils die Linien auf, die dort halten.
Da Provinzblog natürlich auch eine herausragende Serviceplattform darstellt, möchte ich heute eine weitere Methode vorstellen, wie man an einen Busfahrplan für Peking kommt. Es erfordert zwar auch etwas Gefrickel, aber man bekommt recht übersichtlich den Linienplan der Busse auf einer Karte angezeigt.
Mit dieser interaktiven (chinesischen) Karte ist es mit etwas Orientierungsinn möglich nicht nur Bushaltestellen zu finden, sondern auch gezielt nach Linien zu suchen. Das macht man mit dem ersten Suchfeld in der linken Werkzeugleiste (siehe Screenshot). Einfach die Nummer der Linie eingeben und schon kann man sich über einen kleinen Bus freuen, der über die Karte fährt.
Falls sich als mal jemand auf meine Seite verirrt, der nach Buslinien in Peking sucht, der kann sich das ja mal anschauen. Vielleicht errate ich ja auch noch, was die ganzen anderen Knöpfe auf dieser Seite zu bedeuten haben…
Alle die mit Buslinien in Peking so überhaupt nichts anfangen können, lesen einfach meinen nächsten Beitrag
Warum zum Teufel sind die meisten Touristen hier in Peking eigentlich wandelnde Klischees? Das ist echt kaum auszuhalten. Ich hab nichts gegen dauerfotografierende Menschen, die mir ständig im Weg stehen. Nichts anderes tue ich ja derteit. Ich hab auch nichts gegen die ganzen Menschenmassen an den Haupttouristenattraktionen in Peking – die muss man halt gesehen haben.
Aber warum zum Geier laufen diese ergrauten Herren aus dem Ausland denn in so unglaublich unmodischen kurzen Hosen mit unglaublich weiß besockten Sandalen rum?! Garniert wird das ganze häufig noch mit einem Augenkrebs verursachenden Hawaiihemd, dass die behaarte Brust kaum zu bedecken vermag. On-Top, als Krönung sozusagen, gibt es dann einen toll-peinlichen Trekkinghut Marke Safari-Expedition, man befindet sich ja als kultivierter Westler im exotischen Ausland.
Genauso gebaren sich die Silberlocken dann auch meistens. So man spricht besonders laut und deutlich mit den primitiven Einheimischen und gibt ihnen in jedem Satz zu verstehen, wie überlegen man doch eigentlich ist und wie unangenehm man diese barbarischen Zustände findet.
So fiel mir heute ein ergrauter Herr in einem Café auf, der in Rage geriet, als die Bedienung seine wohl etwas undeutlichen Anweisungen nicht gleich richtig verstand. Er wollte nämlich zwei Kaffee zum Mitnehmen und zwei Stück Kuchen auf den Teller – er hatte nämlich einen chinesischen Kollegen dabei. Anstatt also seinen einheimischen Kollegen die Bestellung tätigen zu lassen, wollte der Herr Expeditionsleiter lieber alles selber machen.
Als sich dann seine Bestellung in ein Fiasko entwickeln drohte – der Kaffee wurde in Tassen gegossen und es gab nur ein Stück Kuchen – wurde natürlich erst mal lauthals gezetert. Wie ein Gockel plusterte er sich auf und zum Ende hin sprudelte nur noch ein “Where’s the other one? Where’s the other one?!” aus ihm heraus. Gemeint war natürlich das fehlende Stück Kuchen.
Dass der Kaffee bereits in einem Pappbecher gefüllt auf dem Tresen stand und das zweite Kuchenstück im Anmarsch war, bekam der Gockel nicht mit, zu sehr war er damit beschäftigt wie ein Papagei “Where’s the other one?” zu schimpfen.
Seinem chinesischen Kollegen war die ganze Sache extrem peinlich und versuchte den echauffierten Herren zu beruhigen. Erst als der arme Chinese ihm zeigte, dass doch jetzt alles da sei und er seine Brieftasche zückte, um zu bezahlen, änderte der Gockel sein Verhalten. Kommt ja nicht in Frage, dass man sich von einem Chinesen einladen lässt! Die sind doch alle arm. Die Rechnung bezahlte natürlich unser expeditionsleitender Gockel.
Doof, dass man sich gerade solche Negativbeispiele eher merkt, als die unzähligen netten Touristen, die man sonst so kennenlernt. Manche verdienen einfach die vierfachen Rikscha-Preise der Touristen-Abzocker.
Ich wohne ja in einer pikfeinen Wohnanlage einen Steinwurf von den Olympischen Spielstätten entfernt. Überall gibts Kameras und Wachmännern in weißen Uniformen, die Türen werden einen immer von jungen Männern aufgehalten und bei Problemen kann man rund um die Uhr die Rezeption anrufen.
Da meine große Wasserflasche leer war, musste ich die Rezeption heute mal in Anspruch nehmen. Nachdem ich der netten Dame erklärt hatte, ich brächte eine neue water bottle bräuchte und sie es einfach nicht verstehen wollte (“What exactly is your problem?”), kamen nach gut 10 Minuten doch noch ein paar kräftige Jungs und brachten mir meine Wasserpulle vorbei. Natürlich hatten sie wieder diese kleinen Plastikkondome für Schuhe angezogen, damit sie keinen Dreck in meiner Wohnung verursachten.
Alles war wie immer ganz ordentlich, die Scheitel und die Anzüge saßen perfekt. Bis sie sich am Ende artig mit einem sehr umgänglichen “See ya!” verabschiedeten. Irgendwie passte das dann so gar nicht in das luxuriöse Ambiente. Ich fand es trotzdem sehr sympathisch und ich fühlte mich für einen kurzen Moment mal nicht so unglaublich Fehl am Platze in dieser Bonzenwohnung.
Ganz speziell für die A-Heldin gibt’s noch ein paar Bilder der Wohnanlage, die Wachmänner wollten sich irgendwie nicht fotografieren lassen
Bilder der Wohnung gab es ja schon hier.
Die Augsburger Pressewelt liegt mir ja zu Füßen, wie ihr alle wisst. Seit heute habe ich auch eine Kolumne in der neuen Sonntagspresse. Ja, das ist das kostenlose Werbeblättchen, dass ihr am Sonntag beim Bäcker und an Bushaltestellen findet. Es gibt sicherlich renommiertere Blätter, aber was solls. So hab ich wenigstens zu tun hier. Das IOC käst sich ja beim Atos-Origin-Blog ja immer noch nicht aus.
Toll ist auch die Beschreibung über mich im unteren Teil der der Kolumne, wer mich bis jetzt noch nicht kannte, tut es nach der Lektüre dieses Textes
Wer das Ding lesen möchte, wendet sich an den Bäcker oder die Bushaltestelle seines Vertrauens oder schreibt mir. Ich bekomm das gute Stück noch eingescannt von meinem Bruder. Viel Spaß beim lesen!
Schon doof: Da ist es endlich mal nicht so extrem heiß, dass man sich nicht ständig seine Klamotten vollschwitzt und trotzdem wird man nass. Gestern Nachmittag viel ein ganzer See vom Himmel, ess schüttete aus Eimern. Sogar einige U-Bahnstationen musste geschlossen werden, weil das Wasser hineinlief. Der Vorteil bei der Sache war natürlich, dass es endlich mal wieder etwas kühler wurde.
Auch heute Morgen regnete es noch feuchtfröhlich vor sich hin. Das ständige Tröpfeln ist inzwischen allerdings einer nebelig wabernden Masse gewichen, die einen etwa 600 Meter Sicht erlaubt. Beim Abendspaziergang konnte ich dann also endlich mal auf einen kühlen Windhauch hoffen.
Den gab’s natürlich auch, allerdings wurde ich vom Spaziergang natürlich trotzdem schön nass, diesmal halt nicht von der Hitze sondern von dem sehr feuchten Nebel. Scheinbar kann man im Pekinger Sommer nicht anders als mit feuchten Klamotten durch die Gegend zu rennen. Sehr unangenehm. Vor allem, wenn die dämliche Klimaanlage in der Wohnung einfach nicht richtig funktionieren möchte und ich hier dann wieder anfange zu schwitzen!!!
Ich versteh manchmal nur Bahnhof hier…
Auf Chinesisch steht da definitv Umwelt (环境), aber was die schon wieder bei der Übersetzung geritten hat kann, ich nicht sagen. Und jetzt versuche mal einen Chinesen zu verstehen, der so mit dir Englisch redet – macht Spaß
Peking wird mir einiges abverlangen, das war mir vorher schon klar. Aber, dass ich ständig von Kopfschmerzen geplagt werden und sich zu guter Letzt noch ein unschöner Druck auf meine Lunge legen würde, hätte ich nicht gedacht.
Also habe ich gestern einen Arzt aufgesucht und da mir meine Gesundheit wichtig ist, bin ich zum Arzt der Deutschen Botschaft in Peking gegangen. Jetzt denkt nicht, dass ich den chinesischen Ärzten nichts zutraue, weit gefehlt, aber wenn ich Symptome beschreiben soll, dann mache ich das schon lieber auf Deutsch.
Dummerweise hatte eine deutsche Schulklasse wohl ihren Gesundheitscheck, als ich in der Praxis eintraf. Also durfte ich und ein paar andere etwas genervte Patienten warten bis auch der letzte der pubertierenden Schüler seinen Pipi-Test erledigt hatte. So lang hab ich glaube noch nie bei einem Arzt gesessen.
Nachdem ich endlich dem Arzt mein Leid kundtun und einige Tests über mich ergehen lassen musste, gab es die Diagnose bronchialer Infekt. Irgendeiner der Hunderten von Schadstoffen in der Pekinger Luft hat sich wohl in meinen Bronchien eingenistet und verursacht von da aus auch Kopfschmerzen. So ein Drecksack!
Jetzt heißt es also erstmal: Ausruhen, Lunge schonen und zwei Mal am Tag inhalieren. Langeweile pur also! Bis jetzt ist es nicht wirklich besser geworden, sobald ich mal zwei drei Schritte zu viel Laufe gibt’s gleich wieder ein unangenehmes Gefühl in der Lunge. Aber ich bin guter Dinge, das Inhalieren tut ganz gut.
Ich hoffe ich kann bald wieder raus an die “Luft”, so schön ist das Appartement auf dauer irgendwie nicht.
Ich glaube nichts erklärt eine Eigenart der Chinesen als ein Bild das ich vor kurzem vom Vater meiner Freundin geschickt bekommen habe. Aufgenommen in der Olmypiastadt Quingdao enthält es einen kleinen aber entscheidenden Fehler.
Im Umsetzen von großen Dingen sind Chinesen derzeit Unschlagbar, aber im Detail, da schlampen sie doch gerne noch, wie eine chinesische Arbeitskollegen leztens treffend formulierte.
15:07 Uhr in China | 1 Kommentar
Chinesen sind ja bekanntermaßen sehr abergläubisch. Wer für Handynummer mit Glückszahlen darin rund 4 Euro mehr ausgibt, der muss das wohl sein. Aberglaube will hier bestimmte Zusammenhänge erklären, die mit normalen, rationalen Methoden nicht erklärbar sind.
“Fuwas of Doom” ist die neuste Geschichte, die in China ihre Runden dreht und tatsächlich auch ernsthaft unter den Menschen diskutiert wird. Der Fluch der Freundlichen Fünf, könnte man diese haarsträubende Geschichte wohl am ehesten ins Deutsche übersetzten. Denn die fünf Olympia-Maskottchen werden mit den letzten 4 großen Katastrophen im Reich der Mitte in Verbindung gebracht.
Den Anfang machte NiNi, die grüne Schwalbe hat auf ihren Kopf einen stilisierten Flugdrachen, wie sie ihn China gern genutzt werden. Die heimliche Hauptstadt des Drachenbaus in China ist Weifang in der Shandong-Provinz. Genau dort ereignete sich am 28. April das schlimmste Zugunglück der letzten Jahrzehnte.
Als Zweites folgt die Tibet-Antilope YingYing und was dieses Frühjahr in Tibet passierte, sollte ja noch jeden in Erinnerung sein.
HuanHuan symbolisiert die Olympische Flamme und eine große Schande für die Chinesen war dann auch der völlig missglückte Fackellaufe, mit seinen massiven Protesten in den westlichen Ländern.
JingJing steht für die Katastrophe Nummer vier, die bisher Schlimmste. JingJing ist ein Panda und die berühmteste Pandaaufzucht der Welt ist das Wolong Panda Reservat. Das liegt rein zufällig nur ein paar Kilometer vom Epizentrum des verheerenden Erdbebens der vergangen Jahrzehnte.
Ein Maskottchen ist jetzt noch übrig und das soll für die schlimmste Katastrophe von allen stehen, da sind sich abergläubische Chinesen sicher. BeiBei ist ein stilisierter Fisch, der im Jangtse lebt, demnach gehen die “Experten” von einer gewaltigen Flut aus, die das Land heimsuchen wird. Ob es jetzt ein Fluss sein wird oder ein Tsunami, darüber wird noch gestritten. Es wird jedoch gewarnt sich in Küstenregionen aufzuhalten.
Und fürwahr, es könnte was dran sein an der Geschichte. Vielleicht kommt ja keine Flutwelle, aber die schlimmste Katastrophe, die drohend über Peking schwebt, ist die, dass im regenreichen Monat August die Olympischen Spiele ins Wasser fallen könnten.
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