Juli 2008


Ich halte ja nicht sonderlich viel von diesen ganzen Souvenier Schnickschnack den es hier in Peking so zu kaufen gibt. Es gibt ja schon so genug überteuerten Quatsch, aber durch die Spiele ist natürlich noch eine Menge hinzugekommen. Hunderte Produkte mit den fünf Maskottchen der Olympischen Spiele gibt es in den unzähligen lizensierten Olympiashops zu kaufen.

Da mir die Fuwas ja zurecht etwas unheimlich sind, kam für mich bisher nicht in Frage die Dinger zu kaufen. Gestern entdeckte ich aber in einen der größeren Olympia-Shops die kleine Fu Niu Lele, das Maskottchen der Paraolympischen Spiele 2008 und ich fand sie auf anhieb sympathisch. Für umgerechnet etwa 6 Euro war sie gegenüber den Fuwas echt günstig, also habe ich sie mir gleich mal gekauft.

Jetzt weiß ich nur nicht ob ich den kleinen “Büffel des Glücks und der Freude”, was der Name übersetzt heißt, meiner Nichten schenken oder ob ich ihn lieber behalten soll. Die alte Zicke meckert womöglich noch, dass ich ihr eine Kuh schenke. Sie ist zwar noch nicht mal in der Schule, aber man weiß ja nie wie Frauen so ticken – selbst die zukünftigen.

Vielleicht schau ich nach den Spielen, ob es die Fuwas irgendwo billig zu kaufen gibt, dann kann ich meine Kuh behalten und der anderen, der kleinen Kuh die freundlichen Fünf schenken.

Heidernei, wie die Zeit vergeht. Ich bin jetzt tatsächlich fast drei Monate hier in Peking und heute ist es noch genau ein Monat bis ich den Flieger heimwärts besteige.

Erst mal stehen aber ab nächste Woche natürlich die Olympischen Spiele an. Das heißt dann, zwei Wochen durcharbeiten, tolle Berichte schreiben, Videos drehen und versuchen so viel wie möglich von den Spielen zu sehen. Mal sehen ob ich das alles schaffe.

Also aufi gehts, der letzte Monat wartet!

(Das war ein kleiner Motivationsbeitrag für mich ;-) )

Huch. Das war sie also, meine erste chinesische Polizeikontrolle. Gerade in tiefster Arbeit in meinem “Home-Office” vertieft klingelte es an der Tür. Ziemlich energisch sogar – es klingelte drei mal bis ich an der Tür war und das sind nur 10 Meter.

Und da standen sie vor mir, fünf, sechs oder vielleicht auch mehr Polizisten standen in dem kleinen Flur vor meiner Wohnung. Der am freundlichsten guckende ergriff das Wort und erklärte mir, dass er nur kurz meine Temporary Residence Registration, also meine polizeiliche Anmeldung und meinen Pass sehen wolle.

Kurze Zeit später standen drei Polizisten über meinen Pass gebeugt und überprüften ob alles stimmte, in dem Moment sah ich, dass auch eine verschüchterte junge Dame vom Chateau Glory zwischen den Blauhemden stand. Mein Gott wie viele Leute passen denn in diesen winzigen Flur?! dachte ich mir, als ich meinen Pass wieder entgegen nahm.

Das war’s dann auch schon, der freundliche Polizist entschuldigte sich nochmals für die Störung und dann trabten alle los und ich hörte sie an den anderen Türen in meiner Etage klingeln – dabei wohnt da gar keiner.

Das war sie also, meine erste Polizeikontrolle in China, dabei dachte ich bisher immer, die würden das eher in der Nacht machen, schließlich sind bis auf die Home-Office-Angestellten (also ich) kaum Anwohner zu Hause. Bis auf diesen fiesen Typen der hier irgendwo Spaghetti Bolognese kocht und das so, dass man es im ganzen Haus riecht. Ich geh jetzt essen…

Na das nenne ich ja mal einen guten Service. Seit Neustem gibt es eine Verschmutzungsvorhersage für Peking! Endlich muss ich nicht mehr aus dem Fenster gucken, um zu sehen, wie schmutzig die Stadt ist. Ich sehe ja meistens eh nichts vorm Fenster.

Irreführend ist natürlich wieder mal die chinesische Skala, die sehr, sehr, seeeeehr großzügig ausgelegt ist. Bei einem Air Pollution Index (API) von 100 noch von “guter” Luft zu sprechen ist schon ziemlich dreist. Nach internationalen Maßstäben gilt 20 als Jahresdurchschnitt und maximal 50 am Tag als obere Grenze.

Da in Peking der API aber die letzten Tage unter 100 blieb, wurde natürlich überall propagiert, dass die Luft sauber sei – trotz Smognebel in den Straßen. Wenn es während der Spiele allerdings so einen Tag wie heute geben sollte (API 113), dann würde ich den Athleten definitiv Mundschutz empfehlen.

Morgen soll es laut Vorhersage noch schlimmer werden als heute. Schauen wir mal, ob die Verschmutzungsvorhersage genauso ungenau ist, wie der Wetterbericht für Peking.

Die Chinesen sind so dermaßen vom Olympia-Virus befallen, dass bei der heute gestarteten vierten Verkaufsrunde für Olympiatickets einfach mal mehr Polizei aufgefahren wurde, als es wohl in ganz Augsburg gibt.Die Ticketschalter wurden hermetisch abgeriegelt, so viel Polizei auf einem Haufen ist selbst für China ungewöhnlich – aber sicher ist sicher.

Schließlich hatten sich die Sportfans teilweise schon einen Tag vorher angestellt, um an die heißbegehrten Tickets zu kommen. Da könnten sich die Gemüter ja durchaus mal erhitzen, aber die Chinesen standen alle ganz brav in der Schlange.

Nur die Presse spielte verrückt und stürzte sich wie Geier auf jeden Ticketkäufer. Die versuchten zwar teilweise schnell zu flüchten, aber probier das mal bei 100 Journalisten auf einem Haufen.

Seitdem nur noch die Hälfte der Autos auf den Straßen von Peking unterwegs sind, merkt man erst, wie viele Busse eigentlich rumfahren. Hier lohnt es sich endlich mal, eine Busspur zu haben.

Die letzen Tage war das Wetter hier in Peking ausergewöhnlich gut. So gut wie kein Smog trübte die Sicht und der Himmel strahlte im schönsten Blau. Nun kann man das natürlich, wenn man etwas naiv ist, den letzten Umweltschutzmaßnahmen zuschieben. Schließlich wurde erst letzten Sonntag das weitreichende Fahrverbot für Teile des PKW-Verkehrs eingeleitet.

Das Wetter war aber auch wirklich bemerkenswert gut. Kein Wunder also, dass heute in einigen Zeitungen vom großen Erfolg der Umweltschutzmaßnahmen berichtet wird, der Beweis dafür: das schöne Wetter.

Dumm nur, dass gerade heute wieder eine dicke Smog-Wolke auf der Stadt liegt und eindrucksvoll beweist, wie wenig Einfluss man doch auf das Wetter hat. So langsam wird es spannend, was wir bei Olympia zu sehen bekommen werden – Nebel oder Sonne?

Es geht ja die Mär, dass die 60.000 Taxifahrer in Peking alle ein paar Sätze Englisch gelernt haben, um die internationalen Fahrgäste bei den Olympischen Spielen auch zu verstehen.

Von den vielen, vielen Taxifahrern, denen ich inzwischen begegnet bin, sprachen vielleicht zwei rudimentäres Englisch. Der Rest der Meute guckte mich nur meist ungläubig an und schwallte mich auf Chinesisch voll als würde ich es irgendwann verstehen, wenn sie es nur oft genug wiederholen. Die Realität sieht also dann doch etwas anders aus im Olympiajahr 2008.

Touristen sollten im Zweifelsfalle sowieso eher die U-Bahn nehmen, schließlich will man ja rechtzeitig bei den Sportveranstaltungen sein und nicht noch stundenlang mit den Taxifahrern lamentieren. So sieht es bei den normalen Touristen des kommunistischen Staates aus.

Getreu dem Orwellschen Motto “Alle Tiere sind gleich, aber andere sind gleicher”, wird dem gut betuchten Manager und VIP ein in Englisch ausgebildeter Taxifahrer zur Seite gestellt und nicht nur dass, er soll auch über hervorragende Fahrfähigkeiten verfügen.

Selbst das, ist bei vielen Taxifahrern in Peking keine Selbstverständlichkeit. Häufig kann man beobachten, dass Taxifahrer hier an der Ampel im zweiten oder gar dritten Gang anfahren. Warum sie das tun? Ich habe mir erklären lassen, dass viele Chinesen das Prinzip der Gangschaltung nicht wirklich durchschaut haben. Die höheren Gänge sind für sie meist die “schnellen” Gänge, weil man die ja dann einlegt, wenn man 100 oder noch schneller fährt. Wenn ich also schnell fahren will, dann muss ich auch hochschalten in die schnellen Gänge.

Von den Qualen der Allgemeinheit bekommen die VIPs natürlich nichts mit, sie sehen Taxifahrer nach internationalen Standard. So läuft das halt im Kommunismus.

Aber da die Chinesen zwar keine guten Kommunisten dafür umso bessere Geschäftsleute sind, gibt’s auch einen Service für die “normalen” Touristen. Wenn ein Taxifahrer mal wieder nur Bahnhof versteht – oder Verbotene Stadt – dann hat er die Möglichkeit einen Übersetzungsservice anzurufen. Ein Dolmetscher hilft dann beiden Seiten sich zu verständigen.

Mein Tipp lautet aber: Anstatt des ewigen Palaverns, lieber gleich ein neues Taxi suchen. Entweder der Taxifahrer kann etwas mit eurer Visitenkarte (die ihr hoffentlich habt) oder Stadtkarte anfangen oder eben nicht. Dazu braucht es keine Übersetzung. Noch besser ihr seid ein VIP, dann dürft ihr wahrscheinlich auf der Olympischen Fahrspur auf den Stadtring fahren – dann seid ihr ja gleicher.

Ich weiß nicht, wie ich darauf gekommen bin, aber das Erste, was mir einfiel, als ich diese Box sah, war die Selbstmordzelle, die es immer wieder in Futurama zu sehen gab. Reingehen, Todesart wählen und schon ist es erledigt. Vielleicht zögerte ich deswegen eine Weile, bevor ich mich in so eine Zelle gewagt habe.

Glücklicherweise erwies sich meine Vermutung als totaler Blödsinn (wer hätte es gedacht). Diese überall in Peking verstreuten Boxen sind, wenn sie denn mal funktionieren, kleine kostenlose Info-Stände. Dort kann man sich auf einem Touchscreen eine Stadtkarte aufrufen und die nächsten Bus- und U-Bahnhaltestellen und natürlich auch Sehenswürdigkeiten anzeigen lassen. Das Ganze funktioniert auch zweisprachig, wenn man weiß, wo sich der Knopf dafür befindet – ich finde ihn meistens nur zufällig.

Die Boxen erfreuen sich übrigens sehr großer Beliebtheit, selbst die nach eigenem Bekunden “best taxi driver in the world” springen bei laufendem Motor gerne mal aus dem Auto und überprüfen, wo sie denn jetzt eigentlich gerade sind.

Beim derzeitigen zwar schönen, aber immer mal wieder durch Regenschauer unterbrochenem Wetter, fallen immer häufiger kleine Löcher in den Gehwegen auf. Dank der speziellen chinesischen Technik die Erde vor dem Pflastern nicht zu verdichten, komm es Dank des Wassers immer wieder zu solchen “Einstürzen”. Gerade im Dunkeln muss man im Moment ziemlich aufpassen.

Das auf dem Bild ist übrigens ein sehr kleines Löchlein, ich hab schon ganze Gehwege verschwinden sehen. Erstaunlich, wie schnell die Löcher dann auch gleich als Mülleimer umfunktioniert werden. Zwar werden die Löcher genauso schnell beseitigt, wie sie entstehen, ich klopfe trotzdem auf Holz, dass alles noch bis zu/nach den Olympischen Spielen hält – toi, toi, toi.

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