Mai 2009


Heute wurde ich eisig geweckt. Meine Morgendusche war irgendwie sehr viel kälter als sonst und das, obwohl da eigentlich warmes Wasser aus dem Wasserhahn kommen sollte – kam aber nicht. Irgendwie ungewöhnlich, aber vielleicht duschte ja gerade jemand über oder unter mir und zapfte das ganze kostbare Warmwasser ab?

Da die Wasserleitungen bei uns nur durch eine, in den 70er Jahren sicherlich total schicke, Holzverkleidung kaschiert werden, hätte ich eine Wasserentnahme in einer anderen Wohnung allerdings gehört – tat ich aber nicht. Die Ursache musste also woanders liegen.

Da das Wasser am Morgen noch eine Spur von Wärme zeigte und diese im Laufe des bisherigen Tages einer klirrenden Kälte wich, gehe ich inzwischen aber davon aus, dass die Warmwasserkessel oder gar die ganze Zentralheizung ausgefallen ist.

Ich tat also das, was ich in solchen Fällen immer tue: Ich rief die Störstelle unserer Hausverwaltung an, schließlich habe ich keine Lust auf kaltes Wasser über die Feiertage. Was ich dann allerdings erstaunlich fand, war die Tatsache, dass sich mal wieder kein anderer aus unserem Haus bei denen gemeldet hatte. Und das war nicht das erste Mal, vor ein paar Monaten war das Schloss der Hauseingangstür kaputt gewesen, keiner kam mehr ins Haus – und keiner fühlte sich verantwortlich mal bei der Hausverwaltung anzurufen, um das Problem zu lösen.

Was ist eigentlich inzwischen mit den Leuten los?! Das ist nämlich kein Einzelfall auf unser Haus beschränkt, mehrere aus meinem Bekanntenkreis verhalten sich genauso: Ist irgendwas defekt, wird drüber gemeckert, aber auf die Idee mal beim Wohnungseigentümer oder eben der Hausverwaltung anzurufen, dass die das Problem beseitigen, kommt keiner. Genau deswegen bezahlt man doch inzwischen horrende Nebenkosten an die Hausverwaltungen. Damit die alles am Laufen halten. Trotzdem scheuen sich so viele davor, ihre Rechte in Anspruch zunehmen. Nur nicht auffallen, nicht dass die Vermieter denken, man sei ein schlechter Mieter – dabei ist das hier ein klares Kunde-Dienstleister-Szenario

Es scheint eine deutsche Eigenart zu sein, dass man sich zwar über alles gerne und lautstark aufregt, aber letztlich auch nichts an der Situation ändert. Dieses “man-kann-ja-eh-nichts-ändern”-Gefühl scheint uns Deutsche schon fest im Griff zu haben – in allen Lebensbereichen, schon irgendwie erschreckend. Dabei ist es ein Leichtes, einfach mal aufzustehen und das Problem zu lösen.

Aber vielleicht fehlt bei uns einfach ein Rentner im Haus, der aufpasst, dass alles irgendwie läuft. Dafür sorgt, dass alle ihren Müll ordentlich trennen und die Kinder nicht auf dem Rasen Fußball spielen. Das ordnende Element einen bayerisch-schwäbischen Augsburger Rentners ist ein nicht zu unterschätzendes Stück Lebensqualität. Aber so was merkt man ja immer erst, wenn er nicht mehr da ist.

Ich für meinen Teil hoffe, dass ich bald wieder warmes Wasser habe, bis jetzt hat sich hier bedenklicherweise noch nichts getan.

Sehr interessant für Medienwissenschaftler und PR-Fachleute, was im Moment so im Internet los ist. Denn trotz anderer Verlautbarungen ist das Internet alles andere als ins Blickfeld der Politik gerückt.

Nach der Wahl Obamas zum ersten “Internet”-Präsidenten, waren sich alle Fachleute und Politiker einig: Das Internet ist ein toller Ort, Wähler zu mobilisieren. Am Internet, so der Tenor, käme in Zukunft keine Politiker mehr vorbei.

Mit großem Interesse wurden dann auch die ersten Internetgehversuche von Thorsten Schäfer-Gümbel im Hessen-Wahlkampf verfolgt und auch positiv bewertet. Plötzlich sprossen überall Partei- und Kandidaten-Twitter aus dem Boden, Facebook-Accounts wurden eingerichtet, Blogs angelegt. Neue Möglichkeiten der Partizipation wurden in Aussicht gestellt, ein echter Dialog mit den Bürgern, ungefilterte Informationen, live aus der Parteizentrale. Das Internet war in der Politik plötzlich total IN.

Einen Gesetzesentwurf und eine Petition mit fast 70.000 Unterzeichnern später ist davon nichts mehr geblieben. Eindrucksvoll beweisen Spitzenpolitiker im Moment, was sie vom Internet und den Menschen die sich darin tummeln halten – gar nichts. Obwohl ständig und immerzu von der Wichtigkeit des Netzes für kommende Wahlkämpfe, sogar für kommende Regierungen gesprochen wird, ist das bei vielen Politikern scheinbar noch nicht angekommen.

Die 70.000, die sich an der Petition gegen die Sperrung von Internetseiten beteiligt haben, werden Unisono als Unterstützer von Kinderpornografie gebrandmarkt. Den Politiker möchte ich sehen, der sich in einem voll besetzten Wahlkampfzelt vor die grölende Masse stellt und behauptet, alle im Zelt seien volltrunkene Spinner, mit dämlichen Kindern und hässlichen Visagen. Genau das machen einige Politiker aber im Moment mit den Internetnutzern, nur, dass sie es eben noch viel drastischer formulieren. Als Unterstützer von Kinderschändern gebrandmarkt zu werden, ist eigentlich nicht mehr zu übertreffen.

Dieses, gelinde gesagt, dümmlich-rüpelhafte Verhalten unserer Volksvertreter zeigt gerade einer ganzen Generation, die sich wie selbstverständlich durchs Netz bewegt und informiert, wie inkompetent und ignorant die politische Kaste eigentlich ist.

Welchen Schaden sie damit anrichten, ist wohl erst in Zukunft absehbar. Die Internetgemeinde fragt sich nämlich gerade, von was Politiker eigentlich Ahnung haben, wenn sie selbst so simple Sachverhalte, wie die wirkungslose Sperrung von Kinderpornoseiten nicht begreifen. Wie sieht ihr Wissen denn dann erst bei komplizierten Themen aus, bei den Renten, Neuverschuldung, Steuergerechtigkeit oder Umweltschutz?

Die öffentlich zur Schau getragene Inkompetenz der Familienministerin von der Leyen oder der eines zu Guttenbergs trägt jedenfalls definitiv nicht dazu bei, neue Wählerschichten zu mobilisieren.

Gerade jetzt, wo im Internet tatsächlich so etwas wie ernsthafte politische Partizipation entsteht, wird der Netzgemeinde mit solcher Wucht vor dem Kopf gestoßen, dass man sich wirklich fragen muss, wie wichtig die Politik eigentlich bürgerschaftliches Engagement nimmt.

Ernsthafte Diskussionen will im Netz wohl kein Politiker führen. Wer sich auf Portalen wie wahl.de umschaut, gewinnt stattdessen eher den Eindruck, dass sich Politiker im Netz lieber mit sich selbst und ihrer Partei beschäftigen, als ernsthaft mit den Bürgern in Kontakt zu treten. Eine Fortsetzung der bisherigen Kommunikationsweise also: Politiker sprechen zum Volk, das ihnen ergeben zuhört.

Dass das Volk im Internet aber inzwischen gelernt hat, selbst zu sprechen, das ist den Damen und Herren Politikern noch nicht aufgefallen. Am Internet, so ist es prophezeit worden, kommt in Zukunft kein Politiker mehr vorbei. Dumm nur, dass die Politik noch nicht verstanden hat, dass die Zukunft schon jetzt begonnen hat.

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Ist das schon wieder ein Jahr her? Wie die Zeit verfliegt! Heute vor einem Jahr brach ich auf nach Peking, um für Atos Origin vier Monate aus dem Reich der Mitte zu berichten.

Vor einem Jahr um diese Zeit war ich schon auf dem Weg zum Flughafen München. Ein bisschen aufgeregt zwar, aber ziemlich neugierig auf die kommenden Wochen. Und jetzt, ein Jahr später kann ich sagen, dass ich die Zeit in Peking dann doch ab und an vermisse.

Trotz all dem Chaos, den vielen Menschen und der Luftverschmutzung hab ich Land und Leute schätzen gelernt. Auch wenn man sich gern mal über die “etwas” andere Mentalität der Chinesen aufregt, irgendwie hab ich mich doch wohlgefühlt.

Tja und nun sitze ich hier, arbeite fleißig an meinen Abschluss und frage mich, wie es jetzt wohl aussieht in Peking: Ob es meine Wohnung noch gibt oder sie schon zusammengestürzt ist? Wie das Olympische Grün wohl aussieht? Sind die neuen U-Bahnen immer noch so sauber? Was wohl all die Kollegen jetzt machen?

Ich werde wohl noch ein bisschen in Erinnerungen schwelgen und dann weiter an den kommenden Referaten arbeiten …

Klingelt es gerade ganz unvermittelt an der Tür, der Postbote steht vor mir und überreicht mir in der wortlosen Augsburger Art ein Päckchen – sogar an mich adressiert. Bestellt hatte ich nix, aber als ich das Päckchen vorsichtig öffne (könnte ja eine Bombe sein) dämmert es mir langsam.

Im Päckchen ist erstmal nichts zu sehen, ich hab es natürlich falsch herum geöffnet und sehe nach einigem Wühlen eine kleine bunte Schachtel mit einem Modellauto drin. Nach genauerem Hinsehen entpuppt es sich allerdings als kleines ferngesteuertes Auto. Dann fällt der Groschen.

Schließlich ist es kein neues Phänomen, dass Blogger unaufgefordert Päckchen bekommen. Je nach Bekanntheit der Blogger gibt’s Probeexemplare von Büchern, Alben, Software oder sogar Handys, über das der dann im Blog berichtet werden soll.

Tja und scheinbar bin ich inzwischen eine so große Berühmtheit in der Blogosphäre, dass ich auch ein Päckchen bekommen habe! Was das jetzt über den Zustand der deutschen Blogosphäre aussagt, das könnt ihr euch selbst denken.

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Ich habe – ganz die Werbehure, die ich bin – beschlossen, auch genau das zu tun, was die Versender des Päckchens gerne von mir sehen würde: Ich mache mal Werbung. Nach weiterer Wühlerei kam nämlich eine Broschüre zum Vorschein, auf der mir nicht unbedingt unaufdringlich erklärt wird, dass ich doch mal die Werbetrommel für das Automobilportal pkw.de setzen soll. Weil es so richtig gut und toll sein soll, bzw. besser als die oder die hier.

Noch besser wäre es allerdings, wenn ich folgende Links setzen würde: Gebrauchtwagen bei pkw.de , Geschenkideen bei jollydays.de, Pauschalreisen & Last Minute Urlaub bei weg.de. Dann könnte ich nämlich auch noch was gewinnen, zusätzlich zu meinem coolen neuen Auto, z.B. eine Ferrari oder Hummer-Fahrt bei jollydays.de oder – was mir definitiv besser und nützlicher scheint – einen 100-Euro-Reisegutschein von Weg.de.

Das würde mich gerade als Student wesentlich weiter bringen. Mit diesem – ich finde überaus doppeldeutigen Satz – beende ich meine Aktivitäten als Werbehure und melde mich spätestens wenn ich gewonnen habe noch mal. Ich bin schließlich überaus käuflich …

Da streift man durch die Straßen der Jakobervorstadt und was steht da an einer Eingangstür geschrieben?

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Also soooo ungewöhnlich wie mir alle sagen, kann der Name also gar nicht sein. Jetzt Frage ich mich bloß, welcher Junge aus der Krippe so groß ist und schon schreiben kann…