16.
Oktober
2007
5 Tage Tibet liegen hinter uns, 5 Tage voller unglaublicher Eindrücke, Farben, Gerüche, Geschmäcke und einer Landschaft die vielfältiger nicht sein kann. In den folgenden Tagen werde ich die kleine Tour durch Tibet ein wenig dokumentieren. Heute gibt’s den ersten Teil.
1. Tag: von Shanghai nach Lhasa
Die Nacht war unglaublich kurz in Shanghai, wir hatten den ganzen Tag auf den Beinen verbracht, uns eine Ausstellung und den wirklich zauberhaften Yu Garten angesehen und waren früh zu Bett gegangen. Da aber mitten in der Nacht ein gewaltiges Feuerwerk den Bund erhellte, war an Schlaf kaum zu denken, es knallte an allen Ecken und Enden. Chinesisches Feuerwerk ist unglaublich laut, als würden sie einen gesamten Straßenzug abreißen – nicht zu empfehlen, wenn man schlafen möchte.
Dafür war der Aufbruch um halb 6 Uhr morgens zum Flughafen Pudong problemlos, sodass wir in aller Ruhe einchecken konnten. Wir hielten es wie die Chinesen und reisten nur mit Handgepäck, das zwar schwerer als die erlaubten 5 Kilo war, aber immerhin die erlaubten Maße hatte. Was folgte war ein sehr unspektakulärer Flug ins verregnete Xi’an, von wo aus wir weiter nach Lhasa fliegen sollten.
Erst diese zweite Etappe des Fluges versprach Spannung, denn nach einer knappen Stunde ragten die ersten Ausläufer des Himalajas aus der langsam zerreißenden Wolkendecke. Wunderschön und beeindruckend, die zerklüftete Landschaft zu sehen, die unglaublich nah war und immer näher kam. Das passiert einfach, wenn die Landschaft plötzlich 4000 Meter höher liegt.
Beim Anflug auf den LXA, den Flughafen von Lhasa blickt man auf eine seltsam anmutende Flusslandschaft, in der mittendrin eine Landebahn samt Tower und Wartehalle steht. Der Flughafen selbst hat wirklich Kleinstadt-Niveau, ist aber angenehm sauber und gut klimatisiert. Genau das verhinderte nämlich, dass wir einen Hitzeschlag bekamen. In der Sonne waren mindestens 26°C – und das auf dem Dach der Welt! Irgendwie hatte ich zwar nicht mit Minus-Temperaturen gerechnet, aber auch nicht mit so einem Sommerwetter. Nachdem wir unseren „Native-Guide“ getroffen hatten, wurden erstmal die dicken Jacken und Pullover auf die Rückbank geschmissen.
Natürlich bekamen wir auch einen Kata geschenkt, einen weißen Schal, der traditioneller Weise zur Begrüßung übergeben wird. Aber bei der Hitze einen Schal zu tragen war trotz aller Tradition irgendwie etwas zu warm. Unserm Guide Tashi, der bekennender Buddhist war, schien das allerdings nicht zu stören. Wichtig war ihm, uns erste Instruktionen für die nächsten Tage zu geben. Er riet uns (1) viel zu trinken, (2) leicht zu essen und (3) nach dem Duschen warm einzupacken, da man sich hier sehr schnell erkälten kann. Logisch, nachvollziehbar und leicht zu befolgen.
Währenddessen fuhren wir durch den bisher einzigen Autotunnel Tibets, der die Fahrt vom Flughafen in die Hauptstadt auf eine Stunde verkürzt. Etwas gewöhnungsbedürftig war die Durchfahrt allerdings schon: Auf der 2km langen Strecke wird ohne Licht, nur mit Warnblinker gefahren. Hauptsache man wird gesehen.
Auf dem Weg zum Hotel gab es auch gleich ein kleines Sightseeing-Programm, einen uralten Buddha in den Stein gehauen und farbenfroh bemalt. Zu ehren des heiligen Lhasa-Flusses in Fels gehauen. Der Fels ist übrigens über und über mit Katas behangen, die Erde aus dem Flussbett enthalten. Wie die kleinen Tibeter die Schals in 6 Meter Höhe befestigen konnten, ist mir allerdings ein Rätsel.
Unser Hotel lag etwas außerhalb des Zentrums und da wir über ein Chinesisches Reisebüro gebucht hatten, entsprach es auch chinesischen Standards. Kein Schwein konnte also Englisch, aber wenigstens war (wenig) Papier auf den Toiletten und selbige bestanden nicht nur aus Löchern im Boden. Tashi berichtet uns noch von unserem Programm am nächsten Tag und ließ uns erst mal zum Entspannen im Hotel zurück.
Wir packten unsere Koffer ins Zimmer und zogen unsere qualmenden Winterschuhe aus, die wir auf Ratschläge hörend mitgenommen hatten. Kurz danach ging es raus in die freie Wildbahn, um Wasser zu kaufen. Auf der Straße grüßte uns so ziemlich jeder Tibeter mit einem freundlichen „Hello“, leider beschränkten sich ihre Englischkenntnisse auf genau dieses eine Wort, keine Möglichkeit der Konversation also. Das Wasser war schnell aus einem der winzigen Läden besorgt. Der erste Punkt von Tashis Liste war also abgehakt. Nächster Punkt: leichtes Essen.
Das gestaltete sich etwas schwieriger. In dem Restaurant unterhalb unseres Hotels gab es weit und breit keine der üblichen bebilderten Speisekarten. Nur chinesische Hieroglyphen und keinen englisch sprechenden Angestellten. Wir waren dafür Restaurantgespräch Nummer 1. Jeder der etwa 8 Kellner stand um uns herum und gab seinen Senf zum Geschehen ab. Die Chefin des Ladens ging die Sache logisch an. Nachdem wir uns gegenseitig nicht verstanden, führte sie uns zu einem Tisch, an dem schon gegessen wurde. Wir sollten einfach zeigen, was wir haben wollten.
In einem gewaltigen Topf in der Mitte des Tisches brutzelte Gemüse und anderes undefinierbares Zeug in einer Brühe vor sich hin. Essbares –jedenfalls für uns – konnten wir allerdings nicht entdecken. Einer weiteren Eingebung folgend wurden wir nun in die Küche geschleift, wo wir direkt am rohen Objekt zeigen sollten, was wir haben wollten. Inzwischen waren 20 Angestellte um uns versammelt, die alle lachten, feixten und uns seltsame Nahrungsmittel unter die Nase hielten.
Nachdem wir einige Sachen ausgewählt hatten, wurden wir zum Tisch geleitet auf dem ebenfalls dieser gewaltige Topf mit Brühe gestellt wurde. Unterhalb wurde ein Gasbrenner angezündet und dann kamen die ausgewählten Speisen. Immer noch roh, sollten wir die Teile selbst in den „Hot Pot“ werfen und kochen – gar nicht so leicht mit Stäbchen. Dass das Zeug letztlich ungenießbar war, lag vor allem an der wirklich ekelhaften Soße, die irgendwie total ranzig schmeckte. Letztlich bezahlten wir knappe 10 Euro für den Mist und ein paar Getränken, die wir aus Fingerhüten tranken. Na gut, die Gläser waren ein bisschen größer, aber nicht viel. Die Angestellten des Restaurants waren allerdings unglaublich zuvorkommend und immer freundlich zu uns, auch wenn das Essen wie schon erwähnt total widerlich war.
Der ranzige Geschmack ging übrigens nicht mal nach zweimal Zähneputzen weg. Ein wirklich ekelhafter Nachgeschmack blieb immer. Hinzu kamen dann noch extreme Kopfschmerzen, die mich bis zum nächsten Morgen begleiten sollten. Die dünne Luft hier oben ist für Flachländler – und dazu gehören alle, die unter 3000 Meter leben – sehr gewöhnungsbedürftig. Glücklicherweise hatten wir Aspirin dabei, sonst hätten ich die Nacht kein Auge zu getan.
So schlief ich wenigstens ein paar Stunden, wachte allerdings immer wieder auf und schmeckte dieses eklige Essen immer noch auf der Zunge. Hinzu kam ein verdächtiges Brummeln in der Magengegend – irgendwas Bahnte sich den Weg ins Freie…
Morgen geht’s weiter mit dem Reisebericht Tibet. Mit dabei der Potala, Jokhang-Tempel und die Barkhor-Street.

17. Oktober 2007 um 12:53
Super, das du wieder was schreibst.
Hier bei mir im Büro, sitzen jetzt alle um meinen PC und lesen alle gespannt deine Erlebnisse.
Ich soll sagen, dass du so weiter machen sollst. Wenn wir schon nicht da sein können, dann wollen wir dafür alles erfahren.
Also, wir freuen uns auf die nächsten Beiträge.
Und viele Grüße aus München.
18. Oktober 2007 um 08:20
Na toll, bei meinen ellenlangen Texten derzeit verplämpert ihr ja eure ganze Mittagspause, so soll das ja nu auch nicht sein
Aber schön, dass es gut ankommt, freut mich sehr. Ich kann euch jetzt aber nicht allen eine Winkekatze mitbringen ^^
18. Oktober 2007 um 15:23
Oh Mann, hat der Titel lange gedauert… peinlich!
Aber ich finds sehr schön was du machst buzze. Sehr informativ. Da spart man sich einmal den ZDF-Doku Kanal.
18. Oktober 2007 um 16:47
Merci. Der Titel wäre mit einer Woche in Tibet sicherlich eher klar gewesen
10. Dezember 2008 um 08:55
Hi, ich bin gerade an deinem Bericht hängengeblieben und habe mich voll Wonne (und ein bisschen Neid) reingelesen! Ist das Super! Ich war zwar in China, Australien und Mexiko, aber nach Tibet hab ich es noch nicht geschafft. Vielleicht wirds irgendwann nochmal was. Ich les erstmal weiter;)
LG und alles Gute!!!
13. Dezember 2008 um 14:46
Dank dir Tommy, die Berichte auf deiner Website sind übrigens auch sehr schön, da bekommt man gleich Lust mal nach Australien rüber zu jetten