KippenBasiert auf Foto von Elliot unter CC

Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit, als ein vom Körperkult abgefallener Sünder erkannte, dass Rauchen eine ziemlich widerliche Sache ist, eigentlich nur Geld kostet und wenig Nutzen hat. Also entschloss er sich dieser unnötigen, umweltzerstörenden, unsozialen und unerotischen Entweihung seines Körpers abzuschwören, um wieder alle Eissorten am Geschmack erkennen zu können. Idee und Ausführung hatte er geklaut und es machte ihn nichts aus, es zählt nur der Erfolg. Er musste obsiegen, gegen Rauch, Qualm und gelbe Finger. Dies ist seine Geschichte, die Geschichte des bußfertigen Sünders.

Am ersten Tag sprach Sünder: Ich höre mit dem Rauchen auf! Er tat es und es war gut!
Seit dem letzten Samstag rauche ich also nicht mehr und die Entscheidung fiel mir recht leicht und vollzog sich ohne große Trauer – Rauchen stinkt nämlich. Als ich die letzte Kippe hinter mich gebracht hatte, spürte ich den restlichen Tag kaum einen Drang nochmal zu rauchen. Ich habe öfter mal einen Tag ohne Rauchen ausgehalten, wenn ich zu faul war mir Zigaretten zu besorgen oder ich krank war. Also war dieser erste Tag nicht wirklich die Feuerprobe.

Auch der zweite Tag, der Tag des Herren, ward gut, denn es verlangte ihn nicht nach Sünde und Völlerei. Der bußfertige Sünder war auf dem Pfad der Gerechten zurückgekehrt.
Keine Probleme: nicht das Verlangen unbedingt zur Kippe zu greifen oder sich in eine Raucherecke der Uni zu stellen, die am Sonntag sowieso leer wäre. Jedenfalls war ich sehr zuversichtlich und erstaunt wie leicht es doch ist, nicht mehr zu rauchen. Ein Klacks, hah!

Am dritten Tage zogen Wolken auf. Der Werktag, mit all seinen liederlichen Sorgen und Gedanken brach auf den armen Sünder hinein.
Ja, bisher lief die Sache dann doch wohl zu einfach. Das anstehende Weber-Referat am Ende der Woche verursachte einige Kopfschmerzen: Ich hatte noch nicht die geringste Ahnung, wie ich diesen komplizierten Sachverhalt gliedern oder wenigstens in eine verständliche Form bringen sollte. In solchen Situationen hieß es immer: Erstmal eine rauchen, dann fällt dir schon was ein.

Am vierten Tage brach das Gewitter los. Die Dämonen der Hölle hatten sich gegen den Sünder verschworen und wollten ihn zurück in den Schlund des Hades ziehen.
Nicht nur Weber, auch mein Rechner machte mir plötzlich Probleme. Ein beunruhigendes Klacken aus dem Inneren des Gehäuses bedeutete gleichzeitig mehrere Abstürze und im weiteren Verlauf eine Totalverweigerung meines Rechners überhaupt wieder anzugehen. Selbst lautes zorniges Zurufen („Scheißding, geh an!!“) half nichts mehr und mein Drang SOFORT, JETZT, GLEICH eine Zigarette zu rauchen war fast nicht mehr auszuhalten! Zum Glück waren keine Zigaretten im Haus. Ich hatte wohlweislich alle Schachteln meiner Mutter vermacht, sonst hätte ich an diesem Tag sicherlich eine geraucht.

Der fünfte Tag, der Tag der Prüfungen. Der Sünder, in Versuchung geführt, gelockt und gedrängt, doch er blieb standhaft.
Am Mittwoch wurde der Stress langsam wirklich unerträglich. Meine Referatsgruppe offenbarte teilweise große Defizite (mich nehme ich da nicht aus) und mein Glauben an das Gute in der Welt schwand allmählich. Wie sollten wir in gerade mal anderthalb Tagen dieses Referat fertig bekommen, wo nur zwei Leute ihre Themen schon einigermaßen ausgearbeitet hatten?
Da ich bis in den Abend hinein versuchte meine Präsentations-Folien zu basteln und nicht wirklich voran kam, entschloss ich mich und meine zerstörten Augen und feuernden Gehirnwindungen ein wenig abzulenken. Da Mittwoch war, ging das natürlich am besten mit meinem Bruder – schließlich ist Mittwoch unser traditioneller Pub-Tag.
Wer Pub sagt, muss auch Rauchen sagen, denn in deutschen Pubs wird natürlich noch geraucht, was das Zeug hält. Mein Bruder steckte sich dann auch eine nach der anderen an, doch der Drang auch eine zu rauchen, war bei mir anfänglich noch vorhanden, nahm dann aber rasch ab. Das lag vielleicht an meiner aufkommenden Müdigkeit oder aber am Nikotingehalt der Luft im Pub. Ich ziehe Letzteres als wahrscheinlicher vor.

Am sechsten Tag offenbarte der Teufel seinen Zorn über den Erfolg des bußfertigen Sünders. Er schickte den Sturm über die Welt und ließ Häuser in ihren Grundfesten erschüttern.
Der Kyrill-Tag war fast schon zu langweilig, als das darüber berichtet werden müsste. Ich hatte so viel mit meinem Referatsteil und meinem Rechner zu tun, dass ich gar nicht daran dachte überhaupt eine Pause einzulegen. Irgendwann, resignierte ich, schrieb die letzte Folie zu Ende und ging zu Bett. Rauchen? Keine Zeit für so was! Wer raucht, kann nicht arbeiten, außer er ist Cowboy.

Der Tag der Offenbarung – der siebte Tag. Der Bußfertige schien geläutert, er hatte das dunkle Tal durchschritten und sah das Licht am Ende des Tunnels.
Freitag – Referatstag in Philosophie. Die Präsentation, unser ganzes Referat, war bis zum Beginn des Seminars nicht fertig, ein Teil fehlte noch. Wir hatten aber noch zwei sehr dröge Referate vor uns, also noch Zeit, um fertig zu werden. Die brauchten wir auch, denn irgendwie hatten wir das Handout bzw. unser Thesenpapier total vergessen. Die Mittagspause wurde dann genutzt, das Teil auch auszudrucken und zu kopieren.
Natürlich ( ;) ) war das Referat ein totaler Erfolg! Begeisterte Dozenten und zufriedene Referenten trotz des üblichen Chaos in der Vorbereitung – das musste gefeiert werden – mit einem kleinen Ausflug zum Poetry Slam und anschließender Sauftour. Aus bekannten Gründen wurde daraus nichts. Aber auch an diesen Tag des ausgelassenen Feierns gab es keine Notwendigkeit Zigaretten zu schnorren.

Der Bann scheint gebrochen, denn auch am achten Tage bleibt der Bußfertige frei vom Verlangen. Ist er nun bereit die nächste Stufe des Bewusstseins zu erlangen? Die Zeit wird es zeigen.

Irgendwie hab ich seit gut zwei Tagen nicht mal an Zigaretten denken müssen, auch heute nicht. Ich war zwar nie der ganz große Raucher, aber das ich nach zwei Tagen doch tatsächlich Nikotin-Entzugserscheinungen bekomme, hätte ich nicht gedacht. Trotzdem bin ich zufrieden mit dem bisher sehr erfolgreichen Verlauf der „Entziehungskur“. Dicker bin ich auch noch nicht geworden, aber ich hatte die letzten Tage auch wenig Zeit mich ordentlich zu ernähren. Ich hab gestern aber eine halbe Tafel Schokolade und dann noch eine halbe Tüte Maulaffen gegessen: Sind das die Vorzeichen für Fettleibigkeit? Ich glaub es nicht, aber es wird noch einige holperige Momente geben auf dem Weg des rauchfreien Lebens.

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