Die letzten Tage vor meiner Abreise aus Peking ergründe ich doch tatsächlich noch einige der großen Mysterien der chinesischen Kultur. Warum zum Beispiel in Restaurants häufig extrem laute Musik oder Fernsehsendungen laufen.

Ich war heute wohl einer der Ersten, der sich in den Frühstücksraum des Hotels begeben hatte, jedenfalls wurde für mich extra der Toaster angeschmissen und Musik aufgedreht – nur nicht so laut wie sonst.

So dudelte also ein wenig westliche Popmusik aus den Lautsprechern, als der erste chinesische Gast eintraf. Ich schmierte schon meinen ersten Toast, als der Herr sich am Tisch neben mich setzte und seinen voll beladenen Teller abstellte.

Dann legte er los, lautstark schlürfte er die Suppe in sich hinein, ab und an blubberte es etwas, weil er ja auch Luft holen musste. Nachdem er sich zwischenzeitlich noch mal etwas Suppe geholt hatte, begann er seine kleinen Hefeklößchen lautstark schmatzend zu verzehren.

Als die Klößchen und die Suppe verzehrt waren, machte er sich an den Salat auf dem Teller, dazu hielt er den Teller einfach vor seinen Mund und schob den Salat mit den Stäbchen in Selbigen – laut schmatzend natürlich.

Als dann nach und nach noch drei weiter Chinesen eintrafen, wurde plötzlich in Dolby Surround geschmatzt, gehustet und Rotz hochgezogen. Ich muss gestehen, ich hab mich inzwischen dran gewöhnt, das ist nun mal so in China, aber in diesem Moment begriff ich die sonst so lautstarke Beschallung in den Fresstempeln Chinas. Wir sind hier schließlich nicht im Schweinestall am Futtertrog, sondern in einem Land mit jahrtausende alter Tradition.

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