17.
März
2008
Ja die Augsburger wollen gern anders sein, das wird ja immer und überall betont. Sie sind keine Bayern – nein – sie sind “Augschburger”. Großstädter sind sie auch nicht, “Augschburger” sind sie, schließlich war man ja schon lange vor München und Berlin eine wichtige Großstadt sagt man sich gerne an den Bierbänken.
Dass die Zeiten lange vorbei sind, Augsburg inzwischen nur noch die drittgrößte Stadt Bayerns ist und ihre Bekanntheit lange Zeit nur von der Puppenkiste bezog, wird dem Augsburger manchmal nicht so sehr bewusst. Inzwischen fällt man allerdings wieder auf als Augsburger – nicht selten erlebte ich, dass in anderen bayerischen Großstädten Augsburg als Synonym für Provinz gewählt. Ganz so Unrecht haben sie da eigentlich nicht.
Wie sonst kann man sich erklären, dass ein erfolgreicher Bürgermeister wie Paul Wengert so dermaßen deutlich abgewählt wird. Er habe “mit seinem Tempo viele in der Stadt abhängte” versucht die Süddeutsche Zeitung dieses Paradoxon zu erklären. Wengert hatte in den sechs Jahren zuvor die Schulden abgebaut, kräftig in die Bildung investiert und eine beachtenswerte Integrationspolitik umgesetzt. Sein Denkmal wollte er aber mit der Mobilitätsdrehscheibe setzen.
Trotz aller Erfolge scheint Wengert aber bei den Augsburgern nie wirklich angekommen zu sein. Vielleicht lag es daran, dass der OB A.D. sechs Jahre meinte eine Großstadt zu regieren und nicht “Augschburg”. Hier, wo Themen wie Bänke aufstellen oder Hundetoiletten für große Zustimmung bei den Bürgern sorgen.
“Augschburger” wollen keinen fernen, staatsmännischen, erfolgreichen Bürgermeister. Nein, sie wollen einen fürs Volk, einem Augschburger mit dem man im Wirtshaus über Hundetoiletten schwätzen kann – wie’s halt in Provinzdörfern so gehandhabt wird.
Und wie in Provinzdöfern üblich braucht man auch breite Straßen für die Traktoren, weshalb die Straßenbahnlinie 6 jetzt doch bitte nicht gebaut werden soll. Der öffentliche Nahverkehr ist ja schließlich so ein Kommunistending: alle können damit fahren, für wenig Geld und das auch noch umweltfreundlich. Dann doch lieber individuell mit dem Trecker in die Innenstadt und für Stau sorgen. Am besten die Friedberger Straße gleich auf acht Spuren ausbauen!
Was aber machen die Bauern, wenn der Parteikumpel am Ende die Straßenbahn dann doch nicht verhindern kann? Sie wird ja schon gebaut. Dann wird der bürgernahe OB sich doch nicht mehr so oft in den Biergärten rumtreiben können.
Aber wer weiß schon was die Zukunft bringt, vielleicht ist der Gribl Kurt ja doch kein so unangenehmer Zeitgenosse. Schließlich war er bisher noch gar kein Mitglied der CSU, was ihn eigentlich sympathisch macht. Und vielleicht wird er gar nicht die Marionette der Augsburger Filzpartei, wer weiß das schon?! Vielleicht haben sich die CSU-Lokal-Fürsten ein Kuckucksei ins Nest geholt und Gribl macht tatsächlich bürgernahe Politik – ein Graus für jedes Führungsmitglied der CSU.
Schaun ma moi! Hauptsache die Traktoren rollen!
PS: Danke Paul für die letzten sechs Jahre, die kann dir keiner schlecht reden.

17. März 2008 um 15:58
Unfassbar, dass so ein blasser Kandidat mit einem zugegebenermaßen nicht allzu schlechten Wahlkampf-Team (Melcer & Co.) es schafft die Mehrheit zu bekommen. Das Ergebnis in Hochzoll zeigt klar woher der Wind weht, Wengert muss sich klar den Schuh anziehen hier die Leute nicht mitgenommen zu haben. Denn obwohl auch ich für die Straba wäre, eine zweispurige Friedberger Straße ist allerdings nur schwer tolerierbar.
Jetzt gilt es abzuwarten wie sich die “‘Provinz-Marionette” schlägt.
18. März 2008 um 11:07
Ich finde es putzig, dass die AZ, namentlich HErr Schmidt in seinem “Nachruf” Wengert für seine im Großen und Ganzen sehr gute Sachpolitik für Augsburg gelobt hat.
Warum aber hat sich die “Unsere-Chefin-den-Wengert-wegen-der-Aphrodite-dick-AZ” nicht schon während der sechs Jahre mal aus dem Fenster gelehnt und die Politik des Regenbogens distanziert kritisch begleitet. Wohl gemerkt: distanziert kritisch heißt für mein Verständnis “Lob, wo es verdient ist, Prügel, wo sie angemessen sind”, nicht aber “Haut den Wengert wo ihr ihn trefft”.
18. März 2008 um 11:46
Tja wie ich an anderer Stelle erwähnte, irgendwie fehlt in Augsburg ein wirklich unabhängiges überparteiliches Nachrichtenblatt
18. März 2008 um 20:06
Augsburg und sein Minderwertigkeitsproblem gerade gegenüber München wird auch in den nächsten Jahren gedeihen.Auch Erwin Huber hat vor ein paar Jahren von “Graeter Munich” gesprochen und nicht von Augschburg.Aber der Kontakt zur bayerischen Staatskanzlei wird ja jetzt intensiver,dank Gribl.Da darf mann schon mal träumen, vielleicht vom Transrapid vom Marienplatz bis zum Königsplatz oder High Tech Standort oder einzige Formel 1 Strecke in Bayern…u.s.w. Aber nein, der Augschburger mag es bedächtiger,er möchte seinen Bürgermeister im Wirthaus sehen,allerdings in welchem bayerischen Wirtshaus in Augsburg? Die gibt es nur in München.
18. März 2008 um 21:39
Der Transrapid wäre doch wirklich mal was für den Königsplatz: In 10 Minuten vom Königsplatz nach München!
19. März 2008 um 13:31
genau so siehts aus in augsburg…
im vergleich mit richtigen politikern wie angela merkel, erwin huber und leo dietz, fällt auf, dass der gribl die ausstrahlung einer puppenkistenfigur hat… und damit meine ich nicht, dass er ein scharf geschnittenes gesicht mit rosigen wangen hat.
und ich rede hier auch nicht von tollen figuren wie lukas dem lokomotivführer oder urmel aus dem eis, sondern von einer blassen langweiligen puppe, die klappernd in den seilen hängt.
ab dafür nach lummerland. die haben wenigstens noch die gute alte monarchie.
god save the queen!
30. März 2008 um 15:42
Oh, die Augschburger! BIn ja eigentlich auch von hier – umgezogen während der (üblen) Menacher-Zeit, zurück gekommen – und schon sind wieder farblose Leute der CSU an der Macht!
Der Weigert hat sicherlich nicht alles richtig gemacht, man denke nur an den Ausverkauf des Wasserschutzgebietes im Siebentischwald oder an den Plänen für den Königsplatzumbau. Trotzdem war das politische Ergebnis während ROT/GRÜN/Bunt doch eher auf der positiven Seite anzusiedeln, ich habs aus der Ferne verfolgt. Ich bin schlichtweg entäuscht von dem Ergebnis der Wahl.
Dass Gribl bisher parteilos war und jetzt der CSU beigetreten ist, spricht nicht gerade für ihn. Erscheint mir eher als Mogelpackung – Mensch ohne Rückrad – warum hat er erst als unparteiischer kandidiert wo doch schon klar war, dass er CSU-Mensch ist? Ja, er hängt in den Seilen – und was man von der CSU erwarten kann, weiß doch jeder aufgeklärte Bürger dieser Stadt (sind wohl wenige aufgeklärt – lol!)
Aber das scheint wohl die aktuelle Tendenz zu sein, sonst hätten wir keine Angie als Bundeskanzlerin. Gerhard, ich habe ihn mal persönlich kennen gelernt, war auch nicht der Knüller (nett, aber ziemlich von sich eingenommen – eben Machtmensch), aber mit Rot/Grün war es auf jeden Fall besser für die Bundesbürger, und auch mit Wengert für die Augsburger. Die Augsburger Allgemeine hat ziemlich gegen Wengert gehetzt wie mir scheint – auf Bildzeitungsniveau – und der Erfolg blieb nicht aus. Sehr traurig! Schon allein, dass irgendwelche Äußerungen seiner Frau so hoch gespielt wurden.
Finde eure homepage gut – schön, dass junge Leute sich zu politischen Belangen äußern.
LG
Annick
9. April 2008 um 23:52
schade, hier passiert nichts mehr.Hey, typisch für Augsburg.Kurze Zusammenfassung,zwei profilisierungssüchtige Stadträte initieren einen Bürgerentscheid,das Volk kann nicht lesen,der Bürgermeister wird gestürtzt und jetzt…Tunnel,Transrapid,Täuschung.u.s.w
14. April 2008 um 14:57
@annick
Der Vergleich mit der Bildzeitung ist garnicht so weit hergeholt.
Schließlich ist der stellv. Chefredakteur ehemaliger Mitarbeiter des Springer-Verlags.
Toi, toi, toi Augsburg – vielleicht werden wir ja jetzt endlich bekannt – wenn auch durch ein neues Käseblatt
14. April 2008 um 18:12
Naja die Augsburger Allgemeine hat ja eine bewegte Vergangenheit, aber durch ihre “Qualität” hebt sie sich nicht sonderlich von anderen Regionalblättern ab. Vielleicht wenn sie auf Seite 1 eine nackte Frau einführen