10.
Juli
2006
Ja, wir Deutschen sind schon ein sensibles Völkchen. Immer wollen wir geliebt werden, immer sind wir auf der Suche nach Anerkennung. Die Fußball-Weltmeisterschaft war da natürlich eine wunderbare Gelegenheit, der Welt unsere Schokoladenseite zu zeigen.
Das hat sogar ziemlich gut geklappt. So ausgelassen, fröhlich und (immer wieder gern erwähnt) friedlich wurde selten eine Weltmeisterschaft gefeiert. Überall hört man in den Medien, wie beliebt wir doch plötzlich im Ausland sind, wie toll alle Menschen Deutschland finden und wie sehr sie sich über die WM freuen. Sogar die sonst nicht zimperlichen Engländer berichten wohlwollen über Deutschland. Balsam für unsere geschundene deutsche Seele.
Es ist aber auch wirklich schwer, Negatives über die WM in Deutschland zu sagen. Gut der Fußball hätte besser sein können. Auch die Tickets haben wieder Ärger gemacht, aber das ist auch kein neues Problem. So wirklich schlecht war eigentlich nichts oder? Wer lange sucht und etwas verquer denkt, findet aber immer etwas.
La Repubblica zum Beispiel:
“Ciao ciao Weltmeisterschaft. Jetzt scheint alles unvergesslich. Aber – einmal abgesehen von Italien und Frankreich – was wird uns wirklich von diesen Weltmeisterschaften 2006 in Erinnerung bleiben? Die deutsche Menschenmenge etwa. Ein diszipliniertes Meer von Fans. Sie wirken immer so, als hätten sie eine natürliche Fernbedienung. Die Furcht, die daraus entsteht, ist, in wessen Händen der Kontrollknopf letztlich landet.” gefunden bei spiegel.de
Ja richtig gehört: Von Deutschland geht auch über 60 Jahre nach dem 2. Weltkrieg eine latente Gefahr aus! Wir bekommen das mit dem Obrigkeitsdenken halt einfach nicht raus aus den Köpfen. Die Rundschreiben, die vor der WM an die deutschen Haushalte geschickt wurden, waren unmissverständlich. Darin befahl uns unser Kaiser Franz Beckenbauer: “Seit ausgelassen und fröhlich! Nur so können wir das Ausland in Sicherheit wiegen!” Dass haben wir, wie ich finde wirklich gut umgesetzt und es wäre alles gut gegangen, hätten uns die klugen Köpfe von La Repubblica nicht durchschaut!
Das nächste Mal sollte sich der verantwortliche Autor vielleicht mal unter die Fans begeben und mit den Leuten feiern, dann kommt vielleicht nicht so eine pseudo-intellektuelle Kacke raus. Sorry für die drastische Wortwahl, aber meine geschundene deutsche Seele hat sich wieder gemeldet.
Trotzdem: Glückwunsch zum Titel Italien. Wer Deutschland schlägt muss nunmal Weltmeister werden. Das gilt übrigens auch für die nächste EM. Da holen wir dann wieder unsere Fernbedienung raus.

10. Juli 2006 um 22:08
Ich habe meine Fahne auch erst nach Bußgeldandrohung aus dem Fenster gehängt. Aus Furcht vor weiteren Sanktionen habe ich dann gleich noch mein Auto verschönert, Fahnen bei meiner Freundin aufgehängt und mich regelmäßig ins Deutschland-Trikot gezwängt.
Schlimm war’s!
10. Juli 2006 um 22:55
Ja, für uns arme Deutsche war es wirklich eine schlimme Zeit, so ganz gegen unser Naturell zu handeln. Aber wenn der Kaiser befiehlt, dann wird das auch gemacht. Hier guckt ja sonst auch keiner Fußball in diesem Land. Da ist es schon erstaunlich, das alle, wie auf Knopfdruck bei einem Tor zu jubeln anfangen. So viel Disziplin, unglaublich…
Bemitleiden wir uns noch ein zwei Tag und sind dann nur noch betrübt und miesepetrig, wie vor der WM.
11. Juli 2006 um 00:08
Naja, es gab auch einige Schattenseiten bei der WM, die ich selbst miterlebt habe. Zum Beispiel fand ich es nicht so nett, dass ein Großteil der Fans (jedenfalls auf der Berliner Fanmeile) jedes mal gepfiffen und gebuht hat als die Nationalhymne der gegnerischen Mannschaft gespielt wurde. Also ein bisschen mehr Respekt sollte man schon haben. Und ein bisschen Angst vor zunehmenden Nationalismus habe ich ehrlich gesagt auch. Erst hieß es ja, dass die deutschen Fahnen nach der WM wieder verschwinden werden, aber ich heute habe ich mehre Menschen im Fernsehen gesehen, die noch nicht wussten, wann die ihre Fahnen wieder einholen…
naja, ich sag mal, solange es nicht ausartet, ist alles ok…
Trotzdem war es eine tolle Zeit.