30.
Mai
2009
Heute wurde ich eisig geweckt. Meine Morgendusche war irgendwie sehr viel kälter als sonst und das, obwohl da eigentlich warmes Wasser aus dem Wasserhahn kommen sollte – kam aber nicht. Irgendwie ungewöhnlich, aber vielleicht duschte ja gerade jemand über oder unter mir und zapfte das ganze kostbare Warmwasser ab?
Da die Wasserleitungen bei uns nur durch eine, in den 70er Jahren sicherlich total schicke, Holzverkleidung kaschiert werden, hätte ich eine Wasserentnahme in einer anderen Wohnung allerdings gehört – tat ich aber nicht. Die Ursache musste also woanders liegen.
Da das Wasser am Morgen noch eine Spur von Wärme zeigte und diese im Laufe des bisherigen Tages einer klirrenden Kälte wich, gehe ich inzwischen aber davon aus, dass die Warmwasserkessel oder gar die ganze Zentralheizung ausgefallen ist.
Ich tat also das, was ich in solchen Fällen immer tue: Ich rief die Störstelle unserer Hausverwaltung an, schließlich habe ich keine Lust auf kaltes Wasser über die Feiertage. Was ich dann allerdings erstaunlich fand, war die Tatsache, dass sich mal wieder kein anderer aus unserem Haus bei denen gemeldet hatte. Und das war nicht das erste Mal, vor ein paar Monaten war das Schloss der Hauseingangstür kaputt gewesen, keiner kam mehr ins Haus – und keiner fühlte sich verantwortlich mal bei der Hausverwaltung anzurufen, um das Problem zu lösen.
Was ist eigentlich inzwischen mit den Leuten los?! Das ist nämlich kein Einzelfall auf unser Haus beschränkt, mehrere aus meinem Bekanntenkreis verhalten sich genauso: Ist irgendwas defekt, wird drüber gemeckert, aber auf die Idee mal beim Wohnungseigentümer oder eben der Hausverwaltung anzurufen, dass die das Problem beseitigen, kommt keiner. Genau deswegen bezahlt man doch inzwischen horrende Nebenkosten an die Hausverwaltungen. Damit die alles am Laufen halten. Trotzdem scheuen sich so viele davor, ihre Rechte in Anspruch zunehmen. Nur nicht auffallen, nicht dass die Vermieter denken, man sei ein schlechter Mieter – dabei ist das hier ein klares Kunde-Dienstleister-Szenario
Es scheint eine deutsche Eigenart zu sein, dass man sich zwar über alles gerne und lautstark aufregt, aber letztlich auch nichts an der Situation ändert. Dieses “man-kann-ja-eh-nichts-ändern”-Gefühl scheint uns Deutsche schon fest im Griff zu haben – in allen Lebensbereichen, schon irgendwie erschreckend. Dabei ist es ein Leichtes, einfach mal aufzustehen und das Problem zu lösen.
Aber vielleicht fehlt bei uns einfach ein Rentner im Haus, der aufpasst, dass alles irgendwie läuft. Dafür sorgt, dass alle ihren Müll ordentlich trennen und die Kinder nicht auf dem Rasen Fußball spielen. Das ordnende Element einen bayerisch-schwäbischen Augsburger Rentners ist ein nicht zu unterschätzendes Stück Lebensqualität. Aber so was merkt man ja immer erst, wenn er nicht mehr da ist.
Ich für meinen Teil hoffe, dass ich bald wieder warmes Wasser habe, bis jetzt hat sich hier bedenklicherweise noch nichts getan.

30. Mai 2009 um 19:07
also den Satz “man-kann-ja-eh-nichts-ändern”…geht mir in letzter Zeit dermaßen auf die Nerven, selbst in der Arbeit höre ich den ständig.
aber das mit den alten Rentner ist nicht so toll…..
und selber immer anrufen….kenne dich doch, kannst dich doch auch super über alles aufregen
Jetzt aber zu deinen Warmwasser, bei mir ist es genauso egal wann ich duschen gehen will, muss unter mir einer das Warmwasser aufdrehen so das ich nur kaltes habe. Aber wenn ich meine Hausverwaltung darauf aufmerksam mache heißt es nur “kann man nix machen, sind halt alte Leitungen”. Also kann ich mir gut vorstellen was da durchgemacht hast
Kümmern sich immer nur um Sachen die ihnen nix angeht, habe ich letztens erst wieder erlebt.Wenn man dann sagt das es in Ortung ist und gehen will, müssen sie immer weiter machen biss man selber sauer wird und mit den das Streiten anfängt #grrrr
also lieber ohne einen Rentner
31. Mai 2009 um 05:23
“Kann man nix machen”; “Lässt sich nicht ändern”; “Tja, was kann man tun” … das kenn’ ich auch, im Kleinen wie im Großen und genauso das Sich-auf-andere-verlassen. Jedenfalls hoffe ich, Du darfst inzwischen wieder “Warmduscher” sein, wannimmer Du es willst, zumal ja zur Zeit gerade die Außentemperaturen auch recht kühl sind, so dass man sich nicht gerade nach einer kalten Dusche sehnt.
1. Juni 2009 um 11:15
@Christian: Liegt wohl in der Familie
Und so lange das Aufregen auch was bringt, ist es ja wohl richtig.
Seltsamerweise ist das Wasser immer noch nicht richtig heiß. Man kann zwar duschen, aber es ist eher lauwarm. Nicht mal Baden kann man bei der Kälte, man man…
1. Juni 2009 um 18:59
Nabend!
Danke für Deinen Kommentar bei mir. Also hier kenne ich beide Seiten, was sehr interessant ist. Zuhause haben wir ein Haus, in dem wir Wohungen vermieten. Wir wohnen daneben, was die denkbar dümmste Kombi ist, die man sich vorstellen kann. Da rufen nicht selten Mieter an und bitten uns, wir mögen doch mal bitte eine Glühbirne wechseln.
Andererseits – und da stimme ich Dir zu – werden größere Probleme wie zB eine nicht schließende Haustür verschwiegen, bis man das dann zufällig selber rausfindet. Arg.
Mittlerweile wohne ich auch – woanders – zur Miete und habe das Glück einen sehr netten Vermieter zu haben, der sich um alles sehr schnell kümmert, das is ne feine Sache.
1. Juni 2009 um 19:06
@thecardier: Gute Beiträge kommentiere ich doch gerne
Ich kenne auch beide Seiten, manchmal ist es tatsächlich beängstigend, was manche Mieter so verlangen – stimmt schon.
Aber inzwischen hat man ja eher selten direkten Kontakt zum Vermieter, eher zu einer Hausverwaltung, die sich meist recht unantastbar gibt und schwer zu erreichen ist.
Aber selbst, wenn es nette Vermieter gibt, werden die teilweise nicht angerufen. Ich habe nen Kumpel, der wohnt seit einem halben Jahr im Halbdunkel, weil sein Rollo nicht mehr hochgeht – beim Vermieter ruft er trotzdem nicht an. Ist wohl zu viel Stress
1. Juni 2009 um 19:24
Aua Aua.
Vielleicht hat er auch keinen Bock die Reparatur zu zahlen. Ich kenne den Mietvertrag nicht, aber längst nicht alles, was kaputt geht, muss auch vom Vermieter bezahlt werden…
1. Juni 2009 um 19:34
Ja stimmt natürlich, bei kleinen Reperaturen muss meist der Mieter selbst bezahlen, meist bis 70 oder 100 Euro. Aber für das defekte Rollo wird dieser Betrag wohl locker übertroffen werden.
Aber ich glaube er ist einfach zu faul. Er schläft eh lieber länger
1. Juni 2009 um 20:14
Haha, klingt ja fast ein bisschen spießig, das Posting… aber ist auf jeden Fall was wahres dran.
1. Juni 2009 um 20:18
@Simon: Ich hatte auch schon die Befürchtung, dass ich mich in einen Rentner verwandele, der kleine Kinder vom Rasen jagt. Aber ich hoffe ich bin noch weit vom Spießer entfernt
2. Juni 2009 um 13:57
Der Rentnermangel ist doch eh bald Geschichte. Stichwort: Demographischer Wandel.
Dann gehts mit Deutschland wieder bergauf, dann wird sich wieder gekümmert, um die Krise, um Opel, um alles.