Nur weil ich gerade am anderen Ende der Welt bin, heißt das ja nicht, dass ich nicht auch mal wieder eine kleine Filmkritik schreiben könnte. Thematisch passend zu meiner Zeit hier in Peking ist wohl der Film Boomtown Beijing, der an diesem Wochenende in Peking gezeigt wird.

Peking hat sich durch die Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen in den vergangen sieben Jahren so unglaublich verändert, so schnell und radikal, dass es sich einfach anbietet, einen Film über die Stadt zu machen. Im Dokumentarfilm Boomtown Beijing möchte die Regisseurin Tan Siok Siok einen Kontrast zu dieser olympischen Glitzerfassade zeigen. Dazu begleitet sie vier normale Einwohner der Millionenstadt und zeigt, was Olympia 2008 für sie bedeutet und wie sie sich vorbereiten.

Da ist der Taxifahrer Xu Qing, der fleißig Englisch lernt, um seinen Fahrgästen besser zu Diensten zu sein. Nebenbei sieht er quasi im Vorbeifahren, wie sehr sich die Stadt Tag für Tag verändert. Der Straßenfeger Liu Zhi möchte gerne eine Kunstperformance in seinem Stadtteil organisieren und diese am 400. Tag vor den Olympischen Spielen aufführen. Zhou Bo Wen Rui ist bei einer Schulveranstaltung der olympische Engel, der die Fackel entzündet. Er träumt davon, beim echten Fackellauf mitzumachen.

In der stärksten Episode begleitet man den fast blinden Athleten Zhao Hong Bo, der seine Chance auf eine Goldmedaille bei den Paralympics nutzen möchte. Es ist seine letzte Möglichkeit, denn einerseits ist er schon 37 Jahre alt und andererseits wird sein Augenlicht immer schwächer. Bei ihm wird die Idee der Regisseurin den olympischen Traum aus Sicht von normalen Chinesen zu zeigen am besten umgesetzt. Wenn der Athlet erklärt, er tue das auch für seinen Sohn, damit er stolz auf ihn sein kann, dann ist das schon ein sehr erhebender Moment.

Leider sind nicht alle Episoden so gelungen. Der Taxifahrer bleibt zu blass und kann kaum mit den Fahrern mithalten, denen ich hier schon begegnet bin. Vor allem aber bleibt sein Motiv, sein olympic dream völlig verborgen. Er bereitet sich zwar akribisch auf die Spiele vor, aber außer monetären Gründen, scheint er keine weiteren Motive zu haben.

Der kleine Junge, der so sehr Fackelträger werden möchte und der alte Straßenkehrer sind unglaublich sympathisch, aber leider bleiben auch ihre Motive verborgen. Was bedeuten die Olympischen Spiele denn für sie? Wo liegen die Gründe für ihren olympischen Traum. Das sind dann leider verpasste Möglichkeiten, die Siok Siok nicht nutzt.

Trotzdem ist Boomtown Beijing ein toller Dokumentarfilm geworden. Er bietet einen faszinierenden Einblick in den Alltag und die Ambitionen von einfachen Bewohnern Pekings vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele. Ein paar skurrile Momente sind natürlich auch dabei. Also durchaus interessant der Film: Ansehen, wenn man die Möglichkeit dazu hat!

Ihr könnt die junge Frau mit Ihrem Film ja auch mal nach Augsburg einladen, wir haben doch so viele schöne Kinos :)

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