25.
Februar
2007
Regie:
Sean Ellis
Drehbuch:
Sean Ellis
Darsteller: Sean Biggerstaff, Emilia Fox, Sean Higgins
Länge: 109 Minuten





Es gibt Filme, die sind so unglaublich unspektakulär und ruhig, dass es eigentlich verwunderlich ist, warum einem gerade diese in Erinnerung bleiben.
Ben Willis (Sean Biggerstaff) hat Zeit, viel Zeit. Nach der Trennung von seiner Freundin wird der Student von Schlaflosigkeit geplagt, seine Gedanken kreisen nur um seine verflossene Liebe. Um sich abzulenken und die schlaflose Zeit sinnvoll zu nutzen, nimmt er einen Job in der Nachtschicht eines Supermarktes an. Dieser wird von skurrilen Mitarbeitern bevölkert, allen voran der egozentrische Boss Jenkins (Stuart Goodwin).
Eines Nachts entdeckt der gelangweilte Ben, dass er aus unerfindlichen Gründen die Zeit anhalten kann. Was tut ein Mensch, der zu viel Zeit hat, mit noch mehr Zeit? Ben bemerkt, dass er trotz seines Übermaßes an Zeit, sein Leben ungenutzt vorüberfließt. Er versucht sein Leben endlich in die Hand zu nehmen.
Aus der Grundidee zu Cashback hätte von einer dumpfen Teenager-Komödie bis hin zum Zeitreise-Thriller eigentlich alles werden können. Regisseur Sean Ellis allerdings geht seine Geschichte auf ganz eigene Weise an. Aus der Perspektive des gelernten Fotograf wird daraus nämlich ein wunderbarer poetischer Traum über die Verwobenheit von Kunst, Schönheit, Liebe und Zeit.
Episodenhaft erleben wir Bens Reise zur Erkenntnis. Erst hängt er der Vergangenheit nach, gibt sich dem Selbstmitleid hin und trauert seiner alten Liebe nach. Im Supermarkt lebt er nur noch in der Gegenwart, verdeutlicht noch, in seiner Fähigkeit die Zeit anzuhalten. Gleichzeitig wird hier die Passion des Künstlers Ben verbildlicht. Denn was tut ein Fotograf oder Maler anderes, als einen Moment der Zeit einzufangen und es in ein Bild zu verwandeln. So ist es auch die Schönheit, die Ben einzufangen beginnt, als er bemerkt die Zeit anhalten zu können. Er malt die Kunden und Mitarbeiter des Supermarktes, in der Kassiererin Sharon (Emilia Fox) entdeckt er seine Muse und große Liebe – und die ist das zweite große Motiv des Films.
Die Schwere und Ernsthaftigkeit des Themas hätte den Film ins kitschige und langamtige abgleiten lassen können und tatsächlich wirken viele Einstellungen behäbig, fast hypnotisch.
Glücklicherweise sind die Mitarbeiter des Supermarktes abgedreht genug, um für Auflockerung zu sorgen. Als Jenkins seinen Mitarbeitern erklärt, ein anstehendes Fußballmatch doch bitte als moderne Form des Gladiatorenkampfes zu sehen, dessen Nachwirkungen bis in die Ewigkeit nachhallen werden, ist das zum Brüllen komisch – britischer Humor at its best.
Fazit: Cashback ist eine sonderbare aber vortreffliche Mischung aus poetisch-künstlerischem Liebesfilm und schwarzer Komödie, die unglaublich locker-flockig und spontan wirkt. Dank der sympathischen Darsteller, allesamt noch recht unbekannt sind, entsteht somit ein wirklich gelungener Film, der nachhallt im Gedächtnis des Zuschauers.
Das Ende ist dann zwar etwas zu Zuckersüß und glücklich, schaden tut es dem Film aber nicht. Hier steht nämlich die Erkenntnis, dass es auf nur auf wenige kurze Momente ankommt. Momente, die in unseren Zeiten zu oft unbemerkt vorbeistreichen, vergehen und für immer verloren sind, wenn sie nicht festgehalten werden. Es geht um die Fähigkeit die Zeit für einen Moment stillstehen zu lassen, sich umzusehen und die wichtigen Dinge des Lebens zu erkennen. Sei es die Schönheit der Welt, die Liebe oder einfach die eigene Zukunft.
Ob Cashback überhaupt in Deutschland läuft bzw. je laufen wird kann ich leider gar nicht sagen. Gesehen hab ich ihn in Frankreich als Original mit Untertitel. Meiner Empfehlung tut dies aber keinen Abbruch, sollte der Film tatsächlich in eurer Nähe laufen oder als DVD (ab 10. März 2008) rumliegen: Anschauen!

12 Reaktionen auf “Cashback”
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provinzblog » Cashback auf DVD
Pingback vom 3. März 2008 um 09:15

26. Februar 2007 um 10:28
es klingt wirklich sehr schön.
26. Februar 2007 um 17:33
Ist es auch. Es gibt wenig Filme die einfach nur schön sind, aber der gehört dazu. Wem Garden State gefallen hat, dem gefällt auch dieser Film.
Ich hoffe Cashback kommt irgenwann in Deutschland raus.
26. Februar 2007 um 21:01
Garden State, habe ich mir neulich erst zugelegt. Hat mir sehr gut gefallen. Wenn Cashback in Deutschland erscheint, werde ich ihn mir sicher ansehen. Danke für den Tipp.
27. März 2007 um 17:08
hab den Film gestern gesehen, im Original mit Untertitel… ist ein echt super Film…etwas seltsam am Anfang aber wenn man drin ist echt Super! Kann ihn nur weiterempfehlen!
14. Oktober 2007 um 16:07
nur mit muehe habe ich den film zu ende gesehen. alle frauen in ben’s welt sind natuerlich makellos schoen. und ben findet am ende DIE liebe schlechthin. dieser film ist zwar schoen gedacht, aber letztenendes wird hier ja auch nur “schoene heile welt” gespielt. so was frustriert mich nur. ach, wo ist bloss der schoene realismus hin…
16. Oktober 2007 um 21:06
Mh, also für Realismus guck ich die Nachrichten
Sicherlich ist der Film zum Ende hin zuckersüß, aber man kann Herr der Ringe ja auch nicht vorwerfen, er sei irgenwie total unrealistisch oder?
Cashback ist ein Kunstfilm, in dem es um Schönheit und Liebe geht, denke das erfüllt der Film dann doch ganz gut. Den Anspruch des Realismus soll er gar nicht erfüllen.
4. Dezember 2007 um 17:00
Dem stimme ich zu!
Durch Bens Wertschätzung der “kleinen” Dinge und den kurzen, schönen Momente im Leben, sind mir wieder einmal die Augen geöffnet worden bzw. mir ist aufgezeigt worden, wie einfach und simpel es ist, sich am Leben zu erfreuen…nicht dass ich davor unglücklich gewesen wäre, aber es ist ein Kraftschub oder ein Lichtblick zwischen all den (s.o.) Schweinereien und Betrügereien, mit denen wir Tag täglich im Fernsehen und in den Nachrichten konfrontiert sind.
Wem Filme wie “die fabelhafte Welt der Amelie” oder “Garden State” gefallen haben, der/die wird den Film lieben!
8. März 2008 um 02:18
Wahrlich ein wunderschöner Film.
Diese verklärte und dennoch glasklare Verträumtheit, die Ben erfährt, lässt einen ein Stückchen weit der eigenen Realität entfliehen. Dass es eine weitgehend idealisierte Welt ist, wird einem zwar klar, jedoch erst nach dem Abspann, die Versunkenheit in Ben’s angenehmer und schlussendlich auch liebevollen Welt bleibt also lang genug erhalten, um einzutauchen und sich von den schönen Dingen umwogen zu lassen.
Mit bestem Dank an den Regisseur für dieses wunderbare Werk.
23. Juni 2008 um 21:36
Hab den Film gerade gesehen! Wirklich sehr schön!!
13. September 2008 um 23:59
Ich kann mich den positiven Vorrschreibern nur anschließen.
Er hätte flach, sexistisch, einer unter vielen werden können.
Er wurde sehnsuchtsvoll, das (Weiblich)-Schöne feiernd; auch ein bisschen Melancholia: Der kleine Junge, fasziniert von der Vulva und ein Träumender, war mit einem Mal wieder da – auch mit 36 …
14. September 2008 um 00:00
“Vorschreibern”