Cashback (UK 2006)
Regie:
Sean Ellis
Drehbuch:
Sean Ellis
Darsteller: Sean Biggerstaff, Emilia Fox, Sean Higgins
Länge: 109 Minuten
Voting
+++++
5 Sterne bei 4 Stimmen

Es gibt Filme, die sind so unglaublich unspektakulär und ruhig, dass es eigentlich verwunderlich ist, warum einem gerade diese in Erinnerung bleiben.

Ben Willis (Sean Biggerstaff) hat Zeit, viel Zeit. Nach der Trennung von seiner Freundin wird der Student von Schlaflosigkeit geplagt, seine Gedanken kreisen nur um seine verflossene Liebe. Um sich abzulenken und die schlaflose Zeit sinnvoll zu nutzen, nimmt er einen Job in der Nachtschicht eines Supermarktes an. Dieser wird von skurrilen Mitarbeitern bevölkert, allen voran der egozentrische Boss Jenkins (Stuart Goodwin).
Eines Nachts entdeckt der gelangweilte Ben, dass er aus unerfindlichen Gründen die Zeit anhalten kann. Was tut ein Mensch, der zu viel Zeit hat, mit noch mehr Zeit? Ben bemerkt, dass er trotz seines Übermaßes an Zeit, sein Leben ungenutzt vorüberfließt. Er versucht sein Leben endlich in die Hand zu nehmen.

Aus der Grundidee zu Cashback hätte von einer dumpfen Teenager-Komödie bis hin zum Zeitreise-Thriller eigentlich alles werden können. Regisseur Sean Ellis allerdings geht seine Geschichte auf ganz eigene Weise an. Aus der Perspektive des gelernten Fotograf wird daraus nämlich ein wunderbarer poetischer Traum über die Verwobenheit von Kunst, Schönheit, Liebe und Zeit.

Episodenhaft erleben wir Bens Reise zur Erkenntnis. Erst hängt er der Vergangenheit nach, gibt sich dem Selbstmitleid hin und trauert seiner alten Liebe nach. Im Supermarkt lebt er nur noch in der Gegenwart, verdeutlicht noch, in seiner Fähigkeit die Zeit anzuhalten. Gleichzeitig wird hier die Passion des Künstlers Ben verbildlicht. Denn was tut ein Fotograf oder Maler anderes, als einen Moment der Zeit einzufangen und es in ein Bild zu verwandeln. So ist es auch die Schönheit, die Ben einzufangen beginnt, als er bemerkt die Zeit anhalten zu können. Er malt die Kunden und Mitarbeiter des Supermarktes, in der Kassiererin Sharon (Emilia Fox) entdeckt er seine Muse und große Liebe – und die ist das zweite große Motiv des Films.

Die Schwere und Ernsthaftigkeit des Themas hätte den Film ins kitschige und langamtige abgleiten lassen können und tatsächlich wirken viele Einstellungen behäbig, fast hypnotisch.
Glücklicherweise sind die Mitarbeiter des Supermarktes abgedreht genug, um für Auflockerung zu sorgen. Als Jenkins seinen Mitarbeitern erklärt, ein anstehendes Fußballmatch doch bitte als moderne Form des Gladiatorenkampfes zu sehen, dessen Nachwirkungen bis in die Ewigkeit nachhallen werden, ist das zum Brüllen komisch – britischer Humor at its best.

Fazit: Cashback ist eine sonderbare aber vortreffliche Mischung aus poetisch-künstlerischem Liebesfilm und schwarzer Komödie, die unglaublich locker-flockig und spontan wirkt. Dank der sympathischen Darsteller, allesamt noch recht unbekannt sind, entsteht somit ein wirklich gelungener Film, der nachhallt im Gedächtnis des Zuschauers.

Das Ende ist dann zwar etwas zu Zuckersüß und glücklich, schaden tut es dem Film aber nicht. Hier steht nämlich die Erkenntnis, dass es auf nur auf wenige kurze Momente ankommt. Momente, die in unseren Zeiten zu oft unbemerkt vorbeistreichen, vergehen und für immer verloren sind, wenn sie nicht festgehalten werden. Es geht um die Fähigkeit die Zeit für einen Moment stillstehen zu lassen, sich umzusehen und die wichtigen Dinge des Lebens zu erkennen. Sei es die Schönheit der Welt, die Liebe oder einfach die eigene Zukunft.

Ob Cashback überhaupt in Deutschland läuft bzw. je laufen wird kann ich leider gar nicht sagen. Gesehen hab ich ihn in Frankreich als Original mit Untertitel. Meiner Empfehlung tut dies aber keinen Abbruch, sollte der Film tatsächlich in eurer Nähe laufen oder als DVD (ab 10. März 2008) rumliegen: Anschauen!

5 von 5 Popcorn-Tüten: Ein kleines Prunkstück des englischen Films. Poetisch, lustig und einfach schön.
Genial
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