Film/Musik


Ich hatte vor etwas mehr als einem Jahr den Film Bootmown Beijing hier an dieser Stelle besprochen. Einen Film über Menschen in Peking, die sich auf die Olympischen Spiele vorbereiten. Jeder auf seine Weise, jeder mit anderen Hoffnungen und Erwartungen.

Inzwischen kann man sich den Film kostenlos über das Internet ansehen und ich lege ihn euch gern ans Herz (trotz der kurzen Werbeunterbrechungen im Film). Ein toller Film über China, Peking und seine Menschen

Übrigens ist die Regisseurin Tan Siok Siok im Moment dabei einen Twitter-Dokumentarfilm zu drehen. Und zum Schluss noch ein kurzes Interview mit der Regisseurin, über ihren Film.

Heute beim Bundesvision Song Contest für Sven van Thom anrufen. Ist sicherlich nicht der beste Song, aber ein alter Spezi meiner Freundin ist in der Band von Sven.

So meine Schuldigkeit ist getan, Freundin ist glücklich und ich hab nu meine Ruhe.

Eine beeindruckende Geschichte, die da auf der Berlinale ans Licht der großen Öffentlichkeit flimmert. Florian Gallenberger erzählt die Geschichte des deutschen NSDAP-Mitglieds John Rabe.

Als Chef der dortigen Siemens-Vertretung lebte er schon dreißig Jahre in China, als 1937 der 2. Japanisch-Chinesische Krieg mit brutaler Gewalt über die Stadt hereinbricht. Obwohl der Deutsche Mitglied bei der NSDAP ist und damit irgendwie ja Verbündeter der Japaner, rettet er während des blutigen Massakers von Nanjing über 200.000 Chinesen das Leben. Noch heute wird er von den Chinesen als “der deutsche lebende Buddha” verehrt.

Seltsamerweise war diese beeindruckende Geschichte in Deutschland lange Zeit völlig unbekannt, bis 1997 die umfangreichen Tagebücher von John Rabe veröffentlicht wurden und einen verstörenden Blick in die Vergangenheit ermöglichten. Einen Blick, der die japanischen Grausamkeiten an den Chinesen zeigt und die aufopfernden Versuche, unschuldige Leben zu retten.

Oscarpreisträger Gallenberger nimmt sich also dieser Geschichte an und besetzt John Rabe mit dem großartigen Schauspieler Ulrich Tukur, auch die restliche Cast kann sich sehen lassen. Die ersten Bilder im Trailer lassen in mir allerdings ein wenig Zweifel aufkommen, welche die TAZ dann auch recht gut zusammenfasst: “Oskar Schindler in China im Pearl Harbour Style.

Trotzdem hört sich die Geschichte zu interessant an, als dass ich sie links liegen lassen könnte. Allein schon für Tukur würde ich mir den Film schon ansehen, aber ich denke dass ich mir zuerst mal das von Erwin Wickert herausgegebene Tagebuch von John Rabe zu Gemüte führen werde. Bis der Film am 2. April ins Kino kommt, sollte das ja zu schaffen sein.

Seit dem 7. Oktober dreht das ZDF in Augsburg und München einen Fernsehfilm mit dem Arbeitstitel “Illegal” und heute konnte ich erstmals auch ein Filmteam erspähen. Im Film geht es um eine illegale Einwanderin gespielt von Carolina Vera. Den ein odere anderen ist sie vielleicht als Staatsanwältin Emilia Alvarez im Stuttgarter Tatort bekannt.

Genau diese Dame erspähte ich in der Jakoberstraße beim Vorbeifahren – glaube ich zumindest. Im Augsburger Verkehr tut man ja gut daran zügig zu fahren, sonst wird man böse angehupt.

Ich konnte dank einer roten Ampel einen Blick auf das Drehteam werfen, das sich um einen Dönerladen ausgebreitet hatte, wohl nicht ganz unabsichtlich – schließlich ist die Hauptbeschäftigung eines Drehteams zu warten und dabei wird halt meist gegessen.

Obwohl ich weiß, wie es auf einem Set zugeht, ist es immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen dort umherschwirren. Schade, dass ich euch kein Foto präsentieren kann, aber während der Fahrt eines Kraftfahrzeuges darf man ja sein Handy nicht benutzen. Gedreht wird noch bis Anfang November, es wird also sicherlich noch Gelegenheit geben, den Mainzer Hollywoodflair in der Fuggerstadt zu erleben.

Nur weil ich gerade am anderen Ende der Welt bin, heißt das ja nicht, dass ich nicht auch mal wieder eine kleine Filmkritik schreiben könnte. Thematisch passend zu meiner Zeit hier in Peking ist wohl der Film Boomtown Beijing, der an diesem Wochenende in Peking gezeigt wird.

Peking hat sich durch die Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen in den vergangen sieben Jahren so unglaublich verändert, so schnell und radikal, dass es sich einfach anbietet, einen Film über die Stadt zu machen. Im Dokumentarfilm Boomtown Beijing möchte die Regisseurin Tan Siok Siok einen Kontrast zu dieser olympischen Glitzerfassade zeigen. Dazu begleitet sie vier normale Einwohner der Millionenstadt und zeigt, was Olympia 2008 für sie bedeutet und wie sie sich vorbereiten.

Da ist der Taxifahrer Xu Qing, der fleißig Englisch lernt, um seinen Fahrgästen besser zu Diensten zu sein. Nebenbei sieht er quasi im Vorbeifahren, wie sehr sich die Stadt Tag für Tag verändert. Der Straßenfeger Liu Zhi möchte gerne eine Kunstperformance in seinem Stadtteil organisieren und diese am 400. Tag vor den Olympischen Spielen aufführen. Zhou Bo Wen Rui ist bei einer Schulveranstaltung der olympische Engel, der die Fackel entzündet. Er träumt davon, beim echten Fackellauf mitzumachen.

In der stärksten Episode begleitet man den fast blinden Athleten Zhao Hong Bo, der seine Chance auf eine Goldmedaille bei den Paralympics nutzen möchte. Es ist seine letzte Möglichkeit, denn einerseits ist er schon 37 Jahre alt und andererseits wird sein Augenlicht immer schwächer. Bei ihm wird die Idee der Regisseurin den olympischen Traum aus Sicht von normalen Chinesen zu zeigen am besten umgesetzt. Wenn der Athlet erklärt, er tue das auch für seinen Sohn, damit er stolz auf ihn sein kann, dann ist das schon ein sehr erhebender Moment.

Leider sind nicht alle Episoden so gelungen. Der Taxifahrer bleibt zu blass und kann kaum mit den Fahrern mithalten, denen ich hier schon begegnet bin. Vor allem aber bleibt sein Motiv, sein olympic dream völlig verborgen. Er bereitet sich zwar akribisch auf die Spiele vor, aber außer monetären Gründen, scheint er keine weiteren Motive zu haben.

Der kleine Junge, der so sehr Fackelträger werden möchte und der alte Straßenkehrer sind unglaublich sympathisch, aber leider bleiben auch ihre Motive verborgen. Was bedeuten die Olympischen Spiele denn für sie? Wo liegen die Gründe für ihren olympischen Traum. Das sind dann leider verpasste Möglichkeiten, die Siok Siok nicht nutzt.

Trotzdem ist Boomtown Beijing ein toller Dokumentarfilm geworden. Er bietet einen faszinierenden Einblick in den Alltag und die Ambitionen von einfachen Bewohnern Pekings vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele. Ein paar skurrile Momente sind natürlich auch dabei. Also durchaus interessant der Film: Ansehen, wenn man die Möglichkeit dazu hat!

Ihr könnt die junge Frau mit Ihrem Film ja auch mal nach Augsburg einladen, wir haben doch so viele schöne Kinos :)

Schon seltsam, einen Monat bin ich hier und schon fange ich an zu knausern – obwohl hier eigentlich vieles billiger ist.

Es fängt schon damit an, dass ich versuche Taxifahrten zu vermeiden, weil ja eine Fahrt quer durch die Stadt ja dann doch durchaus mal 3 Euro kosten könnte. Der ÖPNV ist schließlich viel billiger, maximal 20 Cent gebe ich da für eine Fahrt aus. Das dauert dann zwar manchmal länger und sitzen kann man so gut wie nie und manchmal riecht es “gewöhnungsbedürftig”, aber es ist einfach die billigste Methode.

Im Supermarkt rege ich mich darüber auf, dass ein Wasser statt 0,8 Yuan 1 Yuan kostet. Also 2 Cent mehr. DVDs für 3 Euro sind in Deutschland ein absolutes Schnäppchen, hier schon Wucher – maximal 1 Euro gibts für eine DVD. Gut, für Serien-Boxen gibts natürlich etwas mehr.

Wenn ich mehr als 10 Euro für Essen ausgebe, will ich danach auch wirklich vollgefressen sein und zwar mit mindestens 3 verschiedenen Fleischsorten! Dieses ganze Gespare guckt man sich einfach zu schnell von den Chinesen ab. Die nutzen z. B. viel lieber die unklimatisierten Busse, weil die 10 Cent billiger sind. Es wird geknausert wo es nur geht.

Auf eine Sache konnte ich dann heute beim Einkaufen allerdings nicht verzichten. Als mich aus dem Regal ganz frech eine Packung Bohnenkaffee anguckte, musste ich zugreifen. Bisher hab ich in meinen Supermärkten immer nur diesen auf dauer ziemlich nervigen Instant-Kaffee gefunden. Die 250 Gramm für lockere 2,50 Euro wanderten dann also in meinen Korb. Ich ging sogar das Risiko ein und kaufte mir den Kaffee ohne Filtertüten (ich glaub so was gibts hier gar nicht). Glücklicherweise hat meine winzige Kaffeemaschine hier einen Permanentfilter. Und so kann ich jetzt ganz entspannt die Füße hochlegen und meinen schönen schwarzen und heißen Kaffee genießen.

Lars und die Frauen (USA 2007)
Regie:
Craig Gillespie
Drehbuch:
Nancy Oliver
Darsteller: Ryan Gosling, Patricia Clarkson, Emily Mortimer
Länge: 106 Minuten
Voting
+++++
5 Sterne bei 5 Stimmen

Lars (Ryan Gosling) ist ein wenig seltsam, damit hat sich sein Bruder Gus (Paul Schneider) schon abgefunden, seine Frau Karin (Emily Mortimer) wird jedoch nicht müde ihn immer wieder zum Essen einzuladen. Lars schlägt die Angebote immer wieder aus, er ist lieber allein.

Da ist es nicht verwunderlich, dass sich Gus und Karin unglaublich freuen, als Lars verkündet, er habe eine Freundin. Die Freude verfliegt allerdings schnell wieder, als sie erkennen, wem Lars sein Herz geschenkt hat: Bianca – einer lebensechten Gummipuppe, die er im Internet bestellt hat!

Die Ärztin des Ortes (Patricia Clarkson) diagnostiziert Wahnvorstellung und empfiehlt den beiden, dass sie mitspielen, um Lars zu heilen. So beginnen die Bewohner des kleinen Ortes, in dem Lars lebt, Bianca tatsächlich als echten Menschen zu behandeln. Aber das verkompliziert die Beziehung zwischen Bianca und Lars zunehmend. Bis die Geschichte eine tragische Wendung nimmt…

Soweit zur Story, die augenscheinlich eine Menge Platz für Zoten lässt – schließlich geht es um eine vollfunktionsfähige Sexpuppe. Dankenswerterweise verzichtet Regisseur Craig Gillespie auf solch effekthaschende platten Witze und erzählt in einem absolut unamerikanischen Film die Geschichte eines liebenswerten Eigenbrötlers auf dem Weg zurück in die Gesellschaft.

Das dies gelingt liegt nicht nur an den schönen ruhigen Kamerabildern, die uns völlig unaufgeregt das Leben in der verschneiten nordamerikanischen Stadt zeigen, sondern zu großen Teilen an einen wunderbar aufspielenden Ryan Gosling. Der Zuschauer kann nicht anders als diesen immer etwas schief und verschüchtern grinsenden Burschen zu mögen. Schließlich ist er trotz seines zurückgezogenen Lebens und unglaublich schlechten Klamottengeschmacks ein höflicher und beliebter Mitbürger.

Stück für Stück entblättert sich Lars’ verstörte Seele, als er beginnt regelmäßig mit Bianca zum Arzt zu gehen. Der Vorwand Bianca sei krank und brauch eine langfristige Behandlung ermöglicht es der Ärztin des Ortes Lars besser zu verstehen. Dank der wirklich grandiosen Patricia Clarkson funktionieren diese Dialog trotz skurriler Themen hervorragend. Es sind diese Momente, die den Film seine Tiefe verleihen. Auch wenn es fast klischeehaft anmutet, dass beide Arzt und Patient beginnen viel von sich Preis zu geben.

Zu viel will ich über den Film gar nicht verraten, der gerade davon lebt, dass er den Charakter von Lars wie eine Zwiebel immer weiter schält, bis die Motive des jungen Mannes offen liegen. Es ist jedenfalls ein rührender, witziger und skurriler Weg bis dorthin.

Fazit: Ein toller Film, den ich in der Form eher aus Schweden oder Dänemark erwartet hätte aber nicht aus den USA. Ein durch die Bank klasse besetztes Schauspieler-Ensemble haucht dem kleinen Kaff so sympathisch Leben ein, dass man gerne dort Leben würde und der Hauptdarsteller spielt so wunderbar, dass ich mich wundere, warum er “nur” den Golden Globe für diese Rolle gewonnen hat. Gosling ist ein Schauspieler den man unbedingt im Auge behalten sollte.

Wer also mal wieder ein wenig Lust auf einen Feel-Good-Movie hat, der sollte sich Lars und die Frauen nicht entgehen lassen.

5 von 5 Popcorn-Tüten für einen durch und durch sympathischen Film mit tollen Darstellern und einer skurrilen und doch ernsten Geschichte. Unbedingt ansehen!
großartig

Ja gibt’s das?! Da hab ich es doch tatsächlich nicht geschafft eine kleine Zusammenfassung des Donots-Konzerts vom vergangenen Donnerstag zu schreiben. Das wird natürlich genau jetzt nachgeholt.

Open-Air-Konzerte sind ja schon ziemlich cool, so cool wie letzten Donnerstag allerdings war noch keins, was allerdings vor allem an den ziemlich niedrigen Temperaturen lag. Gut eingepackt mit Schals und Mützen fanden sich doch eine ganz ansehnliche Masse an Menschen auf den Elias-Holl-Platz hinter dem Rathaus ein, um dem kostenlosen Musikvergnügen in Form der Donots zu frönen.

Die ließen die frierenden Fans nicht lange warten, erklimmten kurz nach 19 Uhr den Tourbus und begannen vor historischer Kulisse zu spielen. Trotz eisiger Kälte und rockiger Klänge dauerte es einige Zeit, bis das Publikum warm wurde. Dank der teilweise wirklich guten Comedy-Einlagen zwischen den Songs wurde das Publikum aber dann doch lockerer und das lustige Rumschubsen konnte beginnen. Da merkte man sehr schnell, dass die Donots schon alte Hasen im Musikgeschäft sind, die das Publikum ein ums andere Mal zum Tanzen animieren konnten.

Einen kleinen Lapsus leistete sich allerdings der Schlagzeuger, als er statt Augsburg mit Regensburg verwechselte. “Lyncht ihn!” skandierte Leadsänger Ingo Knollmann daraufhin. Für mich waren die kleinen Einlagen zwischen den Songs tatsächlich schon fast das Beste an dem Konzert. Bisher konnte ich mit den Donots nicht wirklich warm werden, was sich wohl auch mit dem neuen Album Coma Chameleon nicht ändern wird. Die Songs, die ich auf dem Konzert hören konnte, waren zwar nicht schlecht, aber auch nicht zum Ausrasten. Ein zweites Reinhören haben die Jungs sich aber schon verdient.

Allein schon für den Spruch: “Ihr habt ja jetzt gerade Wahlkampf hier. Sagt mal: Wie scheiße sieht der Typ von der CSU eigentlich aus?!” hatte sich der Besuch des Konzertes gelohnt. Ingo Knollmann stellte sich dann, immer noch beeindruckt von dem riesigen Rathaus im Rücken, spontan zur Bürgermeister-Wahl, auch wenn er spätestens im nächsten Jahr mit nem Koffer voll Geld in der Karibik geflüchtet sei.

Als die obligatorische Zugabe gegen 20 Uhr gegeben wurde, gaben nicht nur die Band sondern auch die Fans noch mal alles, tanzten, pogten und sangen aus voller Kehle mit. Ein gelungener Abschluss eines gelungen Konzertes. Ich bin zwar immer noch kein überzeugter Donots-Fan geworden, aber die Jungs sind wahrlich sympathisch und allein für die Show zwischen den Songs hat sich der Abstecher hinter das Rathaus gelohnt. Dass dann doch noch der ein oder andere Song für reflexartige Tanz- und Springbewegungen gesorgt hat, rundete den Abend dann doch noch sehr schön ab.

Fazit: Gerne wieder! Die Location hinter dem Rathaus eignet sich hervorragend für Konzerte, der Sound ist grandios. Die Donots waren es fast. Was allerdings nicht an der Band, als viel mehr an mir als “Nicht-Fan” lag. Aber auch mir wurde eine tolle Show geliefert. Also Danke für das tolle kostenlose Konzert – nächstes mal will ich aber besseres Wetter!

4 von 5 Popcorntüten: Coole Band zu klirrender Kälte.
Gut

Wer außer die notorischen “Mit der Zeit wird alles gut”-Verkünder hätte das nach all der Zeit noch vermutet: Sean Ellis grandioser Streifen Cashback kommt endlich in Deutschland als DVD in die Läden!

Die poetische Liebeskomödie habe ich ja bereits ausführlich in meiner Filmkritik hochgejubelt. Wer sich also endlich selbst von der Qualität des Films überzeugen will, der gehe ab 10. März in das DVD-Fachgeschäft seiner Wahl. Nicht mal 16 Euro wird das Filmjuwel wohl kostet.

Wer es gar nicht mehr aushält, der kann sich den Film schon seit geraumer Zeit in der Videothek ausleihen, wenn sie denn gut bestückt ist.

Schwarze Schafe(BRD 2006)
Regie:
Oliver Rihs
Drehbuch:
Oliver Rihs u.a.
Darsteller: Marc Hosemann, Milan Peschel, Jule Böwe
Länge: 94 Minuten
Voting
++++-
4.7 Sterne bei 3 Stimmen

„Über Geschmack kann man nicht streiten. Deswegen heißt es ja Geschmack!“ Es ist schön, wenn der Film den man beschreiben möchte, auch gleich ein treffendes Zitat mitliefert. Es ist genau diese unbefriedigende Geschmacksfrage, die letztlich entscheiden wird, ob Schwarze Schafe ein Erfolg sein wird oder nicht. Denn Schwarze Schafe ist ziemlich böse, geschmacklos und irgendwie auch ziemlich eklig.

„Der Film ist eigentlich eine Liebeserklärung an Berlin“, gesteht Regisseur Oliver Rihs. Allerdings genauso „rotzig-schräg“, wie die Menschen die in dieser Stadt leben, schiebt er noch schmunzelnd hinzu, als er am Samstag im Augsburger Thalia seinen Film präsentiert. Das erklärt dann doch so einiges – beispieslweise die seltsamen Charaktere, die den Film bevölkern.

In mehreren Episoden gelingt es Rihs tatsächlich, fast alle seltsamen Berliner Minderheiten zu portraitieren. Da wären die allgegenwärtigen Pseudo-Reovluzzer, die Berlin seit seeligen Mauer-Zeiten bevölkern: Breslin (Robert Stadlober) und Julian (Tom Schilling) zwei junge dauerbekiffte Möchtegern-68er, lamentieren über Weltpolitik, Drogen und wie sie ihr Leben noch vereinfachen könnten. Drei junge Türken (Eralp Üzun, Oktay Özdemir, Richard Hanschmann), machen das, was sie am besten können, über Sex reden, aber keinen haben. Ein Looser-Pärchen (Jule Böwe, Milan Peschel) bemerkt, dass sie nicht aus ihren Leben ausbrechen können und es nichts bringt, zu tun als sein man so kultiviert, wie die Münchner.

So kultiviert kann Boris (Marc Hosemann) zwar sein, aber nur, weil er ein Hochstapler ist und sich so eine Luxusnacht in einem Luxushotel mit einer Luxusfrau verschafft. Die Fassade bröckelt aber, als er bemerkt, dass er gerade seiner Traumfrau begegnet ist und er beschließt, sein Leben radikal zu ändern. Das wollen die zwei Möchtegern-Satanisten Fred (Kirk Kirchberger) und Arnold (Daniel Zillmann) auch, aber sie brauchen dafür ein Opfer für den Fürsten der Finsternis. Als eine Prostituierte ihnen nicht weiterhelfen kann und Anwerbungsversuche auf dem Spielplatz in einer Schmach für die beiden endet, greifen sie zur Notlösung: die im Koma liegende Oma von Arnold.

Auch wenn es sich nicht so anhört, in wirklich jeder Episode wird mindestens ein Tabu gebrochen, mindestens eine Körperflüssigkeit vergossen und dann noch mal eins draufgesetzt. Das ist nichts für zartbesaitete Gemüter und überzeugte Münchner. Auch wenn nicht alle Episoden wirklich gut sind, schwingt doch in allen die beschwingte Leichtigkeit der Filmemacher mit. Die beiden Schweizer Rihs und der Kameramann Olivier Kolb finanzierten ihre Liebeserklärung an Berlin erst aus eigener Tasche. Als Spaßprojekt gestartet versammelten sie dazu eine illustre Schauspielerschar, die sogar ohne Gage am Film mitwirkten. So kommt man dann auch in den Genuss, Frank Giering als Türsteher des Kit-Kat-Klubs zu sehen.

Es sind solch kleine Details, die den Film für mich über die schwachen Momente rettet. Sie können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schwarze Schafe eben nur ein guter Film, aber kein brillanter Film geworden ist. Vielleicht wird einfach ein Tabut zu viel gebrochen, um wirklich noch unbeschwert zu wirken.

Fazit: Was soll ich denn hier nun schreiben? Wie eingangs erwähnt, über Geschmack lässt sich nicht streiten, auch nicht über einen betont geschmacklosen Film wie Schwarze Schafe nicht. Für Menschen, die wirklich die wahre Wahrheit über Berlin erfahren möchten, die sollten sich den Film auf jeden Fall ansehen. Aber wenn man mit Kotzen, Scheißen und Oma-Penetrieren auf der Leinwand Probleme hat, sollte man Schwarze Schafe meiden. Unentschlossenen sei die Webseite des Films zu empfehlen, da gibts ein paar Szenen zum probesehen.

4 von 5 Popcorn-Tüten: Unterhaltsamer Trash mit liebenswerten Charakteren, denen man ihre Schweinereien gerne verzeiht.
sehenswertl

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