Medien


Das Beste kommt immer zum Schluss, heißt es. Obwohl sicherlich klischeehaft, trifft es trotzdem auf die neuste Folge unseres Hörspiels Suni & Partner zu, denn sie ist die definitiv letzte Folge der Reihe in der alten Besetzung.

Dafür haben wir diesmal allerdings keine Kosten und Mühen gescheut und uns Verstärkung ins Boot geholt: Aufgenommen haben wir in den Studios von Antenne Bayern unter der fachmännischen Regie von Christian Lisch. Neben der Stamm-Besetzung gab es eine Sprecherverstärkung prominenter Natur: Kein Geringerer als Hörspiel-Kult-Stimme Lutz Mackensy, bekannt aus TKKG, Die drei Fragezeichen oder Die Ferienbande, leiht Professor Redorius seine markante Stimme!

Aber nicht nur produktionstechnisch wurde aufgerüstet, die letzte Folge von Suni & Partner „Thors Hammer“ ist eine Doppelfolge – damit der Abschied länger dauert. Diesmal sind Suni, Thorsten und Melissa auf der Jagd nach einem alten Wikingerartefakt, das scheinbar göttliche Kräfte besitzt, und erleben dabei einfach so viel, dass es für zwei Folgen reicht.

Einziger Wermutstropfen: Sebastian Grünwald, Suni-Erfinder und Original-Thorsten aus den ersten Folgen ist diesmal von Peter Helwig ersetzt worden. Der macht seine Sache zwar recht ordentlich, aber das Original war mir doch lieber.

Aber sonst ist alles wie immer: Das Konzept pädagogische Inhalte mit Abenteuer- und Detektivgeschichten zu verknüpfen wird auch in „Thors Hammer“ fortgesetzt und wird die Fans wohl auch dieses Mal zufriedenstellen.

Übrigens: Wer sich wundert, warum Suni & Co so kurz vor Weihnachten noch von Ostern sprechen, die drei jungen Detektive leben nicht in einem Zeitloch, die Produktion hat sich einfach so extrem lang hingezogen. Suni ist und bleibt ein Freizeitprojekt – auch wenn diese Folge professioneller ist -und da die Folge eigentlich kurz nach Ostern rauskommen sollte, hatten wir diese kleine Anspielung ins Drehbuch eingebaut. Rückblickend vielleicht keine gute Idee, aber man lernt nie aus.

Den zweiten Teil der letzten Folge von Suni & Partner gibt’s am 20.12.2009, dann setzt sich nicht nur Suni zur Ruhe es geht auch eine wirklich gute Zusammenarbeit zu Ende. Gut zwei Jahre hab ich mal mehr mal weniger aktiv bei Suni & Partner mitgearbeitet und es war eine richtig gute Zeit mit extrem unterhaltsamen Aufnahmen – inklusive Versprecher, Lachanfälle und improvisierter Dialoge, die noch drei Folgen füllen könnten.

Da kann einem schon ziemlich wehmütig werden, aber wer weiß, was die Zukunft für Suni & Partner bereithält, vielleicht gibt’s ja in 20 Jahren noch mal eine Reunion.
Jetzt aber erst mal viel Spaß bei Folge 8 von Suni & Partner: Der Hammer der Götter

Fast hätte ich es vergessen, wo ich eigentlich lebe, bei all der Arbeit mit Uni, Kind und Kegel. So ist es kein Wunder, dass man anfängt zu glauben, man lebe in einer richtigen Stadt, mit kompetenten Frauen und Männern an der Spitze, die besonnen Entscheidungen treffen.

Aber dann schaffen sie es einem immer wieder mit voller Wucht brachial klar zu machen, was für ein Provinzkaff Augsburg eigentlich ist und sein möchte – es kommt ja nicht von ungefähr das mein Blog Provinzblog heißt.

Wie sonst ist zu erklären, dass die Stadt Augsburg doch tatsächlich einen Blogger abgemahnt hat, weil sie bei Domain augsburgR.de das Namensrecht der Stadt verletzt sieht. Michael Fleischmann, hatte zuvor die Domain registriert und bei der Stadt nachgefragt, ob das so in Ordnung sei. Die Antwort darauf war nicht einfach nur „Ja, geht klar“ oder „Nein, das geht so nicht“, sondern eine Abmahnung mit einer Kostennote von knapp 1900 Euro.

Und die Stadt ist sogar noch stolz drauf, dass es nur so wenig ist. Eigentlich sind viel höhere Kosten üblich – wie mildtätig! Wo bei einer frisch registrierten Domain überhaupt ein Schaden ist, können Nicht-Juristen wohl sowieso nicht beantworten. Warum die Stadt Augsburg überhaupt zu der Methode Abmahnung gegriffen hat, obwohl sich Fleischmann extra noch erkundigt hatte, bleibt mir allerdings auch ein Rätsel.

Vielleicht sagte man sich bei der Stadt, dass auch schlechte Presse, wenigstens Presse sei und es solle ja nicht der Eindruck entstehen man mache nichts im Rathaus. Deswegen holt man jetzt auch zum ganz großen Schlag aus. Schließlich gibt es noch ganz viele Domains, die Augsburg im Namen tragen, da könnte man doch jetzt auch prüfen, ob da Namensverletzungen vorliegen. So könnte man doch prima seinen Ruf als völlige Internet-Autist zementieren – soll ja keiner sagen man hätte im Rathaus Menschen, die sich mit den Neuen Medien auskennen. Lieber versteckt man sich hinter Paragraphen, statt mit seinen Bürgern konstruktiv ins Gespräch zu kommen.

So unterstreicht Augsburg mal wieder in unnachahmlicher Weise, wie provinziell es doch ist und wie sehr man sich doch schämen muss für manche Leute hier. Sollte Augsburg je den Ruf gehabt haben eine weltoffene, moderne Stadt zu sein, hat sich das jetzt erst mal erledigt. Außer natürlich irgendjemand in der Stadtverwaltung hat den nötigen Grips und versucht jetzt Schlimmeres zu verhindern – ich kann‘s mir aber kaum vorstellen.

Das Blogger unter welcher Domain auch immer durchaus zum kulturellen Kapital der Stadt gehören und für Augsburg in der ganzen Welt kostenlos Werbung machen können, das hat sich wohl noch nicht rumgesprochen bei den Damen und Herren in der Stadtverwaltung.

Spätestens wenn die halbe deutsche Blogosphäre und tausende Tweets von der Rückständigkeit Augsburgs berichten, wird sich das vielleicht ändern. Aber was soll man den von einer Regierung erwarten, bei der sich die Webseite des Oberbürgermeisters seit seiner Wahl im Wartungsmodus befindet?

Ich bin jedenfalls wieder bestätigt worden, dass ich die richtige Domain für meinen Blog gewählt habe und Augsburg, immer auch Provinz sein wird.

Nachtrag:
Spiegel-Online berichtet jetzt auch.

Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE beim Oberbürgermeister-Referat der Stadt Augsburg wurde bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht beantwortet.

Ich kann mir gut vorstellen, wie gerade alle panisch im Rathaus auf- und ablaufen :)

Nachtrag 22:00 Uhr: Der OB hat gesprochen und zwar zugunsten des Bloggers. Gribel sagt, dass rechtlich zwar alles richtig gelaufen sei, er sich aber mehr Fingerspitzengefühl gewünscht hätte. Michael Fleischmann muss nach bekunden des OB die Kostennote von 1900 Euro nicht bezahlen. Das der Ruf der Stadt heute gelitten hat, kann der OB damit allerdings nicht mehr verhindern.

Condolence
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Es erwacht gerade eine neue politische Generation zum Leben. Eine Generation, die vor allem im Internet zuhause ist. Die sich der Möglichkeiten der digitalen Welt bewusst ist, die versteht, dass etwas falsch läuft in ihrem Land, mir ihrer Regierung.

Die Mitglieder dieser neuen Generation, dieser Netz-Generation, sind zahlreich, doch die politische Führung im Lande ist nicht bereit sich mit den Problemen und Wünschen dieser meist jungen Menschen auseinanderzusetzen – sie werden trotz ihrer Zahl nicht mal ernst genommen.

Im Gegenteil, sie werden diffamiert, ausgegrenzt und kriminalisiert, nur weil sie Versuchen für ihre Freiheit zu kämpfen. Weil sie nicht bereit sind, sich weiteren Repressalien zu unterwerfen. Weil sie befürchten, dass alles noch schlimmer kommen kann.

Um das zu verhindern, nutzen sie das Internet, das sie als Teil ihrer Lebenswelt schon längst verinnerlicht haben. Sie verbreiten Informationen, wollen der Welt und ihren Mitmenschen zeigen, welche Gefahr droht. Das Regime hingegen tut alles, die Netzinfrastruktur zu bändigen, zensiert, sperrt und kriminalisiert alles und jeden, der nicht hineinpasst ins Idealbild der heilen Welt.

Dass ich hier nicht über den Iran schreibe sondern über Deutschland sollte eigentlich klar sein, denn im Iran ist die Lage ganz anders.

Das Internet wird in diesem Fall nicht als Hort des Bösen gesehen, als rechtsfreier Raum oder gar als Raubkopiererparadies. Nein, hier sind sich die Medien einig, das Internet ist der demokratische Leuchtturm des Irans, dass sich gegen den eigenen Staat, mit all seinen Rechten stellt.

Auch wenn es längst nicht alle Iraner sind, die sich im Netz äußern, sondern eben nur die digital Natives, spricht man doch immer von der iranischen Bevölkerung, die sich organisiert gegen das Unrechtsregime. Und auch wenn die vielen Internetaktivisten gegen das iranische Recht verstoßen, wen schert es denn? Es geht ja schließlich um die Freiheit!

Aus diesem hehren Motiv heraus klaubt bzw. raubt die freiste der freien Pressen, namentlich die Westliche, sämtliche Inhalte aus dem Netz, die nur im entferntesten nach Iran aussehen. Videos, Bilder, Texte, all das wird kostenlos genommen, macht ja jeder oder?

Das Internet ist das wohl wichtigste Instrument der Demokratisierung der Welt so scheint es.

Allerdings sind wir hier in Deutschland und nicht im Iran. Wir zensieren lieber unser Internet gleich freiwillig und ohne Not, weil es ja sonst ein rechtsfreier Raum wäre, indem die Presse ihre teuren Videos, Bilder und Texte nicht schützen könnte. Aber es geht ja auch um Kinderpornografie und nicht, um ein in unseren Augen verbrecherisches Regime, mit einem Irren an der Spitze.

Menschen, die hier für ihre Rechte im Internet oder auf der Straße kämpfen, sind einfach Kriminelle oder Kinderschänder und haben alle keine Ahnung von Demokratie.

Es ist eine bittere Lehre, die man aus der Berichterstattung dieser Tage ziehen kann: Um Demokratie zu erreichen, scheint jedes Mittel recht zu sein, aber um sie zu verteidigen eben nicht.

Die großen deutschen Verlage treffen sich mit viel Tamtam in Hamburg zum 3. Internationalen Mediendialog und zeigen letztlich wieder mal, dass sie nichts verstanden haben. Denn statt endlich mal Strategien zu entwickeln, Geld im Internet zu verdienen, schwadronieren sie lieber über geistigen Diebstahl im Internet. Überall, so der Tenor der Medientage wird raubkopiert.

Die Presse reiht sich also in die illustre Schar, in der schon Musik-, Film- und Softwareindustrie munter debattieren und fordern. Alle behaupten Raubkopien wären schuld, dass immer weniger Geld verdient wird, statt zuzugeben, dass sie einfach unfähig sind, neue Finanzierungsideen für das Internet zu entwickeln.

Anders als bei den anderen Rechteinhabern ist die Presse allerdings selbst kein unbeschriebenes Blättchen. Sind die Verlage doch selbst dem Copy&Paste-Wahn verfallen, den sie groß und breit kritisieren. Es ist alles andere als ein Geheimnis, dass die Presse schon seit jeher voneinander abschreibt und dank billiger Agenturmeldungen sowieso überall das gleiche steht.

Am schwersten wiegt aber, dass die Presse nicht nur von sich selbst abschreibt, sonder auch hemmungslos das Internet nach Inhalten abgrast. Da werden gerne Fotos von Webseiten, Blogs oder aus sozialen Netzwerken geklaut, wann immer mal Opfer eines Verbrechens bebildert werden müssen.

Eine Unsitte, der gerade beim Springerverlag immer Häufiger gefrönt wird. Trotzdem dampfplaudert Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG Mathias Döpfner vor sich hin und meint ganz frech: “Unser Ziel muss es sein, die Hauptstraßen des Internets frei von Piraten zu halten.” Da soll dann wohl mehr Platz für raubkopierende Presseverlage sein oder wie?

Kriminelle beschweren sich, dass sie beklaut werden – was für eine seltsame Welt. Wenn das der Weg aus der Zeitungskrise sein soll, dann sag ich schon jetzt mal gute Nacht!

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Ich hab mir was geleistet, ein neues Telefon, genauer gesagt ein G1 von HTC – das kleine schwarze Google-Handy. Sicherlich ein typisches Männerspielzeug, aber nebenbei auch ganz nützlich für die tägliche Arbeit. Vor allem, wenn man schnell auf Mails und andere Infos zurückgreifen muss, schließlich arbeite ich gerade an einem PR-Projekt für ein großes Logistikunternehmen – da möchte ich auf dem Laufenden sein.

Da sind die 350 Euro für das Gerät in meinen Augen ganz gut angelegt – zumal mein altes Handy schon aus dem letzten Loch pfiff. Wie gesagt, ich hab mir das Gerät gekauft, nicht subventioniert mit dicken T-Mobile-Vertrag. Mindestens 45 Euro müsste man dafür 24 Monate abdrücken, für mich als Wenigtelefonierer ein bisschen happig, vor allem da es günstigere Alternativen gibt.

Für Datenhungrige gibt es bei Simyo beispielsweise ein Gigabyte Datentransfer für 10 Euro pro Monat an. Um dann auf die 45 Euro von T-Mobile zu kommen, müsste ich schon ein paar Stunden telefonieren. Bei Base gibt’s dank einiger Rabatte für 20 Euro Telefon- und Internetflat.

All das, wusste ich, als ich mir das G1 im Elektronikfachmarkt um die Ecke gekauft habe, obwohl ich mich sehr ungern mit Telefontarifen auseinandersetze. Trotzdem fragte mich der “Fach”-Verkäufer mit ungläubigen Blick, ob ich das Handy tatsächlich ohne Vertrag kaufen wolle – schließlich fallen ja horrende Datentransfer-Kosten an.

Dass die T-Mobile-Tarife eine Unverschämtheit sind, konnte er nicht wirklich nachvollziehen und natürlich auch nicht, dass es günstigere Alternativen gibt. Schließlich gibt es nur bei den großen Zweien die supertolle D-Netz-Qualität.

Dass für 80% der deutschen Handy-Nutzer ein ganz simpler Blau/Simyo/Aldi-Talk-Prepaid-Tarif ausreichend sein sollte, hat sich leider noch nicht rumgesprochen. Aber die Kunden mit überteuerten Verträgen und meist total unnützen Freiminuten/-sms zu versorgen, bringt halt die fette Provision.

Am Ende bezahlen das aber die treuen Vertragskunden, die sich trotzdem immer wieder gern 24 Monate an die Anbieter binden. Solange die Kunden in Deutschland bereitwillig solche Preise zahlen, wird sich daran allerdings nichts ändern. Ich kenne immer noch genug Leute, die einen dieser Fantast-Tarife zahlen, nur um ein neues Handy zu bekommen.

Ich komme mit meinen G1 und E-Plus-Netz jedenfalls deutlich günstiger weg, obwohl ich das Telefon gekauft habe.

Weil ich in dieser Woche schon bei Zeitungsempfehlungen bin, hier gleich noch eine: Der Freitag. Eine “neue” linke Wochenzeitung, die sich man höre und staune mehr durch Qualität, denn Quantität auszeichnen möchte. Irgendwie zu schön, um wahr zu sein.

Doch ein erster Blick auf die Webseite der Zeitung scheint genau diesen Eindruck zu vermitteln. Die Artikel, die ich mir zu Gemüte führte, zeichnen sich tatsächlich durch enorme Tiefe und Gründlichkeit aus. Hier gibts kaum kurze Meldungen zu unsinnigen Themen – ist zwar irgendwie klar, da es sich bei Der Freitag um ein Wochenblatt handelt, aber dennoch bemerkenswert.

Auch die Vielfalt der Themen ist beachtlich, vor allem die vergleichbar hohe Anzahl an Internet-Themen ist beachtlich. Als Beispiel in den Raum geworfen, der lesenswerte Beitrag zum Thema Internetwahlkampf in Deutschland von Jens Berger, dem hoffentlich vielen bekannten, weil immer lesenswerten Spiegelfechter.

Beim Blick auf die Webseite wird auch deutlich, dass Der Freitag ein sehr “Web-Zwo-Nulliges” Konzept besitzt. Die Leser werden an allen Ecken und Enden aufgefordert sich zu beteiligen, nicht nur in Form von Kommentaren, auch in Blogbeiträgen, die man dann auch an Artikel knüpfen kann. Eine sehr weiche Version eines professionell-partizipativem Beteiligungskonzeptes, da sehr gute Artikel auch den Weg in die Printausgabe des Freitages finden können.

Eine Zeitung also, die den eigenen Leser ernst nimmt – dass wäre tatsächlich zu schön, um wahr zu sein. Denn, wenn ich mal mein Nähkästchen aufmachen darf, Journalisten zeichnen sich sehr selten durch eine besonders enge Bindung zu ihren Lesern aus – Kritik an Artikeln, wird eher als Beleidigung, denn Verbesserungsvorschlag angesehen. Verleger von Der Freitag, Jakob Augstein, Sohn des legendären Spiegel-Gründers unterstreicht die Ernsthaftigkeit auch ganz offiziell in einem kleinen Video.

Sollte das Konzept wirklich aufgehen, dann wäre das ein sehr großer Schritt für den – ich hasse dieses Wort – Graswurzeljournalismus in Deutschland.

Ich habe mir jedenfalls mal ein Probe-Abo von Der Freitag bestellt, da gibts 3 Ausgaben kostenlos. Wenn sich der gute erste Eindruck bestätigen sollte, wirds vielleicht sogar ein richtiges Abo.

Das hört sich anachronistisch an? Irgendwie schon, aber ich bin bereit für Qualität auch zu bezahlen.

Wie vor Kurzem angekündigt, besuchte ich heute den Gastvortrag von Dr. Jan Schmidt an der Uni Augsburg. Thema des Vortrages: “Persönliche Öffentlichkeiten im Web 2.0. Merkmale und Konsequenzen des onlinegestützten Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagements” Mir war es leider etwas zu sehr aus der Sicht von Social Networks betrachtet, interessant war es trotzdem.

Vor allem ein neuer Ansatz zur Systematisierung vom Web2.0 in publizistische und kommunikatorische Netzwerke. Weblogs wären demnach publizistisch und damit mehr an die Massenmedien angelehnt, Social Networks hingegen seien mehr für die Kommunikation gedacht.

Ein in meinen Augen ein interessanter Ansatz, der vielleicht ein wenig Struktur in das unstrukturierte Web2.0 bringen könnte. So ganz überzeugt bin ich leider trotzdem nicht, da beide Netzwerke eigentlich grundsätzlich ähnliche Funktionen bieten, nur in unterschiedlichem Rahmen.

Der Weblog dient in meinen Augen grundsätzlich immer noch der Selbstdarstellung – und auch wenn ein wichtiger Punkt im Blog das Publizieren von Beiträgen ist, zielen die Beiträge immer darauf, Kommentare zu erzeugen. Der Dialog mit anderen steht also auch hier im Mittelpunkt, Kommunikation durch Blogbeiträge also. Weiterhin entstehen in vielen Blogs, auch in meinem, viele Beiträge im Hinblick auf meine Stammleser, mein soziales Blognetz sozusagen.

Weblogs und Soziale Netzwerke haben hier also ganz klar Gemeinsamkeiten: Man stellt sich dar, Unterschiede gibt es nur in der Art und Weise, wie das geschieht. Die publizistischen Beiträge sind in Facebook oder StudiVZ wesentlich kleiner: Ein Foto hier, ein Video da garniert mit einem Gästebucheintrag.

Der wirklich entscheidende Unterschied zwischen Blog und Freundenetzwerk liegt in meinen Augen in der Zugänglichkeit. Bei Weblogs ziehe ich zusätzlich zu meinem bereits bestehenden sozialen Netzwerk, dass ich erreichen möchte, noch eine anonyme Masse hinzu – grundsätzlich um mein soziales Netzwerk auf diese Weise zu erweitern. Im Freundenetzwerk hat es sich inzwischen eingebürgert, Profile und andere Inhalte nur seinen Freunden zu öffnen.

Mein Nutzungsverhalten der Web2.0-Tools ist Schmidts Gedanken also genau entgegengesetzt, ich kommuniziere mehr über Blogs, vielleicht auch Microblogs, als über Freundenetzwerke, die für mich mehr zu einer Repräsentationsplattform verkommen sind, auf der ich mich selbst publiziere :)

Interessant war’s allemal.

Ich hoffe der HSV gewinnt heute, damit Jan Schmidt Augsburg in guter Erinnerung behält…

Mein Gott was hab ich geflucht, was hab ich gezetert beim nervenaufreibenden Halbfinalspiel Deutschland gegen die Türkei.

Das lag aber nicht nur an der teilweise desolaten Leistung der Nationalmannschaft, sonder auch an der kolossalen Liveübertragung im chinesischen Fernsehen. Musste ich das chinesische Äquivalent zu Beckmann, Netzer und Delling schon in der Halbzeit über mich ergehen lassen, strahlten sie mich plötzlich nach 55 Minuten Spielzeit wieder an. Dem Chinesen war das Spiel anscheinend zu langweilig, also wurde die Analyse einfach mal vorgezogen. Lachend wurde also das Foul an Lahm in der 52 Minute analysiert.

Als dann nach quälenden 5 Minuten wieder ins Spiel geschaltet wurde, war glücklicherweise nichts weiter passiert. Aber entweder stand die Leitung nach Europa heute nicht oder CCTV hatte einfach nicht die Rechte am kompletten Spiel. Ich durfte also nach 75 gespielten Minuten wieder das lustige Laber-Trio in der billigen Kulisse betrachten.

Wie kann man denn die Schlussphase eines Halbfinalspiels einfach nicht zeigen?! Da kann man doch die ersten 60 Minuten auch gleich weglassen! Ich war jedenfalls bedient und zappte wild durch die Fernsehkanäle.

Bei Tick, Trick und Track auf CCTV wurde dann das 2:1 durch Klose als -man höre und staune – Texteinblendung präsentiert. Was die drei Labertaschen nicht weiter zu stören schien. Sie erzählten über Platini und ihren letzten Friseurbesuch nehme ich an. Ich wurde wieder hektisch.

Nach einer weiteren Zapp-Orgie lief plötzlich das Spiel wieder, dummerweise stand es 2:2 und ich hatte keine Ahnung, was schon wieder passiert war. Gerade wollte ich wieder loszetern, als Lahm plötzlich losmarschierte und das 3:2 schoss. Und weil alle Chinesen Hellseher sind, endete damit auch die Übertragung und ich erlitt einen Nervenzusammenbruch!

Den Schlusspfiff verfolgte ich dann letztlich im Internet-Liveticker. Was für ein nervenaufreibendes Spiel, so was möchte ich im Finale nicht noch mal sehen von der Nationalmannschaft nicht und schon gar nicht von diesem blöden CCTV!

Jetzt aber erstmal: FIIIIIIINAAAAAAALLLLEEEEEEE OOOHOOOOOOO!!!! Feiert mal für mich mit, ich hab nur noch ein paar Stunden zu schlafen!

“Ost trifft West” ist das Motto eines kleinen aber feinen Buches, dass sich visuell mit den Unterschieden zwischen der chinesischen und deutschen Kultur beschäftigt. Auf 100 Seiten beschäftigt sich das Buch mit den kleinen Dingen des Alltags und den großen gesellschaftlichen Zusammenhängen. Das bringt einen häufig zum Lachen aber auch das ein oder andere mal zum Nachdenken – nicht nur für Chinakenner zu empfehlen.


Geschaffen wurden diese wirklich tollen Bilder von der jungen Künstlerin Yang Liu, die schon so einige internationale Auszeichnungen abstauben konnte. Ein wirklich tolles Buch, dass man auf jeden Fall mal durchblättern sollte. Gerade, wenn man eine Chinareise plant, hilft es ungemein einige chinesischen Eigenarten zu kennen.

Schon seltsam, einen Monat bin ich hier und schon fange ich an zu knausern – obwohl hier eigentlich vieles billiger ist.

Es fängt schon damit an, dass ich versuche Taxifahrten zu vermeiden, weil ja eine Fahrt quer durch die Stadt ja dann doch durchaus mal 3 Euro kosten könnte. Der ÖPNV ist schließlich viel billiger, maximal 20 Cent gebe ich da für eine Fahrt aus. Das dauert dann zwar manchmal länger und sitzen kann man so gut wie nie und manchmal riecht es “gewöhnungsbedürftig”, aber es ist einfach die billigste Methode.

Im Supermarkt rege ich mich darüber auf, dass ein Wasser statt 0,8 Yuan 1 Yuan kostet. Also 2 Cent mehr. DVDs für 3 Euro sind in Deutschland ein absolutes Schnäppchen, hier schon Wucher – maximal 1 Euro gibts für eine DVD. Gut, für Serien-Boxen gibts natürlich etwas mehr.

Wenn ich mehr als 10 Euro für Essen ausgebe, will ich danach auch wirklich vollgefressen sein und zwar mit mindestens 3 verschiedenen Fleischsorten! Dieses ganze Gespare guckt man sich einfach zu schnell von den Chinesen ab. Die nutzen z. B. viel lieber die unklimatisierten Busse, weil die 10 Cent billiger sind. Es wird geknausert wo es nur geht.

Auf eine Sache konnte ich dann heute beim Einkaufen allerdings nicht verzichten. Als mich aus dem Regal ganz frech eine Packung Bohnenkaffee anguckte, musste ich zugreifen. Bisher hab ich in meinen Supermärkten immer nur diesen auf dauer ziemlich nervigen Instant-Kaffee gefunden. Die 250 Gramm für lockere 2,50 Euro wanderten dann also in meinen Korb. Ich ging sogar das Risiko ein und kaufte mir den Kaffee ohne Filtertüten (ich glaub so was gibts hier gar nicht). Glücklicherweise hat meine winzige Kaffeemaschine hier einen Permanentfilter. Und so kann ich jetzt ganz entspannt die Füße hochlegen und meinen schönen schwarzen und heißen Kaffee genießen.

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