Medien


Schon seltsam, einen Monat bin ich hier und schon fange ich an zu knausern – obwohl hier eigentlich vieles billiger ist.

Es fängt schon damit an, dass ich versuche Taxifahrten zu vermeiden, weil ja eine Fahrt quer durch die Stadt ja dann doch durchaus mal 3 Euro kosten könnte. Der ÖPNV ist schließlich viel billiger, maximal 20 Cent gebe ich da für eine Fahrt aus. Das dauert dann zwar manchmal länger und sitzen kann man so gut wie nie und manchmal riecht es “gewöhnungsbedürftig”, aber es ist einfach die billigste Methode.

Im Supermarkt rege ich mich darüber auf, dass ein Wasser statt 0,8 Yuan 1 Yuan kostet. Also 2 Cent mehr. DVDs für 3 Euro sind in Deutschland ein absolutes Schnäppchen, hier schon Wucher – maximal 1 Euro gibts für eine DVD. Gut, für Serien-Boxen gibts natürlich etwas mehr.

Wenn ich mehr als 10 Euro für Essen ausgebe, will ich danach auch wirklich vollgefressen sein und zwar mit mindestens 3 verschiedenen Fleischsorten! Dieses ganze Gespare guckt man sich einfach zu schnell von den Chinesen ab. Die nutzen z. B. viel lieber die unklimatisierten Busse, weil die 10 Cent billiger sind. Es wird geknausert wo es nur geht.

Auf eine Sache konnte ich dann heute beim Einkaufen allerdings nicht verzichten. Als mich aus dem Regal ganz frech eine Packung Bohnenkaffee anguckte, musste ich zugreifen. Bisher hab ich in meinen Supermärkten immer nur diesen auf dauer ziemlich nervigen Instant-Kaffee gefunden. Die 250 Gramm für lockere 2,50 Euro wanderten dann also in meinen Korb. Ich ging sogar das Risiko ein und kaufte mir den Kaffee ohne Filtertüten (ich glaub so was gibts hier gar nicht). Glücklicherweise hat meine winzige Kaffeemaschine hier einen Permanentfilter. Und so kann ich jetzt ganz entspannt die Füße hochlegen und meinen schönen schwarzen und heißen Kaffee genießen.

Der Aufreger des Tages scheint ja heute das gefälschte Polylux-Interview zu sein. Das “Kommando Tito von Hardenberg” platzierte im Beitrag “Alltagsdroge Speed” einen falschen Interviewpartner, der von einer Diät mit der Droge palaverte.

Kurz nach Ende der Sendung wurde ein Bekennerbrief des Kommandos Tito von Hardenberg ganz im Stile der RAF veröffentlicht. Dabei wurde die krude Sprache der Revolutionäre satirisch aufgegriffen:

Kommando Tito von Hardenberg“ aus dem Umfeld der Hedonistischen Internationalen aufgesessen. Das Magazin strahlte heute einen Beitrag über die „Alltagsdroge Speed“ aus.

Natürlich lassen sie sich auch über die Gründe der Aktion aus:

„Wir haben die plumpe Internetrecherche von Polylux zum Anlass genommen, die Legende des Speed-Patienten „Tim“ zu erfinden und zum Drehtermin ein kleines Schauspiel vorzuführen. Erschreckend, wie einfach es ist, selbst gewählte Inhalte in Massenmedien zu platzieren und so gesellschaftliche Wirklichkeit werden zu lassen.“

Ein bisschen doof ist es dann natürlich gerade Polylux für solch eine Aktion zu wählen. Die ja schon lange in der Kritik stehen gesellschaftliche Randerscheinungen zu Zeitgeist aufzublasen – also scheinbar schon selbst und ohne Hilfe von Kommandos gesellschaftliche Wirklichkeit verfälschen. Wenn man bei einem Magazin das im Ersten um kurz vor Mitternacht läuft einer solch starken sozialen Wirkung mal zutraut.

Diese kleine Fehler schmälert allerdings nicht die Richtigkeit der nachfolgenden Aussagen:

Zentrale Bereiche des Journalismus werden an unterbezahlte Praktikanten ausgelagert, denen es aufgrund prekärer Arbeitsverhältnisse und des daraus resultierenden Drucks schwer möglich ist, ausreichend Zeit und Ressourcen in ihre Arbeit zu investieren.

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen in einigen Medienbetrieben, in denen Recherche tatsächlich größtenteils auf den Schultern von Praktikanten lastet. Selbst gestandene Redakteure mit vielen Jahren Berufserfahrung beschränken sich häufig auf einer simplen Google- oder gar (Schande, Schande) Wikipedia-Recherche. Der Zeitdruck in vielen Redaktionen verleitet also nicht nur Praktikanten zu schlampiger Arbeit.

Wie schnell Medienberichte in die Medien kommen und da auch noch aufgebauscht werden ist zwar nicht erst mit dieser Aktion klar geworden aber vielleicht wird dadurch einer größeren Bevölkerungsschicht die Problematik bewusst und eine etwas höhere Sensibilität gegenüber Medienberichten erzeugt. So lange die Bildzeitung sich aber so gut verkauft und Magazine mit offensichtlich gekauften Beiträgen erscheinen, ist das wohl ein Wunschtraum.

Auch wenn’s in meinen Augen etwas geschmacklos ist, hier noch das zusätzlich erschienen “Bekennervideo”:

Endlich mal wieder was gutes in der Zeitung, nämlich ein kleiner Artikel über mich und meinen baldigen Peking-Aufenthalt :) Auf Seite 44 der Wochenendausgabe der Augsburger Allgemeinen strahle ich euch entgegen. Allerdings steht nichts was ich hier schon verkündet habe im Artikel, außer ein paar nicht ganz wortgetreue Zitate.

Lesenswerter ist da der Artikel über den Exiltibeter Jampa Thinley ebenfalls auf Seite 44. Aber wer mich mal live und in Farbe in der AZ sehen will, der hat wie gesagt dieses Wochenende die Chance dazu.

Schade, dass mein Blog nicht namentlich erwähnt wird, ich hatte extra die Webadresse angegeben ;)

Wie hört sich “Knappe Mehrheit für CSU und Pro Augsburg” als Schlagzeile an? Nach geglückten Koalitionsverhandlungen im Augsburger Stadtrat würde ich spontan mal sagen – jedenfalls wäre das der Titel den ich für so einen Artikel wählen würde.

Dumm nur das es bisher keine Koalitionsverhandlungen gegeben hat, das hindert die Augsburger Allgemeine nicht genau diesen Titel zum Endergebnis der Stadtratswahl auszuwählen. Tendenziöse Berichterstattung könnte man das nennen. Aber vielleicht wissen die Redakteure der AZ ja mehr als wir. Gut, es liegt ja irgendwie nahe, dass CSU und Pro Augsburg zusammengehen, aber Fakt ist es noch nicht. Keine gute Schule.

Und warum stehen Geschichten wie sie Horst Thieme in seinem Blog veröffentlicht nicht in Zeitung? Mal ein bisschen investigativ recherchieren wäre doch für die Leser bestimmt interessant. Leider wird das in Regionalzeitungen nicht wirklich betrieben, schließlich soll die Dorfprominenz nicht verärgert werden. Man will ja auch zur nächsten Party eingeladen werden.

Was also tun? Welche Nachrichtenquelle kann ich denn nun heranziehen, um mich über Augsburg informieren? Ich hab irgendwie keine Lust eine Nachrichtenseite zu nutzen, bei der sich hartnäckig die Story Man blockiert Kinderbecken an erster Stelle hält. Irgendwie fehlt mir da ein Augsburger News-Portal. Ist das keine Marktlücke?

“Das Land ist für die chinesischen Besucher eine Art Erlebnispark auf 4000 Meter Höhe. Fast wie Disneyland mit Mönchen statt Mickey Maus und der Hauptattraktion Potala.”

Dieser Satz aus der ZDF-Dokumentation Tibet – Reise durch ein verbotenes Land beschreibt haargenau auch meine Eindrücke vom Dach der Welt. Der Zweiteiler zeigt in wirklich tollen Bildern die Geschichte und die Gegenwart dieses innerlich zerissenen Landes. Und auch die zweite Erkenntniss, die mir beim Betrachten der Menschen in den Tempeln und auf den Straßen von Tibet zuteil wurde, wird schön beschrieben. Beantwortet sie doch die Frage, warum diese freundlichen Menschen dort, immer noch so herzlich Lachen können:

“Was sind schon 60 Jahre chinesische Besatzung gegen die Ewigkeit. Da im Rad des Lebens alles kommt und alles geht, wird auch die Zeit der Fremdherrschaft zu Ende gehen. Wie lange sie letztlich dauert, ist daher ohne Bedeutung.”

Wer die Dokumentation von Steffen Bayer verpasst hat – der zweite Teil geht nämlich soeben zu Ende – hat noch die Chance beide Teile in der ZDF-Mediathek zu schauen – endlich mal wieder eine sinnvolle Anlage unserer Rundfunkbeiträge. Ich kann beide Teile nur empfehlen.

Tibet – Reise durch ein verbotenes Land in der ZDF-Mediathek:
Teil 1: Tibet- Das Geheimnis des heiligen Berges
Teil 2: Kloster der versteckten Kinder

Das Harald Schmidt keine echte Lust mehr hat Late Night zu machen, hat er ja schon selbst des Öfteren verkündet. Dass er uns aber nun trotzdem noch mit seinem nicht sonderlich komischen Ziehsohn Oliver Pocher jeden Donnerstag heimsucht, scheint in diesem Lichte so überflüssig, wie langweilig.

So richtig mag der Funke nicht überspringen und Pocher ist einfach nicht witzig, auch wenn er die Mimik und Gestik von Schmidt kopiert. Um der sehr lahmen Show auf die Beine zu helfen, werden dann halt ab und an ein paar Tabus gebrochen und irgendwelche Nazi-Sprüche in den Ring geworfen.

Wie man es richtig macht, das sieht man, wenn man einen Blick in Richtung Alpen wirft. “Willkommen in Österreich” heißt die Late Night Show auf ORF1, die Schmidt & Pocher ohne Probleme in die Tasche steckt. Das liegt vor allem an dem Moderatoren-Duo Christoph Grissemann und Dirk Stermann, die schon den 90er Jahren zusammenarbeiten.

Eigentlich machen die beiden nicht viel anders als Schmidt und Pocher, auch hier gibts Nazi-Witze und Tabu-Brüche. Die Show wirkt insgesamt aber anarchischer, frecher und viel spontaner als die ARD-Sendung. Nun kommt diese tolle Show leider nur im ORF und der ist bekanntlich in Deutschland nicht so leicht zu empfangen. Für all jene, die trotzdem einen Blick in die beste deutschsprachige Late-Night-Show werfen wollen, sei das Portal zur Sendung empfohlen, auf der alle Folgen online in (fast) voller Länge zu bestaunen sind.

Und wer nicht genug bekommen kann, auf dem Berliner Radiosender radioeins gibt’s jeden Sonntag die inzwischen auch schon legendäre Show Royal mit Stermann und Grissemann als Moderatoren.

Bleibt Harald Schmidt noch einen schönen Ruhestand zu Wünschen und Pocher eine schöne Samstag-Abend-Show. Wie wärs mit Verstehen sie Spaß? Auf den frei werdenden Programmplatz gibt’s dann vielleicht Willkommen in Deutschland – mit Stermann und Grissemann natürlich…

Wer sehen will wie Crosspromotion funktioniert, der guckt sich einfach mal den jüngsten Eklat ums grenzdebile Junglecamp an. Schließlich kann mir keiner erzählen, dass ein Video, das VOR dem Einzug in das Camp gedreht wurde, jetzt jetzt erst urplötzlich auftaucht.

Nein natürlich ist das alles Zufall. Auch, dass gestern in der Sendung nicht groß auf das ausscheiden Tomekks eingegangen wurde und es nur sehr nebulös hieß: “Es habe Vorwürfe gegen ihn gegeben, und man wolle ihm die Gelegenheit bieten, sich persönlich dazu zu äußern.”

Aufklären durfte das ganze dann die Bildzeitung, die groß und breit vom skandalösen Hitlergruß Tomekks berichtete und das Video auch gleich online stellte. Was nicht nur exorbitante Klickraten erzeugt haben sollte, sondern bei RTL auch für den nächsten Quotenrekord beim C-Promi-Camp sorgen dürfte.

Das Bild und RTL hier mit einer richtig billigen Masche Quote machen ist eigentlich kaum von der Hand zu weisen, aber wie schon gesagt: Alles Zufall!

Blöd, dass gerade solche Geschichten immer ganz groß in der Blogosphäre aufgegriffen werden und selbst ich mich genötigt fühle über eine Sendung zu bloggen, dich ich noch nicht mal gesehen habe. Wir sind doch alles Medienhuren :)

Jetzt freue ich mich auf die erste Hitler-Debatte in diesem Jahr. Zweite-Reihe-Politiker vortreten!!

Heute will ich mich mal mit einer kleinen Bitte an euch wenden, denn das Uni-Hörspiel Suni & Partner wurde für den Hörspiel Award Publikumspreis 2007 nominiert – und wir brauchen eure Stimmen!

Seit nunmehr sechs Folgen versorgt eine kleine Truppe von Studenten die Augsburger Kinder-Uni nämlich mit Detektivgeschichten passend zur Vorlesung und ganz im Stile von TKKG und den Drei Fragezeichen. Schon über 100.000 Downloads können wir inzwischen vorweisen und mit jeder Folge werden es mehr. Vor allem wegen der grandiosen 6. Folge, die ich in mühevoller Arbeit höchstselbst geschnitten habe, solltet ihr also für Suni & Partner beim Hörspiel Award in der Kategorie Beste Serie (Kinder/Jugendliche) für uns voten!

Gleich vorweg: die Hürde zum Voting ist relativ hoch, denn hier wird einiges an Daten von euch verlangt. Das ist leider notwendig, da solche Publikumspreise sonst völlig aus dem Ruder laufen. Wer damit keine Probleme hat und uns gerne unterstützen möchte, dem sei unser Dank gewiss.

Also, auf gehts zum Voten!

Es gibt mal wieder Neuigkeiten von Suni & Partner, dem Hörspiel-Podcast der Uni Augsburg. Die drei Hobbydedektive ermitteln mal wieder. Diesmal geht es um ein altes Buch, dass für viel Wirbel sorgt. Ganz nebenbei werden – pädagogisch wertvoll – Informationen über das Leben im Mittelalter under Buchdruckkunst an die meist jungen Hörer gebracht.

In dieser Folge hab ich nicht nur einen relativ großen Sprechpart bekommen, sondern durfte mich auch am Schnitt versuchen. So richtig klar war mir der Aufwand, der hinter so einer Produktion steht am Anfang nicht. Schließlich müssen tonnenweise Soundeffekte, Musik-Loops gesucht und Tonspuren angepasst und geordnet werden.

Der Großteil der Arbeit viel allerdings auf das Anpassen der Dialoge. Da wir nur ein Mikrofon zur Verfügung haben, ist die Laustärke der einzelnen Sprecher sehr unterschiedlich. Eine schreckliche Fummelarbeit, die alle auf die selbe Lautstärke zu bekommen!

Das Finden von Soundeffekten hat sich übrigens mit der Seite Soundsnap erheblich vereinfacht, die kann ich für ähnliche Produktionen nur empfehlen.

Ich hoffe mir ist es gelungen mit Das Erbe des Gauklers ein stimmiges Hörspiel zusammenzuschneiden. Viel Spaß bei hören.

PS: Falls jemand ein Tonstudio zu verschenken hat, bitte sendet es an die Uni Augsburg. Danke im Vorraus ;)

Wehe ihr macht bei der großen Kindergartenveranstaltung “Licht aus! Für unser Klima.” von Greenpeace, BUND, ProSieben und Bild mit – ich warne euch!

Ich hab nichts gegen Umweltschutz und Öko-Bewusstsein, aber wenn ich wegen euch am Samstag meine Einzugsfeier ohne Licht begehen muss, dann ist aber was los! Ein Forscher hat nämlich ausgerechnet, dass nur 10 Millionen Haushalte in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei dem Mist mitmachen müssten, um für einen großflächigen Stromausfall in Europa zu sorgen.

Jetzt mal ganz ehrlich, Umweltschutz betreibt man nicht mit solchen – sicherlich gut gemeinten – symbolischen Aktionen. Es gibt viel sinnvollere Maßnahmen: Kauft euch Energiesparlampen und Öko-Waschmaschinen und nicht die energiefressenden Volksprodukte der Bild.

Und noch ein Tipp: Anstatt das Licht für 5 Minuten auszuschalten, wie wäre es einfach mal 5 Minuten den Fernseher auszulassen, der verbraucht viel mehr Strom. Das wäre dann allerdings nicht unbedingt im Interesse von ProSieben, den selbsternannten Öko-Sender.

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