Provinz


“Man sollte seinen Autofahrern nicht zu viel zumuten”, diese Erkenntnis dürfte sich beim Ordnungsamt hier in Augsburg wohl auch endlich gekommen sein. Verkehrsschilder und Fahrbahnmarkierungen reichen heute einfach nicht mehr, man muss die Leute schon mit der Nase draufstoßen.

Doch der Reihe nach: Seitdem die Prinzstraße mit der Linie 6 Straßenbahnschienen aufweisen kann, ist das Chaos hier deutlich gestiegen. Ich hatte ja schon von verwirrten Autofahrern geschrieben. Das Problem: An der Kreuzung zur Theodor-Wiedemann-Straße macht die Fahrbahn einen Knick, weil die Straßenbahnen kurz danach ein eigenes Gleisbett bekommen und neben der Straße fahren.

Dieser Knick scheint aber trotz diverser Schilder und Sperrfläche auf der Fahrbahn nicht für alle Autofahrer nachvollziehbar zu sein. Immer wieder fuhren Unachtsame einfach über die Sperrfläche gerade aus, nur um dann zu sehen, dass die Straße nach wenigen Metern im Gleisbett endet.

Bisher ging das immer gut, abgesehen von wilden Bremsmanövern und Dauerhupen. Doch die Tage werden immer kürzer und der Regen sorgt für eine wunderbar glitschige Straße. Das Ergebnis aus diesen ungünstigen Wetterbedingungen konnte ich letzten Montag erstmalig bestaunen. Ein Geschäftsmann rutschte mit seiner Limousine ein ordentliches Stück aufs Gleisbett. Polizei und vor allem ein Abschlepper mit Kran verschafften hier Abhilfe. Allerdings blieb verkehrstechnisch alles beim Alten.
Unübersichtlich ist es ja schon, aber wer wird denn gleich soweit auf die Gleise rutschen...
Kein Wunder also, dass gestern das nächste Auto mit Warnblinker auf den Gleisen stand. Diesmal war neben Polizei und Abschlepper aber auch ein aufgeregt auf- und ablaufender Mann von den Stadtwerken vor Ort. Scheinbar hatte sich rumgesprochen, dass ständiger Autobefall schädlich für Gleise sein könne.
...und weils so schön war, gleich ein zweites Mal.
Und was müssen meine von Alter inzwischen fast blind gewordenen Augen heute erblicken? Es wurde tatsächlich was getan. Zwei nicht zu übersehende Absperrungen zeigen den unachtsamen Autoraser heute also, wo sie definitiv nicht langfahren dürfen.
Der erste Schritt zur Besserung: Man sollte jetzt auch im Dunkeln und ohne Brille erkennen, dass es da nicht langgeht.
Das löst das Problem jetzt irgendwie nicht gerade elegant, weil spätestens, wenn Busse bzw. Straßenbahnen fahren, dürfte das gleiche Problem wieder entstehen – dann aber mit deutlich größeren Schaden für die Stadtwerke. Aber bis dahin geht noch ein gutes Jahr ins Land, genug Zeit also für die cleveren Jungs vom Straßenverkehrsamt sich eine tolle Lösung einfallen zu lassen. Wobei ich mir das jetzt gerade nicht so ganz vorstellen kann, Augsburger Autofahrer sind schon eine spezielle Spezies ;)

Eltern, das steht fest, Eltern nerven manchmal. Nicht nur die Eigenen, auch Andere, völlig Fremde, die meinen, ein Kind gebe ihnen das Recht ihre Umwelt zu malträtieren – schließlich sind sie und ihre Kinder was Besonderes in einer Bevölkerung, die so langsam überaltert.

So motzen sie fröhlich über die kleinste Unannehmlichkeit, was sich manchmal zu einem hysterischen Geifern steigern kann – oder eben zu Leserbriefen an die Lokalpresse. So berichtet heute die Augsburger Allgemeine in einem erstaunlich großen Beitrag über zwei „geschädigte“ Mütter, die in dem von mir sehr geschätzten Kaffeehaus Thalia ein wenig angeeckt waren.

Die eine Mutter beklagt sich darüber, dass sie ihren Kinderwagen nicht in das doch recht eng bestuhlte Kaffeehaus nehmen durfte. Die eigentlich nachvollziehbaren Gründe, dass durchaus eine Gefahr bestehe, dass das Kind mit heißen Speisen oder Getränken zu überschütten werden könne bzw. so ein Wagen sehr viel Platz wegnehme, ließ die Mutter nicht gelten. Gerade Letzteres nicht, denn schließlich seien sie ja “die einzige Familie mit Kinderwagen im Café gewesen.” Was mir als Argument allerdings nicht einleuchten will. Es könnte ja rein theoretisch auch sein, dass alle anderen Eltern überhaupt kein Problem damit haben, ihren Kinderwagen im Foyer abzustellen?

Das war aber noch nicht der Gipfel der „Kinderunfreundlichkeit“ des Kaffeehauses. Laut Augsburger Allgemeine wurde auch noch eine Mutter des Hauses verwiesen. Die wollte nicht einsehen, dass es irgendwie ziemlich blöd rüberkommt, wenn man sein Kind mitten im Speisesaal die Windel wechselt.

Und gerade so etwas kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wie kommen Eltern darauf, dass man seinem Kind die vollgeschissene Windel denn sofort an Ort und Stelle wechseln muss?! Da wird an der Fleischtheke schnell mal eine neue Pampers ans Kind gebracht oder einfach mitten auf dem Gehweg, wodurch alle Passanten einen großen Umweg in Kauf nehmen müssen – alles selbst schon erlebt.

Ich würde niemals auf die Idee kommen meine Mitmenschen mit so etwas zu belästigen. Natürlich waren wir alle mal klein, natürlich haben wir uns auch von oben bis unten vollgepullert, aber ich muss doch niemanden zumuten zuzusehen, wie ich die Sauerei wegmache. Wo ist also das Problem sich ein stilles und vor allem hygienisches Örtchen zu suchen, um das Kind zu wickeln? Ein paar Minuten kann das Kinde eine volle Windel schon ertragen.

Die Frage ist meiner Meinung nach also nicht, ob das Kaffeehaus kinderunfreundlich ist, das ist es nicht, ich war oft genug mit Mina da und sie hat sich prächtig unterhalten gefühlt. Die Frage ist, was Eltern ihrer Umwelt eigentlich zumuten möchten.

Wenn sich Menschen entschließen Kinder zu bekommen, dann entschließen sich nicht automatisch alle Menschen in ihrem Umfeld dazu. Ich kann niemanden zwingen, das Geschrei und die dreckigen Windeln zu ertragen – aber genau das meinen einige Eltern meist aus eigener Bequemlichkeit verlangen zu können. Da wird dann halt die Windel direkt dort gewechselt, wo man gerade so schön bequem sitzt oder das Kind soll im Wagen fest angeschnallt sitzen bleiben, damit man in Ruhe seinen Kaffee trinken kann. Wenn der Wagen nicht da wäre, müsste man das Kind ja auf den Schoß nehmen – welch unangenehmer Gedanke!

Natürlich hat man es als Eltern von Kleinkindern manchmal nicht leicht, wenn z.B. kein ordentlicher Wickelraum zur Verfügung steht oder mal wieder der Bus so voll ist, dass ich mit meinen Kinderwagen nicht hineinpasse. Aber wir reden ja hier auch von einem Kaffeehaus, das man besucht, um sich mal zu entspannen und abzuschalten – und natürlich haben Mütter und Väter auch ein Recht auf Entspannung, aber doch nicht auf Kosten der anderen. Es würde doch auch keiner auf die Idee kommen sein Baby mit ins Kino, in die Oper oder die Disco zu nehmen und dort dann auf der Tanzfläche die Windel zu wechseln.

Dass es eigentlich gut funktioniert mit Kindern, auch mit Babys, erklärt das Kaffeehaus übrigens auf seiner eigenen Webseite (inklusive Bild). Und ich als Elternteil kann auch nur sagen, dass ich bisher keine Probleme im Kaffeehaus gehabt habe. Von der zitierten Kinderunfreundlichkeit kann also keine Rede sein. Mir scheint eher, das sich da mal wieder ein paar Gemüter zu sehr erhitzt haben und aus einer Mücke dadurch ganz schnell ein Elefant geworden ist – ein klärendes Gespräch hilft dabei übrigens meist mehr, als der Gang zur Lokalpresse…

Fast hätte ich es vergessen, wo ich eigentlich lebe, bei all der Arbeit mit Uni, Kind und Kegel. So ist es kein Wunder, dass man anfängt zu glauben, man lebe in einer richtigen Stadt, mit kompetenten Frauen und Männern an der Spitze, die besonnen Entscheidungen treffen.

Aber dann schaffen sie es einem immer wieder mit voller Wucht brachial klar zu machen, was für ein Provinzkaff Augsburg eigentlich ist und sein möchte – es kommt ja nicht von ungefähr das mein Blog Provinzblog heißt.

Wie sonst ist zu erklären, dass die Stadt Augsburg doch tatsächlich einen Blogger abgemahnt hat, weil sie bei Domain augsburgR.de das Namensrecht der Stadt verletzt sieht. Michael Fleischmann, hatte zuvor die Domain registriert und bei der Stadt nachgefragt, ob das so in Ordnung sei. Die Antwort darauf war nicht einfach nur „Ja, geht klar“ oder „Nein, das geht so nicht“, sondern eine Abmahnung mit einer Kostennote von knapp 1900 Euro.

Und die Stadt ist sogar noch stolz drauf, dass es nur so wenig ist. Eigentlich sind viel höhere Kosten üblich – wie mildtätig! Wo bei einer frisch registrierten Domain überhaupt ein Schaden ist, können Nicht-Juristen wohl sowieso nicht beantworten. Warum die Stadt Augsburg überhaupt zu der Methode Abmahnung gegriffen hat, obwohl sich Fleischmann extra noch erkundigt hatte, bleibt mir allerdings auch ein Rätsel.

Vielleicht sagte man sich bei der Stadt, dass auch schlechte Presse, wenigstens Presse sei und es solle ja nicht der Eindruck entstehen man mache nichts im Rathaus. Deswegen holt man jetzt auch zum ganz großen Schlag aus. Schließlich gibt es noch ganz viele Domains, die Augsburg im Namen tragen, da könnte man doch jetzt auch prüfen, ob da Namensverletzungen vorliegen. So könnte man doch prima seinen Ruf als völlige Internet-Autist zementieren – soll ja keiner sagen man hätte im Rathaus Menschen, die sich mit den Neuen Medien auskennen. Lieber versteckt man sich hinter Paragraphen, statt mit seinen Bürgern konstruktiv ins Gespräch zu kommen.

So unterstreicht Augsburg mal wieder in unnachahmlicher Weise, wie provinziell es doch ist und wie sehr man sich doch schämen muss für manche Leute hier. Sollte Augsburg je den Ruf gehabt haben eine weltoffene, moderne Stadt zu sein, hat sich das jetzt erst mal erledigt. Außer natürlich irgendjemand in der Stadtverwaltung hat den nötigen Grips und versucht jetzt Schlimmeres zu verhindern – ich kann‘s mir aber kaum vorstellen.

Das Blogger unter welcher Domain auch immer durchaus zum kulturellen Kapital der Stadt gehören und für Augsburg in der ganzen Welt kostenlos Werbung machen können, das hat sich wohl noch nicht rumgesprochen bei den Damen und Herren in der Stadtverwaltung.

Spätestens wenn die halbe deutsche Blogosphäre und tausende Tweets von der Rückständigkeit Augsburgs berichten, wird sich das vielleicht ändern. Aber was soll man den von einer Regierung erwarten, bei der sich die Webseite des Oberbürgermeisters seit seiner Wahl im Wartungsmodus befindet?

Ich bin jedenfalls wieder bestätigt worden, dass ich die richtige Domain für meinen Blog gewählt habe und Augsburg, immer auch Provinz sein wird.

Nachtrag:
Spiegel-Online berichtet jetzt auch.

Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE beim Oberbürgermeister-Referat der Stadt Augsburg wurde bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht beantwortet.

Ich kann mir gut vorstellen, wie gerade alle panisch im Rathaus auf- und ablaufen :)

Nachtrag 22:00 Uhr: Der OB hat gesprochen und zwar zugunsten des Bloggers. Gribel sagt, dass rechtlich zwar alles richtig gelaufen sei, er sich aber mehr Fingerspitzengefühl gewünscht hätte. Michael Fleischmann muss nach bekunden des OB die Kostennote von 1900 Euro nicht bezahlen. Das der Ruf der Stadt heute gelitten hat, kann der OB damit allerdings nicht mehr verhindern.

Wandern war in meinen Kindertagen immer ein großes Ereignis, besonders wenn es in die Berge ging. Das Anstrengende laufen über Stock und Stein, Wurzeln und Matsch, das hatte es mir schon immer angetan. Schließlich wartete am Ende der Strapazen immer eine tolle Aussicht vom Gipfel auf das umliegende Land.

Was mir früher so viel Spaß gemacht hatte, fiel mir vor Kurzem auf, hatte ich schon lange nicht mehr aktiv betrieben. So richtig in den Bergen gewandert war ich schon ewig nicht mehr. Warum also nicht mal wieder in die Berge fahren und ein bisschen durchs Geäst stolpern?

Gesagt getan, am gestrigen Sonntag schnürten wir also unsere Wanderschuhe und machten uns auf ins Allgäu zum Manzenberg. Auf dem, so hatte ich recherchiert thront nämlich Deutschlands höchste Burgruine, die Burg Falkenstein.

Ich hatte im Vorfeld mangels Wanderkarten ausgiebig im Internet recherchiert und mich für diesen Berg entschieden, weil er (1) nicht so hoch ist, (2) von mehreren Webseiten das Prädikat „familienfreundlich“ bekam und (3) die Tour einen Rundweg bildet.

Zu finden war der Berg recht leicht, die Beschilderung ist gut und die 1 ¾ Stunden Fahrt von Augsburg aus, sind gerade noch erträglich. Auch die inzwischen fast 11 Monate alte Tochter hatte nur eine „Windelpause“ nötig.

Der Parkplatz am Fuße des Manzenberges war für das herrliche Wetter am Sonntag ziemlich leer, lies uns aber auf wenig „Verkehr“ auf den Wanderwegen hoffen.

Pfronten

Pfronten

Ich hatte wohlweißlich die Wanderroute ausgedruckt, denn nach ein paar Schritten war der „offizielle“ Wanderweg durch ein Tor versperrt worden und wir standen da, wie die Ochsen vor selbigen. Mit Kind auf dem Rücken und zwei kletterunwilligen Mädels im Schlepptau kam ein übersteigen dieses Hindernisses nicht infrage. Also gabs schon zu beginn einen ärgerlichen Umweg.

Aber irgendwann kamen wir dann auch endlich in den schattig-kühlen Wald und stiegen unaufhörlich unserem Ziel entgegen. Der Weg entpuppte sich aber schon recht früh als wenig familienfreundlich, die Wege waren zwar sehr gut gepflegt, aber arteten dann doch in ganz schöne Kletterpartien aus. An manchen Stellen ging es sogar bedenklich steil nach unten, während man einen sehr schmalen Weg entlangbalancieren musste. Mit Kindern an der Hand stelle ich mir das alles etwas stressig vor.

Schöne Blick auf die Vils von der Falkenburg aus.

Schöne Blick auf die Vils von der Falkenburg aus.

Auch die Beschilderung ließ etwas zu wünschen übrig. Auf etwa der Hälfte der Strecke ging es für fast 10 Minuten wieder ziemlich steil nach unten, während man die Burgruine umrundete. Ein, zwei Schilder mehr, die uns gesagt hätten, dass wir noch in die richtige Richtung liefen und ein paar Entfernungsangaben hätten hier sicherlich motivierend gewirkt.

Aber ich will nicht zu viel meckern, die Wege waren wirklich sehr gut zu begehen und trotz des Regens am Vortag fast überhaupt nicht matschig. Der schöne Ausblick auf die Vils, die sich am Fuße des Berges entlangschlängelte entschädigte für vieles.

Das letzte Stück hinauf zur Ruine war dann allerdings wirklich hart für uns teilweise ungeübte Wanderer, aber selbst mein recht fitter Bruder kam ins Schwitzen, als endlich die Mariengrotte in Sicht kam.

Lädt ein zur Rast, die Mariengrotte

Lädt ein zur Rast, die Mariengrotte

Die in einer natürlichen Felsspalte errichte Marienfigur soll müden Wanderern Trost schenken, genau das, was wir also gerade brauchten. Noch mehr Trost spendete uns allerdings das Gasthaus/Hotel ein paar Meter weiter. Das bot uns etwas Rast und Stärkung, leider mit etwas happigen Preisen und nicht sonderlich viel Auswahl an Speisen.

Nach der Pause gings dann die paar wenigen Stufen hinauf zur Burgruine, vielmehr zur Hausruine, denn was anderes war castrum Pfronten eigentlich nie gewesen. Dennoch konnten wir dank der in der Ruine errichteten Plattform wunderbar ins umliegende Land blicken und sogar einen Blick auf Neuschwanstein erhaschen.

Der Rückweg gestaltete sich dann etwas entspannter als der Aufstieg, dank der asphaltierten Straße, die hinauf zum Hotel führt. Die Straße führte uns direkt zu unserem Auto zurück. Das Töchterlein bekam das allerdings nicht mehr mit, sie war auf den Rücken gebunden sanft eingeschlummert.

Alles in allem ein schöner, aber auch anstrengender Ausflug – so wie es halt sein soll. Bis auf die irreführende Bezeichnung „familienfreundlich“ kann ich die Route eigentlich nur empfehlen. Für gänzlich unerfahrene Wanderer ist das allerdings sicherlich ein bisschen viel auf einmal. Dafür geht’s teilweise einfach zu steil bergauf und bergab.

Mehr Bilder gibts hier.

Seit Wochen schon prophezeie ich es, seit Wochen wollte ich eigentlich mal das Ordnungsamt anrufen, aber irgendwie dann doch immer wieder vergessen und jetzt ist es passiert: Es hat mächtig gerummst vorm Haus.

Die neue Kreuzung mit einer etwas gewöhnungsbedürftigen Straßenführung Ecke Prinzstraße Theodor-Wiedemann-Straße lässt nämlich sehr viele Autofahrer zum Schluss kommen, es handele sich um eine vierspurige Straße. Das hat zur Folge, dass viele Linksabbieger auf die Gegenfahrbahn fahren, weil sie meinen, dies sei eine Abbiegespur.

Seit die Straße fertig ist, gibt es nun täglich Fastzusammenstöße, wildes Gehupe und Gequietsche, weil ständig Autos auf die Gegenfahrbahn fahren. Interessiert hat sich dafür bisher niemand, das wird sich jetzt dann wohl ändern. Denn gerade eben ist es dann doch passiert.

Ein Ford wollte in die Theodor-Wiedemann-Straße einbiegen, fuhr dazu auf die Gegenfahrbahn und prallte mit einem Golf zusammen, der aus eben dieser Straße herauskam. Ein kurzes Hupen, Quietschen und dann ein unspektakuläres Scheppern.

Und es hat bumm gemacht...
Die Verunfallten blieben relativ ruhig und warteten gemeinsam auf die Polizei. Ein kurz nach dem Unfall eingetroffener Krankenwagen erkundigte sich gleich mal, ob es verletzte gegeben hatte. Die Polizei brauchte etwas länger, aber auch hier blieben alle Parteien relativ ruhig – böse Worte fielen wohl nicht. Verabschiedet wurde sich mit einem freundlichen Händeschütteln.

Dass die vorbeifahrenden Autofahrer, sich beim Passieren der Unfallstelle mal wieder so dämlich anstellten, dass fast noch mehr Unfälle folgten, muss wohl nicht erwähnt werden, schließlich sind wir hier in Augsburg.

Jetzt bin ich mal gespannt, was aus diesen Unfall gelernt wird und ob sich die Stadt vielleicht dazu hinreißen lässt, endlich mal die Ampel an der Kreuzung einzuschalten. Ansonsten muss ich da wirklich mal anrufen.

Diesmal gab‘s nur einen leichten Blechschaden, aber so wie manche die Prinzstraße entlang rasen, kann das ganz schnell Mal in einen schlimmeren Unfall enden – vor allem bei der Radfahrerdichte hier.

Jo wo luagt er denn hi?

Jo wo luagt er denn hi?

Gestern war Premiere der “Comedian Harmonists” in der heuer 80 Jahre alt werdenden Augsburger Freilichtbühne. Nicht nur dass man zu Vorstellungszeiten wunderbar auf den Straßen rund um die Freilichtbühne flanieren kann – die sind nämlich weiträumig abgesperrt – man kann der Vorstellung auch ganz ohne Ticket lauschen. Schließlich macht der Schall nicht hinter dem Sichtschutz am Zaun der Freilichtbühne halt. So konnten wir gestern beim Abendspaziergang auch beschwingt “Mein kleiner grüner Kaktus”-pfeifend den Eserwall entlanglaufen.

Wem das nicht genug ist, der kann es ja dem Herren auf dem Bild gleichtun und durch die zahlreichen Ritzen in den Holzwänden einen Blick riskieren. Heute gibts auf der Bühne übrigens “Land des Lächelns”, wer mal hören oder schmuen will, der kann das ab 20.30 Uhr tun, lasst euch aber nicht erwischen …

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So ein Fahrradschloss ist schon etwas sehr Feines, hält es doch hinterlistige Langfinger davon ab, des Radlers treuen Drahtesel zu stibitzen.

Ein dickes, robustes Schloss zeigt schon von weiten: “Hier ist nichts zu holen Gringo!” Genau so eins hatte ich bisher auch im Einsatz, um mein kleines Radl zu beschützen.

Dumm nur, wenn sich der Beschützer gegen einen wendet. Genau das tat mein Schloss nämlich heute – es ging einfach nicht mehr auf! Genauer wäre wohl: Es GEHT nicht mehr auf. Bis jetzt habe ich nämlich nicht geschafft es zu öffnen.

So hängt er da nun, der silberne Schlauch und legt das zarte Gestell meines geliebten Rades fest in Ketten.

Ärgerlicherweise weiß ich nicht mal, warum das teure Schloss sich nicht mehr öffnen möchte. Von hier auf jetzt verweigert es sich mir und meinem Bedürfnis Rad zu fahren. Der Schlüssel lässt sich nicht mehr richtig reinstecken und drehen schon gar nicht.

Jetzt hilft wohl nur noch eine Eisensäge oder – die Männer-Methode – ein Winkelschleifer.

Dumm ist allerdings, dass ich dann noch ein neues Schloss brauche, diesmal aber eins, das mich am Ende nicht verrät …

In Augsburg laufen die Uhren ja bekanntlich etwas langsamer, was heißt etwas, sie laufen sehr viel langsamer, zumindest politisch gesehen. Hier nimmt man sich manchmal so viel Zeit im Stadtrat, dass es den Bürgern meist irgendwann zu viel wird. So auch im Fall der Stadtbücherei, 20 Jahre wurde ein Neubau gefordert, 20 Jahre wurde es immer enger und enger im alten Gebäude an der Gutenberstraße.

Dann 2004 platze den Bürgern der Kragen innerhalb von 5 Monaten wurden 14.000 Unterschriften für einen Neubau der Bücherei gesammelt und schon ging alles ganz schnell – bereits 2005 wird ein Neubau am Ernst-Reuter-Platz beschlossen.

Und für fünf Euro ins Phrasenschwein heißt es nun: Was lange währt, wird endlich gut! Heute eröffnete die Neue Stadtbücherei ihre Glaspforten für den Publikumsverkehr und es ist wirklich ein beeindruckender Bau geworden!

Die Eröffnung der Neuen Stadtbücherei ließen sich viele Augsburger nicht entgehen Neue Stadtbücherei im modernen Glanz DSC05944.JPG

Eine halbrunde Glasfassade und ein orangener Klotz daneben bieten viel Raum für Bücher, Büros und Veranstaltungsräume auf drei lichtdurchfluteten Etagen.

Und die waren heute zum Tag der offenen Tür gut gefüllt, aber wer kann es den Augsburgern verdenken, lang genug gewartet haben sie ja drauf.

Hochmodern ist sie geworden, die neue Stadtbücherei, mit vielen Computer-Arbeitsplätzen und einer sehr schnellen Ausleihe. Wer Bücher mit nach Hause nehmen möchte, der kann das komplett alleine und in Sekundenschnelle.

Einfach zu einem der Ausgabe-Schalter gehen, Büchereiausweis einscannen und den Bücherstapel auf den dafür vorgesehenen Platz legen, schon erscheinen alle Titel dem Bildschirm, einzeln muss man hier kein Buch mehr eingeben. Dann nur noch bestätigen und schon sind die Bücher ausgeliehen.

Rund um die Uhr kann man zumindest in den Vorraum der Bücherei. Einfach Buch an diese Stelle halten und schon ... ... gehts in den Vorraum, wo man an zwei Automaten die Bücher zurückgeben kann.

Auch die Rückgabe ist erstaunlich einfach gehalten, nämlich ganz unabhängig von den Öffnungszeiten. Mit dem Buch in der Hand kann man rund um die Uhr in den Vorraum der Bücherei. Dazu hält man die ausgeliehenen Bücher einfach an eine markierte Stelle vor der Tür, die sich dann automatisch öffnet. Im Vorraum stehen dann zwei Automaten bereit, wo man die Bücher zurückgeben kann – vollautomatisch.

Wem das allerdings alles zu technisch ist und wer nicht auf einen Plausch mit der Bibliothekarin verzichten möchte, der kann natürlich weiterhin die althergebrachte Schalter-Methode  zum Bücherausleihen und -zurückgeben nutzen.

Doch das war noch nicht alles, auch die Preisstruktur wurde erneuert. 13 Euro bzw. ermäßigte 6,50 Euro kostet die Jahresmitgliedschaft und damit ist bereits alles abgedeckt, was an Kosten entstehen kann. Ausleihe für Bücher, DVDs, Computerspiele, Musik-CDs oder täglich eine Stunde Internet an den Arbeitsplätzen, es entstehen keine weiteren Kosten.

Nicht mehr ganz neu, aber auch im Preis mit inbegriffen ist die eAusleihe, in der eBooks, ePaper, Filme und Musik über das Internet ausgeliehen werden können, das werde ich demnächst dann wohl auch mal ausprobieren.

Schmökern vor Ort, Dank ausgiebiger Sitzgelegenheiten im Retrolook. Das Innen-Design der Neuen Stadbücherei erinnert mich wegen der Ecken und Kanten irgendwie ans Olympiastadion in Peking 3 Etagen Kultur

Ich muss sagen, es hat mir sehr gut gefallen in der Neuen Stadtbücherei. Das wird wohl auch an den vielen freundlichen Mitarbeitern gelegen haben, die versucht haben, es allen Besuchern recht zu machen. Den jungen “Wilden”, die durch die Gänge schossen, wie auch den älteren Semestern, die noch ein paar Berührungsängste mit den neuen Räumlichkeiten und technischen Neuerungen hatten.

Sehr schön, dass wir hier in Augsburg mit der Neuen Stadtbücherei einen neuen auch architektonisch attraktiven kulturellen Anziehungspunkt haben, der nicht nur zum Schmökern einlädt.

Wer jetzt einen Grund sucht, die Neue Stadtbücherei zu besuchen, der kann sich freuen. In der gesamten Eröffnungswoche wird dermaßen viel geboten, dass sicherlich für jeden etwas dabei sein sollte. Hier gibt‘s das Programm zur Aktionswoche vom 22.-27. Juni.

Ich muss auf jeden Fall noch mal hin – Bücher zurückgeben. Ich hab nämlich einen schönen Graphic Novel von Neil Gaimans Niemalsland gefunden, den musste ich einfach ausleihen.

Falls es jemand noch nicht mitbekommen haben sollte, ab 1. Juli gibt es in Augsburg eine Umweltzone, die die gesamte Innenstadt umfasst.
Hochoffiziell: Ab 1. Juli gehts nicht mehr ohne Feinstaubplakette in die Innenstadt von Augsburg.
Damit das auch ja keiner vergisst, wurden die letzten Tage überall an den Einfallstraßen in die Umweltzone nicht zu übersehende Hinweisschilder aufgestellt. Damit man sich ja nicht ohne Feinstaubplakette ins innere der Zone traut.

Sollte es tatsächlich noch jemanden geben, der keine solche Plakette besitzt, der kann sie beim Bürgeramt online bestellen – ganz schön modern für Augsburg.

Weitere Infos gibts online auf der Webseite der Stadt Augsburg.

Haben sich doch ein paar gefunden, die hier in Augsburg gegen die schlechten Bildungsbedingungen in Deutschland demonstriert haben.

Da spaziert man gerade mit dem Kind durch die Gegend und plötzlich fährt ein Polizist auf einem Motorrad vor, lässt es gleich mal elegant Absaufen und sperrt die Straße ab. Nur eine Minute später walzt auch schon der Demonstrationszug mit sagen wir mal (schlecht geschätzte) 500 Bildungsstreikenden zu Klängen von Rio Reiser vorbei.

Da kommt er, der Bildungsstreik... Lautstark für die Bildung Die Staatsmacht ist auch dabei... Für Beschallung sorgte der hier Also ich kann ganz schlecht schätzen wie viele das sind... So schnell wie sie aufgetaucht sind, verschwanden sie auch wieder

Dass sich irgendwann tatsächlich 1500 Leute versammelt hatten, wie die Augsburger Allgemeine schreibt, konnte ich zu dem Zeitpunkt dann aber nicht bestätigen.

Wenns tatsächlich so viele waren, dann ist das ein echt großer Erfolg für unser kleines Dorf hier…

UPDATE: Die Augsburger Zeitung ist mal wieder wesentlich realistischer als die Augsburger Allgemeine und spricht von 500-600 Demonstrierenden. Trotzdem viel für Augsburg :)

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