Reisen


Wandern war in meinen Kindertagen immer ein großes Ereignis, besonders wenn es in die Berge ging. Das Anstrengende laufen über Stock und Stein, Wurzeln und Matsch, das hatte es mir schon immer angetan. Schließlich wartete am Ende der Strapazen immer eine tolle Aussicht vom Gipfel auf das umliegende Land.

Was mir früher so viel Spaß gemacht hatte, fiel mir vor Kurzem auf, hatte ich schon lange nicht mehr aktiv betrieben. So richtig in den Bergen gewandert war ich schon ewig nicht mehr. Warum also nicht mal wieder in die Berge fahren und ein bisschen durchs Geäst stolpern?

Gesagt getan, am gestrigen Sonntag schnürten wir also unsere Wanderschuhe und machten uns auf ins Allgäu zum Manzenberg. Auf dem, so hatte ich recherchiert thront nämlich Deutschlands höchste Burgruine, die Burg Falkenstein.

Ich hatte im Vorfeld mangels Wanderkarten ausgiebig im Internet recherchiert und mich für diesen Berg entschieden, weil er (1) nicht so hoch ist, (2) von mehreren Webseiten das Prädikat „familienfreundlich“ bekam und (3) die Tour einen Rundweg bildet.

Zu finden war der Berg recht leicht, die Beschilderung ist gut und die 1 ¾ Stunden Fahrt von Augsburg aus, sind gerade noch erträglich. Auch die inzwischen fast 11 Monate alte Tochter hatte nur eine „Windelpause“ nötig.

Der Parkplatz am Fuße des Manzenberges war für das herrliche Wetter am Sonntag ziemlich leer, lies uns aber auf wenig „Verkehr“ auf den Wanderwegen hoffen.

Pfronten

Pfronten

Ich hatte wohlweißlich die Wanderroute ausgedruckt, denn nach ein paar Schritten war der „offizielle“ Wanderweg durch ein Tor versperrt worden und wir standen da, wie die Ochsen vor selbigen. Mit Kind auf dem Rücken und zwei kletterunwilligen Mädels im Schlepptau kam ein übersteigen dieses Hindernisses nicht infrage. Also gabs schon zu beginn einen ärgerlichen Umweg.

Aber irgendwann kamen wir dann auch endlich in den schattig-kühlen Wald und stiegen unaufhörlich unserem Ziel entgegen. Der Weg entpuppte sich aber schon recht früh als wenig familienfreundlich, die Wege waren zwar sehr gut gepflegt, aber arteten dann doch in ganz schöne Kletterpartien aus. An manchen Stellen ging es sogar bedenklich steil nach unten, während man einen sehr schmalen Weg entlangbalancieren musste. Mit Kindern an der Hand stelle ich mir das alles etwas stressig vor.

Schöne Blick auf die Vils von der Falkenburg aus.

Schöne Blick auf die Vils von der Falkenburg aus.

Auch die Beschilderung ließ etwas zu wünschen übrig. Auf etwa der Hälfte der Strecke ging es für fast 10 Minuten wieder ziemlich steil nach unten, während man die Burgruine umrundete. Ein, zwei Schilder mehr, die uns gesagt hätten, dass wir noch in die richtige Richtung liefen und ein paar Entfernungsangaben hätten hier sicherlich motivierend gewirkt.

Aber ich will nicht zu viel meckern, die Wege waren wirklich sehr gut zu begehen und trotz des Regens am Vortag fast überhaupt nicht matschig. Der schöne Ausblick auf die Vils, die sich am Fuße des Berges entlangschlängelte entschädigte für vieles.

Das letzte Stück hinauf zur Ruine war dann allerdings wirklich hart für uns teilweise ungeübte Wanderer, aber selbst mein recht fitter Bruder kam ins Schwitzen, als endlich die Mariengrotte in Sicht kam.

Lädt ein zur Rast, die Mariengrotte

Lädt ein zur Rast, die Mariengrotte

Die in einer natürlichen Felsspalte errichte Marienfigur soll müden Wanderern Trost schenken, genau das, was wir also gerade brauchten. Noch mehr Trost spendete uns allerdings das Gasthaus/Hotel ein paar Meter weiter. Das bot uns etwas Rast und Stärkung, leider mit etwas happigen Preisen und nicht sonderlich viel Auswahl an Speisen.

Nach der Pause gings dann die paar wenigen Stufen hinauf zur Burgruine, vielmehr zur Hausruine, denn was anderes war castrum Pfronten eigentlich nie gewesen. Dennoch konnten wir dank der in der Ruine errichteten Plattform wunderbar ins umliegende Land blicken und sogar einen Blick auf Neuschwanstein erhaschen.

Der Rückweg gestaltete sich dann etwas entspannter als der Aufstieg, dank der asphaltierten Straße, die hinauf zum Hotel führt. Die Straße führte uns direkt zu unserem Auto zurück. Das Töchterlein bekam das allerdings nicht mehr mit, sie war auf den Rücken gebunden sanft eingeschlummert.

Alles in allem ein schöner, aber auch anstrengender Ausflug – so wie es halt sein soll. Bis auf die irreführende Bezeichnung „familienfreundlich“ kann ich die Route eigentlich nur empfehlen. Für gänzlich unerfahrene Wanderer ist das allerdings sicherlich ein bisschen viel auf einmal. Dafür geht’s teilweise einfach zu steil bergauf und bergab.

Mehr Bilder gibts hier.

Heute war es so weit, ich musste aus meiner Bonzenwohnung ausziehen. Dass der Aus- und Umzug natürlich wieder nicht ganz glatt lief, ist ja selbstverständlich hier in China.

Der Check-out aus meiner Wohnung war für 14 Uhr angesetzt, ich hatte extra nochmal in der Rezeption nachgefragt am Vortag. Um 14 Uhr kam natürlich kein Mensch. Wurde ich bei meinem Einzug noch von fünf Mitarbeitern Empfangen und die Wohnung feierlich übergeben, interessierte den Auszug anscheinend niemand mehr. Das ist eines der großen Probleme bei den Chinesen. Die denken einfach nicht, dass guter Service bis zum Schluss erbracht werden soll, wenn die Gäste wiederkommen sollen.

Also rollerte ich schwer bepackt in die Rezeption und dort standen natürlich wieder nur ahnungslose Angestellte rum. Nach geschlagenen 20 Minuten warten und schimpfen, konnte ich dann endlich meinen Schlüssel und meine Schlüsselkarte abgeben und die Sache war erledigt.

Nach einer entspannten Fahrt zum neuen Domizil gingen die Probleme beim Einchecken im Hotel natürlich weiter. Irgendeine Pappnase hatte zwei Zimmer auf meinen Namen reserviert. Jetzt wurde heiß diskutiert, welches Zimmer ich denn nun bekommen solle. Da von vier Rezeptionschinesen keiner die Entscheidung treffen wollte, musste der Chef geholt werden. Man gewöhnt sich an solche Sachen eigentlich recht schnell hier in China, so sind sie halt, aber mir war es dann doch langsam genug!

Als aber ein kleines dickliches Kind auf mich zugerannt kam und sich freundlich auf Englisch vorstellte und fragte, wie es mir ginge, lockerte sich meine Stimmung wieder etwas. Hier lernen schon die ganz kleinen Kinder Englisch. Ich glaube in 10-15 Jahren wird ein Chinaaufenthalt wesentlich angenehmer sein.

Irgendwann bekam ich dann doch meinen Schlüssel und konnte mein 12qm-Zimmer beziehen. Irgendwie eine ziemliche Umstellung von meinem 80qm-Appartment, aber ich bin ja zum Arbeiten hier ;)

Die Dusche ist mal wieder direkt ins Badezimmer integriert, das heißt, wenn ich mich mal wasche, setze ich den gesamten Raum unter Wasser – I love China! Noch viel Schlimmer war es aber, dass ich natürlich kein warmes Wasser hatte. Nachdem die letzte kalte Dusche total in die Hose gegangen war, wollte ich es diesmal nicht riskieren und rief den Zimmerservice an.

Der meinte ich solle das Wasser laufen lassen, er würde in einen anderen Raum gehen und dort auch das Wasser aufdrehen. Nach geschlagenen 10 Minuten wurde es dann tatsächlich warm. Wie war das noch mit den Grünen Spielen?! Soll ich denn jetzt tatsächlich jeden Tag so viel Wasser verschwenden?! Ihr merkt, so ganz zu frieden bin ich im Moment noch nicht. Aber wie gesagt ich hab ja eigentlich auch vor, zu arbeiten.

Das war es dann jedenfalls, den ganzen Tag nichts geschafft und trotzdem geschafft. Dumm das meine Lunge sich heute wieder anfühlt als hätte ich Nägel eingeatmet. Dabei war die Luft heute eigentlich sehr gut – also nach chinesischen Maßstäben. Wird Zeit, dass ich ins Bett komme…

Ich kann nur immer wieder staunen über die Chinesen. Sie schaffen es kaum auf gedruckten Stadtplänen alle Straßen einer Stadt zu verzeichnen. Selbst im Internet war es immer sehr schwer Stadtpläne zu finden, die auch aktuell und übersichtlich waren, denn Anbieter wie Google-Maps bieten keine Straßenkarte für chinesische Städte an. So war es im Vorfeld meines Beijing-Besuchs sehr schwer irgendwelche verlässlichen Daten und Karten zu finden.

Solche Probleme lösen sich logischerweise immer dann, wenn es gar keiner Lösung mehr bedarf. So fand ich heute dank Boris von Feinheit eine wunderbare Seite, auf der eine Vielzahl Chinesischer Städte ganz im Stile von Sim City dargestellt werden. Kleine Pixelhäuser und Straßen ergeben so ein wunderbar übersichtliches Bild. Herausragende und prägnante Gebäude wurden nämlich detailverliebt nachgezeichnet und sorgen dafür, dass man sich auch ohne der chinesischen Sprache mächtig zu sein, gut orientieren kann.

Beispiele gefällig?

Beijing: Ein markantes Gebäude in der Wangfujing, der bekannten Einkaufstraße

Shanghai: Ziemlich verwirrende Straßenführung auch in der Virtuellen version

Suzhou: Blick auf eine der Skylines von Suzhou

Wer also demnächst mal Beijing besuchen möchte, Olympia 2008 steht ja vor der Türe, der kann sich hier schon mal eine Übersicht verschaffen. Für die Suche nach Straßen – was man des Öfteren mal braucht – eignet sich edushi leider noch nicht, da die Oberfläche bisher nur auf Chinesisch verfügbar ist. Einzig Honkong ist bereits auf Englisch erkundbar. Trotzdem ist edushi eine schöne, verspielte Alternative zu Google Earth. Eine Liste der verfügbaren Städte gibt es hier, ich war so frei und hab sie durch den Google-Translator gejagt, damit ihr auch versteht worum es geht…

Mein Vorhaben einen kleinen Survival-Beitrag über China zu schreiben, konnte ich bisher leider noch nicht in die Tat umsetzen. Allerdings möchte ich euch dieses kleine Bild nicht vorenthalten, welches mir der Vater meiner Freundin noch aus China nachgereicht hat:

Gut das ich das erst nach unserer Chinareise erhalten habe. Wenn das schon so groß auf einer Bierflasche beworben wird, dann will ich nicht wissen, was sonst noch so in chinesischen Bier herumschwimmt. Die legen das Reinheitsgebot wohl etwas lascher aus als unserer Brauereien.

Mein Tipp: Tsingtao-Bier! Schmeckt gut, ist billig und beruft sich auf alte deutsche Tradition, wurde die Brauerei doch 1903 von deutschen Siedlern in Kiautschou gegründet.

Was, vier Wochen China sind schon um?! So schnell verfliegt die Zeit hier, so viel gibt es noch zu sehen. Heut gegen 20 Uhr Ortszeit machen wir uns von Suzhou auf nach Shanghai, wo wir gegen 0.15 Uhr mit dem Flugzeug Richtung Heimat aufbrechen werden.

Der nächste Beitrag wird also schon aus Deutschland geschrieben werden. Nicht nur das, er wird wohl auch aus unserer neuen WG erscheinen, also herrscht jetzt ein paar Tage funkstille.

Ich möchte mich aber trotzdem bei allen bedanken, die unsere Reise vom Blog aus begleitet und mit ihren Kommentaren das Heimweh ein wenig erträglicher gemacht haben. Ich denke es wird noch eine kleine Nachlese zur Reise geben.

Wir sehen uns also in ein paar Tagen.

Fast zwei Wochen hier verbracht und fast gar nichts dazu geschrieben, dabei gibt es so viel zu Suzhou zu schreiben.

Wer China bereisen möchte, der findet hier einen guten Startpunkt, um nicht gleich einen Kulturschock zu erleiden. Shanghai und Beijing sind teilweise sehr westlich, vor allem Shanghai steht New York eigentlich in nichts nach, aber die Städte sind einfach gewaltig und erschlagen kleine Dorfmenschen, die wir Deutschen nun mal sind mit ihrer schieren Größe.

Dann also lieber Suzhou eine chinesische Kleinstadt mit etwa 6 Millionen Einwohnern – schön überschaubar eben. Ich könnte mich etwas aus dem Fenster lehnen und sagen, Suzhou erinnert mich ein wenig an Augsburg. Blicken beide Städte doch auf eine sehr lange Geschichte zurück, beide sind älter als 2000 Jahre. Beide hatten ihre Glanzzeiten im Mittelalter, als bedeutende Handelszentren mit reichem Bürgertum. Beide waren mächtige Textilzentren, wobei Suzhou immer noch die Seidenhauptstadt Chinas ist. Das rege Handeln war der Grund für ein dichtes Kanalnetz in den Städten, weshalb beide immer wieder mit Venedig verglichen werden. Last but not least werden trotz der unterschiedlichen Bevölkerungszahlen spätestens nach 23 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt, es ist dann einfach nichts mehr los auf den sonst so überfüllten Straßen.

Das war’s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Suzhou ist im Gegensatz zu Augsburg nämlich eine DER Boomstädte Chinas. Gerne geschmückt mit dem Titel „Chinas Silicon Valley“. Hightechfirmen wie Apple oder Logitech haben sich hier angesiedelt und auch viele deutsche Firmen werkeln inzwischen im Suzhou Industrial Park. Der SIP ist eine komplett neue Stadt neben der alten Stadt, für viele Chinesen ist es ein Traum hier zu wohnen. Kein wunder also, dass sich die Einwohnerzahl in den letzten drei Jahren verdoppelt hat.

Dass Suzhou trotzdem nicht völlig überlaufen erscheint, liegt am glücklicherweise erhaltenen Charme der Altstadt. Sicherlich ist vieles bereits abgerissen worden, überall sprießen Hochhäuser in den Himmel, entstehen neue Straßen und Wohn- und Gewerbegebiete. Aber irgendwie gibt es noch sehr viele Ecken, die noch klein, eng, flach, also einfach chinesisch sind. Wie gesagt, die Innenstadt ist weitgehend frei von gewaltigen Hochhäusern und sorgt mit viel Grün an den Straßen trotz Smog für ein angenehmes Stadtbild.
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Ein Monat China neigt sich dem Ende und immer wieder gibts Dinge, die ein ungläubiges Kofpschütteln verursachen. Ein paar Beispiele:

Auto mit Vollausstattung
Das Auto ist ein Statussymbol in China, wie überall auf der Welt. Auch wenn ich inzwischen zu der Überzeugung gekommen bin, dass hier einfach keine Sau Auto fahren kann, will jeder Chinese zumindest ein ordentliches Auto vorweisen können. Es gibt jedoch einige chinesische Vorlieben, die ein Europäer nicht so ganz nachvollziehen kann.
Autos verkaufen sich in China nur mit Lederausstattung, ohne bleibt das Auto wie Blei beim Autohändler liegen. Statt ihre tollen Ledersitze nun auch voller Stolz zu präsentieren, kauft jeder, wirklich JEDER Chinese potthässliche Schonbezüge mit Hündchen, Bienen oder Hasen in Plüschoptik.
Auch die Klimaanlage ist ein Must-Have, benutzt wird sie trotzdem nicht. Egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, es wird mit offenen Fenster gefahren. Noch schärfer sind allerdings die spärlichen Cabrio-Besitzer, die fahren grundsätzlich mit geschlossenen Verdeck – egal wie schön das Wetter draußen ist.

Wie man sich bettet…
Beim Schlafen sind Chinesen alles andere als anspruchsvoll, sie brauchen nur eine Fläche auf die sie 60% des Körpers legen können und schon fallen sie in tiefsten Schlaf.Egal ob um sie herum noch Menschen laufen, das Licht an ist oder ob es am Steuer eines Taxis während einer Rotphase ist.

Ich hab schon zwei Bauarbeiter beim Innenausbau eines Ladens auf den Boden schlafen sehen. Richtigerweise lag einer auf einer Rigipsplatte, die wohl etwas weicher war. Ein paar Meter weiter lag dann einer unter einer Fußgängerbrücke mitten im Weg, dass man aufpassen musste, nicht ausversehen über ihn zu stolpern.
So ganz unverständlich ist das allerdings nicht, denn die Betten in China sind unglaublich hart. Bretthart trifft es wohl ganz gut. Egal wie dick die Matratze ausehen mag, sie wird definitv hart sein. Allerdings schläft es sich mit der Zeit trotzdem recht gut auf den Brettern.

Nur mit Anzug
Downtown-Street, eine kleine Amüsiermeile in Suzhou kurz vor 8 Uhr – beste Essenszeit also. Uns zieht es zum Japaner, als mir eine kleine Chinesin entgegenkommt. Ich muss zwei mal hingucken, bevor ich realisiere, dass die Dame einen Schlafanzug und Puschel-Schlappen an hat. Die Expats mit denen ich hier unterwegs bin meinen lapidar: “Da gewöhnt man sich dran, ist doch ganz normal hier.”
Es ist einfach so, wenn ein Chinese im Bett liegt und während des Einschlafens eine zündende Idee hat oder ihm einfällt, dass er noch was besorgen muss, dann springt er aus dem Bett, zieht seine Pantoffeln an und macht sich auf den Weg. Warum erst anziehen, ein Schlafanzug ist ja auch ein Anzug, also irgendwie jedenfalls…

“Jedes Jahr werden in den Städten drei neue Hotels gebaut”, erzählte uns Tashi, unser Guide in Tibet, als wir unser Hotel nicht finden konnten. Selbst er kannte sich nicht immer aus in seinem Land – wie soll es dann erst uns gehen.

Wir fanden z.B. gestern unsere Buslinie nicht, die wir vor kurzem noch genutzt hatten, um aus der Innenstadt Suzhous zu unserem Domizil zu gelangen. Die Linie stand einfach nicht auf dem Plan, den ich vor mir hielt. Wir wussten aber definitv sie war da! Es musste sich um eine neue Linie handeln, die, obwohl der Busplan neu war, nicht eingezeichnet war.

Irgendwie fanden wir auch die Bushaltestelle, an der wir letztens zugestiegen waren und tatsächlich kam auch unser Bus – was für ein Glück! Vielleicht aber auch Pech, denn obwohl Busfahren trotz manchmal abenteuerlichen Fahrzeugen eigentlich immer ganz angenehm gewesen war, erwischten wir an diesen Tag einfach nur total beschissene Busfahrer.

Für die war nicht nur Schalten ein Fremdwort, auch Bremsen, überholen und an Bushaltestellen stoppen, war nicht so ihr Metier. Erst wurde wie bescheuert angefahren, dann irgendwie überholt, wenns nötig war, wurde auch eine dritte Spur auf der Gegenfahrbahn aufgemacht. Gehupt wird sowieso, das ist klar, auch wenn der Bus 2cm hinter einem anderen steht und der Busfahrer so überhaupt nicht sieht, was eigentlich vor dem andern Fahrzeug los ist.

An manchen Bushaltestellen wird erst gar nicht angehalten, wenn keiner aufspringt und raus möchte. Dafür halten sie dann auch außerplanmäßig irgendwo auf der Straße, wenn jemand raus möchte. Bis dahin ist mir das eigentlich relativ Schnuppe gewesen, aber ein Busfahrer hat mich einfach total fertig gemacht. Er hat nicht nur sämtliche schon angesprochene Punkte erfüllt, er setzte noch einiges oben drauf.

Gleich nach dem Einsteigen fährt der Spinner doch tatsächlich auf den Radweg und versucht aus irgendeinem Grund, den nur er kennt am stehenden Verkehr vorbeizu kommen. Nur ist der Radweg etwas schmal für einen Bus, also kratzen wir rechts mit den Reifen an den Bordstein und links an den stehenden Verkehr vorbei. Kurz darauf fährt er fast eine Radfahrerin mit Kind um und seine einzige Reaktion ist ein Hupen – nichts von bremsen zu sehen.

Als er dann meint 20 Meter vor der Bushalte noch mal zu überholen, reicht es mir: Ich möchte raus! Sofort! Auf wundersame Weise schafft der Busfahrer das Überholmanöver, bzw. ist gerade noch dabei, als er auf die Bremse latscht. Das Fahrzeug bleibt quer über zwei Fahrbahnen stehen und wir springen raus.

Ich hänge doch zu sehr an meinem Leben, als dass ich in einem Bus einen Herzinfarkt bekommen möchte. Beunruhigend ist allerdings, dass außer uns keiner der Fahrgäste aussteigt, als normal möchte ich so eine Fahrweise nicht mal in China bezeichnen.

So langsam endet der Monat in China und so langsam muss der Magen sich wieder umgewöhnen an das fettige und einfallslose deutsche Essen. Gut, dass es in Suzhou für alles eine Lösung gibt:

Wer China noch nie bereist hat, wird nach dem Eintreffen sehr bald zu dem Schluss kommen, dass Chinesen wohl alles schwerhörig sind. Das erste erhellende Erlebnis dazu hatte ich gleich nach der Landung in Shanghai in der U-Bahn. Ein Chinese brüllte dermaßen laut in sein Telefon, dass er die gesamte Bahn unterhalten konnte. Was in Deutschland wohl für skeptische Blicke sorgen würde, ließ hier bei keinem der Umstehenden eine Wimper zucken.

Doch nicht nur beim Telefonieren wird gebrüllt, überall schwillt hier schnell das Stimmorgan an. Auf der Straße begegnet man häufig alten Frauen, die sich gegenseitig anbrüllend herumwatscheln. In Restaurants, auch gehobenen, geht es zu wie im Bierzelt, jedenfalls akustisch. Chinesen sehen es gar nicht ein leise zu sein, es wird einfach überall gelärmt – keine vornehme Stille, wie in Deutschland ist zu finden.

Bei Führungen durch Gärten, Tempel und sonstigem kulturellen Orten wird deshalb auch gerne auf Mikrofone, Megafone und sonstige Fone zurückgegriffen, um die wild schnatternden Touristengruppen zu übertönen, was dann für noch mehr Lärm sorgt. Es ist schon sehr befremdlich, wenn man an einem herrlich ruhigen Teich sitzt und plötzlich eine laut krächzende Stimme zu hören ist und innerhalb von 2 Minuten eine Horde Touristen vorbeistapft, fleißig Fotos schießt und dann wieder im Nirgendwo verschwindet. So Klischeehaft sich das anhört, so real ist es doch in China – ich seh’s ja jeden Tag.

Um in diesem lauten Land überhaupt noch gehört zu werden, muss man noch lauter brüllen als die Massen. Deshalb wird in Einkaufsstraßen dazu übergegangen riesige Lautsprecher aufzustellen, aus der in Festivallautstärke Musik bummert. Hier, so die Botschaft, hier gibt es was zu kaufen. Und was soll ich sagen, es klappt. Wie Fliegen zum Licht, strömen Chinesen zu lauten akustischen Quellen.

Das hat die Nebenwirkung, dass Ausländer fast einen Hörsturz erleiden, wenn sie in eine chinesische Kneipe kommen. Neben dem üblichen Geschnatter der Gäste ist meist der Fernseher auf volle Lautstärke aufgedreht. Egal was kommt, Hauptsache es ist laut. Überall läuft Musik, selbst in Taxis. Dummerweise haben Taxis ihre Lautsprecher meist nur hinten angebracht. Der chinesische Fahrer kann dann nur unverständlich gucken, wenn die Langnasen sich erdreisten die Musik leiser zu machen. Für Chinesen ist Stille einfach unerträglich.

Das ist wohl auch der Grund, warum die Chinesen Feuerwerk so lieben, denn viel mehr als die Raketen mit ihren wunderschönen Explosionen lieben die Chinesen die Böller. Solche Teile würden in Deutschland wohl nie zugelassen werden, hören sie sich doch – wirklich ohne Übertreibung – an, als würde ein Haus abgerissen oder eine dicke Kanone abgefeuert.

Chinesen sind Lautstärkejunkies, da können unsere Goldkettchen behängten Golf- und Opel-Proleten mit ihren kleinen 1000 Wattverstärkern einpacken.

So – und mit diesem Wissen versuch mal in einem Schlafwagen zu schlafen, wenn zwei Chinesen, die zwar Kopfhörer aufhaben, aber die Lautstärke auf Maximum eingestellt haben, im Bett über dir fernsehen. Ich weiß nicht, wie die schlafen konnten, denn ich verstand ohne Kopfhörer schon jedes Wort.

Vielleicht sind die hier wirklich alle schwerhörig…

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