Wenn es dunkel wird in Peking, dann gehen die Lichter an und wer China schon bereist hat, der weiß, sobald Chinesen mit Licht spielen dürfen, sieht alles einfach wunderbar aus. Chinesen sind wahre Lichtkünstler, das sieht man am neuen Olympiastadion und am Water Cube genauso wie an den unzähligen Tempeln, aber auch Hotels und Kneipen. Alles wird stimmig angeleuchtet, mit Lichterketten Konturen geschaffen und mit farbigen diffusen Strahlern die Flächen bunt ausgeleuchtet. Chinesen malen mit Licht.

Besonders schön sieht das natürlich aus, wenn man in den Hutongs unterwegs ist, so auch in meiner Lieblings-Barstraße, der Nanluoguxiang. Da wird zusätzlich noch mit Lampions die chinesische Tradition gepflegt. Hier reiht sich Bar an Bar, zwischen hipper Szenekneipe mit 50-Yuan Bier aus Blumenvasen gibt es hier auch kleine dreckige “Löcher in der Wand” die alle Getränke für 10 Yuan ins Volk gießen.

So richtig schön wird es hier aber erst, wenn man eine Kneipe erwischt, die eine Dachterrasse besitzt. Das ist trotz der geringen Höhe der Häuser, teilweise sehr schwer einsehbar. Eine Bar, die definitiv eine Dachterrasse hat, ist das Tibet-Cafe. Die ist relativ zentral in der Nanluoguxiang zu finden und mit ihrem tibetischen Architektur-Stil kaum zu übersehen.

Die Bar ist, wie alle anderen Bars in dieser Straße sehr klein, aber nicht so klein wie Pekings kleinste Bar (12qm), die hier auch zu finden ist. Das schöne an der Tibet-Cafe ist natürlich die Dachterrasse von der man prima die vorbeiziehenden Menschen beobachten kann, was mich dann glatt an meine Tibetreise im letzten Jahr erinnerte. So richtig in Erinnerungen schwelgen konnte ich dann aber erst, als ich mein erstes Lhasa-Bier trinken durfte. Das ist sicherlich ein gewöhnungsbedürftiges Gebräu, aber mir schmeckt es – vielen anderen überhaupt nicht.

Wer also mal in Peking kurz vorm verdursten ist, der kann sich in der Tibet-Cafe mal den Geschmack von Tibet ins Glas holen. Vielleicht sollte er aber gleich noch ein anderes Getränk zum Nachspülen bestellen, falls das Lhasa-Bier doch nicht schmecken sollte. Dabei rate ich aber von Butter-Tee ab, das wäre dann ein klarer Fall von Regen in die Traufe.

Wer mit dem Geschmack Tibets überhaupt nichts anfangen kann, der findet in der Nanluoguxiang sicherlich eine Bar die ihm besser gefällt.

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