Weil ich in dieser Woche schon bei Zeitungsempfehlungen bin, hier gleich noch eine: Der Freitag. Eine “neue” linke Wochenzeitung, die sich man höre und staune mehr durch Qualität, denn Quantität auszeichnen möchte. Irgendwie zu schön, um wahr zu sein.

Doch ein erster Blick auf die Webseite der Zeitung scheint genau diesen Eindruck zu vermitteln. Die Artikel, die ich mir zu Gemüte führte, zeichnen sich tatsächlich durch enorme Tiefe und Gründlichkeit aus. Hier gibts kaum kurze Meldungen zu unsinnigen Themen – ist zwar irgendwie klar, da es sich bei Der Freitag um ein Wochenblatt handelt, aber dennoch bemerkenswert.

Auch die Vielfalt der Themen ist beachtlich, vor allem die vergleichbar hohe Anzahl an Internet-Themen ist beachtlich. Als Beispiel in den Raum geworfen, der lesenswerte Beitrag zum Thema Internetwahlkampf in Deutschland von Jens Berger, dem hoffentlich vielen bekannten, weil immer lesenswerten Spiegelfechter.

Beim Blick auf die Webseite wird auch deutlich, dass Der Freitag ein sehr “Web-Zwo-Nulliges” Konzept besitzt. Die Leser werden an allen Ecken und Enden aufgefordert sich zu beteiligen, nicht nur in Form von Kommentaren, auch in Blogbeiträgen, die man dann auch an Artikel knüpfen kann. Eine sehr weiche Version eines professionell-partizipativem Beteiligungskonzeptes, da sehr gute Artikel auch den Weg in die Printausgabe des Freitages finden können.

Eine Zeitung also, die den eigenen Leser ernst nimmt – dass wäre tatsächlich zu schön, um wahr zu sein. Denn, wenn ich mal mein Nähkästchen aufmachen darf, Journalisten zeichnen sich sehr selten durch eine besonders enge Bindung zu ihren Lesern aus – Kritik an Artikeln, wird eher als Beleidigung, denn Verbesserungsvorschlag angesehen. Verleger von Der Freitag, Jakob Augstein, Sohn des legendären Spiegel-Gründers unterstreicht die Ernsthaftigkeit auch ganz offiziell in einem kleinen Video.

Sollte das Konzept wirklich aufgehen, dann wäre das ein sehr großer Schritt für den – ich hasse dieses Wort – Graswurzeljournalismus in Deutschland.

Ich habe mir jedenfalls mal ein Probe-Abo von Der Freitag bestellt, da gibts 3 Ausgaben kostenlos. Wenn sich der gute erste Eindruck bestätigen sollte, wirds vielleicht sogar ein richtiges Abo.

Das hört sich anachronistisch an? Irgendwie schon, aber ich bin bereit für Qualität auch zu bezahlen.

Share it:
  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • del.icio.us
  • MySpace
  • Netvibes
  • Wikio