11.
April
2008
Der Aufreger des Tages scheint ja heute das gefälschte Polylux-Interview zu sein. Das “Kommando Tito von Hardenberg” platzierte im Beitrag “Alltagsdroge Speed” einen falschen Interviewpartner, der von einer Diät mit der Droge palaverte.
Kurz nach Ende der Sendung wurde ein Bekennerbrief des Kommandos Tito von Hardenberg ganz im Stile der RAF veröffentlicht. Dabei wurde die krude Sprache der Revolutionäre satirisch aufgegriffen:
Kommando Tito von Hardenberg“ aus dem Umfeld der Hedonistischen Internationalen aufgesessen. Das Magazin strahlte heute einen Beitrag über die „Alltagsdroge Speed“ aus.
Natürlich lassen sie sich auch über die Gründe der Aktion aus:
„Wir haben die plumpe Internetrecherche von Polylux zum Anlass genommen, die Legende des Speed-Patienten „Tim“ zu erfinden und zum Drehtermin ein kleines Schauspiel vorzuführen. Erschreckend, wie einfach es ist, selbst gewählte Inhalte in Massenmedien zu platzieren und so gesellschaftliche Wirklichkeit werden zu lassen.“
Ein bisschen doof ist es dann natürlich gerade Polylux für solch eine Aktion zu wählen. Die ja schon lange in der Kritik stehen gesellschaftliche Randerscheinungen zu Zeitgeist aufzublasen – also scheinbar schon selbst und ohne Hilfe von Kommandos gesellschaftliche Wirklichkeit verfälschen. Wenn man bei einem Magazin das im Ersten um kurz vor Mitternacht läuft einer solch starken sozialen Wirkung mal zutraut.
Diese kleine Fehler schmälert allerdings nicht die Richtigkeit der nachfolgenden Aussagen:
Zentrale Bereiche des Journalismus werden an unterbezahlte Praktikanten ausgelagert, denen es aufgrund prekärer Arbeitsverhältnisse und des daraus resultierenden Drucks schwer möglich ist, ausreichend Zeit und Ressourcen in ihre Arbeit zu investieren.
Das deckt sich mit meinen Erfahrungen in einigen Medienbetrieben, in denen Recherche tatsächlich größtenteils auf den Schultern von Praktikanten lastet. Selbst gestandene Redakteure mit vielen Jahren Berufserfahrung beschränken sich häufig auf einer simplen Google- oder gar (Schande, Schande) Wikipedia-Recherche. Der Zeitdruck in vielen Redaktionen verleitet also nicht nur Praktikanten zu schlampiger Arbeit.
Wie schnell Medienberichte in die Medien kommen und da auch noch aufgebauscht werden ist zwar nicht erst mit dieser Aktion klar geworden aber vielleicht wird dadurch einer größeren Bevölkerungsschicht die Problematik bewusst und eine etwas höhere Sensibilität gegenüber Medienberichten erzeugt. So lange die Bildzeitung sich aber so gut verkauft und Magazine mit offensichtlich gekauften Beiträgen erscheinen, ist das wohl ein Wunschtraum.
Auch wenn’s in meinen Augen etwas geschmacklos ist, hier noch das zusätzlich erschienen “Bekennervideo”:

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