01.
Juni
2009
Manche Dinge sind schwer nachzuvollziehen. Wenn man beispielsweise beim Spiegel lesen muss, dass Familienministerin Ursula und Wirtschaftsminister Karl-Theodor auf der Popularitätsskala nach oben geschossen sind. 64% (Ursl) bzw. 60% (Karli) der Deutschen wollen, dass die beiden eine wichtige Rolle in der Politik spielen sollen. Dabei stümpern sich beide im Moment mehr schlecht als recht durch ihr Amt.
Mal wieder ein schönes Beispiel, wie sinnlos solche Beliebtheitsumfragen sind. Denn statt Popularität zu messen, wird besonders bei dieser seltsamen Umfrage eher der Erfolg des Medien-Primings gemessen. Also wie gut die Medienberichterstattung Einfluss nimmt auf die Bewertung von Politikern. In Zeiten, in denen Guttenberg oder von der Leyen ständig ihr Gesicht in die Kamera halten, um ihre teilweise recht wirren Ideen zu verkünden, ist es nicht schwer, dass es große Zugewinne in der “Beliebtheit” gibt.
Die größten Gewinner dieser Umfrage sind demnach auch die Politiker, die vermehrt in der Berichterstattung zu finden waren. Horst Köhler beispielsweise, der nichts anderes tun musste, um sich wiederwählen zu lassen, um seine Spitzenposition in der Spiegel-Beleibtheitsskala auszubauen. Wirtschaft- und Finanzminister konnten ebenfalls ihre Position ausbauen, was wohl nicht zuletzt an der vermehrten Medienberichterstattung liegen wird.
Es ist schon erschreckend einfach, wie das Politik-Medien-Gespann zu funktionieren scheint. Wer sich mediengerecht inszeniert und die potenzielle Wichtigkeit seines Themas gut rüberbringt, der wird zum Medienstar. Es wird immer wichtiger sich gut zu verkaufen, statt gut zu arbeiten. Wichtig ist, im Gespräch zu sein, denn nur der kommt in die Köpfe der Menschen und der wird potenziell als “wichtig” für die Politik eingestuft.
Das Beste, um im Gespräch zu bleiben, sind natürlich populistische Themen, Symbolpolitik und das übliche “Starke-Mann”-Gepose.
Wir sind auf dem besten Weg in Richtung Entertainment-Politik. Bald wird es heißen “Deutschland sucht den Superkanzler.” In der Jury Dieter Bohlen mit seinen üblichen Kommentaren: “Duuuuu Ursi, also das mit den Haaren geht ja gaaaaar nich, du siehst aus wie mein Pudel untenrum. Guck dir ma den Karl Theodor an, der hat sich wenigstens gestylt, mit seiner Pomade im Haar.”
Der Politiker von heute legt viel mehr Wert darauf populär zu sein, als ernst genommen zu werden. Politikertypen der Marke Franz Joseph Strauß wird es heute nicht mehr geben. Leute, die polarisieren, die auch mal den Hass einer ganzen Generation auf sich nehmen und trotzdem nicht umfallen.
Das soll jetzt nicht heißen, dass ich die Strauß’sche Machtgeilheit und sein seltsames Demokratieverständnis gutheißen möchte, aber mal ehrlich: Solche Typen gibt’s nicht mehr, Leute, die sich einen Scheiß um ihre Popularität kümmern.
Wir müssen uns in diesen Tagen mit Weichspühl-Politikern rumärgern und selbst die Medien machen mit, beim großen Politikercasting. Ruft jetzt an und sagt, wen ihr in der nächsten Runde sehen wollt!

2. Juni 2009 um 17:01
Es heißt nicht “Deutschland sucht den Superkanzler”, sondern “Ich kann Kanzler“
2. Juni 2009 um 21:00
@ Buzze:
Bist Du eigentlich der, der auch aufm Sockenblog als Provinzblogger unterwegs ist?^^
2. Juni 2009 um 21:49
@Thearcadier: Jo, zwei Namen eine Person.
@Eli: Das hatte ich auch im Hinterkopf