Bald geht’s los mit der Fußball-WM und die ganze Nation freut sich auf das Großereignis. Die ganze Nation? Nein! Im Hörsaal 2 der Uni Augsburg gab es gestern einen, der sich dafür zutiefst schämt, die WM ins eigene Land geholt zu haben – Martin Sonneborn.

Der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins Titanic und Vorsitzender der „Partei“ kam gestern also nach Augsburg, um eine Multimedia-Lesung über seine Partei zu halten und nicht zuletzt, um zu erklären, wie er im Jahre 2000 die WM nach Deutschland holte.

Es konnte also nur ein kurzweiliger und vor allem lustiger Abend werden. Zu den Klängen vom Lied von der Partei (Die Partei hat immer recht), das ja schon die SED in der DDR nutzte, kam der Bundesvorsitzende unter frenetischen Applaus in den Hörsaal. Mit dem Satz: „Ich freu mich heut hier in …Dings zu sein“ hatte er dann auch alle lokalpatriotischen Zuhörer auf seine Seite gezogen und begann auch gleich seinen Wahlkampf für die Bundespartei, die Ortsgruppe Augsburg und natürlich für die Hochschulgruppe der Uni Augsburg.

Er ließ zuerst seine Wahlkämpfe für die FDP und SPD Revue passieren. Sonneborn ist in allen großen Parteien Mitglied, da er bei Wahlkämpfen gern auf der Gewinnerseite steht. Das hielt ihn nicht davon ab, bei der bayerischen Landtagswahl SPD-Wahlkampf mit dem Slogan „Wir geben auf“ zu machen. Nach diesem kurzen Exkurs, der die politische Kompetenz der Titanic erläuterten sollte, erklärte er uns den Schritt zur Gründung von der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative. Die Forderungen sind klar: Verschmelzung der neuen Bundesländer zur SBZ (Sonderbewirtschaftungs-Zone) und deren bauliche Abgrenzung zum Rest der Republik – vorzugsweise durch eine Mauer. Dahinter solle dann auch das Merkel weggesperrt werden. Denn so lange das Merkel hinter der Mauer gesessen hatte, so lange ging es uns gut, so die Begründung von Martin Sonneborn. Der zweite wichtige Punkt im Parteiprogramm: Wir versprechen allen alles. Endlich mal eine Partei, die auch meine Wünsche berücksichtigt!

Nach einer kleinen Pause kam Sonneborn dann auch endlich auf die WM zu sprechen. Wie sein ziemlich dilettantischer Bestechungsversuch (er versprach Schinken, Würstchen und eine Kuckucksuhr) beim neuseeländischen Fifa-Mitglied Charles Dempsey anscheinend zu dessen Stimmenthaltung im entscheidenden Wahlgang führte und die WM nach Deutschland ging. Ein Aufschrei ging dann natürlich durch die internationale Presse. Die Bild druckte sogar die Nummern der Titanic-Redaktion ab und meinte man solle dort doch mal anrufen und denen die Meinung sagen. Das fassten viele aufgebrachte ältere, teils auch verwirrte Menschen natürlich als Befehl auf und riefen dort an. Was sie nicht wusste, Sonneborn schnitt einige der Anrufe mit, die er uns dann vorspielte. Mein Favorit: „Im Rechtsstaat gehören Leute wie Sie ins KZ.“

Damit ging dann auch ein wirklich gelungener Satireabend zu Ende. Was bleibt, sind die Fragen: Wie zum Teufel kommen die Titanic-Redakteure immer auf so einen wahnwitzigen Blödsinn und wie schafft Martin Sonneborn selbst, wenn er den größten Nonsens erzählt so ernst zu bleiben?! Eigentlich ist es auch egal, aber so gelacht hab ich schon lange nicht mehr!

5 von 5 Popkorntüten für absolut gelungene Satire
Spitzenklasse
Share it:
  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • del.icio.us
  • MySpace
  • Netvibes
  • Wikio