10.
Juni
2006
Was noch negativ auffiel, aber das bin ich in Bayern ja schon gewohnt, war die sehr starke Fixierung auf Bayern München. Lehmann wurde nach den beiden Gegentoren rigoros ausgebuht und Olli-Rufe wurden skandiert. Was Kahn in den beiden Situationen besser gemacht hätte, erschloss sich mir nicht. Die Fußball-Kompetenz der Leute, die am lautesten Olli schrien, war aber anscheinend nicht sonderlich hoch. Ich hörte Gesprächsbrocken, wie: „Wo spielt der Arne Friedrich eigentlich? – Bei Dortmund… ja, bei Dortmund!“ Am Ende der ersten Halbzeit fragten sich zwei sehr offensichtliche Bayernfans: „Wer hat denn jetzt eigentlich die Tore geschossen? – Mh… Podolski und Klose waren’s.“ Ja, ja manchmal ist es schwer, dem Spiel zu folgen. Vor allem, wenn man literweise Bier (mit gepfefferten Preisen) trinkt.
Als wir dann nach dem Spiel hungrig aufbrachen, gab’s die nächste Schlange an diesem Tag: Die U-Bahn war verständlicherweise extrem voll. Also wieder eine halbe Stunde rumstehen. Bis wir endlich etwas essen konnten, war die erste Halbzeit von Polen gegen Ecuador schon fast rum. Erstaunlich waren die Menschenmassen, die trotz der späten Stunde immer noch durch die Gegend liefen und „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ riefen. Fast hätte man meinen können, Deutschland wäre schon Weltmeister.
Warum noch so viele Menschen unterwegs waren, hatte sicherlich zwei Gründe. Einerseits waren wir ja in München und nicht in Augsburg, da leben halt einfach mehr Menschen. Auf der andern Seite gab’s dann noch die Bahn, die fuhr nämlich nicht gerade oft. So kam es, dass der Regionalexpress halb 12 noch vollgepackt mit Fans zurück nach Augsburg aufbrach.
Aus irgendeinem Grund brauchten wir dann bis Pasing locker 25 Minuten. Die Stimmung war bei uns an diesem Punkt schon auf dem Tiefpunkt. Die Fans, die unter uns im Abteil saßen und zum 15.320mal „54, 74, 90, 2006“ von den Sportfreunden sangen gingen uns mittlerweile dermaßen auf den Geist, dass wir fürs Erste (also bis heute Morgen, beim Aufstehen) keine Lust mehr auf Fußball hatten. Das ist der Preis, den man zahlt, wenn man 6-7 Stunden in der Gegend rumsteht.
Das nächste Spiel gucken wir in Augsburg auf dem Rathausplatz, von München haben wir jetzt erstmal die Nase voll. Dann lieber etwas kleiner und familiärer in unserem Provinznest
Das einzig Positive am gestrigen Tag war, neben dem Sieg der Nationalmannschaft, die Freude und Ausgelassenheit der Fans aus aller Welt und die Feststellung, dass mexikanische Fans am lautesten Singen können.
Das beste Fazit für das gestrige Eröffnungsspiel, hörten wir auch von Fans: „Ooooohne Abwehr, fahr’n wir nach Berlin! Oooohne Abwehr, fahr’n wir nach Berlin!“
Da gibt’s nichts hinzuzufügen, außer noch ein paar Fotos.
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11. Juni 2006 um 16:35
Auch ich war am Freitag in München. Da ich dort sowieso beruflich zugegen war, wollten wir uns auch auf zum Oly machen, doch unsere Vorhut berichtete und schon rechtzeitig per Handy, dass ein Durchkommen nahezu unmöglich sein.
Kurzerhand wurde der Beamer im Büro aufgebaut, die Empfangsmöglichkeit via DVB-T und USB wurde bereits eingerichtet. Zudem hatten wir nicht unzufällig noch ein paar Helle im Kühlschrank.
Schön war’s !
11. Juni 2006 um 16:36
Der Zug zurück in die Heimatprovinz um 20.05 Uhr war übrigens seeehr leer.