28.
Juli
2006
Fluch der Karibik 2
(USA 2006)
Regie:
Gore Verbinski
Buch:
Ted Elliott &
Terry Rossio
Darsteller: Johnny Depp, Orlando Bloom, Keira Knightley, Bill Nighy
Länge: 150 Minuten





Hätte Jack (Johnny Depp) nicht immer so viel Wert darauf gelegt Captain Jack Sparrow genannt zu werden. So steht er nun Davy Jones (Bill Nighy) gegenüber, dem fleischgewordenen Albtraum der Seefahrer. Riesengroß, mit einer gewaltigen Krebsschere als linke Hand und einem Gesicht, das aussieht als habe er eine Krake auf dem Kopf und die Tentakel bilden den Bart.
Jones fordert Jacks Schuld ein. 13 Jahre durfte er nämlich Captain der Black Pearl sein, die Jones ihm vom Grunde des Ozeans geholt hatte. Obwohl er rein rechnerisch nur 2 Jahre Captain war und den Rest der Zeit Barbossa und der Pearl hinterhergejagt ist, hat er sich letztlich immer als Captain betitel. Seit dem ersten Teil wissen wir, dass Piraten immer sehr genau auf den Wortlaut ihrer Vereinbarungen achten, so auch Davy Jones. Er verlangt Jacks Seele. 100 Jahre soll er Dienst tun auf der Flying Dutchman, dem Geisterschiff des Kraken-Captains.
So ganz anfreunden kann sich Jack damit natürlich nicht und verspricht Jones 100 Seelen für seine – und das in drei Tagen! Als Anzahlung bekommt er gleich den ahnungslosen William Turner (Orlando Bloom), der glaubt damit seine zukünftige Frau Elizabeth (Keira Knightley) aus dem Gefängnis befreien zu können und trifft auf dem Schiff nebenbei noch seinen Vater (Stellan Skarsgård). Dass Jack die 100 Seelen kaum auftreiben kann, ist klar. Eigentlich verfolgt er einen ganz anderen Plan: Er will Davy Jones Herz, das dieser in einer Kiste auf irgendeiner Insel versteckt hat. Doch dazu braucht er Elizabeths Hilfe, sein aus Teil 1 bekannter Kompass scheint bei ihm nicht mehr richtig zu funktionieren.
Verfolgt von Davy Jones und seiner Riesenkrake, beginnt der Wettlauf zur Truhe, der nach gewohnter Bruckheimer- Manier natürlich ziemlich actionreich ausfällt. An dessen Ende stehen die Figuren für den dritten Teil in Position und es gibt den größten Cliffhanger der letzten Jahre.
Das ist zwar genial, wertet den zweiten Teil aber etwas ab. Wirkt er so doch weniger als eigenständiger Film und mehr als Wegbereiter für Teil drei. Da schielt man schon mal zu anderen Trilogien, wie Back to the Future oder Star Wars 4-6, die das besser hinbekommen haben. Anteil daran hat auch die Länge des Films. 150 Minuten wären nicht nötig gewesen, um diese Geschichte zu erzählen. So entstehen einige Längen im Film, die man durch konsequenteren Einsatz der Schnittschere hätte vermeiden können. So hält sich der Film an manchen Szenen einfach zu lange auf.
Vor allem die beiden trotteligen Piraten aus Teil 1 Ragetti und Pintel bringen den Film nicht wirklich weiter und Bremsen ihn ständig aus. Nicht nur durch sie wird die Slapstick-Rate in Fluch der Karibik noch mal deutlich erhöht. Was auch nötig ist, denn die vielen Erzählstränge und Charaktere erfordern einiges an Konzentration, ein wenig Lachen lockert da die Stimmung.
Insgesamt wirkt die Story sehr bruchstückhaft, ständig hüpft man von Insel zu Insel und Schiff zu Schiff. Dabei werden aber alle gängigen Piratenklischees bedient. Der obligatorische Besuch auf Tortuga gehört dazu, ebenso eine Voodo-Pristerin in einem Sumpf (Monkey Island lässt grüßen) und die extrem abergläubischen Matrosen verschiedener Schiffe. Nicht zu vergessen die komplett computeranimierte Crew um Davy Jones und seine Riesenkrake.
Bei diesem Overkill an Bildern, Eindrücken und Charakteren ist es schwer, für die Darsteller wirklich herauszuragen. Bloom überzeugt mich wieder nicht, was vielleicht an seinen einfach zu naiv-ehrenhaften Charakter liegt. Neben ihm wirkt Kira Knightly etwas besser, aber auch schlechter, als in Teil eins. Wirklich klasse gefiel mir wieder Kevin McNally als Jacks rechte Hand Gibbs. Ein wunderbar schräger Charakter, den McNally hier mit Leben erfüllt. Er ist stärker als in Teil eins. Strahlt sein Gesicht in einen Moment Ruhe aus, kann es sich im Nächsten gleich wieder in abergläubische Panik auszubrechen. Getoppt wird das Ganze nur von Johnny Depp und Bill Nighy.
Obwohl auch Jack Sparrow den Film nicht mehr so souverän bestimmt, wie noch Teil eins, ist er dennoch der einprägsamste Charakter. Immer wieder wendet der Pirat seine Fahne im Wind, um irgendwie seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Alles andere als heldenhaft torkelt er über die Planken seines Schiffes und diverse Inseln, dabei muss man ihn einfach lieben. Das ist ganz allein Depps verdienst, der Sparrow so unverwechselbar verquer spielt. Man wünscht sich immer wieder, dass Jack noch mehr Szenen im Film bekommen hätte.
So muss sich Jack den Thron des stärksten Charakters mit Davy Jones teilen. Viel ist von Bill Nighy ja nicht mehr zu sehen. Nur seine Bewegungen, Körpersprache und Mimik wurden übernommen, der Rest ist, vom Stifel bis zur Hutspitze computeranimiert. Doch das ist beileibe kein Nachteil. Wirkt das Gesicht des verfluchten Piraten doch wesentlich facettenreicher als z.B. das von Bloom. Obwohl Barbossa, der Bösewicht aus Teil eins auf mich Furcht einflößender wirkte, ist Davy Jones wesentlich präsenter auf der Leinwand. Seine flinken Augen und sein manchmal schelmisches Grinsen sind einfach wunderbar in Szene gesetzt.
Alle anderen Darsteller sind zwar gut, wie z.B. Jonathan Pryce, Stellan Skarsgård oder Jack Davenport. Kommen aber gegen Depp, Nighy und das Effektfeuerwerk kaum an. Ich hoffe das gerade der großartige Skarsgård im nächsten Teil noch Gelegenheit bekommt sein Talent zu zeigen.
Fazit: Fluch der Karibik 2 hat mich ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht. Handwerklich ist er ganz klar auf höchstem Niveau, die CGI-Effekte sind beeindruckend. Leider verzettelt sich der Film ein wenig mit der Story, wodurch einige Längen entstehen. Da frag ich mich langsam, warum es für Filmemacher in letzter Zeit so schwer ist, kurze Filme zu machen. Wenn Teil drei ähnlich gestreckt wird, wie Teil zwei, hätte man aus der Story einen Film machen können. Trotzdem ist Fluch der Karibik 2 kurzweilig, gerade die zweite Hälfte des Films ist witzig, tempo- und actionreich. Durch die vielen Anspielungen auf Teil 1 fühlt man sich als Fan gut aufgehoben.
Ohne den abschließenden Teil 3 und für sich allein genommen wirkt der Fluch der Karibik 2 aber nicht ganz Rund und hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack. Ein zweiter Teil eben, der etwas in der Luft hängt und nur als Zwischenetappe von Teil 1 zu Teil 3 zu sehen ist.
Hier wird zu viel auf einmal gewollt und letztlich nichts Neues geschaffen. Ohne Teil 3 gesehen zu haben, kein kompletter Film.


28. Juli 2006 um 16:57
“Man wünscht sich immer wieder, dass Jack noch mehr Szenen im Film bekommen hätte.”
DU schon – ich nicht!
Johnny Depp hat aus dem Piraten Jack S… – sorry – natürlich CAPTAIN Jack Sparrow einen genialen Charakter gemacht, aber in Teil 2 war es meiner Meinung nach schon fast eine Überdosis. Johnny nützt wirklich JEDE Gelegenheit für irgendeine tuckige Bewegung (oder sonst was in der Richtung). Als Jack auf der Black Pearl aus Stiefelriemen Bills Flasche trinkt, hab ich schon richtig auf den Depp’schen Zungenwackler (vgl. Adrenochrom in “Fear and loathing in Las Vegas” und das Raupenschmankerl in “Charlie und die Schokoladenfabrik”) hab ich richtig gewartet – und siehe da, er kam auch.
OK, man könnte es auch so sehen: Johnny geht richtig in dieser Rolle auf!
Aber wie gesagt: mir war es schon fast zu viel.
Mir ist auch noch ein tolles Beispiel für die Sprünge (und seltsamen Zufälle) in der Story eingefallen: Jack usw. wollen die Truhe öffnen, und auf einmal steht da der Willi, auch gern mal William Turner genannt. Wirklich mal ein grandioser Auftritt…
Eine Sache wollte ich noch los werden : die Dialoge (bzw. deren Übersetzungen) waren z. T. richtig grauenhaft, z. B. bei dem Piraten, der den Standort der Black Pearl kennt, weil er auf dieser Insel immer mit Fleisch (von den Kannibalen?!) handelt. Ich weiß nicht mehr, wie genau dieser Mann seine Ware beschrieben hat, aber ich musste mir fast ans Hirn langen.
28. Juli 2006 um 17:34
Das Will plötzlich bei auf der Insel mit der Truhe auftaucht ist wirklich seltsam, zumindest der Umstand, dass er nicht mal erwähnt, wie er da hingekommen ist. Schließlich war er blinder Passagier bei Davy Jones, ist ja eine nicht ganz unwichtige Informationen. Trotzdem gönnen sie sich alle erstmal einen ausgiebigen Schwertkampf.
Was deine Gotteslästerung über Johnny Depp betrifft, darüber seh ich jetzt mal hinweg…