02.
März
2007
Es gibt Dinge im Leben, die sind einfach logisch und egal, was man für Argumente ins Feld führt, es bleibt doch logisch und richtig. Eine solche Sache ist das schon oft geforderte Tempolimit auf deutschen Autobahnen.
Es gibt eigentlich keinen wirklichen Grund, dass wir ein solches noch nicht eingeführt haben, trotzdem werden bei den unzähligen Diskussionen immer wieder neue Argumente gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung.
In der aktuellen ADAC-Motorwelt stehen wieder einige solcher hanebüchenen Argumente. Das Dämlichste: Durch Tempolimits würden nicht nur „die individuelle Mobilität, die wirtschaftliche Entwicklung und der Wohlstand in Deutschland“ zum erliegen kommen, sondern auch „eine der wichtigsten Industrien in Deutschland: die Automobilindustrie.“
Entschuldigung, aber wenn die deutschen Autohersteller zu blöd sind konkurrenzfähige Autos zu bauen, die nicht 20 Liter Sprit auf 100 km verbrauchen, dann sind sie selber schuld. Wenn die japanischen Hersteller es schaffen die sparsame Hybrid-Technologie erfolgreich voranzubringen und selbst die französische Automobilindustrie brummt, trotz Tempolimit auf französischen Straßen, dann machen wir doch irgendetwas falsch. Außerdem fahren BMW und Mercedes doch auch in Ländern mit Tempolimits durch die Gegend, was also soll diese Argumentation?
Jedem Fahranfänger wird doch erklärt, dass bei steigender Geschwindigkeit das Risiko für Unfälle exponentiell steigt. Der Bremsweg wird länger und die Kontrolle über das Auto verlangt viel mehr Aufmerksamkeit. Es sollte jedem klar sein, dass man einem plötzlichen Hindernis mit 130 besser ausweichen kann, als mit 250 km/h. Warum also immer das Gedöns, dass unsere Autobahnen doch schon sicherer sind, als in anderen Ländern.
Aber was nützt das Lamentieren: Das Auto ist die Penisverlängerung schlechthin. Eine österreichische Studie (leider hab ich keine Deutsche gefunden) fand heraus, dass 90% der Befragten sich für hervorragende Fahrer halten und es für ausgeschlossen halten, jemals einen Unfall zu bauen. Die Zahlen für Deutschland werden wohl ähnlich ausfallen. An solch „grandiosen“ Fahrern perlt natürlich jedewede Sicherheitsbelehrung ab: Tempolimit? Kümmert euch lieber um die notorischen Linksfahrer, die mich ausbremsen!
Dummerweise sind diese Typen, dann auch die Lautesten, wenn es gilt sich über die hohen Benzinpreise zu beschweren. Dass zum Thema Umweltschutz tatsächlich noch Stimmen gibt, die meinen, ein Tempolimit bringe da nicht viel, grenzt schon an Arroganz. Wer langsamer fährt, verbraucht weniger Sprit, so die einfache Regel.
Ich hab rund 2000 km französische Autobahnen und Tempolimit 130 hinter mir und ich muss sagen, der Spritverbrauch ist sensationell. Man wird auch nicht in Versuchung geführt, mal auf das Gas zu treten. Die sporadischen Geschwindigkeitskontrollen und die drastischen Strafen sorgen schon dafür das man ordentlich fährt. Schnell genug kommt man auch voran.
Zurück in Deutschland stieg nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch der Spritverbrauch. Zu verlockend war die Möglichkeit „mal aufs Gas zu treten“. Ohne Zwang geht’s anscheinend nicht. Das hohe Risiko und der exorbitante Spritverbrauch werden da einfach beiseite geschoben. Nach ein paar Kilometern mit Tempo 200 ist ein plötzliches Tempolimit auf 120 extrem störend – als würde man auf der Autobahn 30 fahren.
Ein Tempolimit würde mich nicht wirklich stören. Viel schneller kommt man bei den vollen Autobahnen eh nicht mehr voran und meinen inneren Schweinehund würden regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen schon in Zaum halten.
Wer dann schneller fahren will als erlaubt, kann ja in einen ICE einsteigen, die fahren ab und an auch 300…

3. März 2007 um 01:06
Zustimmung, doch niemals freiwillig in einen ICE !!
3. März 2007 um 20:56
Bin absolut deiner Meinung. Wenn wir auf den Autobahnen überall ein Tempolimit von 130 km/h hätten, würde man erstens viel flüssiger voran kommen (keine Drängler etc.) und zweitens würden weniger Unfälle passieren. Und der wichtigste Nebeneffekt: Weniger Umweltbelastung.
Irgendwann hatte ich auch mal das Argument von einem Autohersteller gehört, dass in Deutschland niemand sparsame Autos kaufen würde… ist klar, wenn sie keiner anbietet. Die deutsche Automobilindustrie hat’s einfach verkackt.
20. März 2007 um 09:32
Bin absolut nicht deiner Meinung
Ich habe noch kein wirkliches Argument für ein Tempolimit in Deutschland gehört oder gelesen, abgesehen davon, das plötzlich alle Welt der Meinung ist das Deutschland eins braucht!
Die Unfallzahlen gehen seit Jahren zurück und sind unter denen vieler anderen EU Mitgliedsländer, die ja alle ein Tempolimit haben. Die CO2 Reduzierung ist marginal und könnte durch andere Massnahmen viel einfacher erreicht werden.
20. März 2007 um 11:30
Ein Argument, das sehr schwer wiegt: Der Benzinverbrauch. Wozu diesen schwindenden Rohstoff durch Rumrasen verschwenden?
Das die Reduzierung des CO2 marginal ist, ist eher Wunschdenken von ADAC und manchem Minister. Die Rechnen fleißig mit 10 Jahre alten Zahlen herum. Deutschland verwehrt sich seit Ewigkeiten gegen ein Tempolimit, obwohl der Großteil der Bevölkerung dafür ist.
Aber fragen wir doch einfach anders herum, was ist denn der Vorteil mit 250 km/h über die Autobahn zu brettern, wenn vor dir sowieso alle 5 Minuten ein langsameres Auto auftaucht?
24. März 2007 um 22:13
Hallo,
ich hab jetzt bloß zufällig deinen kommentar gefunden, und werd jetzt hier einfach mal los, dass ich diese Hexenjagd auf das Tempolimit echt daneben finde. Überall in allen Medien wird mit unsachlichen Argumenten und Polemik gegen es gehetzt.
Meiner Meinung nach sollte immer das Prinzip gelten, dass der Staat nur da regelnd eingreift, wo es nötig ist. Überall sonst müssen möglichst viele Freiheiten erhalten werden, auch wenn sie noch so unsinnig sind. Und wenn sie manchem nutzen, umso besser.
Hier geht es ums Prinzip.
Und wer auf diesen Satz allergisch reagiert, der sollte mal darüber nachdenken, was Prinzipien bedeuten und insbesondere das Prinzip der Freiheit.
Zum thema Spritverbrauch: Jeder erhöhte Verbrauch wird bereits durch den Preis und zusätzlich durch Steuern bezahlt. Eine Regulierung findet hier schon statt. Wer meint mehr regulieren will kann ja zum Beispiel die Steuern erhöhen.
Ich finde es nicht in Ordnung, wie dieses Thema in den Medien behandelt wird.
25. März 2007 um 01:34
Dänemark: Tempolimit rauf, Unfälle runter
Überraschende Ergebnisse für Verkehrsexperten: Das nordeuropäische Land erlaubt 130 statt 110 km/h und die Zahl der Verkehrstoten sinkt auf den niedrigsten Stand seit 1950
Bei Tempolimit 130 kracht es seltener in Dänemark
Bei Tempolimit 130 kracht es seltener in Dänemark
Foto: dpa
Kopenhagen – Die Zahl der bei Unfällen getöteten Menschen ist in Dänemark mit der Heraufsetzung des Autobahn-Tempolimits von 110 auf 130 Stundenkilometer binnen Jahresfrist um ein Viertel auf 369 gesunken. Wie Sprecher der Behörde für Verkehrssicherheit und des Straßenbauamtes am Freitag übereinstimmend in der Zeitung „Berlingske Tidende“ erklärten, sei dieser Rückgang für alle Experten höchst überraschend gekommen. Dänemark erreichte damit die niedrigste Zahl von Toten durch Verkehrsunfälle seit 1950.
Die Regierung von Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen hatte die Höchstgeschwindigkeit Ende April 2004 angehoben, obwohl fast alle Experten einhellig eine Zunahme der Unfallzahlen mit mehr Toten vorhergesagt hatten.
Gesunkene Durchschnittsgeschwindigkeit
In den ersten zwölf Monaten nach der Anhebung auf etwa 50 Prozent aller dänischen Autobahnstrecken zeigte sich dann bei Messungen, daß die durchschnittliche Geschwindigkeit sogar von 118 auf 113 Kilometer pro Stunde sank. Dies erklärte ein Vertreter des Straßenamtes mit der „gleichmäßigeren Verteilung“ des Tempos. Es gebe wegen der nun neu und massiv aufgestellten Hinweisschilder mit der jeweils geltenden Höchstgeschwindigkeit deutlich weniger Raser. Gleichzeitig mit der Anhebung auf Tempo 130 wurden auch die Bußgelder für Übertretungen drastisch hochgesetzt. WELT.de
Artikel erschienen am Fr, 29. April 2005
25. März 2007 um 13:38
Also 130 find ich auch ein gutes Tempolimit, sollte der Artikel aus der FAZ jetzt ein Argument für oder gegen ein Tempolimit sein?
Gleiches gilt auch bei Franz’ Kommentar, für oder gegen? Heut ist es anscheinend zu warm, da kann ich nicht richtig denken.
30. Oktober 2007 um 13:47
Hallo,
das hört sich ja fast danach an als ob die Autofahrer auf Strecken ohne Tempolimit gezwungen werden mit der Höchstgeschwindigkeit ihres Fahrzeuges zu fahren. Wenn jemand nur langsamer als 130 fahren kann, wenn er per Tempolimit dazu gezwungen wird, sollte er sich über seine Verkehrstauglichkeit doch mal gedanken machen.
MfG
(der, der nichts von einem generellen Tempolimit auf deutschen Autobahnen hält und trotzdem unter 5L / 100km verbraucht…)
30. Oktober 2007 um 16:02
Freie Fahrt für freie Bürger.
Mit dieser unqualifizierten Begründung unterstütze ich deinen einzigen tollen Satz. Die Überschrift!
31. Oktober 2007 um 09:37
Jedem seine Meinung, aber ehrlich gesagt ist es eine Schwachsinnige, weil absolut emotional geführte Diskussion. Wenn ein Tempolimit das größte Problem in Deutschland sein sollte, dann fahrt ihr Bürger, fahrt! So lang seid ihr ja anscheinend zufrieden, bis das Öl erschöpft ist zumindest.
Mehr kann man eigentlich nicht dazu sagen.
28. Januar 2008 um 07:26
Vielleicht sollten sie sich erst mal mit dem Thema ausführlich auseinandersetzen, bevor sie schreiben. Erstens ist die Hybrid-Generation der Japaner nicht sparsam, wie Praxitests beweisen. So verbraucht der Lexus RX 400h locker über 24 Liter auf 100 km auf der Autobahn. Zweitens ist das Auto keine Penisverlängerung für den Mann. Mit etwas mehr Anstrengung müßten selbst sie begreifen, dass es unterschiedliche Hobbies gibt, in den Mann oder Frau sein/ihr Geld steckt. Wenn sie eine Wohnung kommen, in der kein Kleiderschrank für 100 € von Ikea oder aus dem Versandhauskatalog steht, sondern einer für 300 oder 400 €, weil man es sich leisten kann, ist das denn auch eine Penisverlängerung oder ein Ausdruck persönlichen Geschmacks? Drittens, wie erklären sie sich, dass deutsche Autobahnen zu den sichersten Verkehrswegen der Welt gehören und sicherer als französische Autobahnen, trotz Tempolimit? Viertens, sie sind ebenso gefangen von dem Populismus, der immer zu klappen scheint, wie vor 60 Jahren die Leute auch schon. Deutschlands Problem sind wenn überhaupt die Landstrassen. Hier sind die meisten Staus, hier passieren die mit Abstand meisten und schlimmsten Unfälle – trotz Tempolimits! Fünftens, laut Polizei befinden sich die meisten Staus auf Autobahnen in den Bereich von Geschwindigkeiten 80, 110 und 120 km/h. Ok, 80 km/h ist klar, werden wohl Baustellenbereiche sein. 110 und 120 km/h hingegen ist schon merkwürdig (vermutlich Agglomerationsgegenden). Offenbar wird das meiste CO2 dort verpufft. Sechstens, ich zahle für mein Hobby gerne an der Tankstelle. Ist mein Geldausschank jetzt schon ihr Problem? Dümmlicher Neid ist das, und nichts Anderes.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass die, die unbedingt den Verhältnissen nicht angepasst schnell fahren, sich auch nicht von Tempo 130 Schildern in ihren gefährlichen Manövern bremsen lassen. Werden sie wohl selbst genug erlebt haben. Ansonsten klar, ich bin gegen Tempolimits, weil es kein schlagkräftiges Argument dafür gibt, nur populistische Sprüche a la “Senkt den CO2-Ausstoss” und “Weniger Unfälle”. Beides ist quatsch. Die Zukunft liegt bei alternativen Kraftstoffen und weniger Verbrauch durch bessere Motoren. Hybrid hat nur Zukunft in der Stadt, nicht auf Autobahnen, was ja auch logisch ist. Denn bei hohen Geschwindigkeiten arbeitet ein ganz normaler Ottomotor und kaum mehr die Batterie.
MfG
28. Januar 2008 um 08:58
Boa, Martin, den ersten Satz hättest du dir echt sparen können. Das ist ein Blog hier, ich schreib was mir gefällt, ich setz mich doch nicht mit dümmlichen Argumenten der Autolobby auseinander, die Statistiken so hinbiegt wie sies gerne hätte.
Zu jeder deiner Thesen gibts genug Gegenthesen, also erzähl nichts von Populismus, du machst auch nichts anderes.
Aber wie ich schon erwähnte, das ist hier eine unendliche Geschichte. Mein Standpunkt ist klar und bist jetzt hat keiner wirkliche Argumente vorgebracht, die mich davon abweichen lassen. Genauso wenig wirst du deine Meinung groß ändern, dann steh halt an der Tanke und freu dich – neidisch bin ich darüber ganz bestimmt nich.
27. Februar 2008 um 17:03
Oh je, offensichtlich lobt alle Welt die Hybridautos in den Himmel (nachdem es ja auch von Frau Kynast so schön vorgemacht wurde).
Da kann man nur sagen, “wenn man keine Ahnung hat, einfach mal F….. halten” bzw. raten, sich weiterhin mit der Bürokratisierung und Aushöluung der Öko-Landwirtschaft zu beschäftigen.
Die grünen Weltverbesserer haben sich wohl noch nicht damit auseinandergesetzt, dass die ach-so-tolle Hybridtechnik bei Konstantfahrt ausschließlich nur Nachteile bringt, da der elektrische Sekundärantrieb hier als reiner Ballast mitgeschleppt wird.
- Höhes Gewicht
- Komplexes Antriebssystem
- Höhere Reibung
- Und damit erheblich HÖHEREN Verbrauch bei Konstantfahrt
Gedacht waren die Hybridfahrzeuge primär für die Innenstadt, wo mehr gestanden als gefahren wird und ständig gebremst.
So ganz von der Hand zu weisen ist das Argument der serienmäßig hochgeschwindigkeitsfesten Technik aus Deutschland übrigens nicht, man schaue sich nur an, was die Amis unter der 65-mph-Begrenzung Prächtiges an Fahrwerken und Bremsen hervorgebracht haben.
Außerdem kenne ich zumindest in Nordrhein-Westfalen kaum mehr Stellen, die nicht “reguliert sind”.
Wir diskutieren also vielleicht noch über 10, 20% der Autobahn-Kilometer.
Aber es gibt in diesem Land ja eine Mehrheit, der alles verdächtig ist, was nicht geregelt ist. So gesehen ist es auch ein Wunder, dass es noch kein generelles Tempolimit gibt.