Samstag

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Fußballs. Deutschland gegen Schweden stand an. Vorher gaben wir uns aber noch The Kooks, die ich ziemlich lahm fand – Everlaunch übrigens auch. Ich setzte eher auf den Nachmittag und Abend, da kamen dann die Bands, die mich interessierten. Also pausierte ich kurz mit einem Bierchen vorm Zelt und sinnierte mit einer Festival-Bekanntschaft über die Trockenheit, als wir doch tatsächlich einen Sandsturm sehen konnten. Ein Hurricane auf dem Hurricane! Leider war ich etwas zu langsam mit der Cam und konnte die Windhose nicht fotografieren, aber einen fliegenden Pavillion hab ich trotzdem erwischt.

fußballbegeisterte Muskibegeisterte

Am Nachmittag stand dann wie gesagt das Fußballspiel an. Die Festivalleitung hatte dazu extra eine Leinwand auf dem Campingplatz aufgebaut. Die war natürlich natürlich viel zu klein. Um den Fanmassen Herr zu werden wurde das Spiel dann auch auf den Leinwänden der Bühnen übertragen, zum Leid der Musikfans. Die waren natürlich etwas erzürnt darüber. Es war trotzdem sehr beeindruckend, so viele Leute vor der Leinwand sitzen zu sehen. Aufgeputscht von der ersten Halbzeit hörten wir mit Freude, dass während der Halbzeitpause, die eigentlich abgesagte Band Nada Surf wenigstens vier Songs spielen wollten.

Die Stimmung war wirklich super und selbst wenn der Auftritt kurz war, Nada Surf war ein Highlight des Festivals. Die Party ging auch in der zweiten Halbzeit weiter, da kamen der Frontman Matthew Caws und Bassgitarrist Daniel Lorca von Nada Surf in die vordere Fanabsperrung und ließen sich gerne mit Fans fotografieren und hielten ein kleines Pläuschen. Auch mit uns natürlich!

Nach dem verdienten Sieg der Deutschen Nationalmannschaft ging es Schlag auf Schlag weiter. Death Cab for Cutie lieferten eine wirklich gute Show, auch wenn das Publikum nicht mitging. Mir gefiel die Band noch besser als sonst. Danach ging’s gleich zu den Shout Out Louds. Die Zeltbühne war zum bersten gefüllt und die Leute gingen im Gegensatz zu Death Cab fast schon zu sehr ab. So hält sich nunmal alles die Waage auf dem Hurricane. Nach den wirklich anstrengenden Stunden relaxten wir bei The Hives und ein paar Partien Kicker. Wir hatten waren hervorragend in Form und gewannen gleich mal sechs Spiele in Folge, bis sie das Kicker-Zelt zu machten. Wir zogen zum Zelt zurück und hatten nur noch genug Kraft um das Bier zu den Lippen zu führen.

Sonntag

Nach einer beschissenen Nacht, hatte ich Mühe in den letzten Festivaltag zu kommen. Erst mit Billy Talent startete ich ins Festivalprogramm. Danach packten wir einer Eingebung (Stephans Vater) folgend, das staubige Zelt und unser Gepäck zusammen. Erst dann machten wir uns auf, um das Ende des Festivals zu zelebrieren. Hier bestätigte sich die Tatsache, dass Wir sind Helden einfach eine brillante Liveband ist. Mühelos schafften sie es, die Massen zum Mitsingen und –springen zu motivieren. Doch schon während des Auftritts wurden Planen von den Bühnen entfernt und die Leinwände heruntergefahren. Der Himmel über dem Festivalgelände wurde plötzlich sehr finster und so langsam beschlich mich das Gefühl, dass wir heute Nacht sehr sehr nass werden würden. Glücklicherweise hatte ich meine Brieftasche und mein Handy bereits bei Stephans Eltern in sicheres Gewahrsam gegeben. Kurze Zeit später öffnete der Himmel auch schon seine Schleusen und die Festivalbesucher begrüßten den Regen, der endlich den Staub ablöste. Die Freude wahrte aber nicht lange, denn der anfängliche Regen verwandelte sich schnell in einen Wasserfall. Der Auftritt von Muse, den wir noch sehen wollten wurde abgesagt, das Festival abgebrochen.

Das Gelände verwandelte sich in einen kleinen See. Da wir das Privileg hatten, in diesem wirklich feuchten Notfall zu den Eltern von Stephan zu flüchten, ging es fröhlich singend Richtung Hauptstraße. Da wurden dann Klassiker, wie „I’m singing in the rain“ oder „It’s raining men“ ausgepackt oder Fangesänge umgedichtet: „Berlin! Berlin! Wir schwimmen nach Berlin!“. Da die Stimmung verständlicherweise immer schlechter wurde, je weiter wir uns vom Gelände entfernten, verstummten wir dann aber auch bald und konzentrierten uns, die wirklich großen Pfützen zu umgehen. Bei Stephans Eltern angekommen griff der Monsun-Notfallplan tadellos und wir wurden gut versorgt. Danke noch mal für die exzellente Versorgung an die Eltern. Vielen vielen Dank!

Den anderen Besuchern ging es leider nicht so gut. Viele Zelte sind abgesoffen, Autos kamen nicht mehr vom Parkplatz, da sie im Matsch feststeckten und es war verdammt kalt. Ich hätte lieber auf die drei Staubtage verzichtet und ein wenig Regen gehabt, als dieses Unwetter. Kein schönes Ende für ein wunderbares Festival.

Licht und Schatten

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. So waren meiner Meinung nach, mal wieder zu wenig Klo-Kontainer auf dem Zeltplatz, die Schlangen waren so lang, dass die Frauen schon auf die Männerklos gingen und auch hier, völlig ungewohnt für uns Männer, Schlangen entstanden. Was noch negativ auffiel, war der Umstand, dass nur 1,5-liter-Tetrapacks auf das Gelände durften und auch nur Tetrapacks ohne Schraubverschluss. Verletzungsgefahr hieß es. Es leuchtet mir eine, dass Glasflaschen verboten sind, aber warum kleine Plastikflaschen nicht erlaubt sind, versteh ich immer nicht. Ein volles Tetrapack in die Masse geschmissen, kann auch wehtun. Ich spreche da aus Erfahrung! Wo wir schon bei der Sicherheit sind, die eifrigen Securitys, die einen guten Job machten, schossen ab und an über das Ziel hinaus und verteilten gelbe Karten (ein Tag Hausverbot für das Festivalgelände) schon für das Sitzen auf Schultern. Das Stage-Dives verboten wurden, meinetwegen, aber ein bisschen Stimmung sollte sich auf den Festivalgelände schon verbreiten.

So sahen frisch gewaschene Hände in Scheeßel aus

Was mir aber am ehesten im Gedächtnis bleiben wird, ist dieser verdammte Staub, der einfach überall war! Die Veranstalter hätten vor den Auftritten der Bands auf jeden Fall den Boden mal etwas befeuchten sollen, denn in der Menschenmasse wurde beim feiern manchmal wirklich die Luft knapp. Der Sand kroch in die Nase, die Augen, den Mund und sonstige Körperöffnungen.

Fazit
Letztlich gibt es aber nicht wirklich viel zu meckern bei diesem wunderbaren Festival. Gerade der wirklich grandiose Samstag entschädigt meiner Meinung nach alle Unannehmlichkeiten. Die Festivalbesucher waren alle gut drauf, auch wenn unsere Nachbarn sich fast jede Nacht untereinander Prügeln wollten. Die Stimmung war prächtig und selbst im Regenchaos konnten viele noch Lachen. Die beiden Wetterextreme und natürlich die grandiosen Bands werden dafür sorgen, das ich das Hurricane 2006 nicht so schnell vergessen werde.

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