29.
April
2006
Ich lebe jetzt schon seit einer Ewigkeit in Augsburg und war noch nie in der Fuggerei. Man fährt nach Italien, Frankreich, Griechenland oder sonst wohin, um sich große Kultur anzusehen, alte Bauwerke, Kunst und andere Sehenswürdigkeiten. Was einem vor der Nase liegt, wird aber regelmäßig übersehen.
So auch die Fuggerei, bekannt als älteste noch bestehende. Sie wurde 1516 vom namensgebenden Jakob Fugger gegründet. Der bot die schicken 60m2-Wohnungen in ruhiger Stadtlage dann den bedürftigen Augsburgern für nur einen Rheinischen Gulden Jahresmiete an. Sicher nicht nur aus purer Selbstlosigkeit, denn eine der Voraussetzungen, um in der Fuggerei zu leben, ist neben der katholischen Konfession auch drei mal täglich für das Seelenheil des Stifters zu beten. An den Regeln hat sich bis heute nichts geändert, auch an der Miete nicht, nur das die inzwischen schwer auftreibbaren Gulden durch 88 Cent Jahresmiete ersetzt wurden.
800.000 Besucher aus aller Welt sehen sich die kleinen gelben Häuschen jedes Jahr an. Die werden sich nun aber umstellen müssen. Ab gestern werden sie an den Toren der Fuggerei zur Kasse gebeten. Denn um die Sozialsiedlung zu erhalten, wurde schon vor einiger Zeit beschlossen Eintritt zu verlangen. Für Erwachsene zwei, für Kinder einen Euro oder alternativ 10 Euro für eine Jahreskarte. Augsburger bekommen die Karte aber für die Hälfte. Kurator Martin Kluger meint „Die Bevorzugung ist hier eine historisch gewachsen, schließlich ist die Fuggerei für Augsburger gedacht.”
Mit im Preis ist schon der Eintritt für das Museum und für die wahnsinnig innovative Idee der „self guided tour.“ Dieser Begriff ist nicht nur fast zu Hipp für Augsburg, er beschreibt eigentlich auch nur, dass der Besucher oder die Besucherin ohne Führer die Fuggerei besichtigt. Dafür wurden extra neue Hinweisschilder aufgestellt, die historische Daten in mehreren Sprachen präsentieren.
Ja – das ist auch wieder so eine Idee, die eigentlich nur in Augsburg als Innovation verkauft werden kann. Eintritt bezahlen, der mehr als doppelt so hoch ist, wie die Jahresmiete einer Fuggereiwohnungen und dann noch auf den Führer verzichten und selbst lesen oder besser: „guiden.“
Ich hab nichts dagegen Eintritt zu bezahlen, die Fuggerei soll ja auch noch die nächsten 500 Jahre bestehen. Aber warum nur „self guided tour“, wer kommt denn auf so etwas? Mir fällt jetzt aber im Moment auch kein anderes Wort dafür ein. Lehrpfad vielleicht? Mal die Aktion Lebendiges Deutschinformieren…
www.flickr.com
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30. April 2006 um 23:24
Ein großer Teil der Besucher ist sicherlich aus dem Ausland, die können damit eher was anfangen. Schön übrigens, dass Du jetzt doch noch endlich in Augsburg ankommst. Brav so!
1. Mai 2006 um 00:19
Die Schilder sind doch auch in mehrern Sprachen, kann mir nicht vorstellen, dass dieses “self guided tour” einen Franzosen zugemutet wird. Geht mir ja nur darum, dass es sich hochtrabend anhört und ein Großteil der Deutschen es wahrscheinlich sowieso nicht versteht (powered by emotion = kraft durch freude sag ich da nur). Es ist nun einfach mal ein Rundgang mit Lehrtafeln.
Aber was das Ankommen in Augsburg anbelangt – seien wir doch mal ehrlich, Augsburg ist trotz seiner Unzulänglichkeiten wahnsinnig sympathisch
1. Mai 2006 um 00:30
Augsburg ist trotz seiner Unzulänglichkeiten wahnsinnig sympathisch.
Da kann ich nur zustimmen, drum bin ich ja aus Frankfurt wieder zurückgekehrt und NICHT nach München gezogen.
Olé olé, super Augsburg …
8. Mai 2006 um 14:28
Vielleicht sehe ich das ja falsch, aber die Fotos sehen mir verdammt nach dem goldenen Saal des Augsburger Rathauses aus. Aber ich, als Brandenburger, kenne mich ja nicht so gut aus, wie ein echter
Augsburger und lasse mich gern eines besseren belehren.
8. Mai 2006 um 16:33
Die Fotos werden dynamisch von flickr.com übernommen, wenn nun jemand meint den Goldenen Saal mit fuggerei zu taggen, dann wird der Goldene Saal auch angezeigt. Da kann ich leider nichts für. Für all die, die die Fuggerei sehen möchten, gibts ja noch den Link daneben. Ich mach einfach die Augen zu und hoffe, das bald neue Bilder von der Fuggerei eingestellt werden