Irgendwie seltsam das aus dem Munde eines weit über 80-Jährigen zu hören. Er sitzt mir gegenüber im Zug und fabuliert, wie es alte Männer einfach können, über das Leben – vor allem seins. Wir – zwei Freunde und ich – hören gespannt zu.

Er erzählt von seinen ersten amourösen Erfahrungen als junger Mann, von seinen Neffen und immer wieder verkündet er, Frauen seien gefährlich. „Nehmt euch in acht! Sie legen Fallstricke aus!“, warnt er uns immer wieder.

Irgendwann fällt der besagte Satz. Jung sein, will er in diesen Zeiten nicht mehr. Seltsam diese „Früher- war- alles-besser“- Mentalität. Sicherlich leben wir in stürmischen Zeiten, viele haben kein Ziel, keine Vorstellung, was später sein wird. Arbeitsplätze werden trotz Aufschwung immer unsicherer, kaum einer kann wirklich darauf bauen, ein Leben lang beim selben Betrieb zu arbeiten.

Aber war es damals denn besser? Mein Großvater hat in meinem Alter Dinge gesehen und erlebt, die ich mir gar nicht vorstellen kann. Krieg, Tot und Schmerz haben tiefe Narben hinterlassen. Wie kann dieser alte Mann vor mir nur behaupten, er würde nie mit uns tauschen wollen?

Irgendwie sieht man die Antwort auf die Frage in seinem Gesicht. Es ist die tiefe Zufriedenheit mit seinem Leben. Er berichtet stolz über seine Erinnerungen, was er erreicht und gesehen hat von der Welt. Er hat nicht nur Gutes im Leben erfahren, aber er hat daraus gelernt. Hat es genutzt, um das Beste aus seiner Zeit zu machen.

Sicherlich ist der Mann, der mir gegenüber sitzt ein ergrauter Macho. Er habe die Frauen durchschaut, meint er immer wieder. Das stört nicht weiter, er sicherlich nicht der Erste, der das behauptet.

Was mir am Ende dennoch imponiert, ist dieser klare, nicht verklärende Blick, mit dem er sein Leben Revue passieren lässt. Diese innere Zufriedenheit, obwohl er dem schrecklichsten Krieg des letzten Jahrhunderts miterlebt hat. Halte dich nicht am Vergangenen auf, lerne daraus, aber blicke dabei in die Zukunft.

Irgendwie hoffe ich in 60 Jahren dann auch im Zug zu sitzen, wenn es die denn noch geben sollte, und ein paar Jugendlichen zu erzählen, was in meinem Leben so passiert ist – mit demselben klaren Blick zurück. Dann sage ich vielleicht auch den Satz, der mich derzeit noch verwirrt: Ich bin froh, heute nicht mehr jung zu sein.

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