27.
August
2008
China kann auf eine sehr lange und glorreiche Geschichte zurückblicken, das steht wohl außer Frage. Eine der wichtigsten Strömungen, die diese Geschichte beeinflusst hat, ist der Konfuzianismus. Der hat neben dem Buddhismus und Daoismus Chinas Entwicklung maßgeblich geprägt.
Als ich heute im Konfuziustempel in Peking war konnte ich dann auch das Geheimnis ergründen, warum der Konfuzianismus so bedeutend werden konnte: der Ink Lake. Dieser Tinten-See soll der Legende nach große Schreiber hervorbringen.
Trink ein Autor vom Wasser des Teiches, wird er großartige Schriften in großer Zahl schreiben. Nimmt er das Wasser für die Tinte, so wird er eine hervorragende Handschrift haben. So weit die Legende. Natürlich hört sich das sehr verlockend an, weil ich erstens mit meiner Handschrift nicht zu frieden bin und zweitens ja auch irgendwann noch meine Masterarbeit schreiben muss.
Leider sieht der See heute eher aus wie ein Tintenfass. Ein Blick in den Brunnen ließ nicht viel am Grund erkennen, dank Fotoblitz konnte ich aber den derzeitigen Wasserstand ganz gut sehen, bzw. nicht sehen. Der Brunnen war bis oben gefüllt mit Müll.
Was sagt das jetzt philosophisch gesprochen über die heutige chinesische Kultur aus?
Konfuzius würde dazu wohl sagen: “Lenken mit Bestimmungen und disziplinieren durch Strafen mag das Volk im Zaum halten, jedoch ohne Schamgefühl. Lenke mit Tugend und diszipliniere mit Riten und es wird Scham empfinden und mehr Pflichtbewusstsein haben” (Lun Yu 2,3).
Aber das passt dann auch irgendwie auf die deutsche Kultur …

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