15.
März
2008
Regie:
Craig Gillespie
Drehbuch:
Nancy Oliver
Darsteller: Ryan Gosling, Patricia Clarkson, Emily Mortimer
Länge: 106 Minuten





Lars (Ryan Gosling) ist ein wenig seltsam, damit hat sich sein Bruder Gus (Paul Schneider) schon abgefunden, seine Frau Karin (Emily Mortimer) wird jedoch nicht müde ihn immer wieder zum Essen einzuladen. Lars schlägt die Angebote immer wieder aus, er ist lieber allein.
Da ist es nicht verwunderlich, dass sich Gus und Karin unglaublich freuen, als Lars verkündet, er habe eine Freundin. Die Freude verfliegt allerdings schnell wieder, als sie erkennen, wem Lars sein Herz geschenkt hat: Bianca – einer lebensechten Gummipuppe, die er im Internet bestellt hat!
Die Ärztin des Ortes (Patricia Clarkson) diagnostiziert Wahnvorstellung und empfiehlt den beiden, dass sie mitspielen, um Lars zu heilen. So beginnen die Bewohner des kleinen Ortes, in dem Lars lebt, Bianca tatsächlich als echten Menschen zu behandeln. Aber das verkompliziert die Beziehung zwischen Bianca und Lars zunehmend. Bis die Geschichte eine tragische Wendung nimmt…
Soweit zur Story, die augenscheinlich eine Menge Platz für Zoten lässt – schließlich geht es um eine vollfunktionsfähige Sexpuppe. Dankenswerterweise verzichtet Regisseur Craig Gillespie auf solch effekthaschende platten Witze und erzählt in einem absolut unamerikanischen Film die Geschichte eines liebenswerten Eigenbrötlers auf dem Weg zurück in die Gesellschaft.
Das dies gelingt liegt nicht nur an den schönen ruhigen Kamerabildern, die uns völlig unaufgeregt das Leben in der verschneiten nordamerikanischen Stadt zeigen, sondern zu großen Teilen an einen wunderbar aufspielenden Ryan Gosling. Der Zuschauer kann nicht anders als diesen immer etwas schief und verschüchtern grinsenden Burschen zu mögen. Schließlich ist er trotz seines zurückgezogenen Lebens und unglaublich schlechten Klamottengeschmacks ein höflicher und beliebter Mitbürger.
Stück für Stück entblättert sich Lars’ verstörte Seele, als er beginnt regelmäßig mit Bianca zum Arzt zu gehen. Der Vorwand Bianca sei krank und brauch eine langfristige Behandlung ermöglicht es der Ärztin des Ortes Lars besser zu verstehen. Dank der wirklich grandiosen Patricia Clarkson funktionieren diese Dialog trotz skurriler Themen hervorragend. Es sind diese Momente, die den Film seine Tiefe verleihen. Auch wenn es fast klischeehaft anmutet, dass beide Arzt und Patient beginnen viel von sich Preis zu geben.
Zu viel will ich über den Film gar nicht verraten, der gerade davon lebt, dass er den Charakter von Lars wie eine Zwiebel immer weiter schält, bis die Motive des jungen Mannes offen liegen. Es ist jedenfalls ein rührender, witziger und skurriler Weg bis dorthin.
Fazit: Ein toller Film, den ich in der Form eher aus Schweden oder Dänemark erwartet hätte aber nicht aus den USA. Ein durch die Bank klasse besetztes Schauspieler-Ensemble haucht dem kleinen Kaff so sympathisch Leben ein, dass man gerne dort Leben würde und der Hauptdarsteller spielt so wunderbar, dass ich mich wundere, warum er “nur” den Golden Globe für diese Rolle gewonnen hat. Gosling ist ein Schauspieler den man unbedingt im Auge behalten sollte.
Wer also mal wieder ein wenig Lust auf einen Feel-Good-Movie hat, der sollte sich Lars und die Frauen nicht entgehen lassen.


Eine Reaktion auf “Lars und die Frauen”
Pingback vom 16. März 2008 um 09:03
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