03.
Februar
2006
Provokation ist ja schon toll. Vor allem bei Plakatwerbung wird ja ganz gerne provoziert. Benetton macht das ja immer wieder Mal oder die Tierschutzorganisation PETA. Blickfänger für Passanten sind das dann, wo sich Priester und Nonne küssen oder Hühner in Legebatterien Insassen eines KZs gegenübergestellt werden.
Provozieren soll auch eine Plakataktion der Christoffel Blindenmission. Das Plakat an dem ich tagtäglich vorbeifahre hängt schon seit 2 oder 3 Monaten. Es zeigt einen Schwarzafrikaner, dessen Augen durch Geldschlitze ersetzt worden sind. Der Slogan Spenden sie Augenlicht unterstützt die Ambition der Macher hier die Wohltätigkeit der Menschen anzusprechen und gleichzeitig zu zeigen wofür hier Geld gespendet wird.
Ein Blickfänger ist es definitiv, mir fiel bloß auch eine Interpretation des Plakates ein, die sicherlich auch anderen durch den Kopf gegangen ist. Geldschlitze sind für mich Teil eines Sparschweins und da drängte sich mir der Verdacht auf, dass hier Afrikaner als Sparschweine missbraucht werden sollen. Das Geld verschwindet irgendwo hinter den Schlitzen. Der Blinde herabgewürdigt als prallgefüllte Spardose, die man irgendwann mal schlachtet.
Gut, vielleicht bin ich hier bloß mal wieder zu negativ, aber ich gesteh zu meiner Schande, dass mir diese Interpretation als erstes durch den Kopf ging. Vielleicht hört man einfach zu viel von veruntreuten Spenden, Misswirtschaft usw.
Aber nun die Entwarnung, die Blindenmission ist wirklich eine sehr aktive und auch erfolgreiche Entwicklungshilfeorganisation mit zahlreichen Projekten in der ganzen Welt. Die CBM versucht die Lebenssituation für Behinderte zu verbessern und präventiv gegen Ursachen von Erblindung vorzugehen.
Wen es interessiert, der kann sich auf der Internetseite der Blindenmission weiterinformieren. Es gibt u.a. einen Grauen-Star-Simulator, der eindrucksvoll zeigt, wie es ist mit dieser Behinderung zu leben. Die Möglichkeit seinen Namen mal in Blindenschrift zu sehen und die Brailleschrift zu übersetzen gibt es auch.
Am Ende hat die Plakataktion also ihr Ziel erreicht, bei mir zumindest. Auch wenn ich sie etwas anders ausgelegt habe, ich bin trotzdem auf die Arbeit der Mission aufmerksam geworden.


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