09.
Mai
2006
Sie sind überall, in Bussen, Bahnen, in den Fußgängerzonen sogar in Hörsälen treiben sie ihr Unwesen. Selbst früher, in einer Zeit, in der noch alles besser war und es keine digitale Musik gab, waren sie schon unterwegs. Damals allerdings noch analog, mit Walkmans, heut sind es dann schon MP3-Player. Das Phänomen allerdings hat sich seit den Tagen des seeligen Walkmans kaum verändert.
Sicher die Frisuren sind anders, die Klamotten auch, aber das was sie tun, ist gleich geblieben – sie hören Musik über Kopfhörer und singen mit. Die Mitsinger, so wollen wir sie an dieser Stelle mal betiteln, zeichnen sich aber nicht durch großes Talent und eine schöne Singstimme aus. Dass was sie anders macht, ist die Art wie sie singen: bruchstückhaft, abgehackt und in einer variablen Lautstärke.
Daaa……..meeeee…..SSOOOOO, seeeeeee……nuuuuuuuuur…. . So in etwa hört sich das dann an. Ein kulturelles Kuriosum, das bei ganz normalen Menschen auftreten kann, auch bei dir und mir.
So traf ich gerade heute einen Mitsinger im Bus. Erst dachte ich, der junge Mann habe Schluckauf. Es hörte sich jedenfalls danach an. Dann wiederum dachte ich, dass er vielleicht etwas verschluckt hatte und nun keine Luft mehr bekommen würde. Nach genauerer Betrachtung fiel jedoch der Knopf im Ohr auf – er hörte also Musik. In diesem Moment begann auch der eigentliche Gesang, vielmehr der Teil, den der junge Mann mitsingen konnte.
Trifft nämlich mangelhafte Textkenntnis auf die rhythmisch-hypnotische Wirkung der Musik, entseht im Musikhörer die Meinung das Lied mitsingen zu können. Welch tragsicher Trugschluss! Das Einzige, was er nämlich ohne Zweifel kann, ist kurze Wörte oder mindestens ihre Anfangsbuchstaben nachzusingen, höchstenfalls immerhin den Refrain. Genauso hört es sich dann auch an. Eben: DAaaaaa…..iiiiiiii…….eeeeeeeuuuuu……..SCHREIIIIIIHIIIIIIII.
Viel tun dagegen kann der Hörer nicht, jedenfalls nicht, wenn er das Lied mag. Er unterliegt einfach dem Rhythmus des Songs, da schaltet bei dem Großteil der Menschheit das Hirn aus. Ist evolutionär bedingt, hab ich mir sagen lassen.
Jetzt gibt es noch zwei Dinge, die mir auf der Seele liegen:
1. Welches Lied hat der Typ im Bus gehört? Ich kenne kein Lied indem erst „hick …hiick“ und dann „ööööö….öööööö“ vorkommt. Wohl, ein weiteres Mysterium, das ich in meinem Leben nicht lösen werde.
2. Wenn jemand mich jemals irgendwo so abgebrochen singend durch die Gegend laufen sieht, bitte weißt mich darauf hin. Es wirkt auf Außenstehende einfach unglaublich verstörend. Vielen Dank im Voraus.

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