Die Universitäts-Bibliothek von Augsburg gehört sicherlich nicht zu den Besten der Welt, nein, das ganz sicher nicht. Bisher war es jedoch so, dass ich zu jedem Thema auch einigermaßen ausreichend Literatur gefunden habe. Dazu bemüht man natürlich, modern wie man heutzutage ist den Online Public Access Catalogue – kurz OPAC.

Das sieht dann so aus, dass die tief in wissenschaftlicher Arbeit versunkenen Studenten an PCs in der Bibliothek sitzen und dort in dem Bibliothekskatalog via OPAC suchen. So sollte es jedenfalls sein.

Gestern nun begab es sich, dass ich mich zwecks Quellenrecherche für meine nächste 1,0-Semesterarbeit in die Bib (so sagt man das als hipper Student) verirrte. Ich hatte sogar konkrete Bücher und musste nicht ins Blaue mit irgendwelchen Stichworten suchen. Also nur Signaturen herausfinden und Bücher in den Regalen suchen. Es ist aber ein Naturgesetzt, dass Dinge die sich leicht anhören, meist mit ungeahnten Komplikationen verbunden sind.

So fand ich die ersten Signaturen mit Hilfe des OPAC noch ohne große Probleme, doch dann wurde dieses Stück Software plötzlich langsamer. Als Augsburger Student ist man an solche Sperenzchen aber gewohnt. Die OPAC-Version der Uni ist bestimmt schon so alt wie das Internet und simuliert seit Jahren schon vortrefflich Modemgeschwindigkeiten, wahrscheinlich um einen Hauch von Nostalgie in den grauen Studentenalltag zu bringen.

Als ich dann aber geschlagene zwei Minuten am Rechner saß und vor mich hin wartete, kamen mir erste Zweifel. Prompt erschien eine Fehlermeldung, dass meine Suchanfrage aus irgendeinem Grund nicht durchgeführt werden konnte. Etwas verärgert startet ich die Anfrage einfach erneut – mit demselben Ergebnis. In meiner Verzweiflung, ich hatte schließlich noch nicht alle Bücher auf meiner Liste gefunden, schielte ich rüber zu meinen Nachbarn. Konnte der vielleicht noch suchen? Lag es an meinen PC-Sitzplatz, dass OPAC den Dienst quittierte? Der Spezi neben mir saß brav am Rechner, aber anstatt pflichtschuldig im OPAC zu suchen, surfte der auf irgendwelchen Internetseiten durch die Gegend. So ein Schuft! Steht doch überall, dass an den Bib-Rechnern nur Bücher gesucht werden sollen.

Aber noch war ja nicht aller Tage Abend, die Bib-Rechner sind ja immer gut besetzt. Also schielte ich in die andere Richtung. Auch da zeigte der Bildschirm nicht die abstoßende OPAC-Oberfläche. Es sah eher nach einer privaten Homepage aus. Aus den Schreibgeräuschen des jungen Mannes gegenüber, meinte ich zu vernehmen, dass er entweder eine Doktorarbeit oder eine 30-seitige Email schrieb, so lange Büchertitel gibt es nämlich nicht. Gut in meiner näheren Umgebung hatte also keiner Probleme mit dem OPAC – sie nutzten es ja gar nicht.

Beim nächsten Rechnerpool gab es ein ähnliches Bild, zwar suchte einer Bücher, aber im Gateway Bayern, nicht im OPAC Augsburg. Mist! Als ich dann am nächsten Rechner sah, wie einer mit einem dicken Ordner hantierte und tatsächlich Online-Banking in der Universitäts-Bibliothek durchführte resignierte ich. Gab es in dieser verdammten Bibliothek keinen Menschen, der nach Büchern suchte?! Ich machte mich auf den Weg mir die Bücher zu suchen, von denen ich die Signaturen gefunden hatte und entdeckte glücklicherweise noch ein paar weitere Bücher in den Regalen. Natürlich waren die wichtigsten Bücher auf meiner Liste nicht da obwohl sie nicht als geliehen markiert waren. Ich fand zwar erstaunlicherweise ein Buch, dessen Signatur ich nicht mehr gefunden hatte, aber auch das konnte meine Laune nicht merklich heben.

Nachdem ich meinen Stapel Bücher durchgeackert hatte, von denen natürlich die Hälfte nix taugte, fand ich tatsächlich jemanden der mit OPAC ein Buch suchte. Da hatte ich dann aber auch schon keine Lust mehr…

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