16.
April
2008
Da hat mir Simon gerade mit einem kleinen Kommentar eine Möglichkeit eröffnet, auf die Suche nach meiner verlorenen Zeit zu gehen, erinnerte ich mich doch dank ihn an eine kurze Episode aus meiner Grundschulzeit. Es geht hier zwar auch um Gekritzel und irgendwie ist es auch eine Antwort auf Simons Kommentar, aber der wurde jetzt so lang, dass ich ihn lieber als Beitrag veröffentliche.
Ich kann mich daran erinnern, es muss in der zweiten Klasse gewesen sein, Ende der 80er Anfang der 90er, gewesen sein, da wurde plötzlich Star Wars ganz große Mode. Aus unserer Klasse hatte bis dahin allerdings nur ein einziger Junge Georg Lucas’ Sternensaga gesehen, wir anderen waren dafür noch zu klein. Andererseits hatten wir bis dahin auch gar keine Chance es zu sehen, im damals sehr eingeschränkten Fernsehbouquet.
So blieben uns nur die Erzählungen von Michi, so hieß der Junge. Er hatte aus irgendwelchen Gründen nicht nur einen Videorekorder(!) sondern auch noch alle drei Star Wars-Teile auf Tape. Damit wurde der eigentlich recht sonderbare Bub eine Zeitlang ein Star unter uns Jungen in der Klasse.
Er erzählte uns von Luke Skywalker, Han Solo und Darth Vader, von martialischen Raumschlachten mit seltsamen Raumschiffen, die geformt waren wie Xe und Hs. Auch der Todesstern und die Sternenzerstörer wurden nicht ausgelassen.
Storytechnisch wurde von Michi eigentlich kaum etwas verraten. Der Typ war schon in seinem zarten Alter unglaublich Waffenverliebt, also schilderte er uns vorrangig die Raumkämpfe – zum besseren Verständnis auch mit Zeichnungen. Da wurden dann Manöver erklärt und die Durchschlagskraft des Todessterns demonstriert.
Zum Ende war das Blatt über und über mit kleinen Xe und Hs vollgekritzelt, ein dicker Klops demonstrierte den Todesstern und die Sternenzerstörer waren Dreiecke. Dazwischen gab es dann jede menge bunte Laserschüsse. Jeder der nicht wusste, was dort auf dem Blatt war, hätte uns für verrückt erklärt. Selbst wir begriffen ja nur teilweise, was uns der “Star Wars-Michl” da schilderte.
Da es aber relativ einfach war ein par Xs und Hs auf ein Blatt Papier zu malen und die dann Kämpfen zu lassen, wurde es in der Klasse ganz große Mode solche Zeichnungen anzufertigen. Teilweise wurde zu zweit an solchen Zeichnungen gesessen. So konnte man sich dann während des Zeichnens schon duellieren. Meistens gewann natürlich dann Michi, weil er irgendein bestimmtes Filmmanöver aus dem Film nachflog oder eine Spezial-Waffe kannte. So führte er plötzlich Darth Vaders Super-Sternenzerstörer aus Episode 5 ein und die Schlacht ging für mich natürlich verloren. Wir mussten ihn da glauben, schließlich kannte er sich aus.
Vielleicht war es diese kindliche Auseinandersetzung, die Star Wars für mich zu etwas ganz besonderen werden ließ. Ich hatte schon unzählige Raumschlachten durchlebt, mit dem Todesstern diverse Planeten zerstört und mit einem besonders dicken X den Todesstern selbst in die Luft gejagt, bevor ich das erste mal John Williams berühmte Fanfare hörte und den Rolltext in die Unendlichkeit erblickte. Kaum ein Film hatte als Kind auf mich solch eine Wirkung wie Star Wars und das obwohl ich ihn gar nicht gesehen hatte.
“Star Wars-Michl” genoss seinen Ruhm für ein paar Wochen und erlitt dann das Schicksal eines jeden One-Hit-Wonders, er verschwand wieder von der Bildfläche. Da er unser Nachbar war, spielten wir natürlich weiterhin mit ihm. Meistens trafen wir mit ihm zusammen, wenn mal wieder eine große Schlacht im Sandkasten geschlagen wurde. Dann reihten wir unsere Spielzeugsoldaten auf und eroberten die Burg des Gegners. Sehr erfolgreich war natürlich wieder der Michi, der kannte sich halt aus mit Waffen.
Ich weiß gar nicht was aus ihm geworden ist, dem “Star Wars-Michl” entweder ist er inzwischen der Kopf einer Verbrecherorganisation oder er ist Rüstungsingenieur geworden – wer weiß das schon. Für mich bleibt er immer der Junge der mir Star Wars schenkte.

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