02.
November
2005
Der erste Gedanke zum Thema Provinzverkehr geht bei schlichteren Gemütern sicherlich völlig in die falsche Richtung. Es geht also nicht um Beischlaf in der Eifel.
Aber was f�r ein seichter Einstieg. Beginnen wir anders. Es ist wohl das einschneidenste Erlebnis eines Augsburger Studenten, am ersten Studientag mit der Straßenbahn zum Campus zu fahren. Sehr schnell wird man lernen:
“Stoßzeiten sollst du meiden!”
Dieses Gebot ist seit jeher in Stein gemeißelt, sicherlich nicht nur an der Augsburger Universität. Aber die Augsburger Stadtwerke schaffen es immer wieder, noch einen draufzusetzen.
Die meisten Studenten, die aus der Innenstadt oder durch selbige zur Uni fahren, nehmen die Linie 3. Eine wunderbare, schöne, relativ neue Strecke, an zwei malerischen Berufsschulen vorbei Richtung Universität. Also kurz: 3 Bildungseinrichtungen + Berufstätige an einer Linie. Stoßzeiten bekommen hier eine ganz neue Bedeutung. Man wird in und durch die Bahn gestoßen und letztlich auch hinaus, was dann hoffentlich an der richtigen Haltestelle geschieht. Nun, daran gewöhnt man sich, man nimmt eine Bahn früher oder später (kommt auf den Dozenten an) und harrt der Dinge die die nächste Bahn bringt.
Aber derzeit ist dieses fragile Gleichgewicht der Kräfte außer Kontrolle geraten. Denn diese Woche herrscht…. *Trommelwirbel* FERIENFAHRPLAN!!! Aaaaaahhhh. Ein Raunen geht durch die Menge.
Im Klartext heißt das, die Straßenbahnen fahren nur noch alle 7 Minuten statt alle 5. Es scheint sich aber bei den Herrschaften der Stadtwerke nicht herumgesprochen zu haben, dass wir hart arbeitenden Studenten keine Ferien haben und die andere hart arbeitende Gruppe der Berufstätigen zum größten Teil auch nicht. Was für diese, ich kann nur immer wieder betonen, hart arbeitenden Stände ein 7 Minuten-Takt bedeutet, ist an Horror kaum zu überbieten.
Auf der Rückfahrt von der Uni spielten sich heute grauenhafte Szenen ab. Ein Rudel Studenten, versucht eine Straßenbahn zu stürmen, diese ist aber bereits nach kurzer Zeit voll, trotzdem drängen immer mehr Menschen hinein. Es herrscht das Gesetz der Masse, was heißt: An jeder folgenden Haltestelle steigt ein Passagier aus und 5 quetschen sich rein, die anderen 20 mussten hoffen, das sich die Lage in den nächsten 20 Minuten entspannen würde.
Ich weiß bis jetzt noch nicht wie, wann und durch was ich aus dieser Bahn hinauskam. Ich lebe noch, was mit den anderen Menschen passiert ist, weiß ich nicht.
Ich werde sie heute Abend vorm zu Bett gehen in meine Gebete einschließen.
Amen

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