Was hatten wir doch für Zeiten, wir beide! Wenn ich daran zurückdenke, könnte ich fast wehmütig werden. Immer warst du da, wenn ich spät nachts noch an meiner Seminararbeit gebrütet habe oder angestrengt lernen musste. Wenn es stressig wurde, konnte ich mich immer bei dir anlehnen und etwas entspannen. Jeden Tag waren wir zusammen, selbst beim Essen warst du immer da. Du warst von mir besessen, das war jedem klar – man sah es dir an.

Aber für solche Belastungen warst du nicht gemacht, auch das sah man dir an. Die Tage und Nächte haben dich ziemlich mitgenommen. Irgendwann warst du dann auch platt. Du warst einfach fertig und wurdest hart zu mir. Plötzlich war es unbequem mit dir und dann brauchten wir Abstand – ein wenig nur. Zum Anlehnen warst du trotzdem immer noch da.

Aber uns war klar, dass es nicht ewig so weiter gehen konnte. Ich muss auch an meine Gesundheit denken und da warst du nicht gut zu mir, das weißt du. Ich will dich nicht sitzen lassen, das wolltest du immer – mich sitzen lassen. Nun hab ich aber jemanden kennen gelernt, jemanden, der genau für mich gemacht ist. Der mir auch eine Stütze sein kann, jemand zum Anlehnen und dabei nicht so schädlich für mich. Jemand der einfach nicht so hart und steif ist, wie du.

Nun ist er also da, der Tag an dem du ausgetauscht wirst. Der Tag, an dem du zurückkehrst, wo du herkommst. Ins Esszimmer zu den anderen Stühlen. Mein neuer Bürostuhl ist zum Arbeiten einfach besser. Vielleicht bezieh ich dich vorher doch lieber neu…







alter Stuhl
Share it:
  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • del.icio.us
  • MySpace
  • Netvibes
  • Wikio