Unsere Schulen sind in den letzten Tagen ja sehr häufig von den Medien thematisiert worden. Natürlich geht’s um etwas negatives, denn Negativismus ist ein bedeutender Nachrichtenfaktor, wie schon in Einführungen zur Kommunikationswissenschaft gelehrt wird.

Vor ein paar Tagen war es noch das Handyverbot an bayerischen Schulen. Nach Funden von „Gewalt- und Pornovideos“ auf den Mobilfunkgeräten der Schüler wurde dieses Verbot als „logische“ Konsequenz durch die Landesregierung erlassen.
Seit vorgestern macht die Rütli-Schule in Berlin-Neukölln Schlagzeilen. Das Lehrerkollegium hat vor der Gewalt unter den Schülern kapituliert und will, dass die Schule geschlossen wird. Der Berliner Senat sieht das natürlich anders und sorgte jetzt für Waffenkontrollen vor der Schule durch die Polizei. Demnächst soll der vakante Schulleiterposten durch einen erfahrenen Mann besetzt, Sozialarbeiter und Schulpsychologen eingestellt werden.

Was jetzt natürlich folgt, ist die öffentliche Diskussion, die teilweise auf sehr niedrigem und unreflektiertem Niveau geführt wird. Das die Schule 80% Ausländeranteil unter den Schülern hat ist natürlich ein gefundenes Fressen für den alltäglichen Rassismus in Deutschland. So fordert der CDU-Politiker Pflüger mehrfach auffällige Schüler einfach in ihr Heimatland abzuschieben. Das übliche CDU-Gedöns also. Die eigene Politik hat nicht gefruchtet und anstatt nun das eigene Versagen einzugestehen, holt man lieber die populistische Keule raus, die in der Bevölkerung ja immer gut ankommt.

Es liegt doch aber letztlich weniger am Ausländeranteil als an der sozialen Schicht, aus der die Schüler der Rütli-Schule kommen. Neu-Köln ist ein Problembezirk, hohe Arbeitslosigkeit und kaum eine Zukunftsperspektive für die Jugendlichen, die teilweise nur noch in die Schule gehen, weil Schulpflicht besteht. Jetzt aber alle Schüler über einen Kamm zu scheren, alle zu kriminalisieren, ist völlig falsch. Meist reichen ein paar Unruhestifter aus, um eine ganze Klasse zu beeinflussen. Polizeikontrollen oder ein privater Sicherheitsdienst, wie ihn Einige für die Schule fordern, schaffen es vielleicht etwas Ruhe in die verfahrene Situation zu bringen, aber letztlich schaffen sie keine Einsicht.

Einsicht ist es aber, die alle Seiten in diesem Konflikt brauchen. Die Schüler müssen einsehen, das sie ohne Bildung noch viel geringere Chancen im Leben haben, die Lehrer müssen einsehen, dass sie neue Wege gehen müssen, um die Schüler für das Lernen zu begeistern. Schlussendlich muss die Politik endlich lernen, dass es bei den gesellschaftlichen Problemen unserer Zeit nicht hilft, Symptome wie Pornovideos auf Handys oder Gewalt an Schulen mit Verboten und Einschüchterung zu bekämpfen. Die Ursachen müssen erkannt werden, aber die sind nicht leicht zu finden, Arbeitslosigkeit und mangelnder Respekt, vielleicht auch Angst gegenüber anderen Kulturkreisen gehören sicherlich dazu. Irgendwann wird auch die Union begreifen, dass in unserer modernen Gesellschaft Verbote und pauschale Abschiebung nur weitere Probleme schaffen, aber die Ursache des Übels nicht mal berühren.

Geben wir nicht nur der Politik die Schuld, auch die Bevölkerung hat großen Anteil an den Problemen. Der schleichende Ausländerhass ist kaum noch zu übersehen. In Berlin Pankow-Heinersdorf schlägt einer muslimischen Gemeinde, die dort eine Moschee errichten will, der Hass der Bevölkerung entgegen. In Frankreich wurden kürzlich zwei Mädchen von jungen Muslimen mit Steinen beworfen, weil die beiden Miniröcke trugen. Beiden Seiten fehlt es an gegenseitigen Respekt, aber genau den brauchen wir in der viel beschworenen multikulturellen Gesellschaft.

Tun wir doch nicht so, in Deutschland gibt es Ausländerfeindlichkeit in allen Schichten der Gesellschaft. Wie sollen Ausländer reagieren, wenn ihnen immer wieder gezeigt wird, dass sie unerwünscht sind?
So wie es kleine Bevölkerungsgruppen schon seit Jahrhunderten immer wieder tun, sie schotten sich ab, bleiben unter sich. Die mangelhafte Integration ist auch durch uns Deutsche verursacht, das sollte bei solchen Diskussionen immer im Hinterkopf bleiben.

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