03.
September
2007
Regie:
Oliver Rihs
Drehbuch:
Oliver Rihs u.a.
Darsteller: Marc Hosemann, Milan Peschel, Jule Böwe
Länge: 94 Minuten





„Über Geschmack kann man nicht streiten. Deswegen heißt es ja Geschmack!“ Es ist schön, wenn der Film den man beschreiben möchte, auch gleich ein treffendes Zitat mitliefert. Es ist genau diese unbefriedigende Geschmacksfrage, die letztlich entscheiden wird, ob Schwarze Schafe ein Erfolg sein wird oder nicht. Denn Schwarze Schafe ist ziemlich böse, geschmacklos und irgendwie auch ziemlich eklig.
„Der Film ist eigentlich eine Liebeserklärung an Berlin“, gesteht Regisseur Oliver Rihs. Allerdings genauso „rotzig-schräg“, wie die Menschen die in dieser Stadt leben, schiebt er noch schmunzelnd hinzu, als er am Samstag im Augsburger Thalia seinen Film präsentiert. Das erklärt dann doch so einiges – beispieslweise die seltsamen Charaktere, die den Film bevölkern.
In mehreren Episoden gelingt es Rihs tatsächlich, fast alle seltsamen Berliner Minderheiten zu portraitieren. Da wären die allgegenwärtigen Pseudo-Reovluzzer, die Berlin seit seeligen Mauer-Zeiten bevölkern: Breslin (Robert Stadlober) und Julian (Tom Schilling) zwei junge dauerbekiffte Möchtegern-68er, lamentieren über Weltpolitik, Drogen und wie sie ihr Leben noch vereinfachen könnten. Drei junge Türken (Eralp Üzun, Oktay Özdemir, Richard Hanschmann), machen das, was sie am besten können, über Sex reden, aber keinen haben. Ein Looser-Pärchen (Jule Böwe, Milan Peschel) bemerkt, dass sie nicht aus ihren Leben ausbrechen können und es nichts bringt, zu tun als sein man so kultiviert, wie die Münchner.
So kultiviert kann Boris (Marc Hosemann) zwar sein, aber nur, weil er ein Hochstapler ist und sich so eine Luxusnacht in einem Luxushotel mit einer Luxusfrau verschafft. Die Fassade bröckelt aber, als er bemerkt, dass er gerade seiner Traumfrau begegnet ist und er beschließt, sein Leben radikal zu ändern. Das wollen die zwei Möchtegern-Satanisten Fred (Kirk Kirchberger) und Arnold (Daniel Zillmann) auch, aber sie brauchen dafür ein Opfer für den Fürsten der Finsternis. Als eine Prostituierte ihnen nicht weiterhelfen kann und Anwerbungsversuche auf dem Spielplatz in einer Schmach für die beiden endet, greifen sie zur Notlösung: die im Koma liegende Oma von Arnold.
Auch wenn es sich nicht so anhört, in wirklich jeder Episode wird mindestens ein Tabu gebrochen, mindestens eine Körperflüssigkeit vergossen und dann noch mal eins draufgesetzt. Das ist nichts für zartbesaitete Gemüter und überzeugte Münchner. Auch wenn nicht alle Episoden wirklich gut sind, schwingt doch in allen die beschwingte Leichtigkeit der Filmemacher mit. Die beiden Schweizer Rihs und der Kameramann Olivier Kolb finanzierten ihre Liebeserklärung an Berlin erst aus eigener Tasche. Als Spaßprojekt gestartet versammelten sie dazu eine illustre Schauspielerschar, die sogar ohne Gage am Film mitwirkten. So kommt man dann auch in den Genuss, Frank Giering als Türsteher des Kit-Kat-Klubs zu sehen.
Es sind solch kleine Details, die den Film für mich über die schwachen Momente rettet. Sie können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schwarze Schafe eben nur ein guter Film, aber kein brillanter Film geworden ist. Vielleicht wird einfach ein Tabut zu viel gebrochen, um wirklich noch unbeschwert zu wirken.
Fazit: Was soll ich denn hier nun schreiben? Wie eingangs erwähnt, über Geschmack lässt sich nicht streiten, auch nicht über einen betont geschmacklosen Film wie Schwarze Schafe nicht. Für Menschen, die wirklich die wahre Wahrheit über Berlin erfahren möchten, die sollten sich den Film auf jeden Fall ansehen. Aber wenn man mit Kotzen, Scheißen und Oma-Penetrieren auf der Leinwand Probleme hat, sollte man Schwarze Schafe meiden. Unentschlossenen sei die Webseite des Films zu empfehlen, da gibts ein paar Szenen zum probesehen.


4. September 2007 um 21:15
Den will ich mir auch unbedingt anschaun. Die einzelnen Szenen, die es zum Probesehen gibt, fand ich schon ziemlich lustig.