05.
Februar
2009
Der Papst sei „entsetzt“ über die Kritik aus Deutschland. Wie kann man denn nur annehmen, dass hinter der Aufnahme des Holocaust-Leugners Richard Williamson eine antisemitische Überzeugung des Papstes stecken könnte?
Ganz abgesehen davon, dass man eigentlich gar nicht behauptet, verhält sich der Vatikan in dieser schwierigen Situation ziemlich stümperhaft.
Dabei hätten sie einfach nach den vier Prinzipien der Social Media handeln müssen, um der Krise aus dem Weg zu gehen. Schließlich ist die Kirche nichts anderes als ein gewaltiges soziales Netzwerk.
Vier einfache Punkte, die nicht zur Krise geführt hätten:
- Dialog: Der Papst hätte sofort nach bekannt werden den Dialog mit den Gläubigen suchen müssen, anstatt bräsig in seinem Palast zu grübeln. Ein jüngerer Joseph Ratzinger hätte diesen Dialog wohl unverzüglich gesucht, als Benedikt XVI. leider nicht. Anstatt jetzt also auf die Reaktionen im Ausland zu reagieren, macht man genau das Falsche. Kritik wird abgelehnt, im Gegenteil, man sei im Vatikan „entsetzt“ über die Reaktionen. Das eigentliche Problem, ob antisemitische Bischöfe tragbar sind für die Kirche, wird nicht diskutiert.
- Authentizität: Dieser Punkt sollte eigentlich kein Problem sein, denn einem Mann wie Benedikt glaubt man seine Bereitschaft zum Dialog und seine Ablehnung von Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Nur, wenn man sie nicht vehement vertritt, wird die Botschaft auch nicht gehört.
- Transparenz: Was sind die Gründe für die Wiederaufnahme Wiliamsons? Was bewegte den Papst dazu, wenn er im Vorfeld überzeugt davon war, dass man diese Geistlichen wieder in den Schoß der Kirche aufnehmen sollte, dann kann er diese Gründe doch anführen? Im Moment ist niemanden klar, was eigentlich hinter der Wiederaufnahme steht.
- Geschwindigkeit: Wie kann es sein, dass der Papst so extrem viel Zeit verstreichen lässt, bevor er klar Stellung bezieht. Die päpstliche Lethargie verschlimmerte die Situation nur noch. Ein sofortiges Machtwort des Papstes hätte für Ruhe sorgen können. Die fehlenden Informationen aus dem Vatikan wurden durch die begeisterte Presse mit Spekulationen gefüllt – ein PR-Super-GAU.
Jetzt also zu beginnen, kritische Stimmen einfach als „bösartig“ und „nicht redlich“ zu diffamieren, wie es Bundestagspräsident Lammert getan hat, zerstört das Vertrauen der Gläubigen noch viel mehr. Es entsteht mal wieder das Bild der verkrusteten und über aller Kritik erhabenen Kirche, kein Wunder also das konservative Kräfte im Land diesen Kurs der Kirche gerne mitmachen.
Der Vatikan ist also trotz eigenem YouTube-Channel irgendwie so gar nicht 2.0 und gerade das, kann er sich heutzutage eigentlich nicht mehr leisten.
