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Ja die Augsburger wollen gern anders sein, das wird ja immer und überall betont. Sie sind keine Bayern – nein – sie sind “Augschburger”. Großstädter sind sie auch nicht, “Augschburger” sind sie, schließlich war man ja schon lange vor München und Berlin eine wichtige Großstadt sagt man sich gerne an den Bierbänken.

Dass die Zeiten lange vorbei sind, Augsburg inzwischen nur noch die drittgrößte Stadt Bayerns ist und ihre Bekanntheit lange Zeit nur von der Puppenkiste bezog, wird dem Augsburger manchmal nicht so sehr bewusst. Inzwischen fällt man allerdings wieder auf als Augsburger – nicht selten erlebte ich, dass in anderen bayerischen Großstädten Augsburg als Synonym für Provinz gewählt. Ganz so Unrecht haben sie da eigentlich nicht.

Wie sonst kann man sich erklären, dass ein erfolgreicher Bürgermeister wie Paul Wengert so dermaßen deutlich abgewählt wird. Er habe “mit seinem Tempo viele in der Stadt abhängte” versucht die Süddeutsche Zeitung dieses Paradoxon zu erklären. Wengert hatte in den sechs Jahren zuvor die Schulden abgebaut, kräftig in die Bildung investiert und eine beachtenswerte Integrationspolitik umgesetzt. Sein Denkmal wollte er aber mit der Mobilitätsdrehscheibe setzen.

Trotz aller Erfolge scheint Wengert aber bei den Augsburgern nie wirklich angekommen zu sein. Vielleicht lag es daran, dass der OB A.D. sechs Jahre meinte eine Großstadt zu regieren und nicht “Augschburg”. Hier, wo Themen wie Bänke aufstellen oder Hundetoiletten für große Zustimmung bei den Bürgern sorgen.

“Augschburger” wollen keinen fernen, staatsmännischen, erfolgreichen Bürgermeister. Nein, sie wollen einen fürs Volk, einem Augschburger mit dem man im Wirtshaus über Hundetoiletten schwätzen kann – wie’s halt in Provinzdörfern so gehandhabt wird.

Und wie in Provinzdöfern üblich braucht man auch breite Straßen für die Traktoren, weshalb die Straßenbahnlinie 6 jetzt doch bitte nicht gebaut werden soll. Der öffentliche Nahverkehr ist ja schließlich so ein Kommunistending: alle können damit fahren, für wenig Geld und das auch noch umweltfreundlich. Dann doch lieber individuell mit dem Trecker in die Innenstadt und für Stau sorgen. Am besten die Friedberger Straße gleich auf acht Spuren ausbauen!

Was aber machen die Bauern, wenn der Parteikumpel am Ende die Straßenbahn dann doch nicht verhindern kann? Sie wird ja schon gebaut. Dann wird der bürgernahe OB sich doch nicht mehr so oft in den Biergärten rumtreiben können.

Aber wer weiß schon was die Zukunft bringt, vielleicht ist der Gribl Kurt ja doch kein so unangenehmer Zeitgenosse. Schließlich war er bisher noch gar kein Mitglied der CSU, was ihn eigentlich sympathisch macht. Und vielleicht wird er gar nicht die Marionette der Augsburger Filzpartei, wer weiß das schon?! Vielleicht haben sich die CSU-Lokal-Fürsten ein Kuckucksei ins Nest geholt und Gribl macht tatsächlich bürgernahe Politik – ein Graus für jedes Führungsmitglied der CSU.

Schaun ma moi! Hauptsache die Traktoren rollen!

PS: Danke Paul für die letzten sechs Jahre, die kann dir keiner schlecht reden.

Überraschung in Augsburg, das Gribl liegt nach der heutigen Kommunal- bzw. Bürgermeisterwahl vorm Amtsinhaber Wengert. Woran das wohl gelegen hat? Vielleicht an der wirklich peinlich niedrigen Wahlbeteiligung von etwa 48% wie Wengert behauptet? Sind die Augsburger einfach zu faul, um zur Wahl zu gehen?

Das könnte durchaus sein, ähnlich hatte sich das ja schon beim Bürgerentscheid zum Königsplatz abgespielt. Damals waren nur 25% der Augsburger in die Wahllokale geströmt. Die CSU scheint wohl die disziplinierteren Wähler zu besitzen. Die scheuten sich heute jedenfalls nicht vor dem nass-kalten Wetter und stapften zur Wahl. Setzt die SPD also auf Schönwetterwähler? Sollte man in dem Fall die Wahlen nicht lieber auf den Sommer legen?

Ganz so einfach ist es wohl nicht, aber dass die niedrige Wahlbeteiligung natürlich Auswirkungen auf das Ergebnis hat, scheint nachvollziehbar. Was nutzt es dem Bürger, wenn nicht mal die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben? Selbst schuld möchte man da sagen, wenn die Augsburger ihre Chance nicht nutzen, sich an der Gestaltung ihrer Stadt zu beteiligen. Da kann man dann auch nur Bärbel Wengert zustimmen, wenn sie Gribls Erfolg mit den Worten “Jeder kriegt das, was er verdient. Und wenn die Augsburger den wollen, sollen sie ihn haben.” kommentiert.

Aber noch wirft Wengert die Flinte nicht ins Korn, kämpferisch verkündet er “… abgerechnet wird am 16. März!” Ich kann nur hoffen, dass dann eine höhere Wahlbeteiligung erreicht wird. Wer will schon einen Bürgermeister, der vielleicht nur von einem Viertel der Bürger gewählt wird?

Dass nicht alle Augsburger uninteressiert an den Wahlen sind, sieht man allerdings an den Problemen derzeit auf die Seiten der Stadt Augsburg und der Augsburger Allgemeinen zu kommen – die sind am Zusammenbrechen.