“Jedes Jahr werden in den Städten drei neue Hotels gebaut”, erzählte uns Tashi, unser Guide in Tibet, als wir unser Hotel nicht finden konnten. Selbst er kannte sich nicht immer aus in seinem Land – wie soll es dann erst uns gehen.

Wir fanden z.B. gestern unsere Buslinie nicht, die wir vor kurzem noch genutzt hatten, um aus der Innenstadt Suzhous zu unserem Domizil zu gelangen. Die Linie stand einfach nicht auf dem Plan, den ich vor mir hielt. Wir wussten aber definitv sie war da! Es musste sich um eine neue Linie handeln, die, obwohl der Busplan neu war, nicht eingezeichnet war.

Irgendwie fanden wir auch die Bushaltestelle, an der wir letztens zugestiegen waren und tatsächlich kam auch unser Bus – was für ein Glück! Vielleicht aber auch Pech, denn obwohl Busfahren trotz manchmal abenteuerlichen Fahrzeugen eigentlich immer ganz angenehm gewesen war, erwischten wir an diesen Tag einfach nur total beschissene Busfahrer.

Für die war nicht nur Schalten ein Fremdwort, auch Bremsen, überholen und an Bushaltestellen stoppen, war nicht so ihr Metier. Erst wurde wie bescheuert angefahren, dann irgendwie überholt, wenns nötig war, wurde auch eine dritte Spur auf der Gegenfahrbahn aufgemacht. Gehupt wird sowieso, das ist klar, auch wenn der Bus 2cm hinter einem anderen steht und der Busfahrer so überhaupt nicht sieht, was eigentlich vor dem andern Fahrzeug los ist.

An manchen Bushaltestellen wird erst gar nicht angehalten, wenn keiner aufspringt und raus möchte. Dafür halten sie dann auch außerplanmäßig irgendwo auf der Straße, wenn jemand raus möchte. Bis dahin ist mir das eigentlich relativ Schnuppe gewesen, aber ein Busfahrer hat mich einfach total fertig gemacht. Er hat nicht nur sämtliche schon angesprochene Punkte erfüllt, er setzte noch einiges oben drauf.

Gleich nach dem Einsteigen fährt der Spinner doch tatsächlich auf den Radweg und versucht aus irgendeinem Grund, den nur er kennt am stehenden Verkehr vorbeizu kommen. Nur ist der Radweg etwas schmal für einen Bus, also kratzen wir rechts mit den Reifen an den Bordstein und links an den stehenden Verkehr vorbei. Kurz darauf fährt er fast eine Radfahrerin mit Kind um und seine einzige Reaktion ist ein Hupen – nichts von bremsen zu sehen.

Als er dann meint 20 Meter vor der Bushalte noch mal zu überholen, reicht es mir: Ich möchte raus! Sofort! Auf wundersame Weise schafft der Busfahrer das Überholmanöver, bzw. ist gerade noch dabei, als er auf die Bremse latscht. Das Fahrzeug bleibt quer über zwei Fahrbahnen stehen und wir springen raus.

Ich hänge doch zu sehr an meinem Leben, als dass ich in einem Bus einen Herzinfarkt bekommen möchte. Beunruhigend ist allerdings, dass außer uns keiner der Fahrgäste aussteigt, als normal möchte ich so eine Fahrweise nicht mal in China bezeichnen.