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Ist das schon wieder ein Jahr her? Wie die Zeit verfliegt! Heute vor einem Jahr brach ich auf nach Peking, um für Atos Origin vier Monate aus dem Reich der Mitte zu berichten.

Vor einem Jahr um diese Zeit war ich schon auf dem Weg zum Flughafen München. Ein bisschen aufgeregt zwar, aber ziemlich neugierig auf die kommenden Wochen. Und jetzt, ein Jahr später kann ich sagen, dass ich die Zeit in Peking dann doch ab und an vermisse.

Trotz all dem Chaos, den vielen Menschen und der Luftverschmutzung hab ich Land und Leute schätzen gelernt. Auch wenn man sich gern mal über die “etwas” andere Mentalität der Chinesen aufregt, irgendwie hab ich mich doch wohlgefühlt.

Tja und nun sitze ich hier, arbeite fleißig an meinen Abschluss und frage mich, wie es jetzt wohl aussieht in Peking: Ob es meine Wohnung noch gibt oder sie schon zusammengestürzt ist? Wie das Olympische Grün wohl aussieht? Sind die neuen U-Bahnen immer noch so sauber? Was wohl all die Kollegen jetzt machen?

Ich werde wohl noch ein bisschen in Erinnerungen schwelgen und dann weiter an den kommenden Referaten arbeiten …

Die Chinesen, ich mag das Völkchen einfach. Da brennt eines der bemerkenswertesten neuen Gebäue Peking, der CCTV-Tower und was macht das Staatsfernsehn? Es zeigt keine Bilder vom Feuer, nicht dass sie keine hätten. Sie hatten sogar ganz schöne, gezeigt wurden sie allerdings nur kurz nach ausbrechen des Feuers.

In der folgenden Berichterstattung gabs dann keine Bilder mehr zu sehen, nicht weil es verboten worden wäre, weit gefehlt. Es kristallisierte sich nur nach und nach heraus, dass die eigenen Mitarbeiter des Staatsfernsehns wohl für das Feuer im neuen Hauptquartier des Senders, verantwortlich waren.

Nach neusten Erkenntnissen hatten wohl illegale Feuerwerkskörper den Brand verursacht, gezündet von einigen CCTV-Leuten. Die verbotenen Raketen hatten wohl so viel Bums, dass sie den neuen CCTV-Tower und ein daneben stehendes Hotel in Flammen aufgingen ließen.

Peinlich für CCTV, tragisch für einen Feuerwehrmann, der beim Brand ums Leben kam. Ob Selbstzensur da der richtige Weg ist, wage ich da mal zu bezweifeln.

Hier noch ein Bild des Gebäudes aus meiner Zeit in Peking:

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[via]

Eine beeindruckende Geschichte, die da auf der Berlinale ans Licht der großen Öffentlichkeit flimmert. Florian Gallenberger erzählt die Geschichte des deutschen NSDAP-Mitglieds John Rabe.

Als Chef der dortigen Siemens-Vertretung lebte er schon dreißig Jahre in China, als 1937 der 2. Japanisch-Chinesische Krieg mit brutaler Gewalt über die Stadt hereinbricht. Obwohl der Deutsche Mitglied bei der NSDAP ist und damit irgendwie ja Verbündeter der Japaner, rettet er während des blutigen Massakers von Nanjing über 200.000 Chinesen das Leben. Noch heute wird er von den Chinesen als “der deutsche lebende Buddha” verehrt.

Seltsamerweise war diese beeindruckende Geschichte in Deutschland lange Zeit völlig unbekannt, bis 1997 die umfangreichen Tagebücher von John Rabe veröffentlicht wurden und einen verstörenden Blick in die Vergangenheit ermöglichten. Einen Blick, der die japanischen Grausamkeiten an den Chinesen zeigt und die aufopfernden Versuche, unschuldige Leben zu retten.

Oscarpreisträger Gallenberger nimmt sich also dieser Geschichte an und besetzt John Rabe mit dem großartigen Schauspieler Ulrich Tukur, auch die restliche Cast kann sich sehen lassen. Die ersten Bilder im Trailer lassen in mir allerdings ein wenig Zweifel aufkommen, welche die TAZ dann auch recht gut zusammenfasst: “Oskar Schindler in China im Pearl Harbour Style.

Trotzdem hört sich die Geschichte zu interessant an, als dass ich sie links liegen lassen könnte. Allein schon für Tukur würde ich mir den Film schon ansehen, aber ich denke dass ich mir zuerst mal das von Erwin Wickert herausgegebene Tagebuch von John Rabe zu Gemüte führen werde. Bis der Film am 2. April ins Kino kommt, sollte das ja zu schaffen sein.

Über eine Woche hab ich dann jetzt doch gebraucht, um mich wieder einigermaßen an Deutschland zu gewöhnen. Vor allem die Zeitumstellung hat mich noch lange beschäftigt, es ist einfach unschön, wenn man morgens um 4 oder 5 Uhr aufwacht, nur weil der Körper meint, es wäre Zeit aufzustehen. Heute hat er aber endlich eingesehen, dass länger schlafen entspannender ist – Punkt 9 Uhr bin ich aufgewacht!

Der Rest der Eingewöhnung lief bisher ganz gut, auch wenn es ab und an noch zu leichten Irritationen kommt. Warum muss ich z. B. mein Obst im Supermarkt selbst einpacken und wiegen und warum muss ich mein Auto selbst betanken?! Man wird schon verwöhnt in China.

Überhaupt gestaltet sich das Autofahren hier etwas enervierender. Man spürt manchmal schon die Aggressivität beim Fahren und das, obwohl die Straßen hier doch leer sind. Außer man trifft hier in Augsburg auf eine der vielen, vielen Baustellen. Da wird’s dann etwas voller und der Durchschnitts-Augsburger scheitert am Reisverschlusssystem, was dazu führt, dass alle noch aggressiver werden. Auch wenn es in China viel chaotischer auf den Straßen zugeht, gefällt mir dass dann dort doch besser.

Was mich wirklich erstaunt hat, war das Gefühl der Leere und das wortwörtlich. Mir kamen so ziemlich alle Straßen verwaist vor. Selbst wenn eigentlich schon einiges los war. Nach vier Monaten mit Menschenmassen um einen herum wirkt Deutschland menschenleer wie Namibia. Allerdings lässt dieses Gefühl so langsam nach.

Schließlich hat es auch Vorteile, wenn man in Deutschland ist. Was da sofort auffällt, die öffentlichen Toiletten riechen plötzlich nach Raumdüften und nicht nach Exkrementen. Ich kann den Himmel tatsächlich wieder sehen und die Luft kann ich sogar atmen.

Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich mich wieder komplett eingewöhnt habe. Ich hätte nicht gedacht, dass vier Monate in der Fremde solche Auswirkungen haben können. So werde ich die nächsten Tage noch hoch konzentriert an der Ampel stehen müssen, damit ich nicht einfach anfange loszulaufen.

So, ich mach mich vom Acker hier. Es war eine sehr interessante Zeit, mit sehr interessanten Menschen und tollen Erlebnissen – aber das war ja zu erwarten ;) Trotzdem freu ich mich auf zu Hause, auch wenn bis dahin noch ein stinklanweiliger Flug auf mich wartet.

Adé Peking! Wir sehen uns in Augsburg.

Die letzten Tage vor meiner Abreise aus Peking ergründe ich doch tatsächlich noch einige der großen Mysterien der chinesischen Kultur. Warum zum Beispiel in Restaurants häufig extrem laute Musik oder Fernsehsendungen laufen.

Ich war heute wohl einer der Ersten, der sich in den Frühstücksraum des Hotels begeben hatte, jedenfalls wurde für mich extra der Toaster angeschmissen und Musik aufgedreht – nur nicht so laut wie sonst.

So dudelte also ein wenig westliche Popmusik aus den Lautsprechern, als der erste chinesische Gast eintraf. Ich schmierte schon meinen ersten Toast, als der Herr sich am Tisch neben mich setzte und seinen voll beladenen Teller abstellte.

Dann legte er los, lautstark schlürfte er die Suppe in sich hinein, ab und an blubberte es etwas, weil er ja auch Luft holen musste. Nachdem er sich zwischenzeitlich noch mal etwas Suppe geholt hatte, begann er seine kleinen Hefeklößchen lautstark schmatzend zu verzehren.

Als die Klößchen und die Suppe verzehrt waren, machte er sich an den Salat auf dem Teller, dazu hielt er den Teller einfach vor seinen Mund und schob den Salat mit den Stäbchen in Selbigen – laut schmatzend natürlich.

Als dann nach und nach noch drei weiter Chinesen eintrafen, wurde plötzlich in Dolby Surround geschmatzt, gehustet und Rotz hochgezogen. Ich muss gestehen, ich hab mich inzwischen dran gewöhnt, das ist nun mal so in China, aber in diesem Moment begriff ich die sonst so lautstarke Beschallung in den Fresstempeln Chinas. Wir sind hier schließlich nicht im Schweinestall am Futtertrog, sondern in einem Land mit jahrtausende alter Tradition.

China kann auf eine sehr lange und glorreiche Geschichte zurückblicken, das steht wohl außer Frage. Eine der wichtigsten Strömungen, die diese Geschichte beeinflusst hat, ist der Konfuzianismus. Der hat neben dem Buddhismus und Daoismus Chinas Entwicklung maßgeblich geprägt.

Als ich heute im Konfuziustempel in Peking war konnte ich dann auch das Geheimnis ergründen, warum der Konfuzianismus so bedeutend werden konnte: der Ink Lake. Dieser Tinten-See soll der Legende nach große Schreiber hervorbringen.

Trink ein Autor vom Wasser des Teiches, wird er großartige Schriften in großer Zahl schreiben. Nimmt er das Wasser für die Tinte, so wird er eine hervorragende Handschrift haben. So weit die Legende. Natürlich hört sich das sehr verlockend an, weil ich erstens mit meiner Handschrift nicht zu frieden bin und zweitens ja auch irgendwann noch meine Masterarbeit schreiben muss.

Leider sieht der See heute eher aus wie ein Tintenfass. Ein Blick in den Brunnen ließ nicht viel am Grund erkennen, dank Fotoblitz konnte ich aber den derzeitigen Wasserstand ganz gut sehen, bzw. nicht sehen. Der Brunnen war bis oben gefüllt mit Müll.

Was sagt das jetzt philosophisch gesprochen über die heutige chinesische Kultur aus?

Konfuzius würde dazu wohl sagen: “Lenken mit Bestimmungen und disziplinieren durch Strafen mag das Volk im Zaum halten, jedoch ohne Schamgefühl. Lenke mit Tugend und diszipliniere mit Riten und es wird Scham empfinden und mehr Pflichtbewusstsein haben” (Lun Yu 2,3).

Aber das passt dann auch irgendwie auf die deutsche Kultur …

Noch sind nicht alle Werbebanner für die Olympischen Spiele aus dem Straßenbild verschwunden, bzw. durch die Paralympics-Embleme ausgetauscht, da ist auch schon wieder das alte China da, wie ich es vor den letzten zwei Wochen kennengelernt habe.

Es wird wieder hemmungslos gerotzt, die Schlafanzugträger sind wieder in den Straßen unterwegs und nicht zu vergessen die berühmten Uhrenverkäufer (“Want a Mao watch?! No?! Mao book?!”). Die U-Bahnen sind endlich wieder richtig voll und die Klimanalage darin etliche Grad kälter eingestellt. Kurzum: Die Chinesen geben sich wieder, wie sie wirklich sind: laut, manchmal etwas eklig und dann plötzlich extrem liebenswert.

Schade, dass die Regierung während der Spiele lieber eine Soap-Opera-Version von China verkauft hat, aber die wenigen Touristen, die noch da sind, sehen China jetzt dann richtig.

Das Ende ist nah! Noch ein paar Stunden und die Olympischen Spiele 2008 sind Geschichte. Zeit für ein vorläufiges Fazit meinerseits.

Es waren große Spiele, mehr Sportarten, mehr Athleten, mehr Journalisten, mehr Sportstätten, mehr Volunteers – kurz mehr Aufwand als jemals zuvor wurde betrieben, um perfekte Spiele zu gewährleisten und China ein neues Bild in der Welt zu geben. Ersteres ist gelungen, Letzteres wird wohl dank der übertriebenen Propaganda wohl nicht wirklich funktionieren.

So richtig wichtig ist bei den Spielen, nach Bekunden des IOC ja sowieso nur der Sport und der wurde ja nun zu Genüge gezeigt. Sportlich war’s tatsächlich ziemlich überzeugend und spannend, außer dem Abschneiden der deutschen Sportler, gibt’s da nichts zu meckern.

Was mich aber so richtig enttäuscht hat, war die kaum vorhandene Stimmung in den Sportstätten und in der Stadt. Sie waren perfekt organisiert, das steht außer Frage, aber gute Stimmung kann man halt nicht planen. Ich hatte mir das alles ein bisschen bunter, multikultureller und ausgelassener vorgestellt. Aber bei vielen Millionen Chinesen fallen ein paar Hunderttausend ausländische Fans nicht sonderlich auf.

Allgemein neigen die Chinesen scheinbar nicht zum großen Jubeln und Feiern. Richtig laut wurden sie bei diesen Spielen eigentlich nur beim Anfeuern ihrer eigenen Athleten und beim Verkünden von chinesischen Goldmedaillengewinnern.

Es war dann manchmal doch schon etwas anstrengend, wenn hinter dir im Stadion plötzlich irgendeine schrille Stimme aufgeregt JiaYou! schreit, bloß weil ein chinesischer Diskuswerfer sich gerade warm machte, aber beim Weltrekordsprung nur ein verhaltener Applaus und einen raunen durch das Stadion hallte.

Der Jubel der Chinesen war meist eh nur sehr kurz, viel Luft dafür scheinen sie nicht zu haben. Sie sind wahrscheinlich mehr die Fahnenschwinger, die bei politischen Reden bei besonders tollen Sätzen kurz mal jubeln dürfen – da braucht man ja schließlich keine ausgelassen feiernden Menschen.

Ich glaube allerdings, dass die Chinesen diese Spiele so was von Ernst nahmen, dass sie für richtige Ausgelassenheit irgendwie keinen Sinn mehr hatten. Ich weiß allerdings auch nicht, wie das sonst bei Olympischen Spielen ist, das waren schließlich meine Ersten. Vorher habe ich nur die Fußball-WM 2006 in Deutschland als sportliches Großereignis miterlebt, aber da herrschte eine ganz andere Stimmung. Man hatte wirklich das Gefühl, dass man eine große Welt-Party feierte.

Hier in Peking sind die Live Sites für Public Viewing fast immer verwaist, kaum einer würde auf die Idee kommen, da irgendwie Partystimmung zu verbreiten. Meist wird nur stumm auf die Leinwände gestarrt und ab und zu mal applaudiert. So richtige Stimmungskanonen sind Chinesen also nicht, das liegt vielleicht auch an ihrer Kultur.

Als vorläufiges Fazit kann ich wohl heute mal zusammenfassend schreiben: Ja, sportlich und organisatorisch waren das wirklich tolle Spiele, kaum besser zu machen, aber atmosphärisch ist wohl viel, viel mehr drin.

Vielleicht geht ja heute bei der Abschlussfeier noch was, wir werden sehen…

Chinesen sind ein sehr geduldiges Völkchen. 100 Jahre haben sie schließlich auf die Olympischen Spiele gewartet und auch sonst scheinen sie sehr viel Zeit zu haben. Gerade jetzt währen der Spiele kann man das sehr gut beobachten. Bestes Beispiel sind die überall herumstehenden Nachbarschaftskommitee-Mitglieder.

Diese Aufpasser sorgen dafür, dass sich die Einheimischen gut bennehmen, nichts auf die Straße werfen und sich im Bus auch zivilisiert verhalten. Zu erkennen sind sie an roten Arbinden und sie sind eigentlich kaum zu übersehen. In so gut wie jeder Straße stehen, sitzen oder liegen ältere Damen und Herren und machen eigentlich nichts besonderes – sie sind halt da und passen auf.

Die ganz Hartgesottenen unter ihnen stehen dann den ganzen Tag unter Brücken. Meist zu zweit und meist mit alten Fahrrädern neben sich und passen auf, dass keiner sein Auto dort parkt. Sie sind damit irgendwie die erste Linie des Antiterrorschutzes, denn Verdächtiges sollen sie sofort der Polizei melden.

Und so stehen sie dann, den lieben langen Tag an Straßen, unter Brücken, in U-Bahnen, an einfach allen möglichen öffentlichen Plätzen und warten. Das können die Chinesen einfach unglaublich gut, sie sind wahre Warteweltmeister

Das wirklich Extremste, was ich bisher im Lichte dieser Erkenntnis gesehen habe, ist eine Tankstelle in direkter Nähe des Olympiageländes. Die wurde vor den Spielen noch schnell renoviert und strahlt jetzt im neuem Glanze. Aber da sie ein potentielles Sicherheitsrisiko für die Spiele darstellt, ist sie derzeit geschlossen. Die Zapfsäulen sind verblombt und vor dem Eingang des Kassenbereichs hängt ein dickes Vorhängeschloss.

Das alles ist ja noch zu verstehen, warum jetzt aber das gesamte Personal der Tankstelle trotzdem jeden einzelnen Tag der Woche zur Arbeit erscheint kann mir allerdings keiner erklären. In ihren schicken Uniformen stehen sie nun jeden Tag von früh bis spät an der verrammelten Tankstelle – eine Kassiererin sitzt auch hinter der Kasse – und sie tun das, was Chinesen einfach können: sie warten.

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