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… bin ich hier abgestiegen. Wenn Bier und Rasierer zum täglichen Bedarf zählen, kann ich da ja durchaus zustimmen, aber Kondome? Außerdem liegt hier noch ein Vibrator (Shake Condom) für den Mann, davon hab ich noch nie gehört. Aber ich bin ja auch auf einer Bildungsreise, mein Verstand weitet und weitet sich.

Ich hatte es ja schon geahnt, dass wir bei unserer Sightseeing-Tour sicherlich auch etwas kaufen sollten. Schließlich sitzen wir Touristen ja angeblich auf dem Geld. Dass aber von 5 Zielen an dem Tag nur 2 wirklich kulturellem Wert hatten war nicht zu erwarten gewesen.

Eigentlich suchten wir nur eine einfache Art zur Chinesischen Mauer zu kommen. In unserem Hotel wurde das auch gleich angeboten. Da wir wenig Zeit hatten buchten wir den Trip für 190 Yuen pro Kopf, was teuer war, aber auf die schnelle die beste Lösung. Vor allem nachdem uns auf dem Weg vom Bahnhof zum Hotel bereits Fahrten für 400 Yuen angeboten wurden. Bei unserer gewählten Tour waren wenigstens noch die Ming Grabanlage und eine „Jade-Ausstellung“ dabei.

Um 7 Uhr ging es mit anderen Gästen des Hotels und einer Reiseführerin schon los durch den Stadtverkehr von Beijing, also mitten in die Rushhour hinein. Nach einer etwas tristen, weil regnerischen Fahrt, kamen wir in Badaling an, dem Stück Mauer, dass touristisch am meisten frequentiert wird. Davon war allerdings zu dieser frühen Stunde nichts zu sehen, wir waren die ersten.

Es gab nun zwei Möglichkeiten, den leichten oder den schweren Weg. Da Luke Skywalker auch immer den schweren Weg gewählt hatte, war klar, dass wir als echte/r Mann/Frau den Hardcore-Weg wählten. Schließlich, so zeigte uns die Erfahrung, übertrieben Chinesen gerne. Eine Pizza für 2-3 Personen bei Pizza Hut ist z.B. grundsätzlich für eine Person zu wenig.

Leider war die Einschätzung unserer Reiseführerin diesmal richtig. Schon nach ein paar Metern wurde es anstrengend, nach ein paar hundert Metern hätte ich kotzen können. Man bin ich unsportlich! Dennoch war das Stück zum ersten Wachturm nur ein Vorgeschmack was noch folgen würde. Die Stufen wechselten ständig von extrem Flach bis 40cm hoch – kaum normal zu begehen.

Meine Freundin gab irgendwann auf und bewegte sich keinen Schritt weiter, ich ließ ihr Wasser und einen Schokoriegel da und machte mich weiter. Ich wollte es bis zum Gipfel schaffen. Das Ziel fest vor Augen stapfte ich los, machte jedoch erst alle 40m, dann all 20m, dann alle 10m eine Pause. Selbst jetzt beim Schreiben bekomme ich noch Seitenstechen wenn ich daran denke. Ich erreichte die Plattform, die ich für die auf der Bergkuppe gehalten hatte und war völlig am Boden zerstört, als ich dahinter noch einmal ein steiler Aufstieg befand.

Da wir nur läppische 2 Stunden für die Mauerbesichtigung bekommen hatten, war ich gezwungen mein gesetztes Ziel aufzugeben und etwas geknickt wieder hinabzusteigen. Ich sammelte noch meine Freundin ein und dann plumste ich mit schweren Beinen in den Bus.

Die Ming Grabstätte, klein aber fein

Das zweite kulturelle Ziel waren die Ming Tombs, die Grabanlagen der Mingkaiser. Hatten wir für die Mauer noch 2 Stunden gehabt, wurde die wirklich ansehnliche Grabanlage sehr schnell abgehakt. Wir flitzten durch, schossen ein paar Fotos und waren auch schon wieder weg, alles in einer knappen halben Stunde. Enttäuschend war für mich allerdings nur, dass man nicht in die unterirdische Grabstadt des Kaisers hinunter durfte. Das war’s mit Kultur, den Rest des Tages verbrachten wir, außer dem Essen, in irgendwelchen obskuren Verkaufsräumen – natürlich alles kostenlos.

Der erste Versuch von uns Geld abzupressen schlug allerdings Fehl, die Jadegallerie war dann doch nicht unserer Preisklasse. Innerhalb von 10 Minuten wurde uns gezeigt was Jade ist, wie daraus Skulpturen entstehen und woran man gute Jade erkennt (Klang, Farbe und Lichttest). Dann sollten wir uns in den Verkaufsräumen umsehen, was wir auch alle brav taten. Nur kaufen tat eben keiner was. Wie auch, wenn die billigsten Steinchen bereits 20 Euro kosteten. Faszinierend war es trotzdem, diese wirklich grandiosen Arbeiten, die teilweise meterhoch waren zu betrachten.

Der zweite Versuch fand in einem Teehaus statt, bei dem wir ein Testtrinken absolvieren durften. Anschließend wurde uns der Tee exklusiv angeboten. Zwar schmeckte das Zeug teilweise wirklich gut, aber 14-20 Euro für Tee? Nein Danke! Trotzdem kauften einige von uns den Tee. 80 Euro wechselten hier den Besitzer.

Den letzten Versuch verpackten sie wirklich meisterhaft. Eine Fußmassage sollte unsere müden Füße entspannen – praktisch dass gleich neben dem „größte Teehaus Pekings“ (einer kleinen Kaschemme) ein Zentrum für Massagen war. Hier wurden wir in wahnsinnig nervig betontem Englisch von einer jungen Dame aufgeklärt, was so eine Fußmassage bewirken soll und wie die tolle Kräutermischung im Bottich mit brühendheißen Wasser, in dem unserer Füße plötzlich steckten, hier helfen kann. Lief es etwa nur auf den Verkauf diese Kräuterbrühe hinaus? Ein bisschen wenig für so viel Aufwand.

Zum Schluss ihres Monologes über Fußmassagen schwang die Dame vor uns aber auf das eigentliche Ziel dieser Veranstaltung um: tibetische Medizin. Tibetische Ärzte lesen Krankheiten an den Händen ab und reiiiin zufällig arbeitet natürlich hier einer DER kompetentesten tibetischen Ärzte Chinas hier in diesem kleinen Betrieb in irgendeiner Seitengasse Beijings. Sie wolle ihn Fragen, so unsere Betreuerin, ob er denn nachher mal Zeit hätte für uns.

Schwupps sprang die Tür auf und die Masseure kamen herein und begannen zu walken, kneten, hämmern und drücken – was wirklich sehr angenehm war. Und natürlich kam just in dem Moment, in dem wir uns definitiv nicht mehr wegbewegen konnten der große tibetische Arzt hinein. Der hatte zwar so schlechte Zähne wie manch ein Tibeter, sah aber eher nach einem Han-Chinesen aus.

Das Vogelnest:Das große Olympiastation in Peking

Schon ging das palavern los, wobei ähnlich vorgegangen wurde wie beim normalen Handlesen, bei dem der Handleser einfach ein guter Menschenkenner sein muss. Als dann plötzlich noch andere berühmte tibetische Ärzte auftauchten hätte es eigentlich auch der dümmsten Langnase klar sein müssen, was das hier für ein riesiger Quatsch war. Aber die Leute aus unserer Reisegruppe waren anscheinend noch dümmer. Vier Leuten wurden irgendwelche Rezepte angedreht, die locker 120 Euro überstiegen, schließlich dauern Therapien auch ihre Zeit.

Dass am Ende eigentlich alle dieselben „Medikamente“ in ihrer Tüte hatten, interessierte anscheinend niemand. Aber was soll’s, ich genoss meine kostenlose Fußmassage und war froh, dass meine Fußschmerzen weg waren. Uns versuchte auch kein „Artzt“ zu befragen, wir waren denen anscheinend einfach noch zu jung.

Was für ein Tag, wir hatten unser Mindestziel erfüllt und die Mauer gesehen. Der Rest lief zwar unter fernerliefen, allerdings waren Jade-Austellung, Teeprobe und Fußmassage alles andere als nervig und langweilig. Schließlich gab’s einiges umsonst und ich als alter Schnorrer und Sparfuchs hab das natürlich mitgenommen. Außerdem konnten wir so einen kurzen Blick auf die riesige Olympiabaustelle erhaschen, was bisher wirklich einen wahnsinnig imposanten Eindruck hinterlässt.

Am Ende bleibt das Fazit, dass 190 Yuen wohl immer noch etwas zu viel waren, aber immerhin billiger als das, was man sonst so angeboten bekommt und, dass man grundsätzlich NICHT den schweren Weg auf der Großen Mauer wählen sollte, außer man ist Leistungssportler oder Chinese, die sind jedenfalls alle hoch gesprintet. Das wichtigste ist aber: Es gibt tatsächlich Westler die absolut keine Ahnung haben, dass man einfach nichts bei solchen Veranstaltungen kauft. Dummheit ist allerdings nur für Außenstehende unerträglich, die Knödel, die fleißig kauften, grinsten jedenfalls dümmlich vor sich hin.

Wir hatten uns freigekämpft aus dem Wirrwar der Verbotenen Stadt und vor uns öffnete sich der gewaltige Tiananmen-Platz, von dem ich immer dachte er hieße Tianmen-Platz. Der größte innerstädtische Platz der Welt sah allerdings gar nicht so groß aus, denn ein großer Springbrunnen und unglaublich viele Blumenwände teilten ihn in mehrere kleine Plätze auf. Wir wollten natürlich nun endlich da rauf, aber wie? Das Ding war völlig eingezäunt und umgeben von einer riesigen stark befahrenen Straße.

Fakt ist: auf den Platz des Himmlischen Friedens kommt man nur durch einige Unterführungen, die sich rund um den Platz befinden. Beim Betreten gibt es eine kleine Sicherheitskontrolle und dann darf man sich völlig der Monumentalität hingeben. Nicht nur der des Platzes, sondern auch der Gebäude rundherum. Das Tiananmen-Tor mit dem gewaltigen Mao-Bild, auch die Great Hall of the People und das Nationalmuseum prägen durch ihre Wuchtigkeit das Bild. Das Mao-Mausoleum wirkt dagegen etwas schlichter, war allerdings auch montags geschlossen – dumm gelaufen für uns. Mal sehen ob wir das morgen noch schaffen.

Wir mussten also weiterziehen. Endziel war der Himmelstempel, als Zwischenetappe hatten wir die Liulichang Culture Street auserkoren. Wir wussten zwar nicht, um was es sich dabei handelt, es hörte sich aber gut an. Also losgelaufen und obwohl wir nicht wirklich wussten wo wir eigentlich waren, wähnten wir uns auf den richtigen Weg. Die Straßenzüge sahen inzwischen zwar nicht mehr so modern aus, eher wie im Berliner Stadtteil Marzahn und es fehlten sämtliche englischen Straßennamen, aber wir waren sicher, dass wir richtig liefen.

Ist ja gar nichts los hier! Beijing Bahnhof um halb 8.

Tatsächlich fanden wir die Liulichang Street auf Anhieb. Eigentlich war sie kaum zu übersehen mit ihren bunten zwei- bis dreietagigen historisch angehauchten Gebäuden. In kleinen Häuschen auf beiden Seiten der schmalen Straße gab es winzige Läden mit Gemälden, handgefertigten Kunstwerken, Teeläden und andere typisch chinesische „Kulturkaufhäuser“, leider mit horrenden Preisen. Qualität hat auch in China ihren Preis, bzw. Touristen bezahlen wie überall auf der Welt halt immer etwas mehr.

Die Cultural Street endet einfach irgendwo mitten in der abgefucktesten, aber trotzdem noch charmanten Gegend Pekings und der völlig unbedarfte Tourist ist etwas verwirrt. Wir orientierten uns nach der Himmelsrichtung und liefen und liefen. Mir kam es vor als würde ich Spuren im Asphalt hinterlassen so schwer fühlten sich meine Bein an. Als wir endlich in den Park des Himmelstempels erreichten, waren wir fast am Ende. Den Rest gab uns dann die Tatsache, dass wir bis zum Tempel noch gut einen halben Kilometer laufen mussten. WARUM muss in China denn immer alles so riesig sein!!

Der Tempel entschädigte allerdings für die Mühe. Ein wunderschöner, unglaublich perfekt wirkender, runder Tempel, indem der Kaiser ein Mal im Jahr beten musste, um die Harmonie im Universum aufrecht zu erhalten (oder so ähnlich). So ganz kapiert hab ich den Park nicht, ein Teil ist eckig ummauert und symbolisiert damit die Erde. Der andere Teil ist rund ummauert und symbolisiert den Himmel. Hier wird quasi beides durch den Kaiser vereint. Die Chinesen sind quasi wie Goethe: Nichts wurde zufällig geschaffen, alles hat seinen Sinn.

Am beeindruckendsten war allerdings die Echo Wall, an der man sich unterhalten konnte, obwohl man 400 Meter weit weg stand. Spricht man gegen die Wand wird der Schall die Mauer entlang getragen und man versteht den anderen, als würde er neben einen stehen. Das hat tatsächlich geklappt! Dumm nur das gleichzeitig mit dir, 500 Chinesen dasselbe probieren und du kaum etwas verstehst.

Als wir ermattet, aber noch nicht geschlagen in Richtung des Ausgangs watscheln, sehen wir in den weitläufigen Parks viele Menschen bei ihren Übungen, die unterschiedlicher kaum sein konnten. Die einen betrieben einfach Gymnastik, die anderen wandten sich dem Kampfsport zu, manch einer gar mit Stab. Andere rubbelten ihre Rücken an Bäumen, was sehr, sehr seltsam aussah. Es wirkte alles friedlich, obwohl klar war, dass 100 Meter weiter der übliche Verkehrsstau lärmen musste, hörte man fast nichts. Aber so sind chinesische Gärten, irgendwie magisch.

Zu unserem Glück konnten wir vom Himmelstempel mit der funkelnagelneuen, superhypermodernen und wirklich extrem sauberen UBahn-Linie 5 fahren. Die Besucher der olympischen Spiele können sich wirklich auf diese UBahn freuen. Natürlich ist noch nicht alles fertig, aber fahren tut sie schon. So können wir uns ein wenig entspannen, ehe wir uns wieder an die Oberfläche machen und sehr gemütlich zu unserem Hotel wanken.

Eine Tour de Force liegt hinter uns: Verbotene Stadt, Tiananmen-Platz, Liulichang Culture Street und Himmelstempel, alles zu Fuß begangen. Dafür sind meine Schuhe glaube ich jetzt endgültig durch. Gut, dass ich noch ein zweites Paar dabei habe. Zu dieser Powertour rate ich an dieser Stelle ab. Nur wer wirklich wenig Zeit in Beijing zur Verfügung hat, sollte sich das antun und wenigstens mit dem Taxi zwischen den weiter entfernten Etappen herumfahren. Peking ist nämlich verdammt groß, auch wenn es auf Karten nicht so wirkt.

Dank weiser Voraussicht haben wir uns ein kleines Hotel einen Steinwurf entfernt von der Verbotenen Stadt ausgewählt. Nach einem ausgiebigen Frühstück watschelten wir also die paar Meter hinunter zum monumentalen nördlichen Eingangstor (Gate of Divine Prowess) bzw. einem monumentalen Baugerüst. Derzeit wird das Tor nämlich renoviert und viel zu sehen gab’s demnach nicht.

Was es zu sehen gab, waren unzählige Touristengruppen und die typischen Gruppenfahnen, die chinesische Touristenführer gerne benutzen um ihre Schäfchen zusammenzuhalten. Dank des obligatorischen Megafons kann sich die Herde dennoch etwas von ihm wegbewegen. Die Befürchtung, dass wir stundenlang anstehen müssen, bewahrheitet sich glücklicherweise nicht. Kein Mensch stand an der Kasse an, wohl weil Mittagszeit war. Ein Chinese geht mittags höchstens in ein Restaurant, aber nicht auf Sightseeing-Tour.

Als problematisch erweist sich allerdings der Eingang für uns, denn eigentlich ist der ein Ausgang für die meisten Touristengruppen, die von Süden, also vom Tiananmen-Platz aus hineinströmen. So brechen wir Welle um Welle des Touristenstroms und kämpfen uns zum Imperial Garden vor. Übrigens ist das Erste was wir lernen, dass es offiziell nicht Verbotene Stadt heißt, sondern Palace Museum. Irgendwie logisch, wenn sie noch verboten wäre, dürften wir ja nicht rein.

So goldig geht es hier zu

Die alten Bauherren haben hier, das muss man anerkennen, ganze Arbeit geleistet, der Palast ist von so monumentaler Größe, dass sich jeder Mensch automatisch winzig klein fühlt. Jedenfalls trifft das auf den großen Plätzen zu, die sich wie an einer Perlenkette auf einer Nord-Süd-Achse befinden. wuchtige Steintreppen gipfeln dabei immer wieder in filigrane Figuren auf den Dächern der hölzernen Bauten. Alles strebt nach oben, strebt Größe an und strahlt Macht aus.

Die Plätze sind dabei immer gut gefüllt, die Touristengruppen geben einen kleinen Eindruck, wie es wohl ausgesehen haben mag, als hier noch tausende Soldaten herumstanden, um den Kaiser die Ehre zu erweisen. Dabei sorgt aber die schiere Größe der Plätze sehr gut dafür, dass sich die Menschenmassen gleichmäßig verteilen. Nur an einigen engen Stellen ist das vorankommen etwas zäh.

Wer es ganz ruhig mag, der weicht nach links oder rechts aus und umgeht damit den überfüllten Inner Court. Die niedlichen Seitenstraßen zu den verschiedenen kleineren Palästen mit wohlklingenden Namen wie Palace of Eternal Harmony oder Palace of Universal Happiness laden zum schlendern ein. Da kann es unter umständen richtig schön still werden und gleichzeitig sind dort einige interessante Ausstellungen zu sehen.

Die ulkigen Namen für die Paläste kommen übrigens nicht von ungefähr, sie haben durchaus Sinn. Die Bauherren von damals waren sehr darum bemüht ein harmonisches Ganzes zu schaffen. Das Gleichgewicht im Universum sollte durch den Palast gewährleistet werden, der Kaiser als ausgleichendes Gewicht musste den richtigen Platz einnehmen. So wurde dann auch die Verbotene Stadt geplant – natürlich nach Feng Shui: Vorne Wasser hinten Berg. Der Kaiser blickte von seinen verschiedenen Thronsälen immer nach Süden auf sein Reich.

Irgenwie sehr beeindruckend…

Diese ausgefeilte Symbolik ist sehr beeindruckend und wirkt wirklich sehr harmonisch, selbst bei geschätzten 50.000 Touristen, die darin herumwuseln. Besonders clever fand ich die Idee mit den Rampen, die anstatt der Treppen gebaut wurden, so war sichergestellt, dass jeder der sich dem Kaiser näherte auch verbeugen musste, denn gerade kann man auf den Rampen nicht laufen.

Obwohl nicht alles vom Palast frei zugänglich ist, sondern etwa nur die Hälfte der über 1 Millionen Quadratmeter Fläche, sind wir doch ein paar Stunden in der Stadt herumgeirrt. Sind hierhin und dorthin gelaufen und dabei den unzähligen Kunststudenten ausgewichen, die uns Bilder verkaufen wollten. Die waren zwar schön, aber dann doch etwas über unserem Budget.

Irgendwann hatten wir dann genug von den roten Wänden, genug gold-gelbe Dächer gesehen, genug Treppen gestiegen, genug verbeugt und genug Bilder geschossen – wir mussten raus. Das taten wir natürlich durch den Südeingang, durch die nicht enden wollenden meterdicken Tore, die sich dort aneinanderreihten. Wir dachten schon, dass es gar kein Ende mehr nehmen würde mit den Dingern, als wir plötzlich durch den Bogen des Tors vor uns einen einzelnen Soldaten vor einem Springbrunnen erkennen konnten, gleich sollten wir frei sein…

Morgens halb 8 in China, nur leicht verschlafen steigen wir aus dem Nachtzug, der uns auf wundersame Weise von Suzhou nach Beijing gebracht hat. Nun also 3 Tage Hauptstadtluft schnuppern.

Apropos die ersten Schnuppertests ergaben, tatsächlich atmet es sich hier an einer Straße leichter, als in Shanghai oder Suzhou. Daran schuld sind wohl die neuen Busse und Taxis, die an jeder Straßenecke herumtollen. Zwischendrin gibt’s die berühmten 9 Millionen Fahrräder, gezählt hab ich sie nicht, allerdings ist die Fahrraddichte tatsächlich höher, denn es fahren wesentlich wenige dieser verabscheuungswürdigen Elektroroller herum. Natürlich hängt über der Stadt trotzalledem noch eine dicke fette Dunstglocke.

Peking wirkt auf den ersten Blick wie anderer Chinesische Großstädte, hohe Häuser, breite Straßen, viele Autos und zwischendrin Menschen. Aber irgendwie ist hier alles ein kleines bisschen anders, vor allem ist es im Stadtzentrum extrem sauber.

Wir wankten durch die noch halbleeren Straßen Beijings, was heißt, dass etwa so viel los war wie an einem Nachmittag in der Augsburger Annastraße. Auf der Suche nach unserem Hotel kamen wir an sehr feinen Läden vorbei, in denen die Stücke so teuer zu sein schienen, dass sie erst kurz vor Ladenöffnung in das Schaufenster gepackt werden. Die Einkaufspaläste – wirklich Paläste – sollen wohl die wohlhabenden Chinesen und Westler anlocken. Wir gehören da irgendwie nicht zur Zielgruppe.

Lustigerweise brauchten wir eine Stunde zum Hotel, wobei wir Orientierungspausen eingelegt hatten, aber warum zum Teufel gibt es auf chinesischen Stadtplänen keinen Maßstab aufgedruckt? Ich kann nie Entfernungen einschätzen auf diesen blöden Karten!!

Das sind allerdings keine 9 Millionen…

Unser Hotel war dann doch eine Überraschung, das Redwall Hotel in direkter Nähe zur Verbotenen Stadt, entspricht westlichen Standards, jedenfalls, wenn man die anderen Hotels in China kennen lernen durfte, und die Staff spricht fast durchgängig Englisch. Und ihr glaubt es kaum: Es gibt Toast zum Frühstück, meiner Freundin standen Tränen in den Augen vor Freude. Da wir nichts gegessen hatten, schlugen wir natürlich gleich zu.

Das Zimmer ist übrigens recht klein, allerdings ist alles drin, vor allem kostenloses Internet wie man sehen kann. Die 100 Euro pro Nacht zahlen wir allerdings nicht, da wir über elong.net (wer sowas für Deutschland bzw. Europa kennt, bitte melden) gebucht hatten. Wer heute noch altmodisch Hotels bucht ist selber Schuld, wir jedenfalls zahlen nur knapp 45 Prozent des Preises und haben nun einen guten Startpunkt für unsere Expeditionen in die Stadt.

Die Erste war übrigens heute so umfangreich, dass ich im Moment todmüde bin. Dafür haben wir die Verbotene Stadt, den Tian An Men, eine kleine Künstlerstraße namens Liulichang Cultural Street und den Himmelstempel abgehackt. Mehr dazu morgen, ich fall jetzt ins Bett. Morgen geht es früh raus, wir fahren auf so einen richtigen Trash-Touri-Trip zur Großen Mauer, mit allem Pipapo, wie eine Kaffeefahrt quasi.

Es reichen ein paar Stunden in China, um zu bemerken, hier ist einiges anders als in Deutschland. Aber um ein paar sehr seltsame Angewohnheiten von Chinesen zu beobachten braucht man etwas länger. Ein paar dieser etwas seltsamen Alltagsangewohnheiten möchte ich hier mal zu Protokoll geben. Heute zum Thema Fotografieren.

Erinnerungsfotos
Bei Erinnerungsfotos scheiden sich ja schon bei uns Deutschen die Geister. Kein Mensch will Oma Ilse dämlich grinsend vor der Akropolis stehen sehen oder winkend auf dem Eifelturm. Angesagt sind Spontanfotos, die Zeigen was Sache ist und auch mal ein ungeschönten Blick auf Oma Ilse zeigen, wie sie völlig fertig vom Laufen auf der Liege im Hotel liegt. Gerade in Zeiten von Digitalkameras kann man eigentlich alles Knipsen.

Chinesen allerdings betreiben das etwas ernsthafter. Bei Fotos muss man sich grundsätzlich in Pose stellen, Lachen ist meist verpönt. Stocksteif stellen sie sich manchmal hin und lassen sich vorm Potala, der chinesischen Mauer oder einen Tempel fotografieren. Immer derselbe Typ vor austauschbaren Hintergrund also.

Die Jugend ist da etwas weiter, bei der zählen vor allem Modell-Posen. Erst Haare richten, dann irgendwie toll hinstellen und erst jetzt darf fotografiert werden. Es ist wirklich faszinierend, wo ich einfach drauf halte, bedarf es bei einem Chinesen einer ungeheuren Vorbereitungszeit.

Gelacht wird übrigens fast ausschließlich in Kombination mit dem Victory-Zeichen. Versuch mal einen Chinesen ohne dieses doofe Fingerspreizen zu fotografieren, es ist kaum zu schaffen, bei Fotos geht’s hier immer ums Posieren.

Hochzeitsfotos

So richtig in Fahrt kommen Chinesen bei Hochzeitsfotos, im feinsten Zwirn gepackt lassen sie sich natürlich am liebsten in Parks ablichten. Das in Pose stellen wurde ja bereits bei normalen Fotos geübt und kann jetzt endlich in Perfektion umgesetzt werden. Dass dabei mehr Schein als Sein praktiziert wird, ist zwar nichts Neues, aber dennoch sehr lustig anzusehen. Unter den wallenden Kleidern tragen die chinesischen Frauen meist Jeanshosen und Turnschuhe, um schneller die Position wechseln zu können. Die verschärfte Variante hierbei ist dann, wenn das Kleid gar keins ist, also nur von vorne so aussieht und hinten offen ist.

Massenfotos mit Ausländern
Es ist manchmal etwas schwer nachzuvollziehen. In größeren Städten wie Suzhou, wo ich mich gerade aufhalte, gibt es sehr viele Expats, also ausländische Fachkräfte, die hier arbeiten. Das hier ein paar Langnasen herumlaufen ist also nichts neues, dennoch wird man immer wieder neugierig von den chinesischen Einwohnern angestarrt, vor allem meine blonde Freundin. Ganz ungeniert glotzen sie dann alle, drehen sich um und können es anscheinend nicht fassen. Das ist irgendwie unangenehm und irgendwann nur noch nervig.

Die lustige Variante davon ist ein Foto mit Chinesen zu machen. Vor kurzem schlenderten wir gemütlich durch einen Park und ein paar chinesische Mädchen sprechen uns an, ob sie denn ein Foto von uns machen dürften. Klar dürfen sie dass, also stehen wir kurze Zeit später umringt von 5 oder 6 kleinen Chinesen auf einer schmalen Brücke und lassen uns wie Prominente ablichten.

Das war dann noch normal, es gibt auch die Variante „Familienfoto“ bei der ein chinesischer Ehemann seine Familie mit einem Europäer ablichtet, wobei der das Baby zu halten hat und die Frau grinsend daneben steht. Oder die Variante „Wie viele Chinesen passen auf ein Bild“, bei dem dann anstatt 5 oder 6 Chinesen wie bei uns, 20 oder 30 Chinesen auf dem Bild stehen und fröhlich ihr geliebtes Victoryzeichen machen.

Jetzt bleibt nur noch die Frage, was zum Geier machen die kleinen chinesischen Mädchen jetzt mit unseren Bildern…

Tag 5: Lhasa-Shanghai

Wir waren gespannt, als wir am Morgen den Weg zum Hotelrestaurant begangen. Sollte es heute klappen mit unserem Toastfrühstück? Die letzten Tage waren eine herbe Enttäuschung gewesen und so wurde uns versprochen, dass wir heute endlich Toast bekommen würden.

Natürlich wusste davon keiner etwas im Restaurant. Meine Freundin verlor die Nerven, hatte sie doch, im Gegensatz zu mir seit 4 Tagen kein Frühstück mehr zu sich genommen. Sie machte den Hotelangestellten unmissverständlich klar, was sie vom chinesischen Frühstück hielt und die Angestellten verstanden, obwohl sie kein Wort Englisch sprachen.

Nachdem geklärt war, das uns tatsächlich versprochen worden war, wir bekämen Toast, machte sich ein Angestellter auf den Weg, um im Laden um die Ecke etwas derartiges zu besorgen. Das erklärte uns jedenfalls ein chinesischer Gast, der zufällig herumstand und uns das Geplapper der Angestellten übersetzte. So trank ich meinen Kaffee mit Yak-Milch (hab ich schon erwähnt, dass es inzwischen gar nicht mehr so schlecht schmeckte?) und wartete sehr gespannt darauf was kommen würde.

5 Minuten später tauchten ein kleiner Chinese auf und brachte uns „French Bread“, abgepackt in kleinen Tütchen. Ich wette allerdings, dass noch kein Franzose so etwas gegessen hat. Kein Toast also, aber wenigstens was in der Richtung. Wir bekamen sogar Marmelade und die Bedienung grinste über beide Backen. Alle beobachteten uns, wie wir aßen. Meine Freundin war wenigstens etwas besänftigt, so richtig allerdings nicht – schließlich war das kein Toast.

Wir besorgen noch ein bisschen zu trinken und schauten ein letztes Mal bei den kleinen Läden vorbei. Es wurde langsam Zeit zum Aufbruch. Auf gepackten Koffern saßen wir in der Hotellobby und warteten auf den Fahrer und den Guide. Eine kleine tibetische Putzfrau wischte an uns vorbei, ging zum Wasserspender und brachte uns lächelnd zwei Gläser Wasser.

Genauso hatte ich die Tibeter in den fünf Tagen kennen gelernt, freundliche, lächelnde Menschen, die sich tatsächlich darüber freuen, wenn du sie grüßt. Selbst beim feilschen sind sie hell auf begeistert, wenn du hart bleibst.

Die letzten Gipfel Tibets

Und Tibet ist ein Land der Vielfalt. Es gibt nicht nur Mount Everst und Lhasa, es gibt Wälder, Seen, Wüsten, Steppen, Schnee und Flüsse. Fünf Tage sind einfach nicht genug, um alles zu sehen, alles aufzunehmen.
Ich werde wohl wiederkommen müssen, denke ich, als ich in das Flugzeug nach Shanghai steige und ein letztes Mal auf die braunen Berge blicke.

Eine halbe Stunde später überfliegen wir den Basum Co mit der kleinen Insel, ein Zeichen finde ich, ich komme definitiv wieder…

Das ist das Ende des Reiseberichts der 5 Tage in Tibet. Er war lang, wer war anstrengend, aber er ist vollendet. Ich hoffe ihr habt euch dabei nicht zu viel gelangweilt, ab jetzt gibt’s wieder kürze Beiträge.

Tag 4: Basum Co
Der Tag begann nicht nur wegen der Maus in der vergangenen Nacht schlecht, auch unser Guide hatte anscheinend keine gute Nacht gehabt, er verschlief etwas und musste geweckt werden. Unter tausend Entschuldigungen machten wir uns auf den Rückweg nach Lhasa. Allerdings mit einen kleinen Umweg zu einem heiligen Gebirgssee, der Basum Co.

Die Fahrt ging also wieder durch die grünen Wälder und die mit Gebetsfahnen behange Berge. Es war wirklich sehr entspannend, bis wir die bekannte Strecke verließen, um zum See zu fahren. Plötzlich fuhren wir neben der Straße, ein Dammbau ließ die Straßenführung etwas aus dem Ruder laufen. Wir rumpelten also über Schotterpisten bergauf und ab.

Gut durchgeschüttelt fuhren wir an unzähligen Tibetern auf ihren kleinen, liebevoll verzierten Motorrädern vorbei. Sie alle waren auf den Weg zu einer Art Volksfest. So kamen wir in den Genuss der verschiedenen traditionellen Trachten dieser Region und dem größten Motorrad-Parkplatz den ich je gesehen habe.

Kurz darauf erreichten wir allerdings schon den See. Grün schimmernd lag er plötzlich unter uns – malerisch umrahmt von gewaltigen Bergen. In der Ferne war der Gletscherberg zu sehen, der diesen See speist. Ein kleines Stückchen weiter kam dann unser Ziel in Sicht, eine kleine Insel mitten im Basum Co. Sie lag nah genug am Rand, dass sie mit einem schwimmenden Steg mit dem Ufer verbunden worden war. Wir stiegen also zum Ufer hinab und wankten über den etwas gewöhnungsbedürftigen Steg zur Insel hinüber. Allerdings nicht ohne die Finger in das trübgrüne Wasser gesteckt zu haben – es war logischerweise eiskalt. Insgesamt war es sowieso ungewohnt kühl geworden. In Lhasa 1000 Meter höher gelegen, lief ich nur im T-Shirt herum, hier brauchte ich eine dicke Jacke.

Tempelinsel im Basum Co

Auf der Insel befand sich ein winziger Tempel, der von der Rotmützen-Sekte betrieben wird. Hier, so sagt es die Legende, hatte einst Padmasambhava, einer der wichtigsten Persönlichkeiten im tibetischen Buddhismus häufig meditiert. Das leuchtet ein, besitzt dieser Ort doch eine fast schon mystische Ruhe. Das trübe Wetter an diesem Tag unterstützte diese Ruhe noch mal. Wenige Touristen hatten heute den Weg auf das kleine Eiland gefunden. So waren die engen Wege rund um den Tempel menschenleer. Nur die knorrigen und unheimlich geformten uralten Bäume versperrten die Sicht auf den still daliegenden Basum Co. Es war herrlich.

Doch das Bewusstsein noch mindesten 7 Stunden unterwegs zu sein, holte uns wieder ein. Widerwillig machten wir uns auf den Weg diesen verzauberten Ort zu verlassen und stapften etwas bedrückt zurück zum Auto.

Und wieder war diese wunderbare Wandlung der Landschaft zu beobachten, als wir weiterfuhren. Die Bäume wurden weniger, die Yaks mehr und irgendwann erreichten wir wieder den Pass. Die altbekannte Gras- und Buschlandschaft rund um Lhasa nahm wieder den Platz vor unserem Fenster ein. Wir näherten uns der Hauptstadt und tatsächlich nach insgesamt 11 Stunden fahrt, tauchte in der Ferne der Potala aus dem Nichts auf – endlich zu Hause.

Viel Zeit zum Ausruhen wollten wir uns aber nicht gönnen, unseren letzten Abend wollten wir im Stadtzentrum verbringen. Wir aßen ein leckeres Mahl in unserer Stammkneipe am Barkhor und schlenderten in der Dämmerung durch die Straßen, bis wir am hell erleuchteten Potalapalast etwas verweilten. Ein letztes Mal wollten wir diesen Ausblick genießen. Die Menschen um uns herum waren ebenso wie wir vom Anblick verzaubert, aus allen Herrenländern standen und saßen sie vor dem Potala und wirkten glücklich.

Es ist schwer loszukommen von Tibet, egal ob Basum Co, die Landschaft, der Barkohr oder der Potala, man kann sich nicht satt sehen. Aber irgendwann muss auch ich ins Bett und so verhandelte ich mal wieder mit einem Taxifahrer, der uns schnell und sicher ins Hotel zurück brachte. Die letzte Nacht in Tibet ging so langsam zu Ende.

Tibet. Dach der Welt. Heimat der höchsten Berge der Welt. Gewaltige Gletscher, Schnee unwirtliche Gegenden und harte Lebensbedingungen. Das Bild von Tibet ist im Ausland geprägt von solchen Bildern. Sicherlich stimmen sie alle, genau das bietet Tibet dem Reisenden, aber es gibt noch viel mehr zu sehen. Um ehrlich zu sein haben meine Schuhe in den 5 Tagen nicht ein Mal Schnee berührt.

Tag 3: Bayi

Am dritten Tag unserer Reise starteten wir unchristlich früh zu einer Tour nach Bayi, einer Stadt 400 km östlich von Lhasa. Wir sollten für diesen Katzensprung fast 10 Stunden brauchen. Dabei waren nicht mal die Berge für die lange Fahrt verantwortlich, sondern die kuriosen Tempolimits. Dabei werden die 400km in zwei Stücke von etwa 80 und 250km zerlegt. Am Anfang und am Ende der jeweiligen Etappe stehen Posten der Traffic Police. Beim ersten Posten bekommt der Fahrer einen kleinen Zettel vom Beamten gereicht auf dem die Startzeit der Etappe eingetragen wird. Außerdem bekommt er eine Zeitvorgabe, wie lange er mindestens für die Strecke brauchen muss. Ist er zu schneller da, als die Zeit vorgibt, zahlt er am Ende der Strecke eine Geldstrafe.

Aufbruch in den frühen Morgenstunden.

Das System ist gar nicht mal so doof, allerdings hält sich natürlich kein Schwein dran. Die vorgegebenen Zeiten sind teilweise einfach viel zu hoch angesetzt. Für die 80km-Strecke bekam unser Fahrer eine Vorgabe von zwei Stunden – etwas viel für ein eigentlich recht flaches gerades Stück Straße.

Das führt dazu, dass die Tibeter also trotzdem Rasen wie die begasten, egal ob Bus, LKW, Jeep oder Van, egal ob befestigte Straße oder Schotterpiste mit gewaltigen Schlaglöchern. Zwei bis drei Kilometer vor der Polizei-Kontrolle halten sie einfach an, essen oder sitzen einfach nur rum und rauchen. Es kann auch vorkommen, dass ausgiebig am Straßenrand gepicknickt wird. Tibeter sind nämlich leidenschaftliche Picknicker hab ich mir sagen lassen, im Sommer sind alle grünen Wiesen entlang der Straße mit Decken, Essen und Menschen gefüllt.

Unser Fahrer war recht human mit der Auslegung des Tempolimits, nicht zu langsam und nicht zu schnell – eine gesunde Mischung. So konnten wir wenigstens die Landschaft, die Menschen und die unzähligen Tiere auf und neben der Straße genießen. Denn kaum ließen wir die endlosen Gewächshausreihen Lhasas hinter uns begann das Tibet der Acker- und Viehbauern. Überall standen Yaks, Kühe, Schweine und anderes Getier herum. Es kam durchaus vor, dass eine Horde Schweine über die Straße huschte oder eine Kuh es überhaupt nicht einsehen wollte, warum sie denn jetzt von der Straße herunter sollte, nur weil da ein Auto mit vier verdutzt guckenden Menschen steht und hupt.

Die sehr komfortable Straße, die wir befuhren wandte sich immer am Fluss entlang und die grelle, warme Sonne ließ ein wenig das Gefühl aufkommen in Italien zu sein. Die Landschaft war karg, nur wenige Büsche gab es hier und da, ab und an gab es Bäume an der Straße. Die Häuser der Dörfer duckten sich Flach in die Landschaft, als würden sie sich verstecken wollen. Die traditionellen schwarzen Tür- und Fensterumrahmungen sorgten nicht nur für den „tibetischen“ Look, auch soll so im Winter die Luft, die ins Haus strömt, leicht erwärmt werden – schwarz Strahlt ja gut Wärme ab. Auf jeden Haus steht ein kleiner Busch mit Gebetsfahnen: Glücksbringer für die Bewohner.
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5 Tage Tibet liegen hinter uns, 5 Tage voller unglaublicher Eindrücke, Farben, Gerüche, Geschmäcke und einer Landschaft die vielfältiger nicht sein kann. Der 2. Tag in Lhasa neigt sich dem Ende entgegen, Jokhang und der Potala sind abgehakt. Es folgt der letzte Teil des 2. Tages.

Tag 2: Barkhor

Nach dem anstrengenden, aber ungemein befriedigenden auf und ab im Potala suchten wir natürlich etwas Entspannung, das findet man in Lhasa rund um den Jokhang. Genauer gesagt in der Barkhor-Straße, die quadratisch um den Tempel herum führt. Sie ist Teil der Altstadt von Lhasa und seit je her eine der drei Pilgerwege in Lhasa. Der erste führt um die alte Stadt herum und ist etwa 13km lang, entspricht also nur einem Bruchteil des heutigen Lhasa und wird Lingkhor genannt. Der Zweite ist der Barkhor, die Straße um den Jokhang-Tempel. Der dritte und letzte Kreis ist im inneren des Jokhang und wird Nangkhor genannt.

Allen gemein, ist die Masse an Pilgern, die sich ständig auf den Routen befindet, so auch in der Barkhor-Straße. Hinzu kommt allerdings, dass sich nicht nur Pilger, sondern auch Massen von Touristen und Händlern auf der Straße tummeln und für einen gewaltigen Menschenstrom sorgen, der sich immer im Uhrzeigersinn fortbewegt. Gegen den Strom zu gehen ist keine gute Idee. Dennoch wird dieser Fehler sicherlich am Anfang von jedem Besucher völlig unbewusst begangen. Wir z.B. wunderten uns erst nach der ersten Kurve, dass es irgendwie ziemlich schwer war voranzukommen.

Wir mussten aber vorankommen, waren wir doch auf der Mission Reisegeschenke für unsere Freunde und Verwandten zu besorgen. Wir pflügten also durch die Massen und gaben irgendwann genervt auf. An der vom Jokhang aus gesehen hinteren rechten Ecke fanden wir in einem etwas windschiefen Gebäude eine wunderschöne Kneipe, die direkt aus einem Abenteuerroman entsprungen zu sein schien. Dunkle Holztäfelung, ebenso dunkle rustikale Möbel und auf dem Dach eine gemütliche Terrasse. Überall liegen Bücher aus aller Herren Länder herum über Tibet, China, den Himalaya. In manchen Ecken sitzen zwielichtige Gestalten, aber auch Abenteurer, die sich hier in Lhasa ausruhen für ihre weiteren Touren. Kurzum, der Laden lud zum gemütlichen herumlungern ein. Wir bestellten ein paar Getränke, schrieben Postkarten und beobachteten von oben die herumziehenden Menschen.
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